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Shootfighter: Fight to the Death (1993)



Shootfighter ist ein richtig brutaler Martial Arts Film, den heute nur noch die wenigsten und auch damals schon nur Leute mit glühender Videotheken Kundenkarte kennen dürften. Im verspäteten Fahrwasser von Bloodsport geht es in Shootfighter um zwei junge Kämpfer, Nick & Ruben, die zu einem illegalen Shootfighting-Turnier nach Mexiko eingeladen werden. Shootfighting heißt Kämpfen ohne Regeln bis zur Bewusstlosigkeit, doch wer am Ende gewinnen will muss sogar darüber hinaus, über Leichen, gehen...

In der Tat ist Shootfighter nur empfehlenswert für Genrefans. Der normale Filmliebhaber muss sich dagegen mit einem Witz von Drehbuch, mieserablen Darstellern und einer Anhäufung von Stereotypen anfreunden. Man muss Regisseur Patrick Allen jedoch positiv anrechnen, dass er versucht hat das Pacing und den Unterhaltungswert des Films über die anderthalb Stunden so hoch wie möglich zu halten. Es gibt nahezu keine Verschnaufpausen, stattdessen wird fast pausenlos gekämpft. Bis auf's Blut. Eigentlich sogar bis auf die Knochen, bis hin zu den Innereien. Ja richtig gehört, in der vorliegenden Unrated Version geht es richtig zur Sache. Fast jeder Kampf endet mit einem Finisher, der selbst die größten Fans des Fighting Game Franchises Mortal Kombat zufrieden stellen dürfte. Ist der Beginn noch recht zahm, entwickelt die zweite Filmhälfte durchaus seinen Drang zu Gore- und Splattereinlagen.

Nicht nur Story und Darsteller - lediglich Bloodsport Bösewicht Bolo Yeung und Bondgirl Maryam d’Abo sind hier erwähnenswert - sind bescheiden. Nein auch in audiovisueller Hinsicht ist Shootfighter ein Fall für die Low Budget Abteilung. Es gibt zwar viele Kampfszenen, aber diese hätte definitiv einen besseren Schnitt und vor allem eine kreativere Choreografie vertragen können. Lediglich der Showdown, an dem sich dann auch Kultdarsteller Bolo Yeung mal wirklich beteiligt, ist ein Fest für Martial Arts-Fans. Dafür punktet aber der dezente Score, der so markant wie die späten 80ern und frühen 90ern klingt, dass es eine wahre Freude ist.

Shootfighter ist definitiv kein Genreglanzstück wie beispielsweise Bloodsport, Kickboxer oder Kult wie American Samurai. Im Gegenteil, Shootfighter macht extrem viel falsch, aber ich als Fan solcher Kampfturniere und übertriebener Martial Arts Filme habe mich bestens unterhalten gefühlt. Kurzweilig, temporeich und endlich mal wieder so schlecht, dass es schon wieder gut ist. Um den Film Unrated und in HD zu sehen, muss man aber derzeit tief in die Geldbörse greifen. Vor kurzem ist ein Mediabook mit beiden Shootfighter Filmen erschienen. Aber die 40 EUR hat man dann für diese Filmperlen schon noch übrig oder?

OT: Shootfighter: Fight to the Death VÖ: 1993 Laufzeit: 100 Minuten Minuten FSK: - R: Patrick Allen D: Bolo Yeung, Maryam d'Abo, William Zabka, Sigal Diamant, Martin Kove
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Christian

Bildquelle: Digital Dreams, Nameless

Star Trek - Beyond (2016)



Etwas mehr als die Hälfte ihrer fünfjährigen Expedition durch das All hat die USS Enterprise mit Captain James T. Kirk, Mr. Spock und der restlichen Raumschiffbesatzung nun hinter sich gebracht. Die Leichtigkeit ist verschwunden. Die Reise wird hinterfragt. Die Anstrengungen offensichtlich. Doch dann bekommt die Enterprise die Möglichkeit unerforschtes Territorium zu befliegen, aber schnell wird klar, dass man in den Hinterhalt eines neuen Bösewichts gelandet ist und das Enterprise-Team nun Zusammenhalt und Kampfgeist unter Beweis stellen muss.

Was war die Kritik groß nach den Star Trek Beyond Trailern im letzten halben Jahr? J.J. Abrams sollte den Regiestuhl für Fast & Furious Aufpolierer Justin Lin freimachen. Die ersten Ausschnitte waren laut, bunt und sahen nach allem aus, aber nicht nach der guten, alten Institution Star Trek, die über Jahrzehnte hinweg Millionen von Fans zusammengebracht hat. Und dann diese Musik? Was haben die Beastie Boys und ihr Track "Sabotage" mit Science-Fiction, dem Weltall und fernen Planeten zu tun? Und mit der Antwort auf diese Frage beginne ich mit der Aufklärung. Tatsächlich kommt "Sabotage" auch im fertigen Film vor und sorgt wohl für eine der besten Musikmontagen der letzten Jahre auf der Kinoleinwand. Ein genialer Gänsehautmoment der euch den Arsch wegblasen wird. Nicht nur hier zeigt Star Trek Beyond seine Stärken, die vor allem im Kino zur Geltung kommen. Regisseur Justin Lin behält den Abrams Look der Reboot-Reihe bei, ändert sie jedoch um Nuancen ab, die für den Film einen absoluten Gewinn darstellen. Zwar ist die Kameraführung durchaus gewöhnungsdürftig, in Kampfszenen sogar bournesk unübersichtlich, aber was die Beteiligten optisch in Beyond auf das Parkett legen ist der Wahnsinn. Letzte Woche habe ich noch die Spezialeffekte aus Independence Day 2 gelobt, aber das ist ein Kindergarten im Vergleich. Ohne Übertreibung, die Effektarbeit von Beyond gehört zum besten was das Kino tricktechnisch je zu bieten hatte.


