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Tiger House (2015)



Maximal in Ordnung. Das trifft es letztlich am besten. Am Anfang steht die ehemalige Turnerin Kelly, die in der Nacht unerlaubt ins Zimmer ihres Freundes einsteigt um bei ihm und mit ihm zu schlafen. Doch plötzlich brechen Gangster in das Haus ein, fesseln die Eltern. Auch Kellys Freund wird geschnappt. Sie selbst versteckt sich unbemerkt unter dem Bett und muss nun entscheiden was zu tun ist.

Tiger House
ist ein britisch-südafrikanischer Direct-To-Video Home Invasion Thriller. Der Film ist bereits knappe zwei Jahre alt, doch nach dem Hauptdarstellerin Kaya Scodelario auch hierzulande Popularität erlangen konnte, u.a. durch ihr Mitwirken im Maze Runner Franchise, dachte sich die Publishing Abteilung des ZDF den Film nun auch in Deutschland zu veröffentlichen. Auf der Insel ist Scodelario natürlich schon seit ihrer enormen Präsenz in der Serie Skins ein Star. Und die Jungdarstellerin beweist auch in diesem Low Budget Film ihr vorhandenes Talent und das trotz erheblicher Mängel im Film selbst.

So bietet der aus anderen Genrefilmen bekannte Grundplot genügend Möglichkeiten für einen kleinen, fiesen Streifen. Doch leider wird dieses Vorhaben immer wieder durch das stellenweise grausige Drehbuch be- und verhindert. Besonders die Ganoven haben es schwer. Zwischenzeitlich kommen gar Erinnerungen an die feuchten Banditen aus Home Alone auf, so derartig dumm und unlogisch verhalten sich die Verbrecher. Aber auch die anderen Figuren wurde nicht mit mehr Intelligenz gesegnet. Wie dem auch sei, das Regiedebüt von Tom Daley wirkt eh wie ein TV-Film, dem einfach mit Kaya Scodelario ein Besetzungscoup gelungen ist. Die britische Schauspielerin reißt den Film komplett an sich und lediglich Ed Skrein (The Transporter Refueled, Deadpool) und Dougray Scott (Hitman 47, Taken 3) bekommen wenige kleine Momente zum glänzen zur Verfügung gestellt.


Wirklich spannend ist Tiger House leider nicht. Zu schnell sind die Claims abgesteckt. Zwar versucht der Film am Ende noch mit undurchsichtigen Twists zu punkten, doch auch dieser Versuch geht nach hinten los. Zu unlogisch, zu konstruiert wirkt das alles. Nebenher erfüllt der Filme alle gängigen Klischees vom plötzlich leeren Handyakku bis zu den scheinbar betriebsblinden Antagonisten. Neben dem schwachen Skript gibt es auch handwerklich nicht wirklich etwas gutes zu berichten. Optisch wirkt der Film nicht schlecht produziert, aber so unkreativ inszeniert, dass es biederer kaum sein könnte. Lediglich die musikalische Untermalung überzeugt in einigen Szenen.

Man muss schon sehr viele Mängel ausblenden um Gefallen an diesem Film zu finden. Trotz seiner kurzen Laufzeit fühlt sich der Film gestreckt an und langweilt größtenteils. Natürlich gibt es, insbesondere im DTV-Sektor, deutlich schlechtere Filme auf dem Markt, aber mehr als eine Leihe in der Videothek kann ich im Falle von Tiger House wirklich nicht empfehlen.

OT: Tiger House VÖ: 2015 Laufzeit: 80 Minuten FSK: 16 R: Tom Daley D: Kaya Scodelario, Ed Skrein, Dougray Scott
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Christian

Bildquelle: Studio Hamburg Enterprises, ZDF,

Die Kinovorschau von Moviroyal & Die Filmguckerin: Oktober 2016


Blair Witch (Start: 06.10.2016 R: Adam Wingard D: Corbin Reid, Wes Robinson, Valorie Curry)

Story: Vor 20 Jahren verschwand James' Schwester Heather spurlos in den Wäldern von Burkittsville. Als er plötzlich Videoaufnahmen seiner Schwester im Internet findet, macht er sich gemeinsam mit anderen Studenten auf die Suche und entdeckt dabei, dass sich etwas grausiges zwischen den Bäumen in den Wäldern Marylands befindet.

Prognose: Da staunten wir nicht schlecht, als sich Adam Wingards neuester Film The Woods urplötzlich als Sequel des Blair Witch Franchises entpuppte. Nach aller Überraschung blieb die Frage: Brauchen wir das? Eigentlich nicht, aber Wingard hat insbesondere mit The Guest, aber auch mit You're Next zwei große Genrefilme abgeliefert und so ist es ihm zuzutrauen, dass er den Blair Witch Mythos frisch aufbereiten kann. Einigen Kritiken aus den USA zur Folge, ist jedoch die spontane Enthüllung des Filmtitels die einzige Überraschung bezüglich des Films. Aber in den nächsten Tagen kann sich jeder selbst ein Bild von Blair Witch machen.


American Honey (Start: 13.10.2016 R: Andrea Arnold D: Sasha Lane, Shia LeBeouf)

Story: Nichts mehr zu verlieren hat Teenagerin Star, die sich deshalb einer Drückerkolonne anschließt, die Zeitungsabos als Haustürgeschäft vermittelt. Doch das eigentliche Leben findet in der Nacht statt. Wilde Partys, die erste große Liebe und Gesetzesbruch. Ein Roadtrip der besonderen Art.

