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Martyrs (2015)



Nur sieben Jahre nach dem famosen, französischen Terrorfilm Martyrs hat das nicht minder berüchtigte US-Filmstudio Blumhouse (u.a. Insidious, Paranormal Activity) ein Remake in Auftrag gegeben. Leider gehört Pascal Laugiers Film zu jener Kategorie, die auf keinen Fall neu verfilmt werden sollte. Und so erleidet das Remake der Goetz-Brüder einen furiosen Schiffbruch.

US-Remakes europäischer oder asiatischer Filme sind per se nicht verfluchenswert. Gore Verbinskis The Ring oder vor allem David Finchers The Girl With The Dragon Tattoo haben mehr als eine Daseinsberechtigung verdient und zeigen wie so ein Projekt funktionieren kann. Auf der andere Seite gibt es aber auch unnötige 1:1 Kopien wie Michael Hanekes selbst gedrehtes Funny Games Remake oder Quarantäne als [REC]-Ersatz. Den Großteil bilden jedoch qualitativ ganz dünne Geschichte wie die US-Versionen von Oldboy, A Tale Of Two Sisters, The Experiment oder One Missed Call. Die Adaption von Martyrs ist dagegen noch mal ein ganz anderes Brett.

Lucie wurde als Kind entführt, eingesperrt und gepeinigt. Nach ihrer Flucht kommt sie in ein Heim und freundet sich mit der gleichaltrigen Anna an. Jahre später, immer noch verfolgt von den Dämonen der Vergangenheit dürstet es Lucie nach Rache. Doch was Lucie und Anna im Haus der Peiniger von damals erwartet, entbehrt sich jeglicher Vorstellungskraft. Soweit ist der erzählerische Rahmen von Martyrs identisch. Doch die Goetz-Brüder nehmen sich in Zusammenarbeit mit Autor Mark L. Smith viele deplatzierte Freiheiten heraus.


Schon als klar war, dass Blumhouse Productions hinter Martyrs stehen, konnte man erahnen, dass es sich bei diesem Remake um Massenware von der Stange handelt. Blumhouse ist bekannt für günstig produzierte, extrem gewinnbringende Horrorfilme und Franchises. Qualitativ kam dabei jedoch selten Glanz heraus. Pascal Laugiers Original ist kaum auszuhalten, aber dennoch extrem kraftvoll und energisch. Auch das Remake hält sich nicht zurück und liefert einige heftige Gewaltspitzen ab, jedoch ohne die Intensität und Schrecklichkeit des Originals. Denkwürdigen Szenen wie die berüchtigte Häutung wurden ihrer Kraft beraubt und wirken hier nur zum Selbstzweck. Stattdessen gibt es Verfolgungsjagden durch die örtlichen Wälder. Künstlerische Freiheit oder was? Definitiv künstlerische Freiheit oder eher eine Frechheit ist das modifizierte Ende.

Auf emotionaler Ebene versagt Martyrs 2015 tatsächlich vollständig. Eine Bindung zu den Figuren ist unmöglich. Auch der Leidensweg wirkt hier völlig absurd. Ohne großartig zu spoilern, Originalkenner werden wissen worum es geht, muss die Hauptfigur im Original eine wahre Tour de Force erleiden um das Ziel der "Schurken" zu erreichen. Im Remake ist dieser qualvolle Prozess nach gefühlten zwei Minuten abgeschlossen und wirkt vollkommen dumm und unglaubwürdig. Der Film wirkt gehetzt und lässt sich keine Sekunde Zeit für Gefühle oder Intentionen. Atmosphäre? Fehlanzeige! Lediglich die für dieses geringe Budget immerhin durchschnittliche Production-Value und die Darsteller geben dem Film überhaupt etwas positives ab.

Man muss sich schon hinterfragen, wer auf die glorreiche Idee kam ein Remake der Creme de la Creme des Terrorkinos zu drehen? Stellenweise äußerst sich der Verdacht, dass die Filmschaffenden ihr französisches Vorbild und seine Botschaften nicht mal verstanden haben. Dachte wirklich jemand, dass das Resultat auch nur im entferntesten Sinne akzeptabel werden könnte? Aber wenn dem so ist, Blumhouse Productions, gebt mir 1 Mio $ und ich drehe euch ein Remake von The Godfather. Laugiers Martyrs ist ein Film den man nie wieder vergisst, egal ob die eigene Rezeption positiv oder negativ ausfällt. Das US-Remake ist jedoch ein Film, den man nach wenigen Stunden geistig schon wieder komplett gestrichen hat. Bitte schaut euch weiterhin nur das Original an liebe Filmfreunde! Wer sich jedoch selbst vom Fiasko überzeugen will, dem sei die ungeschnittene, günstige, aber qualitativ gelungene UK-DVD empfohlen.