Die wichtigste Nachricht für alle Trekkies und Trekker ist die Rückkehr des Star Trek Gefühls. Während der Vorgänger Into Darkness mit Abstand betrachtet zwar den Zeitgeist, aber nichts von der bekannten Star Trek Atmosphäre einfing, beruhigt Beyond die Fans. Im Drehbuch geht es um's Entdecken, Abenteuer, tolle Figuren und Weltraumdiplomatie. Hier dürfte vor allem durch die Besetzung von Comedy-Ass und Scotty-Darsteller Simon Pegg als Autor frischer Wind ins Universum gelangt sein. Der Humor sitzt, übertreibt nie und wird vor allem durch die Performances des tollen Casts vermittelt. Chris Pine ist mittlerweile ziemlich gut in die Rolle des Kirk hinein gewachsen und entwickelt dabei sogar ziemlich viel Eigenständigkeit. Doch Pine muss aufpassen, denn zwei andere Figuren stehlen ihm ganz schön die Show in Star Trek Beyond. Auf der einen Seite haben wir da die toughe Kriegerin Jaylah - unglaublich sympathisch und toll gespielt von Sofia Boutella. Definitiv eine Rolle für deutliche größere Auftritte in Zukunft. Und zur Überraschung aller dürfte Karl Urban als Bordarzt McCoy der heimliche Star des Films sein. Die gemeinsamen Szenen mit Mr. Spock gehören definitiv zu den Highlights des Films. Karl Urban hat die deutliche größere Screentime seiner Rolle mit seinem Spiel definitiv gerechtfertig. Leider kommen dafür zwei andere Figuren etwas zu kurz. So gerne ich die großartige Zoe Saldana sehe, so schmerzhaft war es, sie in nur wenigen Szenen sehen zu dürfen. Und obwohl Bösewicht Krall deutlich wirkungsvoller ist als Benedict Cumberbatch als Khan im Vorgänger, so wirkt die eigentliche Magie des Darstellers Idris Elba unter der Maskerade verschenkt.


Star Trek Beyond ist vermutlich der bis dato zugänglichste Star Trek Film, der auch die Pforten für Neulinge weit öffnet, dennoch kann ich nicht anders, als dieses runde, zweistündige Abenteuer im All zu empfehlen. Die Story wird extrem kurzweilig und unterhaltsam erzählt, lediglich der Showdown wirkt etwas gestreckt. Auch Szenen die auf den ersten Blick etwas albern wirken, sind im Kontext letztlich gelungen. Beyond ist einfach ein Film der Spaß macht und die Lust auf mehr aus diesem Universum weckt. Sei es die Begeisterung auf das alte Material oder die Vorfreude auf den nächsten Ausflug mit Kirk, Spock und Co.! Also Leute, lasst euch nicht vom Trailer täuschen, geht ohne Vorbehalte in Star Trek Beyond und genießt den zweistündigen Ausflug mit der Enterprise! Im übrigen ist Beyond auch der cineastische Abschied von Leonard Nimoy und Anton Yelchin. Mögen sie beide in Frieden ruhen.

OT: Star Trek Beyond VÖ: 2016 Laufzeit: 120 Minuten FSK: 12 R: Justin Lin D: Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban, Zoe Saldana, Simon Pegg, John Cho, Anton Yelchin, Idris Elba
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Christian

Bildquelle: Paramount Pictures, Bad Robot, Perfect Storm Entertainment

Independence Day: Resurgence (2016)



Als 1996 Roland Emmerichs Alien-Invasions-Streifen Independence Day mit seiner großartigen Marketing-Kampagne und seinem enormen Entertainment-Potential in die Kinos kam, war die moderne Form des Sommerblockbusters geboren. Sowohl der deutsche Regisseur Emmerich, als auch sein Hauptdarsteller Will Smith stiegen schlagartig in Hollywoods A-Liga auf. 20 Jahre und viele Katastrophenfilme Emmerichs später, kehren die Invasoren auf die Erde zurück, doch dieses Mal wird sich ihnen nicht Will Smith entgegenstellen.