Prognose: American Honey könnte eine der großen Independent-Überraschungen des Jahres werden. Die Britin Andrea Arnold überzeugte schon früher mit Filmen wie Fish Tank und auch American Honey soll ein realistisches Gesellschaftsbild zeichnen und uns tief in die Story ziehen. Wild, chaotisch und unglaublich emotional. Für höchste Authenzität besetzte Arnold wenige bekannte Darsteller und castete stellenweise Teenager mitten auf der Straße. So bekam auch Hauptdarstellerin Sasha Lane ihre Rolle. Stimmen lassen verlauten, dass American Honey einer der intensivsten Filme des Jahres ist. Ich bin gespannt.


31 (Start: 27.10.2016 R: Rob Zombie D: Sheri Moon Zombie, Malcolm McDowell)

Story: Zur Halloween-Zeit werden fünf Leute scheinbar wahllos gekidnapped und festgehalten. Als wäre das noch nicht schlimm genug, müssen die Personen an einem mörderdischen Spiel teilnehmen, bei dem es gilt, 12 Stunden am Leben zu bleiben im Kampf gegen eine Clown-Gang.

Prognose: Der Plot von Rob Zombies neuestem Splatter-Machwerk 31 klingt bescheuert und ist bescheuert. Jedoch versprach ich mir dennoch sehr viel im Vorfeld von 31. Doch die ersten Kritiken und längere Ausschnitte lassen ganz, ganz schlimme Filmkunst befürchten und somit wird der Film letztlich kein Highlight des Oktobers werden, sondern viel mehr eine Demonstration der völlig überschätzten Fähigkeiten Rob Zombies als Regisseur.

Christian


Sausage Party (Start: 06.10.2016 R: Greg Tiernan, Conrad Vernon D: Evan Goldberg, Kristen Wiig, Seth Rogen)

Story: Nahrungsmittel - woher kommen sie, wohin gehen sie? Was sind ihre sehnlichsten Wünsche? Sausage Party handelt von dem Würstchen Frank, das endlich seiner wahren Bestimmung zukommen möchte - eingekauft zu werden. Als er aber herausfindet, was ihm und seinen Freunden anschließend blüht, flüchtet er zurück in den Supermarkt, um die anderen Nahrungsmittel zu warnen.

Prognose: Superalbern, genau mein Ding. Ja, ich möchte bitte jede Menge dämliche Wortwitze und Scherze zum Thema Essen hören und ich will die Lebensmittel-Orgie sehen. Danke. Um in den USA eine Freigabe unter 18 Jahren zu erhalten, mussten einige Schamhaare von einem Pita entfernt werden und Seth Rogen hält den Film für sehr versaut. Ich in dabei. Achso, in der Originalversion dürfen wir den Stimmen von Seth Rogen, Michael Cera, Edward Norton, Kristen Wiig und Salma Hayek lauschen - OV ist demnach ein Muss.


Swiss Army Man (Start: 13.10.2016 R: Dan Kwan, Daniel Scheinert D: Paul Dano, Daniel Radcliffe, Mary Elizabeth Winstead)

Story: Kurz bevor der auf einer einsamen Insel gestrandete Hank seinem Leben ein Ende setzen will, wird der tote Körper von Manny an Land gespült - endlich Gesellschaft! Es entwickelt sich eine schräge Freundschaft zwischen der flatuierenden Leiche und dem ungeliebten jungen Mann.

Prognose: Dieser Film darf auf der Empfehlungliste auf keinen Fall fehlen - für mich der bisher beste Filme des Jahres. Der brilliante Paul Dano spielt mit dem noch brillianteren Daniel Radcliffe in einem gleichsam wunder- wie sonderbaren Film, den man sicherlich noch nie gesehen hat. Mehr Lobpreisungen in der ausführlichen Kritik. Angucken!


Doctor Strange (Start: 27.10.2016 R: Scott Derrickson D: Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Chiwetel Ejiofor)

Story: Der Neurochirurg Dr. Steven Strange (wenn das mal kein Entenhausenname ist!) kann nach einem Unfall nicht mehr operieren. Er erhofft sich Heilung von der Einsiedlerin The Ancient One, die ihm stattdessen allerlei Magie zur Verteidigung der Welt beibringt. Einer ihrer ehemaligen Schützlinge bedroht nämlich dieselbe und es kann nur einer helfen - Dr. Strange!

Prognose: Obwohl ich eigentlich nicht so der Marvel-Fan bin, sieht Dr. Strange einfach zu gut aus, um nicht angeschaut zu werden. Abgesehen von den Inception-mäßigen Stadtfaltungen und anderen coolen Effekten, die das Ganze sicher zu einem Augenschmaus auf der Leinwand machen werden, überzeugt vor allem der Cast. Neben Benedict Cumberbach (!) gibt es Tilda Swinton (!!!) und Mads Mikkelsen (!!!) zu bewundern. Und wenn dann noch eine brauchbare Erklärung dafür geliefert wird, warum nicht Tilda Swinton selbst gegen das Böse kämpft, wird alles gut.

Maria

Hard Target 2 (2016)



Hard Target 2 ist das Direct-To-Video Sequel zu John Woo's Actionfilm mit Jean-Claude van Damme. Die Hauptrolle in der Low Budget Fortsetzung trägt kein geringerer als der wohl aktuell beste B-Movie Actionstar Scott Adkins, der in Roel Reinés Film einen von Schuldgefühlen geplagten Martial Arts Kämpfer spielt, der über Umwege Mitten in einer Menschenjagd durch die südostasischen Wälder landet.