OT: Martyrs VÖ: 2015 Laufzeit: 86 Minuten FSK: - R: Kevin Goetz, Michael Goetz D: Troian Bellisario, Bailey Noble, Kate Burton
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Christian

Bildquelle: Altitude Film Distribution, Blumhouse Productions, The Safran Company, Temple Hill Entertainment

X-Men: Apocalypse (2016)



Ich bin ehrlich, obwohl ich Comics und Superhelden mag, kann ich dem aktuellen Akkordoutput an Superhelden-Filmen nicht mehr viel abgewinnen. Insbesondere nach dem Dawn Of Justice Fiasko bin ich momentan schwer für solche Themen zu begeistern. Im Jahr 2016 ist X-Men: Apocalypse nun schon nach eben Batman V Superman, Civil War und Deadpool der vierte große Superheldenstreifen und ein Ende ist in Anbetracht des kommenden Suicide Squad Releases nicht in Sicht. Nach den durchaus gelungenen Trailern der letzten Wochen zum neuen X-Men Film bin ich dennoch frohen Mutes in die Vorstellung gegangen.

Bereits im ersten Drittel des Films überraschen Bryan Singer als Regisseur und Simon Kinberg als Autor. Hier gibt es längst keine große Materialschlacht, sondern ein ziemlich düsteres, emotionales und geerdetes Superheldendrama. Identitätskrisen an allen möglichen Orten und Stellen. Insbesondere die Figur Magnetos fällt hier positiv ins Gewicht. Doch schnell wird ebenso klar, dass Apocalypse kaum etwas zu erzählen hat. Der Plot ist unglaublich schwach und besteht eigentlich nur aus stereotypischer Schwarzweißmalerei. Je mehr die Weltherrschaftsambitionen des Schurken Apocalypse in den Vordergrund rücken, desto blasser mutiert die Veranstaltung. Göttliche Allmächtigkeitsfantasien haben wir ja nun wirklich zu genügend als Motiv in diesem Genre erlebt.

Denn auch hier man es wieder nicht geschafft einen tollen Bösewicht zu installieren. Seit The Dark Knight hat es, bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege, keinen nennenswerten Schurken mehr in Superheldenadaptionen gegeben. Oscar Isaac tat mir in seiner Rolle hier schon ziemlich leid. Der Mittelteil des Films ist in der Folge ziemlich belanglos und auch langweilig. Nicht selten konnte man im gut gefüllten Kinosaal ein lauteres Gähnen verzeichnen. Den großen Bombast hebt sich Singer dann für sein großes, viel zu lange hinausgezögertes Finale auf. Bis es endlich zur Sache geht, sind fast zwei Stunden vergangen. Aber auch das Finale ist eher enttäuschend. Ein Effektgewitter welches jenem aus Batman V Superman sehr ähnelt, wenn auch deutlich übersichtlicher. Auch der passende Farbmatsch spielt hier wieder eine große Rolle.


X-Men: Apocalypse erzählt und zeigt uns nichts besonderes. Es gibt kein Alleinstellungsmerkmal im Sumpf der Comicadaptionen und leider auch nur wenige Highlights. Die stärksten Momente des Films können Michael Fassbender, aber insbesondere Evan Peters als Quicksilver für sich verbuchen. Auch Neuzugang Sophie Turner (Game Of Thrones) passt gut in den Cast. Jennifer Lawrence scheint sich jedoch mehr denn je von solchen Blockbustern unterfordert zu fühlen, anders lässt sich ihre extrem gelangweilte Performance nicht erklären. Als sich die Lage im Film zuspitzt gibt es noch einen Kameoauftritt eines allseits bekannten Mutanten zu bestaunen. Doch wer die letzten Trailer gesehen hat, der wird auch hier nicht mehr großartig überrascht.

So tritt der neue X-Men irgendwie auf der Stelle. Eine Entwicklung oder ein Fortschritt in Singers Reihe ist nicht zu erkennen und so wirkt Apocalypse eben wie ein Füllfilm im Franchise, der nur in seinen wenigen emotionalen Charaktermomenten überzeugen kann. Zu konventionell, zu stereotypisch und deutlich zu lang ist X-Men: Apocalypse und geht damit erstaunlicherweise einen Weg, der für das Franchise bis dato eher ungewohnt ist.