Die Fortsetzung des Blockbuster-Phänomens spielt zwanzig Jahre später in einer alternativen Gegenwart, in der sich die Menschen sowohl die Alientechnologie angeeignet, als auch beste Verteidigungsvorkehrungen auf Erde, Mond und Saturn erschaffen haben. Doch es nützt alles nichts. Wie zu erwarten war, setzen die Aliens auch weiterhin alles daran die Erde zu zerstören und besuchen uns mit einem noch größeren Raumschiff, mit noch mehr Personal und mit noch finsteren Absichten. Nur einige wenige, mutige Menschen können den Untergang der Zivilisation jetzt noch verhindern. Erzählerisch ist Emmerich nicht nur in der Vergangenheit stehen geblieben, nein er hat sogar noch einen Schritt zurückgemacht. Die Geschichte von Resurgence besteht lediglich aus einem ganz dünnen Faden, der sich von Setpiece zu Setpiece, von Materialschlacht zu Materialschlacht hangelt, wenn auch zu audiovisuell ziemlich überzeugenden. Figuren des Originals (u.a. sind Bill Pullmann, Jeff Goldblum und Vivica A. Fox wieder an Bord) kehren zurück, aber auf eine sehr beschränkte Art. Während ein Präsident Whitmore oder ein David Levinson im Original noch Sympathieträger mit einem gewissen Grad Authenzität waren, verkommen die Figuren im Sequel zu Karikaturen, die mit echten Menschen eigentlich gar nichts mehr am Hut haben. Leider überzeugen auch die Neuzugänge aus der Jugendfraktion wenig. Liam Hemsworth (Hunger Games-Franchise) strahlt nie das Charisma seines Bruders Chris aus und Jessie Usher, der den Sohn von Will Smiths alter Rolle Hiller spielt, ist nichts als eine Stichwort gebende Hülle. Die begnadete Maika Monroe (The Guest, It Follows) bekam ebenfalls nur eine vor Stereotypen nur so triefende Figur ab. Wie sich Lars von Triers Hofmuse Charlotte Gainsbourg in Emmerichs Untergangsszenario verirrt hat, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Tatsächlich gibt sie in ihrer Nebenrolle jedoch noch die beste Figur ab, was im Angesicht xenophobisch geschriebener Figuren wie Warlord Dikembe Umbutu oder der chinesischen Kampfpilotin Rain Lao aber auch nicht schwierig ist.


Die inhaltlichen und darstellerischen Schwächen versucht Roland Emmerich mit ziemlich gelungenen Actionsequenzen und Spezialeffekten auszugleichen, was ihm tatsächlich auch gelungen ist. Entgegen des Trends, legt Emmerich mit seinem Team Wert auf übersichtliche Szenen, weniger hektische Schnitte und hochwertiges CGI. Letzteres musste jedoch auch passen, denn in der Tat ist nahezu der komplett Film vor dem Greenscreen entstanden. Hier liegen die Stärken des Films. Das war auch schon im Original so, doch dort gab es auch einen charismatischen Cast und letztlich deutlich mehr Spaß. Der Humor war deutlich subtiler. Hier hangelt man sich wirklich von einem schwachen One Liner zum anderen. Zwischenzeitlich, bei all der erzählerischen Dummheit und dem exklatanten Mangel an Logik, dachte ich, dass Resurgence eine Parodie auf sich selbst oder auf Katastrophenfilme generell ist. Man kann wirklich zu viel Comic Relief in einem Science Fiction Film unterbringen, auch wenn sich Herr Emmerich das vielleicht nicht vorstellen kann. Die Story wird in der zweiten Hälfte so hanebüchen, dass man sie als zahlender Kinogänger konsequent bis zum Ende ignorieren sollte, denn, da bin ich ehrlich, dann liefert Independence Day Resurgence noch genügend Unterhaltung und Kino für die Sinne um nicht zum Vollfiasko zu werden. Die Fortsetzung bietet noch genügend Popcorn für kurzfristiges und kurzweiliges Entertainment, aber Platz in der Liste der Kultfilme wird im Vergleich zum Original für Resurgence nicht reserviert werden. Im Gegenteil, das Sequel wird auch auf Grund des bis dato finanziellen Flops eher am Kult des Originals kratzen. Das in den letzten Minuten angedeutete weitere Sequel dürfte damit wohl in weiter Ferne sein. Achja, ein Extralob gibt es noch für den grandiosen Sound.

OT: Independence Day - Resurgence DT: Independence Day - Wiederkehr VÖ: 2016 Laufzeit: 120 Minuten FSK: 12 R: Roland Emmerich D: Liam Hemsworth, Jeff Goldblum, Bill Pullman, Maika Monroe, Sela Ward, William Fichtner, Vivica A. Fox, Charlotte Gainsbourg
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Christian

Bildquelle: Twentieth Century Fox

Naked Weapon - 赤裸特工 (2002)



Mädchen wie Charlene, Jing oder Katt werden bereits im Kindesalter entführt und an einem abgelegenen Ort ausgebildet. Viele Jahre später sind sie emotionslose, bestens trainiere Auftragskillerinnen die weder von den Schurken dieser Welt noch Polizisten gefasst werden können. Doch eines Tages kommt Ermittler Jack Chan den Frauen auf die Spur und löst ganz unerwartet Gefühle bei Charlene aus, die die Situation völlig verändern...