Wes Baylor war ein erfolgreicher Kämpfer im Ring, bis er bei einem Ringunfall unabsichtlich seinen Trainingspartner und besten Freund tötete. Seit dem schlägt sich Baylor mit mehr oder weniger illegalen Straßenkämpfen durch das Leben. Doch dann erreicht Baylor ein unfassbares Angebot auf einen letzten Kampf. Doch dieser entpuppt sich als gnadenlose Jagd durch den Dschungel. Und die Beute ist Baylor selbst. Einen Preis für Kreativität haben sich die Drehbuchautoren für Hard Target 2 definitiv nicht verdient. Das DTV-Sequel basiert dabei auch nur auf der Idee des Originals. Direkte Anknüpfpunkte zum van Damme-Actioner gibt es nicht. Dafür bekommt der geneigte Actionfan eigentlich alles geliefert, was so ein Scott Adkins Film eben verspricht. Adkins selbst, agiert wie gewohnt sympathisch und zeigt sein großes Können in der Kampfkunst und Körperbeherrschung. Dank seiner eigenen beruflichen Erfahrungen als Stuntman und Martial Artist wirken Actionszenen mit dem gern gesehenen B-Moviestar besonders authentisch. Kein Wunder, dass der sympathische Brite eine große Anhängerschaft für sich verzeichnen kann. Ein legitimer Nachfolger JCVDs ist Adkins schon längst und der bessere Schauspieler ist er sowieso.


Auch wenn es sich Regisseur Reiné nicht nehmen lässt mehrfach John Woo's Tauben fliegen zu lassen, wäre es aufgrund des Budgets und der Möglichkeiten unfair einen direkten Vergleich zum Original aufzustellen. Hard Target 2 zieht klar sein eigenes Ding durch. Genreübliche Tropes mittels eines stereotypischen Helden, Abziehbildsidekicks und Klischeeantagonisten gibt es natürlich trotzdem gehäuft. Die Kampfchoreografien sind durchaus sehenswert. An manchen Stellen musste jedoch ungünstig editiert werden, da nicht jeder der Darsteller so ein talentierter Kämpfer wie Adkins ist. Aber das ist verzeihbar, denn Roel Reiné weiß seinen Film ansonsten gut in Szene zu setzen. Manche Szenen, wie ein Kampf auf einem Wolkenkratzer fallen sogar regelrecht aus dem Rahmen, positiv natürlich. Reiné ist nicht grade Isaac Florentine, aber ein durchaus solider Arbeiter in seinem Fachbereich.

Hard Target 2 ist ein ziemlich kurzweiliger DTV-Actioner mit einem tollen Hauptdarsteller und einer spannenden Hetzjagd durch die Wälder Myanmars. Fans längst vergangener Tage sollte hier unbedingt einen Blick riskieren. Die deutsche Veröffentlichung wurde übrigens vorläufig von Universal gestrichen. Ihr könnt jedoch bedenkenlos zur UK-DVD oder zur französischen Blu-Ray greifen, die beide mit einer deutschen Tonspur ausgestattet sind.

OT: Hard Target 2 VÖ: 2016 Laufzeit: 104 Minuten FSK: 18 R: Roel Reiné D: Scott Adkins, Rhona Mitra, Robert Knepper
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Christian

Bildquelle: Universal

Nerve (2016)



"Bist du ein Watcher oder Player?" - Jene Frage muss sich auch das schüchterne Mauerblümchen Vee stellen, die endlich mal aus ihrem genormten Leben ausbrechen will. So entscheidet sich die Teenagerin für die Teilnahme am Online-Game Nerve, ein Spiel der Marke "Wahrheit oder Pflicht" ohne den Wahrheit-Part. Damit stürzt sich Vee in eine Nacht ohne Grenzen, in das Abenteuer ihres Lebens, doch mit welchen Konsequenzen?

Nerve könnte sowas wie das Guilty Pleasure des Kinojahres 2016 werden. Der temporeiche Thriller der Paranormal Activity-Franchise erfahrenen Regisseure Joost und Schulman trotzt nur so vor Cheesyness und bremst auch leider immer dann ab, wenn es prekär werden könnte für die jugendlichen Zuschauer. Früh wird klar, dass man auch einen Film für ein deutlich älteres Publikum hätte schaffen können, aber Geld regiert nun mal die Welt. Und trotz dieser kritischen Zeilen, bewegt sich Nerve bei mir auf der Haben-Seite. Nerve fängt das bunte und wilde Treiben New Yorks zwischen all der Neonreklame ziemlich gut ein und liefert den passenden und modernen Elektropop-Soundtrack gleich mit. Spannend ist die oberflächlich gestaltete Story ebenfalls.


Nerve trifft den Zeitgeist und vermittelt vor allem das enorme Tempo der Story auf die Leinwand. Leider funktioniert das Leinwandpaar bestehend aus Emma Roberts und Dave Franco höchstens mittelmäßig. Es mangelt ganz klar an Harmonie und Authenzität zwischen den beiden Figuren. Einzeln betrachtet funktionieren die Charaktere jedoch schon. Nur was Juliette Lewis geritten hat in einer solchen Rolle und dann auch noch mit solchem Overacting aufzutreten, wird mir ein Rätsel bleiben. Ebenfalls enttäuschend ist das extrem schwache, pseudomoralische Ende. Der Film baut so viel Spannung auf, nur um im Finale den Pay-Off einfach auszulassen. Als moderner Thriller für Teenager funktioniert der Film jedoch absolut, verkauft niemanden für dumm und ist deutlich besser als so mancher cineastischer Mist, der sonst so für eben jene Zielgruppe produziert wird.

Nerve fehlt am Ende zwar ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal und ein gelungenes Ende, aber für einen Kinobesuch lohnt sich der Streifen durchaus, denn bis zum Schlusswort kann der Film ziemlich gut unterhalten, auch wenn die Zielgruppe ganz klar formuliert ist. Aber auch für Leute abseits der Generation Smartphone wird durchaus etwas geboten, ansonsten hätte ich nicht einen solch kurzweiligen Spaß erlebt.