OT: X-Men: Apocalypse VÖ: 2016 Laufzeit: 144 Minuten FSK: 12 R: Bryan Singer D: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Oscar Isaac, Nicholas Hoult, Rose Byrne, Tye Sheridan, Sophie Turner, Olivia Munn, Lucas Till, Evan Peters
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Christian

Bildquelle: Twentieth Century Fox, Marvel Entertainment, Bad Hat Harry Productions, TSG Entertainment

The Football Factory (2004)



Der FC Chelsea ist alles für Tommy. Alles dreht sich um Fussball. Doch Tommy ist selten im Stadion zu finden, lieber verteidigt er seine Vereinsfarben auf den Straßen Londons oder in der britischen Provinz bei Auswärtsspielen. Auf einem Acker, in einer Seitenstraße oder in einem Tunnel, denn Tommy ist Hooligan und Mitglied einer streng hierarchischen Gang. Zwischen Bürgerlichkeit und Straßenehre, Blumensträußen und Koks. Bis zum bitteren Ende.

Ganz in der Tradition von Danny Boyles Trainspotting ist The Football Factory ein Drama, welches sich mit britischen Subkulturen auseinandersetzt. Anders als beispielweise der etwas bekanntere aber thematisch identische Hooligan-Film Green Street Hooligans, gibt The Football Factory ein wesentlich authentischeres, schmutzigeres Bild der Gewalt ab. Während Hooligans zu zwei Dritteln einem Tourismuswerbefilm für Schlägereien ähnelt, gibt sich The Football Factory zwar auch abenteuerlich, offenbart aber auch früh die Schattenseiten dieser "Berufung", lässt jede leider letztlich die Konsequenz vermissen.

Im Film geht es zu wie in Gangs Of New York. Chelsea, Tottenham, Millwall, Stoke. Ein Kampf zwischen Städten und Distrikten. Für Max und Erika Mustermann eine Parallelgesellschaft. Um insbesondere die Kampfszenen möglichst authentisch zu gestalten, beteiligten sich ehemalige und noch aktive Hooligans an der Produktion. The Football Factory beleuchtet in seinen kurzweiligen anderthalb Stunden aber nicht nur die Gewalt nach außen gegenüber anderen Gruppierungen, sondern auch jene Brutalität innerhalb der eigenen Strukturen. Letztlich ist es aber immer ein herunter gebrochenes klischeehaftes "Wir gegen den Rest der Welt".


Fussball spielt in Nick Loves Film eine untergeordnete Rolle. Es geht viel mehr um Traditionen, Rituale und Macht innerhalb der sogenannten Firmen. Ein Ball verkommt da schnell zur Nebensache und nur zum Vorwand für stumpfe Schlägereien. Wirklich abschreckend wirkt der Film dabei selten. Es bleibt eine stetige Distanz zwischen uns und den Figuren und die unterschwellige Verharmlosung der Thematik und ihren Konsequenzen zeugt nicht grade von einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Problem Hooligans. Bei aller legendären Glorifizierung darf man nie vergessen, dass durch Hooligans zahlreiche Menschen ihr Leben verloren, nicht zuletzt bei den Katastrophen von Heysel Mitte der 80er Jahre. Da war am Ende der deutlich klarer im Mainstream angesiedelte Green Street Hooligans konsequenter.

Stattdessen wirkt der Film zwischenzeitlich eher satirisch und ironisch, was auch am permanenten Off-Kommentar des Hauptdarstellers Danny Dyer liegt. Dyer und auch die anderen Darsteller agieren eher bescheiden. Lediglich Frank Harper überzeugt in seiner Rolle als Firmleader. Großartig ist dagegen der Soundtrack, u.a. prominent besetzt mit Britpop von The Jam, The Streets und Primal Scream. Zum Teil wurde The Football Factory übrigens von den Videospielveteranen Rockstar Games produziert. Einer der Protagonisten spielt sogar kurz eine Runde Grand Theft Auto. Letztlich ist The Football Factory vielleicht der berühmteste Subgenrevertreter, reiht sich aber nur in die endlose Reihe durchschnittlicher Hooligan-Filme wie Green Street Hooligans oder Cass ein. Klassenprimus bleibt weiterhin Alan Clarkes TV-Film The Firm mit Gary Oldman in der Hauptrolle.

OT: The Football Factory VÖ: 2004 Laufzeit: 91 Minuten FSK: 16 R: Nick Love D: Danny Dyer, Neil Maskell, Frank Harper
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Christian

Bildquelle: Kinowelt

Girlhouse (2014)



Kylie benötigt für die Erfüllung ihrer Wünsche und Träume schnelles Geld. Diese Möglichkeit bekommt sie mit dem Einzug in das Girlhouse, einer Art Frauen-WG, die 24/7 unter Beobachtung im Internet steht und natürlich vor allem bei an Erotik interessierten Kunden für Umsatz sorgen soll. Doch schnell muss Kylie erkennen, dass nicht alle Zuschauer harmlos sind. Insbesondere wenn deren Vergangenheit so aussieht, wie die von Loverboy...