Oh man, was hat sich Hong Kongs Produzenten- und Autorenlegende Wong Jing (City Hunter, Naked Killer) denn da wieder bei gedacht? Jing ist im asiatischen Filmbusiness natürlich längst bekannt für seine teils fragwürdigen, teils großartigen, aber meist miserablen Arbeiten. Sein Drehbuch zu Naked Weapon und damit dem quasi Sequel zu Naked Killer schlägt jedoch dem Fass den Boden aus. Die Dialoge sind eine absolute Zumutung, in der deutschen Fassung schon fast legendär großartig ("Eines musst du wissen, ich mag es eher traditionell" - "Du musst auch eines wissen, es ist okay"). Auch die Story ist schaurig. Zwar beginnt sie noch recht interessant als Mischung aus Battle Royale und den Hunger Games, wirkt nach dem Prolog jedoch viel zu sprung- und lückenhaft. Logik spielt in diesem Film keine Rolle. Auch die Regie Ching Siu-Tungs (A Chinese Ghost Story) fördert keinen anderen Eindruck. Inhaltlich ist Naked Weapon einfach wenig nachvollziehbar, insbesondere die komplett deplatzierte Vergewaltigungsszene nach einem Drittel des Films ist völlig misogyn und falsch. Ansonsten bedient sich Naked Weapon bei allen möglichen Genre und Filmen die Anfang der 2000er noch angesagt waren (John Woo, The Matrix). Letztlich ist Siu-Tsungs Film pure Exploitation, aber nur selten gute, denn leider hat man den Sleaze-Faktor, für den Wong Jings Drehbücher eigentlich bekannt sind, völlig außer Acht gelassen.


Trotz aller Kritikpunkte ist Naked Weapon für mich aber auch ein insgeheimer Guilty Pleasure. Unterhaltung und Action stehen im Mittelpunkt des Films und in diesen Punkten ist der Film durchaus tauglich. Der Film ist kurzweilig, wenn auch deutlich zu rasch erzählt und begeistert mit einigen richtig stark choreografierten Martial Arts, auch wenn man jenen ansieht, dass sie von A bis Z durchgeplant sind. Ohnehin wirkt die Action eher wie Tanz statt Kampf. Der extreme Einsatz von Wirework lindert diesen Eindruck nicht, dafür geizt Naked Weapon nicht mit einigen expliziteren Gewaltszenen. Leider hat man es auch mit dem Sounddesign massiv übertrieben und so zieht jeder Schlag, jeder Sprung und jeder Tritt einen völlig übertriebenen Basseffekt hinterher. Grausam. Immerhin wusste Siu-Tung, dass seine Hauptdarstellerinnen im Regen am besten aussehen. Jene sind auch die Highlights des Films, vor allem die mittlerweile auch in Hollywood bekannte, charismatische Maggie Q (Divergent-Franchise, Live Free Or Die Hard, Nikita-Serie). Zwar gibt es hier keine großen Performances, aber zweckmäßige. Fans von Asia-Trash können sich Naked Weapon durchaus mal gönnen. Gehirn ausschalten, einfach berieseln lassen. Behauptet aber nicht, ich hätte euch nicht gewarnt, die Geschichte von Naked Weapon ist so dünn, wie das Papier auf dem sie geschrieben wurde.

OT: 赤裸特工 IT: Naked Weapon VÖ: 2002 Laufzeit: 90 Minuten Minuten FSK: SPIO/JK R: Ching Siu-Tung D: Anya, Maggie Q, Daniel Wu
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Christian

Bildquelle: Media Asia, Nameless

Scream (2015) - Season 1



In der eigentlich ganz gewöhnlichen Stadt Lakewood wird Highschoolschülerin Nina Patterson des nachts Opfer eines grausigen Verbrechens in ihrem Elternhaus. Doch damit wird scheinbar erst die Mordlust eines Serienkillers entfacht der nach Schülerin Emma und ihren Freunden trachtet. Und irgendwie scheint das Umfeld und die Vergangenheit Emmas mit den Morden zusammenzuhängen. Netflix und MTV haben sich verbündet um eine Serienadaption des berühmten Filmstoffs Wes Cravens zu produzieren, ohne jedoch die Klasse der Filmreihe auch nur im Ansatz zu erreichen...

...denn mit dem Film-Franchise hat die Scream TV-Show trotz des Namens und den Produktionsanteilen Wes Cravens gefühlt wenig zu tun. Klar, die Eingangssequenz der Serie entspricht einer einfallslosen Adaption des berühmten ersten Kills der Filmreihe. Und ja, die Serie nutzt die (mittlerweile völlig ausgelutschte) Metaebene. Ja es gibt einen maskierten Killer und ein paar Teens. Aber das macht aus Scream noch lange kein Scream. Die Figuren der Serie sind komplett austauschbar und zum Großteil auch noch gänzlich unsympathisch. Wenn man in einer solchen Konstellation nicht mal einen Spielfilm aushält, wie dann eine zehn Episoden umfassende Staffel? Und trotz der durchaus vorhandenen Slasher-Anteile entpuppt sich Scream hauptsächlich als Rip-Off von Pretty Little Liars und Gossip Girl. Bla Bla Upload hier, youtube da, Podcast hier. Das ist alles so hip, modern und aufgesetzt. Nicht mal die traditionelle Maske wurde verwendet.