OT: Nerve VÖ: 2016 Laufzeit: 96 Minuten FSK: 12 R: Ariel Schulman, Henry Joost D: Dave Franco, Emma Roberts, Emily Meade, Kimiko Glenn, Juliette Lewis
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Christian

Bildquelle: Lionsgate

The Purge: Election Year (2016)



Auch Jahre nach dem sich Leo Barnes gegen die Rache am Mörder seines Sohnes entschieden hat, ist die alljährliche Purge-Nacht, in der zwölf Stunden lang unbestraft das Verbrechen, vor allem der Mord, zelebriert werden darf, noch in aller Munde. Allerdings stehen auch Wahlen in den Staaten an. Und erstmalig macht eine größere Bewegung gegen das Recht auf Säuberung mobil. Insbesondere auf der Agenda der möglichen Präsidentin Charlene Roan steht eine sofortige Abschaffung der Purge-Nacht. Doch ihre politischen Gegner wollen sich derartiges nicht gefallen lassen und so liegt es an Leo Barnes, mittlerweile Security-Chef der Präsidentschaftskandidatin Roan, die Option auf ein Ende des Mordens aufrecht zu erhalten.

Das The Purge Franchise dürfte einzigartig sein. Ich kann mich jedenfalls an keine Filmreihe in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren erinnern, die qualitativ einen solchen Sprung vom unterdurchschnittlichen ersten Film zum nun mehr sehr gelungenen dritten Ableger vollzogen hat. In gewisser Weise ist Election Year sogar seinem Vorgänger Anarchy überlegen. Regisseur James DeMonaco bringt seine eigene Adaption von John Carpenters Escape From New York förmlich auf die Spitze. War schon der Kniff des zweiten Teils, die Story auf das viel interessantere Außensetting zu legen gelungen, so bringt das frische politische Element, auch hinsichtlich der in der Realität im November anstehenden Präsidentschaftswahl in den USA noch mal neues Leben ins Franchise. Keine Angst, auch Election Year ist pures Entertainment, an der Grenze zum Trash. Es gibt hier weder tiefgründige Charaktere noch politische Studien zu bestaunen.


Einige der Aussagen gehen sogar deutlich zu weit. Dass beispielsweise eine farbige Gemeinde alles dafür tut, um eine nicht grade vermögensarme, weiße Präsidentschaftskandidatin am Leben zu halten, grenzt schon an mangelndem Realitätsbewusstsein, egal wie idealistisch man auch sein mag. Die Stärken des Films zeigen sich immer dann, wenn der Film zwar düster ist, sich aber selbst nicht besonders ernst nimmt. Zum Beispiel als ein Purge-Opfer auf offener Straße mittels einer Guillotine enthauptet wird oder eine Gruppe Purger mit grellbeleuchteten Autos und aufgedrehtem Party In The USA von Miley Cyrus durch die Straßen cruist. Auch der wenig subtil angedeutete Mordtourismus kommt nicht zu kurz. Regisseur DeMonaco liefert hier insbesondere für Fans des 80er Jahre Kinos einige richtig große Momente ab. Der heimliche Star des Films ist aber zum zweiten Mal Badass Frank Grillo, der einfach ein toller Sauhund ist. Grillos Leinwandpräsenz ist bockenstark. Was man dem Film dezent ankreiden kann, ist, dass er seine Horrorwurzeln nahezu vollständig abgestreift hat. Election Year ist viel mehr ein düsterer Actionthriller, der aber natürlich immer noch einige Gewaltspitzen liefert.

Letztlich ist The Purge: Election Year der bis dato beste Film der Reihe und für Genrefans eine absolute Empfehlung. Man bekommt hier spannendes B-Movie Kino gezeigt, das leider etwas unter den zu zeigefreudigen Trailer im Vorfeld gelitten hat. In Zeiten einer möglichen Präsidentschaft Donald Trumps wirken politische Auswüchse eines The Purge kaum noch utopisch und dadurch umso aktueller.

OT: The Purge: Election Year VÖ: 2016 Laufzeit: 105 Minuten FSK: 16 R: James DeMonaco D: Elizabeth Mitchell, Frank Grillo, Mykelti Williamson
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Christian

Bildquelle: Universal, Blumhouse

Don't Breathe (2016)



Nach dem uns der aus Uruguay stammende Regisseur Fede Alvarez bereits mit seiner Neuauflage von Evil Dead mit absoluter Begeisterung zurückließ, kommt nun sein langerwarteter, zweiter großer Film ins Kino. Alvarez schafft es dabei, mit dem vom legendären Sam Raimi produzierten Film Don't Breathe, allen Erwartungen gerecht zu werden. Nicht nur auf Grund des schwachen Aufkommens an Genrehighlights in diesem Jahr stellt Don't Breathe eine mehr als willkommende Achterbahnfahrt in die Abgründe menschlichen Schaffens dar.

Don't Breathe stellt drei junge Leute in den Mittelpunkt, die im sozialen Brennpunkt Detroits leben. Wer hier lebt hat es schwer seine Träume zu verwirklichen. Doch Rocky, Alex und Money wollen sich ihrem scheinbar aussichtslosen Schicksal nicht ergeben und sparen mit Einbrüchen Geld zusammen um es einmal im sonnigen Kalifornien besser zu haben. Ein letzter großer Coup muss her. In einem nahezu menschenleeren Straßenzug wohnt ein blinder Kriegsveteran mit angeblichen 300.000 Dollar im Safe. Ein scheinbar einfacher Deal. Doch, dass diese Nacht die letzte im Leben der drei Freunde werden könnte, damit haben sie nicht gerechnet.