Der ehemalige Schauspieler Trevor Matthews feiert mit dem Slasher Girlhouse sein Regiedebüt und tatsächlich ein überraschend gelungenes. Dabei lässt sich der Film wirklich verdammt viel Zeit, vielleicht etwas zuviel. Die erste Hälfte führt Figuren ein, liefert rudimentäre Charakterisierung und offeriert nicht grade wenig Softerotik. Tatsächlich gibt es genügend nackte Tatsache. Zum einen bedient man damit den Exploitationfaktor, zum anderen passt es inhaltlich ganzgut. Zwar wird Girlhouse nie wirklich gesellschaftskritisch, ein paar Anmerkungen zu diversen Themen über das moderne Computer Zeitalter verkneift sich der Film aber dann auch nicht. Leider verschenkt Matthews Horrorfilm auch ein wenig sein Potential, denn anstatt für einen schönen Reveal am Ende zu Sorgen, klärt er uns bereits im kurzen Intro ausreichend über Hintergründe und Motive auf, wenn auch auf sehr brutale Art und Weise. Während in der ersten Hälfte also Brüste dominieren, geht es im zweiten Abschnitt deutlich brutaler und heftiger zur Sache. Die Spannungskurve steigt gleichermaßen mit dem Tempo und nimmt zum Ende hin keine Gefangenen mehr.

Girlhouse ist handwerklich überraschend gut und hochwertig inszeniert und begeistert zusätzlich mit schönen handgemachten Splatterffekten. Ware von der Stange sieht definitiv anders aus. Viel neues zeigt und erzählt Girlhouse zwar nicht, huldigt aber durchaus an einigen Stellen seinen großen Vorbilder wie Halloween. Und wenn wir schon beim Halloween-Franchise sind, sollte man Anmerken, dass Girlhouse aus dem Online, Reality TV, Big Brother Is Watching You Ding wesentlich mehr macht als Halloween Resurrection zu seiner Zeit. Das Verhalten der Figuren in Girlhouse ist zwar an einigen Stellen etwas fragwürdig, in der Regel aber durchaus nachvollziehbar. Letztlich sorgt das im Zusammenspiel mit dem wirklich bedrohlichen Killer für einige richtig spannende Momente. Der Cast besteht eher aus unbekannten Darstellern. Lediglich Hauptdarstellerin Ali Cobrin (American Reunion, Neighbours) und Rapper Slaine (The Town, Gone Baby Gone, Killing Them Softly) dürften eingefleischten Filmfans bekanntere Namen sein. Mit Girlhouse habe ich einen billigen auf reine Schocks ausgelegten Slasher erwartet und bekam letztlich aber einen ansprechend gespielten, für das Genre überdurchschnittlich inszenierten, stellenweise richtig spannenden Slasher alter Schule. Blut & Nacktcroquet FTW!

OT: Girlhouse DT: Girlhouse - Töte, was du nicht kriegen kannst VÖ: 2014 Laufzeit: 100 Minuten FSK: 18 R: Trevor Matthews, Jon Knautz D: Ali Cobrin, Slaine
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Christian

Bildquelle: Concorde

Memories Of The Sword (2015)



Ein junges Mädchen namens Seol-hee wurde von früh an von ihrer blinden Ziehmutter Seol-rang zur Kämpferin trainiert - mit nur einem Ziel. Seol-hee soll sich bei den Mördern ihrer Eltern rächen. Diese starben damals bei einem Aufstand gegen die Obrigkeit durch heimtückischen Verrat. Und ausgerechnet der Verräter sitzt heute ganz weit oben auf der Treppe der Macht.

Park Heung-Siks Memories Of The Sword ist ein südkoreanisches Martial Arts-Drama ganz im Wuxia-Stil des chinesischen Kinos, insbesondere dem aus Hong Kong. So greift sich Memories Of The Sword sowohl inhaltliche als auch audiovisuelle Versatzstücke aus Crouching Tiger, Hidden Dragon, Hero und House of Flying Daggers und schafft daraus ein doch überraschend eigenständiges und gelungenes Stück, das zeigt, dass auch auch koreanisches Kino Wuxia und epische Swordplays problemlos meistern kann.