Obwohl eine solche Serie eigentlich von Thrills leben müsste, wird hier keine Spannung erzeugt. Die meisten Folgen sind regelrecht langweilig und beschäftigen sich mit völlig uninteressanten Nebenplots gemäß dem 1x1 der kleinen Dramalehre. Wer schläft hier mit wem? Wer betrügt wen? Fragen über Fragen, dessen Klärung den meisten Zuschauern jedoch völlig egal sein dürften. Aus meiner Sicht richtet sich Scream weniger an die Fans des Franchise, als an das Mystery-Serien-Publikum. Zwar gibt es hier und dort ein paar Gewaltspitzen, aber um diese zu erleben, müsste man schon gegen die permanente Müdigkeit, erzeugt durch Langeweile, ankämpfen. Grusel ist hier Fehlanzeige. Häufig wirkt Scream sogar wie eine Daily-Soap, was Dialoge, Inhalte und Produktionsaufwand angeht. Kein Zufall ist da das aufdringliche Overacting der Darsteller, welches im Serienbereich eigentlich mit Melrose Place ausgestorben war.


Scream ist eine extrem konventionelle, öfters sogar ziemlich langweilige Serie, die wirklich nichts mit dem Original zu tun hat. Keine Figuren, keine Handlungen, keine Anspielungen. Und dieser Mangel an Verbindungen lässt die Scream Serie aus meiner Sicht scheitern. Da ist es wenig förderlich, dass die Netflix/MTV Co-Produktion auch nur durchschnittlich gefilmt ist. Lediglich der poppige Soundtrack u.a. von den begnadeten Oh Wonder überzeugt. Zu Ende gesehen habe ich die erste Staffel trotzdem. Denn hat man sich erstmal soweit vorgekämpft, will man die große Auflösung, wenn es denn eine gibt, auch nicht verpassen. Immerhin erhöht sich das Tempo in den letzten Episoden und macht wenigstens etwas Hoffnung auf die bereits laufende zweite Staffel.

OT: Scream VÖ: 2015 Laufzeit: ca. 40 Minuten Minuten FSK: 16 C: Jay Beattie, Jill E. Blotevogel, Dan Dworkin D: Willa Fitzgerald, Carlson Young, Tracy Middendorf, John Karna
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Christian

Bildquelle: MTV, Netflix

Kristy (2014)



Über die Tage der Thanks Giving Feierlichkeiten verbringt nahezu das gesamte College die Zeit bei der Familie oder auf Reisen, nur die schüchterne Justine bleibt allein auf dem riesigen Campus zurück. Doch schon bald muss die Studentin feststellen, dass es eine Gruppe schauriger Gestalten auf sie abgesehen hat, die keine guten Absichten haben und Justine nun kreuz und quer über das College-Gelände jagen. Denn in Justine haben die Eindringlinge ihre neue Kristy gefunden...

Der Story Hintergrund Kristy's ist zwar mdern, aber sehr rudimentär und zügig wird klar, dass Regisseur Olly Blackburns (Donkey Punch) Hauptaugenmerk auf ganz andere Dinge gerichtet war, zum Glück. Der Film leitet kurz ein und wirft uns bzw. Protagonistin Justine sofort in die Situation. Ein menschenbefreiter College Campus? Definitiv schon mal ein Häkchen für das perfekte Setting. Nun lernen wir Justine etwas genauer kennen, als sie die Freiheiten des leeren Geländes nutzt. Auf Anhieb ist uns die Figur vertraut und sympathisch, was vor allem an der charismatischen Darstellung Haley Bennetts liegt, die nun endlich mit Filmen wie The Girl On The Train, Weightless und The Magnificent Seven ihren großen Durchbruch feiern wird. Kamera und Schnitt sorgen von nun an für ein nicht mehr aufzuhaltendes Tempo. Wir lernen Widersacherin Violet kennen, vielleicht etwas zu beladen mit Klischees von Twilight-Star Ashley Greene gespielt. Die anfänglich heitere Atmosphäre ändert sich schlagartig mit Einbruch der Nacht. Justine wird nun keine ruhige Minute mehr gegönnt. Während der folgenden Stunde wird sie jedoch die klassische, aber durchaus authentische Entwicklung, zur toughen und selbstbewussten Fighterin durchstehen. Auf diesem Weg nutzt Regisseur Blackburn die Möglichkeiten seines stimmigen Sets. Die Einsamkeit und Isolierung auf dem Campus wird groß eingefangen. Die langen Flure, die spärliche Beleuchtung, ein großer Parkplatz, der Sportplatz, eine riesige Bibliothek oder das Schwimmbecken. Hier wird jede Location ausgeschöpft.