Fede Alvarez Film ist ein kurzer Ausflug in die Hölle. Dass der blinde Mann kein harmloses Opfer darstellen wird, konnte man bereits in den Trailern sehen. Aber was sich dann wirklich im Haus des Kriegsveteranen abspielt ist der pure Terror. Das Drehbuch spielt dabei geschickt mit den klassischen Rollen von Gut und Böse und erwischt uns dabei nicht nur einmal wie sich unsere Sympathien während der Spielzeit des Films verschieben. Schon der White-Trash-Background der Figuren zeichnet jene. So reichen schon die wenigen Minuten Einführung um die Handlungen der Protagonisten für uns plausibel zu machen. Generell offenbart Don't Breathe bis auf wenige Momente ein erschreckend realistisches Szenario. Die Inszenierung des Film ist dabei sehr hochwertig. Fede Alvarez versteht sein Handwerk definitiv. Allein wie es der Film schafft ein ganz normales Haus so vielschichtig, riesig und verwinkelt ausssehen zu lassen ist überragend. Die Kamera ist dabei immer auf Höhe des Geschehens und fängt einige richtig schicke Shots ein. Grade bei einem Horrorfilm der es auf die Sinne anlegt ist die Technik wichtig. Don't Breathe gelingt dabei sowohl das Spiel mit der Lichtstimmung, als auch mit dem Sounddesign. Die Geräuschkulisse ist stark und vor allem der Score erreicht zwischenzeitlich altes Carpenter-Niveau.


Eine große Stärke des Films, ist der kleine, aber mehr als gelungene Cast. Die großartige Jane Levy, die bei vielen Filmstudios scheinbar immer noch unter Radar läuft, spielt sich hier erneut nach Evil Dead um Kopf und Kragen. Wenigstens Regisseur Alvarez scheint das enorme Talent seiner Muse zu kennen. Levy und ihre Figur der Rocky funktionieren dabei sowohl auf emotionaler Ebene, als auch in der Actionkomponente. Die Katz- und Mausjagd durch das Anwesen des blinden Veterans meistert die Schauspielerin gekonnt. Ihre beiden männlichen Co-Darsteller sind etwas oberflächlicher geschrieben, aber dennoch nicht lieblos auf's Papier gebracht. Doch das Highlight des Films ist definitiv Avatar-Schurke Stephen Lang, der völlig frei von einer Maskerade unglaublich angsteinflößend ist. Ich glaube keinem im Kino ist nicht die Luft weggeblieben in den Momenten absoluter Stille, in denen sich Lang durch seine Dunkelheit tastet und sich herausstellt, dass er besser mit seinem Handicap zurechtkommt als unsere drei Protagonisten ahnen. Und das ist längst nicht alles...


Ohne groß zu spoilern, der recht kurze Horrorthriller driftet zwischenzeitlich in etwas andere Gefilde ab und könnte zarte Gemüter ziemlich anekeln. Diese Szenen ergeben im Kontext aber durchaus Sinn. Don't Breathe hat durchaus seine Gewaltspitzen, legt den Fokus aber dennoch deutlich auf Spannung und Atmosphäre. Die simple Ausgangssituation spielt Alvarez Film dabei perfekt in die Karten. Dass sich der Regisseur bei seiner Arbeit durchaus von anderen Genreperlen inspirieren ließ, lässt sich nicht geheim halten, ist aber genauso wenig ein Problem. Besonders der Vergleich zu Wait Until Dark mit Audrey Hepburn dürfte einigen in den Sinn kommen. Aber der Film ist ja nun auch schon viele Jahrzehnte alt und steckt genretechnisch ganz andere Claims ab. Don't Breath ist letztlich ein extrem spannender, grimmiger und vor allem atmosphärisch bärenstarker Horrorthriller, der am Ende beweist, dass in diesem Jahr der Horrorfilm (Lights Out, The Neon Demon, The Conjuring 2) den Sommer dominiert und nicht die teilweise erschreckend schwachen Blockbuster. Fede Alvarez zeigt, dass er keine Eintagsfliege ist und wir wohl noch viel von ihm in Zukunft erwarten können.

OT: Don't Breathe VÖ: 2016 Laufzeit: 88 Minuten FSK: 16 R: Fede Alvarez D: Dylan Minnette, Jane Levy, Daniel Zovatto, Sergej Onopko, Stephen Lang
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Christian

Bildquelle: Sony Pictures, Blumhouse

Die Kinovorschau von Moviroyal & Die Filmguckerin: September 2016


Don't Breathe (Start: 08.09.2016 R: Fede Alvarez D: Dylan Minnette, Jane Levy, Daniel Zovatto, Stephen Lang)

Story: Aus Geldnot bricht eine Gruppe Jugendlicher in das Anwesen eines blinden Mannes ein. Ein einfacher Coup. Oder doch nicht? Denn schnell entpuppte sich der gehandicapte Bewohner als der wohl gefährlichste Mann Detroits. Von nun an geht es für die Kids nur noch darum, dass Haus lebendig zu verlassen.

Prognose: Fede Alvarez' Don't Breathe gehört zu den von mir meist erwarteten Filmen des Jahres. Die Trailer haben gerockt und die Zutaten scheinen perfekt. Alvarez hat bereits mit seinem Evil Dead Remake für einen der besten Genrefilme der letzten zehn Jahre gesorgt und auch im Fall von Don't Breathe greift er wieder auf Hauptdarstellerin Jane Levy zurück, die uns sicher wieder begeistern wird. Die Story scheint erfrischend und sehr spannend zu sein. Ich freue mich riesig und werde hoffentlich nicht enttäuscht. Don't Breathe wird vermutlich mit Lights Out ins Duell um meinen persönlichen Horrorfilm des Jahres gehen.


The Magnificent Seven (Start: 22.09.2016 R: Antoine Fuqua D: Chris Pratt, Denzel Washington, Ethan Hawke, Haley Bennett)

Story: The Magnificent Seven ist Antoine Fuquas Remake von John Sturges Western-Klassiker, der auch zu seiner Zeit nur eine Adaption von Akira Kurosawas Seven Samurai war. Auch 2016 versammeln sich wieder vier bewaffnete Outlaws um eine kleine Stadt von miesen Schurken zu befreien.

Prognose: Ich bin eigentlich kein Westernfan, aber ab und zu gibt es dann doch ein paar Genrebeiträge, die mir schon gefallen. In den letzten Jahren ist die Ausbeute jedoch deutlich kleiner geworden, insbesondere im Kino und so greife ich nach jedem Strohhalm der noch bleibt. The Magnificent Seven bietet mit Chris Pratt, Denzel Washington, Ethan Hawke und Haley Bennett eine tolle Besetzung, aber mit Fuqua eben auch einen Regisseur, dessen letzter richtig guter Film auch schon 15 Jahre her ist. Über die Sinnhaftigkeit eines Remakes lässt sich sowieso herrlich diskutieren. Aber lassen wir uns doch einfach mal überraschen...


War Dogs (Start: 29.09.2016 R: Todd Phillips D: Miles Teller, Jonah Hill, Bradley Cooper, Ana de Armas)

Story: Zwei Freunde Anfang 20. Miami. Zur Zeit des ersten Irakkriegs. Eine wahre Geschichte. Die beiden durchschauen ein Gesetz, dass es einfachen Leuten und Unternehmen ermöglicht für Aufträge des US-Militärs zu bieten. Und so starten die zwei Freunde klein, erarbeiten sich mit der Zeit aber auch ein Leben im Saus und Braus. Doch die Geschichte scheint ihnen aus den Fingern zu gleiten, als Sie einen 300 Mio $ Auftrag an Land ziehen, der sie in Kontakt mit den ganz schlimmen Burschen bringt...

Prognose: War Dogs ist der neue Film von Regisseur und Autor Todd Phillips, der bereits für die Hangover-Trilogie verantwortlich war. Ist der Humor ähnlich anarchistisch wie zu seiner Zeit im ersten Hangover, kann War Dogs nur gewinnen. Denn wenn man bereits die großartigen Miles Teller und Jonah Hill an Bord hat, kann doch eigentlich nicht mehr viel schief gehen oder? Jedoch wird spätestens bei Betrachtung des Trailers klar, dass sich Phillips hier ganz klar auf dem Weg eines modernen Martin Scorsese bewegen will und damit auch ganz böse scheitern könnte.

Christian


The Purge: Election Year (Start: 15.09.2016 R: James DeMonaco D: Elizabeth Mitchell, Frank Grillo, Mykelti Williamson)

Story: The Purge goes politics. So könnte man den neusten Teil der Horror-Reihe rund um die jährliche Säuberung knapp zusammenfassen. Die 12-stündige Aufhebung aller Gesetze, die alljährlich mit Mord und Todschlag einhergeht, sorgt nämlich nicht nur für zivile Ruhe in der restlichen Zeit des Jahres, sondern trifft vor allem die Armen und Schwachen der Gesellschaft. Es regt sich politischer und gesellschaftlicher Widerstand gegen die Purge - doch die Fans des Schlachtfestes haben ihre eigenen Methoden, ihre Meinung durchzusetzen.

Prognose: Die sehr interessante Ausgangsidee von The Purge hat bereits zwei erfolgreiche Filme rund um das jährliche Abschlachten hervorgebracht, der The Purge: Election Year scheint deutlich politischer und selbstreflektierter an den Stoff zu gehen. Wenn man dem Trailer Glauben schenken darf, wird zwar wieder einmal ordentlich gemetzelt, aber vielleicht bleibt die angedeutete moralische Komponente dabei nicht auf der Strecke. Mit einem bisschen Glück kommt ein Splatter mit einer Portion Grips dabei heraus.


Tschick (Start: 15.09.2016 R: Fatih Akim D: Anand Batbileg, Tristan Göbel, Nicole Mercedes Müller)

Story: oser trifft Loser. Der 14-Jährige Außenseiter Maik sieht düsteren Sommerferien entgegen, seine Mutter ist in der Entzugsklinik, sein Vater lässt es sich mit seiner Assistentin gut gehen und seine große Liebe lädt ihn nicht zu ihrer Party ein. Glücklicherweise tritt Tschick in Maiks Leben. Mit einem geklauten Lada ausgestattet, will er seinen Großvater in der Walachei besuchen. Es beginnt ein jugendlicher Trip der ganz besonderen Art.

Prognose: Ein sommerliches Roadmovie inmitten der windradbepflanzten ostdeutschen Einöde - was könnte ein besserer Abschied für den diesjährigen Sommer sein? Die Weichen für ein wenig Beklopptheit, unüberlegte Handlungen und eine Prise culture clash sind gestellt. Zu der sicherlich interessanten Handlung kommt mit Fatih Akin einer der besten Regisseure der deutschen Filmlandschaft, der inszenatorisch und technisch seinen Senf dazugibt. Kann demnach nur gut werden.


Frantz (Start: 29.09.2016 R: François Ozon D: Paula Beer, Anton von Lucke, Pierre Niney)

Story: Deutschland, 1919. Frantz ist nicht aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt. Vor allem seine Verlobte Anna kommt nicht über seinen Tod hinweg und besucht täglich das Grab ihrer großen Liebe. Eines Tages trifft sie dort Adrien, einen jungen Franzosen, den trotz der Feindschaft der Nationen offenbar eine tiefe Freundschaft mit Frantz verband. Es entspinnt sich eine komplizierte Beziehung zwischen den Trauernden, die immer wieder auf denselben Nenner kommt: Frantz.