Die Jagd über den Campus wird von einer überragenden Spannung getragen, die aktuell im Genre kaum erreicht wird. Weiteren Tiefgang bekommt die Geschichte im Verlauf zwar nicht, aber das Risiko dadurch die enorme Kurzweiligkeit zu brechen wäre zu groß gewesen. So fährt Kristy nun alle Home Invasion Zutaten auf und begeistert von Sekunde zu Sekunde mehr. Die atemlose Spannung wird dabei von einem pulsierenden Score begleitet, der das Herz förmlich springen lässt. Immer wieder fängt Kristy visuell aufregende Bilder ein und gehört zu den bestaussehendsten Low Budget-Horrorfilmen der letzten vier, fünf Jahre. Leichten Abzug bekommt der Film für die konturlosen und eingangs schon angesprochenen klischeehaften Schurken und einige unglücke Momente der Logik. Eigentlich unvorstellbar, wie diese kleine, effektive Horrorthriller-Perle so derartig untergehen konnte. Für mich ist Kristy einer der besten Genrevertreter der letzten Jahre. Unglaublich spannend, toll inszeniert und mit einer famosen Hauptdarstellerin besetzt, ist Kristy ein absoluter Geheimtipp für alle Fans von Nervenkitzel und Horrorunterhaltung. Auf Grund der spärlichen, expliziten Gewalt sei der Film sogar Leuten empfohlen, die sonst eher empfindlich auf derartige Themen reagieren.

OT: Kristy DT: Kristy - Lauf um dein Leben VÖ: 2014 Laufzeit: 86 Minuten Minuten FSK: 16 R: Olly Blackburn D: Ashley Greene, Haley Bennett, Lucas Till
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Christian

Bildquelle: Tiberius Film, Ascot Elite

Tracks (2013)



Tracks erzählt die Geschichte der Aussteigerin Robyn Davidson, die durch ihren Drang nach Freiheit und Einsamkeit eine wahnsinnige Wanderung durch die Wüste Australiens, von Alice Springs bis zum indischen Ozean, unternimmt. Bei ihrer strapaziösen Reise durch die trockene, heiße Kulisse wird sie von Kamelen und ihrem treuen Hund begleitet. Um die Reise zu finanzieren verspricht sie ihre Story einem Magazin und dessen Fotografen.

Wer liebt sie nicht? Diese Geschichten von Freiheit, Natur und dem Aussteigen aus der kapitalistischen Welt? Wir lieben diese Stoffe, diese mal mehr oder mal weniger wahren Geschichten wie zuletzt Into The Wild, Wild oder eben der hier besprochene Tracks. Dieses Material funktioniert, weil sich viele Menschen nach dem Abenteuer sehnen, den Wunsch verspüren einfach loszulaufen. Tracks präsentiert dabei im Vergleich zu den anderen genannten Filmen den Unterschied, dass die Hauptfigur sich bewusst schweren Umständen wie Trockenheit und Hitze aussetzt, also schon die Grundvoraussetzungen ganz andere sind. Regisseur John Curran, der bis dato eher mit kleinen Produktionen vertraut wurde, stellt zwei Dinge in den Mittelpunkt seines Films. Zum einen die großartig eingefangenen Landschaftsaufnahmen Australiens. Obwohl die Natur größtenteils eher menschenfeindlich daher kommt, so strahlt sie eine enorme Faszination aus. Auf der anderen Seite haben wir Protagonistin Robyn, hervorragend performt von Mia Wasikowska (Stoker, Lawless, Crimson Peak). Wasikowska ist sich für keine Szene zu fein und stellt Robyn extrem authentisch dar, mit all den Stärken und Schwächen der Figur. Während der Film und die Kameraführung zu Beginn noch ungewohnt distanziert zur Hauptfigur sind, ändert sich dieser Eindruck mit Einsetzen der physischen und psychischen Strapazen maßgeblich. Tut es im Film weh, tut es dem Zuschauer weh.


Tracks wirkt deutlich ruhiger und geerdeter als die eher trendigen und modischen Wild und Into The Wild. Jedoch hat auch Tracks mit ein paar Problemen zu kämpfen, die es in den anderen genannten Filmen so nicht gab. Ja es handelt sich um eine wahre Geschichte. Dennoch muss man dem Film ankreiden, dass er sich an vielen Stellen innerhalb der Laufzeit wiederholt und generell keine besonders aufregende Geschichte erzählt. Tracks ist ein Film der Bilder, die ürigens von einem großartig reduzierten Score begleitet werden und seiner großartig aufspielenden Hauptdarstellerin. Die anderen Figuren bleiben blass, auch wenn der von Adam Driver (Star Wars VII, Girls, Frances Ha) durchaus interessant gespielte Fotograf ein paar Momente hat. Letztlich ist Tracks dann in Sachen Inszenierung und Storytelling doch zu konventionell um sich mit den herausragenden Genrevertretern messen lassen zu können. An vielen Stellen plätschert der Film vor sich hin und verfällt in eine Monotonalität. Aber das klingt dramatischer als es letztlich auf der Leinwand ist. Tracks ist lebensbejahendes Kino mit einer großartigen Mia Wasikowska und großartigen Bildern und Klängen. Manchmal reicht das eben auch aus.

OT: Tracks DT: Spuren VÖ: 2013 Laufzeit: 112 Minuten FSK: 6 R: John Curran D: Mia Wasikowska, Adam Driver, Emma Booth
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Christian

Bildquelle: Ascot Elite Home Entertainment, Universum Film

Timeline: Sylvester Stallone


Anlässlich des heutigen 70. Geburtstags meines Idols Sylvester Stallone gibt es eine neue Blogreihe auf Moviroyal, die berühmte oder weniger berühmte Schauspieler_innen im Wandel der Zeit präsentieren. Stallone macht dabei den Anfang. Der Amerikaner blickt dabei auf eine bewegte Karriere zurück, die nicht selten vor sich hin stolperte, um dann immer und immer wieder ein Comeback zu feiern. Die meisten kennen Sly in seinen Rollen als Rocky Balboa oder John Rambo. Doch auch abseits dieser großen Figuren der Popkultur bewies Stallone sein großes Talent. Vor allem das Drama Cop Land überzeugte auch die letzten vom Können des Schauspielers, der in den letzten Jahrzehnten auch als Regisseur und Autor großartige Arbeit leistete. Flops, ja Flops hat der sympathische Star in all den Jahren natürlich auch produziert. Doch wie gestärkt Stallone aus solchen Tiefschlägen zurückkehrt, hat er nicht zuletzt in seiner für den Oscar nominierten Rolle als gealterter und vom Leben gezeichneter Rocky in Creed gezeigt. Alles Gute du Filmheld, auf weitere tolle Jahre!









Christian

Bildquelle: Sony Pictures, MGM, New World Pictures, 20th Century Fox, Universal Pictures, Warner, Tristar Pictures, Universum, Cannon, Splendid, New Line Cinema, Summit Entertainment, Miramax

The Neon Demon (2016)



Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn ist vielleicht nicht so ein Enfant terrible wie sein Landsmann Lars von Trier, aber definitiv einer von der provokanten Sorte. Ein wahrer Publikumsspalter. Die Kritiken seiner Werke bewegen sich zwischen "Meisterwerk" und "riesiger Bullshit". Die Gewaltakte in seinen Filmen werden mal mit Gelächter, mal mit dem Verlassen des Kinosaals bewertet. Aber wie so oft befindet sich die Wahrheit irgendwo dazwischen. Nach seinem großen Durchbruch in den Arthousemainstream mit dem grandiosen Drive und der Ernüchterung durch Only God Forgives, ist auch sein neuester Streifen The Neon Demon, wieder ein herrlich diskutabler Film, der den einen zum Erbrechen und den anderen zum großen Jubel animieren wird.

Oberflächlich betrachtet erzählt The Neon Demon nicht mehr als die ersten Schritte eines minderjährigen Models im Großstadtdschungel von Los Angeles. Protagonistin Jesse, gespielt von der bezaubernden Elle Fanning, trifft dabei auf sadistische Motelbesitzer, neidische Modelkonkurrenz, geldgierige Agenturen und faszinierend, verrückte Künstler. Die Story ist wahrlich nicht die große Stärke von The Neon Demon. Diese liegt ganz klar im exorbitanten Talent Refns einen perfekten Einklang von Bild und Ton zu schaffen. Wie schon in Drive und Only God Forgives ist jede Einstellung ein Kunstwerk, ein Gemälde. Ohne Übertreibung. In Kombination mit dem mal pulsierenden, mal hypnotischen Klängen Cliff Martinez' erzeugt Refn eine Gänsehaut, die ich zuletzt vor vielen Jahren bei Sofia Coppolas Lost In Translation zu fassen bekam. Sinnbildlich für dieses Lob steht die Szene in der Elle Fanning leichtfüßig im Sonnenuntergang auf den Hollywood Hills vor dem Panorama L.A.'s stolziert. Solche magischen Kinomomente gibt es wirklich zu Hauf.


Um The Neon Demon vollends zu genießen, muss man sich einfach treiben lassen von der Trance, die Refns Film umgibt. Das Gespür des Dänen für Architektur, Raum und Lichtstimmung sucht ihres gleichen. Dabei konnte sich Refn wieder auf seinen Stammkameramann Matthew Newman verlassen. Inhaltlich ist der Film dann tatsächlich deutlich tiefgründiger als erwartet. Vergleiche zu Black Swan stellen sich zwar an einigen Stellen fast symptomatisch auf, aber das fällt nicht ins Gewicht. Refn lässt harte Themen wie Kannibalismus und Nekropholie dabei nicht außer Acht, ganz egal wie abstrakt fremd das zunächst klingen mag. Im Gegensatz zu Only God Forgives verpackt Refn diese Themen in ein spannendes Geschehen. Während sich die erste Hälfte des Films noch in Schönheit ertränkt und das ist wahrlich nicht kritisch gemeint, offeriert uns Refn im letzten Drittel dann wieder seine blutige Ader. Der Schlußakkord hat es wirklich in sich und welch Überraschung, im Saal haben Leute gelacht auf Grund der schamlosen Übertreibungen, während zwei drei Leute vorzeitig den Heimweg angetreten haben. Nicht hoch genug loben kann man die nahezu perfekte Leistung von Jungstar Elle Fanning in der Hauptrolle der Jesse. Wahnsinn wie sich die talentierte Schauspielerin in den letzten Jahren entwickelt hat, obwohl ihr enormes Potential schon früh in Super 8 zu erkennen war. "I don't want to be like them. They want to be like me." - Elle Fanning, einfach überragend.