Prognose: Dass der französische Autorenfilmer François Ozon mit Vorliebe die Irrungen und Wirrungen von zwischenmenschlichen Beziehungen auslotet, bewies er bereits mit Filmen wie Das Schmuckstück oder Jung & Schön. In Frantz wagt er sich in ästhetischen Schwarz-Weiß-Bildern an die nicht immer leichte deutsch-französische Beziehung. Das könnte sowohl inhaltlich auch als von den Darstellern her (Paula Beer!) interessant werden..

Maria

Blogparade: My 100 greatest films of the 21st century … so far


Die von mir geschätzte Bloggerin Miss Booleana hat eine neue Blogparade gestartet. Vor ein paar Tagen veröffentlichte die BBC eine Liste der (angeblich) besten 100 Filme des aktuellen Jahrhunderts. Erstellt von Experten. Ich fand die Liste eigentlich ganz brauchbar und hatte wenig daran auszusetzen. Und doch sieht meine persönliche Top 100 ganz anders aus. Da ich für mich vorgestern eine persönliche Top 100 erstellt habe, passt es ganz gut, dass Miss Booleana uns dazu aufgerufen hat unsere Listen zu veröffenlichen. Ich präsentiere euch nun also meine ungefilterte Topliste. Es sind viele Filme enthalten, die wohl jeder in seiner Liste haben dürfte, aber eben auch ein paar kontroverse Nennungen. Meine Liste beschränkt sich jedoch auf Filme die bis spätestens 31.12.2015 in ihren Herkunftsländern ihren Release feiern durften. Viel Spaß! Kommentare sind erwünscht!


01 Lost In Translation (2003)
02 The Lord Of The Rings: The Fellowship Of The Ring (2001)
03 Interstellar (2014)
04 Spotlight (2015)
05 Drive (2011)
06 Whiplash (2014)
07 The Dark Knight (2008)
08 The Wolf Of Wall Street (2013)
09 Catch Me If You Can (2002)
10 The Perks Of Being A Wallflower (2012)


11 Adventureland (2009)
12 Zodiac (2007)
13 The Spectacular Now (2013)
14 Inside (2007)
15 Battle Royale (2000)
16 The Revenant (2015)
17 Requiem For A Dream (2000)
18 The Girl With The Dragon Tattoo (2011)
19 Thw Wrestler (2008)
20 The Raid 2 (2014)


21 Birdman (2014)
22 Moulin Rouge (2001)
23 Star Wars: The Force Awakens (2015)
24 The Social Network (2010)
25 Love & Mercy (2014)
26 Casino Royale (2006)
27 Black Swan (2010)
28 Little Miss Sunshine (2006)
29 Gladiator (2000)
30 The Assassin (2015)


31 Under The Skin (2013)
32 Evil Dead (2013)
33 Skyfall (2012)
34 Edge Of Tomorrow (2014)
35 Warrior (2011)
36 Inception (2010)
37 Martyrs (2008)
38 Fruitvale Station (2013)
39 The Descent (2005)
40 We Need To Talk About Kevin (2011)


41 Super 8 (2011)
42 Beasts Of The Southern Wild (2012)
43 Into The Wild (2007)
44 Ex Machina (2015)
45 The Raid (2011)
46 Mad Max: Fury Road (2015)
47 Oldboy (2003)
48 The Prestige (2006)
49 Kill Bill Vol. I (2003)
50 District 9 (2009)


51 Silver Linings Playbook (2012)
52 Creed (2015)
53 Dallas Buyers Club (2013)
54 The Intouchables - Ziemlich beste Freunde (2011)
55 Collateral (2004)
56 Let The Right One In (2008)
57 Gangs Of New York (2002)
58 Django Unchained (2012)
59 Moneyball (2011)
60 Nightcrawler (2014)


61 Gone Girl (2014)
62 Zero Dark Thirty (2012)
63 Perfect Sense (2011)
64 The Descendants (2011)
65 Children Of Men (2006)
66 Sin City (2005)
67 It Follows (2014)
68 Zombieland (2009)
69 American Psycho (2000)
70 The Town (2010)


71 The Departed (2006)
72 The Guest (2014)
73 Boyhood (2014)
74 The Martian (2015)
75 Snowpiercer (2013)
76 The House Of The Devil (2009)
77 A Girl Who Walks Home Alone At Night (2014)
78 Up In The Air (2009)
79 300 (2006)
80 Spring Breakers (2012)


81 A Most Violent Year (2014)
82 Taken (2008)
83 Inglourious Basterds (2009)
84 Training Day (2001)
85 In The Mood For Love (2000)
86 Ali (2001)
87 The Grand Budapest Hotel (2014)
88 Winter's Bone (2010)
89 Avatar (2009)
90 Good Bye, Lenin! (2003)


91 Sucker Punch (2011)
92 The Hills Have Eyes (2006)
93 Guardians Of The Galaxy (2014)
94 Joint Security Area (2000)
95 Scott Pilgrim Vs. The World (2010)
96 Dredd (2012)
97 Ghost World (2001)
98 The Conjuring (2013)
99 Mean Girls - Girls Club (2004)
100 Gravity (2013)

Christian

Code Of Silence (1985)



Kurze Zeit nach Chuck Norris' größtem Kassenschlager Missing In Action sollte der wohl objektiv beste Film seiner Karriere veröffentlicht werden: Code Of Silence. Code Of Silence ist in Deutschland unter dem Titel Cusack - Der Schweigsame bekannt und erzählt die Geschichte des Polizisten Cusack, der mit seinem Team schon lange an einer umfangreichen Razzia bei der kolumbianischen Drogenmafia arbeitet. Doch als alles schief läuft und sich eine rivalisierende Gang einschaltet steht Cusack zwischen den Fronten. Auf die Mithilfe seiner Kollegen kann sich Cusack nicht verlassen, denn er hat den sogenannten Code Of Silence gebrochen...