Auch wenn die Trivialität von Glanz und Glamour im Modelbusiness wahrlich nichts neues ist, so hat noch niemand zuvor diese Töne so verfilmt wie Refn. Obwohl die Kritik an diesem Leben offensichtlich ist, so nutzt der Regisseur eben diesen kritisieren Drang zur Schönheit, zur Perfektion als hochstilisiertes Ventil für seine Erzählung. So entwickelt sich der Rocky für Models zu einem finsteren Albtraum der in der Folge lange nachwirkt. Selbst die Option auf eine Liebesgeschichte erstickt Refn förmlich, denn in diesem Film haben nur Frauen das sagen. Männer gibt es nur in Nebenrollen. Gut so, nach den zuvor deutlich maskulin dominierten Stücken Refns. Letztlich bleibt ein ganz klarer Ansehbefehl und sei es nur, um den vielleicht audiovisuell besten Film des Jahres auf der großen Leinwand zu sehen. Streicht das "vielleicht"!

OT: The Neon Demon VÖ: 2016 Laufzeit: 117 Minuten FSK: 16 R: Nicolas Winding Refn D: Elle Fanning, Karl Glusman, Jena Malone, Bella Heathcote, Abbey Lee, Christina Hendricks, Keanu Reeves
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Christian

Bildquelle: Wild Bunch, Amazon Studios, Koch Media GmbH

Me Before You (2016)



Im Mittelpunkt der Filmadaption von Jojo Moyes Erfolgsroman Ein ganzes halbes Jahr stehen der reiche, aber seit einem Unfall nahezu vollständig gelähmte Will und die tollpatschig naive Lou. Will, dem die Lebenslust durch seine Fesselung an einen Rollstuhl völlig abhanden gekommen ist, benötigt im Alltag umgehende Betreuung, weshalb seine Eltern die chaotische, aber liebenswürdige Lou einstellen, damit jemand ein Auge auf ihren Sohn hat. Widerwillig und arrogant nimmt sich Will dieser Situation an, doch Lou gibt nicht auf, um endlich eine Verbindung zu ihm aufnehmen zu können...

Der leichtherzige Mix aus Pretty Woman und Intouchables lässt den Großteil der Dramatik der Romanvorlage außer Acht und begegnet dem Zuschauer als flott erzählter Feel-Good-Streifen, der erst im letzten Viertel auf die Tränendrüse der Zuschauer drücken will. Aber so viel sei verraten, geschafft hat das Me Before You nicht. Zu wenig erfahren wir über das Leid und die Schmerzen des gehandicapten Will. Zu wenig aus seiner lebendigen Vergangenheit. So interessiert uns auch die Nebenhandlung mit seiner Ex-Freundin kaum. Me Before You ist im Gegensatz zur Vorlage dann wirklich eher eine RomCom als ein Melodrama. So wirkt auch das moralisch durchaus diskussionswürdige "Happy End" des Films für Vorlagenunkundige eher seltsam.


Doch das ist kein Problem, denn trotz einiger Ausreißer, wie die deplatzierte Figur von Matthew Lewis als Freund von Lou, unterhält der Film ziemlich gut. Kurzweilig durchlaufen wir die Stationen von der anfänglichen Distanz bis zur engen Vertrautheit der beiden Hauptprotagonisten. Das Pacing ist gelungen und das Ende recht kurz erzählt, so dass nicht die Gefahr auf extrem kitsch geschwängerte Nicolas Sparks Momente besteht. Insbesondere Hauptdarstellerin Emilia Clarke (Terminator Genysis, Game Of Thrones) überzeugt durch ihr charmantes, herzliches Spiel. Vor allem ihre mimische Arbeit muss man einfach gesehen haben, auch wenn die Grenze zum Overacting durchlässig ist. Die Krönung ist die geniale Garderobe der sonst als Khaleesi bekannten Schauspielerin. Ein Outfit faszinierender als das andere.

Audiovisuell ist Me Before You leider nichts besonderes. Romantische Bilder, ein poppiger Soundtrack. Da ging Theaterregisseurin Thea Sharrock keine Risiken ein. So erzählt Me Before You letztlich nichts neues und bewegt sich jederzeit in den für das Genre zugelassenen Grenzen. Das sympathische Hauptdarstellerduo und die zügige Erzählweise sorgt jedoch dafür, dass der Film ziemlich unterhaltsam ist, aber eben auch für offensichtliche Oberflächlichkeit. Eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Behinderungen und den Menschen dahinter findet hier nicht statt, hat aber wohl auch niemand erwartet. Da ist man mit The Fault In Our Stars besser beraten. Wer aber auf leichte und charmante Unterhaltung steht, kann durchaus den Gang ins Kino antreten.

OT: Me Before You DT: Ein ganzes halbes Jahr VÖ: 2016 Laufzeit: 110 Minuten FSK: 12 R: Thea Sharrock D: Emilia Clarke, Sam Claflin, Janet McTeer, Charles Dance
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Christian

Bildquelle: Warner Bros.