Code Of Silence ist ein waschechter Actionthriller in dem Chuck Norris keine One Man Show abliefert, sondern nur ein Werkzeug in einem großen Koffer darstellt. Gerüchteweise war der Film eigentlich als Dirty Harry Sequel für Clint Eastwood gedacht. Letztlich wurde Chuck Norris' wohl einzig wirklich guter Film daraus. Auf der einen Seite ist der Film sehr realistisch gehalten und hat nur wenig mit der sonstigen Vita von Chuck Norris am Hut. Die Figuren wirken in ihrem Kosmos tatsächlich glaubwürdig und nachvollziehbar. Ein seltener Aspekt in einem Norris Film, der aber wie gesagt in diesem Film kein Norris Film ist, sondern viel mehr die Handschrift von Regisseur Andrew Davis trägt. Jener Regisseur der Jahre später mit The Fugitive seinen großen Durchbruch in Hollywood abseits von B-Actionern feiern sollte.


Code Of Silence bewegt sich also irgendwo zwischen Dirty Harry, French Connection und am Ende sogar einer Prise Robocop. Klingt zwar krude, ist aber tatsächlich ziemlich gelungen. Atmosphärisch überzeugt der Film mit seinem prägnanten Score, den stimmigen Bilder Chicagos und den interessanten Figuren auf ganzer Linie. Zwar ist die Story letztlich nur ein 08/15 Krimi, wird aber gut durch Andrew Davis' Handwerk kaschiert. Lediglich der Showdown ist am Ende etwas zu viel. Ansonsten ist Code Of Silence tatsächlich der sehenswerteste Film mit Chuck Norris. Doch der Sprung nach vorne für den Actionstar sollte nicht lange anhalten. Schon sein nächster Film Invasion USA sollte ein qualitativer Tiefpunkt in der langen Karriere von Chuck Norris werden. Das Niveau von Code Of Silence hat keiner seiner Filme in der Folge mehr erreichen können.

OT: Code Of Silence DT: Cusack - Der Schweigsame VÖ: 1985 Laufzeit: 101 Minuten FSK: 16 R: Andrew Davis D: Chuck Norris, Mike Genovese, Henry Silva, Bert Remsen
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Christian

Bildquelle: Orion, 20th Century Fox

Missing In Action (1984)



Unter der Regie von Joseph Zito (The Prowler, Friday the 13th: The Final Chapter) spielt Actionstar Chuck Norris (Delta Force, McQuade) im Kriegsactionfilm Missing In Action seine wohl bekannteste Rolle. Colonel Braddock konnte nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft endlich aus dem Vietnam fliehen. Noch Jahre später kämpft er nun auf diplomatischem Wege darum, dass auch die immer noch vermissten Kameraden endlich befreit werden. Doch in diesem Fall scheint Diplomatie nicht zu helfen und Braddock ist auf sich allein gestellt bei einer scheinbar unmöglichen Mission...

Missing In Action ist nicht nur der bekannteste Film und Braddock die bekannteste Filmrolle von B-Movie-Star Chuck Norris, nein, der Kriegsfilm im Stile von Rambo 2 war auch der erste Film einer langen Kooperation Norris' mit der berühmt-berüchtigten Produktionsschmiede Cannon. Trotz der strapaziösen Dreharbeiten im Dschungel an echten Locations, wurde Missing In Action auch zum größten finanziellen Erfolg in der langen Vita des Schauspielers. Aus irgendwelchen Gründen genießt der vor Patriotismus nur so strotzende Film bis heute Kultstatus. An der Qualität des Films kann es jedoch nicht liegen. Die Story und ihre Figuren sind extrem eindimensional, die Dialoge schlimmer als platt und handwerklich ist Zitos Film auf Grund des geringen Budgets auch maxmimal okay. Es ist nur zu offensichtlich, dass man mit Filmen im Stile von Rambo schnelle Kasse machen wollte. Dieser Film war übrigens ursprünglich als Prequel in der drei Filme umfassenden Reihe gedacht, doch auf Grund des etwas besseren Drehbuchs wurde aus Missing In Action 2 ganz kurzfristig Missing In Action 1.


Man muss dem Film anrechnen, dass er phasenweise recht spannend und unterhaltsam ist, aber im Mittelteil auch ziemlich stark langweilt. Der rassistische Tonfall des Films macht diesen heute eigentlich ungenießbar. Die reaktionäre, extrem patriotische politische Auffassung gehört jedoch auch untrennbar zur Vita von Chuck Norris. Im Gegensatz zu anderen Actionstars unserer Kindheit färbten Norris' private Ansichten auch auf seine Filme ab. Nicht der einzige, aber definitiv ein Grund für die nie abflauende Kritik an der Filmkarriere des Kampfsportlers. So ist Missing In Action letztlich nur ein qualitativ und inhaltlich ganz schwacher Abklatsch der Rambo-Idee. Wer jedoch zwischenzeitlich nicht eingeschlafen ist, darf eine besonders charmante taiwanesische Interpretation von Rod Stewarts "Do Ya Think I'm Sexy" belauschen. Dafür hat es sich dann doch gelohnt.

OT: Missing In Action VÖ: 1984 Laufzeit: 101 Minuten FSK: 16 R: Joseph Zito D: Chuck Norris, M. Emmet Walsh, David Tress
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Christian

Bildquelle: Cannon Group, 20th Century Fox