Und so weiß man auch, was zu erwarten ist. Das Storytelling unterscheidet sich kaum von den großen Vorbildern. Das Tempo ist nie wirklich hoch und trotzdem wirkt die Handlung etwas rasch erzählt. Memories Of The Sword lässt dabei die wenigsten Genretropes aus. Ja es gibt einen Schwertkampf im Schnee. Ja es gibt einen Schwertkampf im Regen, im Wald. Ein wenig Melodramatik hier, ein wenig flottes Romancing dort. Zudem gibt es häufige Flashbacks und Handlungssprünge, aber unüblicherweise lässt sich dem Geschehen trotzdem überraschend problemlos folgen. Das Rachemärchen ist trotz seiner zahlreich enthaltenen Genrestandards sehr unterhaltsam und gelungen.


Und für dieses Gelingen sorgen vor allem die ziemlich starken Darsteller. Allen voran Lee Byung-Hun (I Saw The Devil, JSA, A Bittersweet Life) spielt als facettenreicher Schurke überragend. Selten habe ich einen so tiefgründigen Filmbösewicht gesehen wie hier. Aber auch die Frauen Jeon Do-yeon (The Housemaid) und Kim Go-Eun (Monster, Coin Locker Girl) spielen ziemlich überzeugend. Man folgt den charismatischen Figuren so gerne durch die zwei Stunden, die entgegen vieler anderer asiatischer Schwertkampfepen wie im Fluge vergehen.

Visuell ist Memories Of The Sword im Grunde wunderbar. Es gibt mal schnelle Schnitte, mal Zeitlupen und dann wieder sehr lange und ruhige Einstellungen. So entsteht eine gelungene Kombination aus moderner und klassischer Action. Kulissen, Kostüme und Farben passen ebenfalls. Eher unterdurchschnittlich ist die bescheidene Anwendung von Wirework, die mehr als offensichtlich ist, insbesondere in Kombination mit gewichtslosen CGI-Effekten, die aber zum Glück eher selten sind. Memories Of The Sword ist optisch definitiv aufregend, aber die ewigen Zeitlupen nutzen sich zum Ende hin auch etwas ab. Park Heung-Siks Film ist ein gelungener, aber definitiv kein zukünftiger Klassiker des Genre. Fans des asiatischen Actiondramas sollten hier aber unbedingt einen Blick riskieren!

IT: Memories Of The Sword OT: Hyeomnyeo: Kar-ui gi-eok VÖ: 2015 Laufzeit: 121 Minuten FSK: 16 R: Park Heung-shik D: Lee Byung-hun, Jeon Do-yeon, Kim Go-Eun
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Christian

Bildquelle: Splendid

Batman v Superman: Dawn of Justice (2016)



Mensch, was war der Hype um Zack Snyders Duell der vielleicht wichtigsten und bekanntesten Superhelden des Planeten groß. Und dann dieser Film. Eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Wer es tatsächlich geschafft hat, die vollständigen 151 Minuten ohne Einschlafen durchzustehen, der wird wohl kaum am Fazit vorbei kommen, dass Batman V Superman DER Film der verschenkten Möglichkeiten ist.

Worum es geht? Das dürfte auch nach dem zweiten Ansehen nur den wenigstens klar geworden sein. Batman und Superman liegen im Clinch. Batman fürchtet die Anwesenheit eines gottgleichen Superheldens, der bei seiner letzten Weltrettungsaktion halb Metropolis in Schutt und Asche gelegt hat. Und während sich die beiden mehr oder weniger gegenseitig bekämpfen, die Betonung liegt ganz klar auf "weniger", entwickelt sich eine ganz andere Macht, die droht die Weltherrschaft an sich zu reißen. Grob gesprochen war es das. Snyders Superhelden-Epos öffnet aber auch zahlreiche Nebenplots, die selten logisch zu Ende geführt werden oder nur kurzfristig angerissen werden. Von den wenig subtilen Hinweisen auf eine Expansion des DC-Filmuniversums ganz zu schweigen. Die Justice-League Figuren werden tatsächlich per Mail (!!!) angeteast. Generell wirkt der Film wie eine zweistündige Werbeveranstaltung für seine potentiellen Spin-Offs.


Dabei beginnt Dawn Of Justice ziemlich interessant und einfallsreich. Man Of Steel aus der Perspektive von Passanten zu rekapitulieren ist ein starker Einstieg mit einer gewissen 9/11-Attitüde, die seinen Zweck nicht verfehlt. Doch so stark der Einstieg, so schnell geht es bergab. Ich liebe Zack Snyder wirklich für den gnadenlos unterbewerteten Sucker Punch, aber wenn man wirklich ehrlich ist und das beweisen mittlerweile nahezu alle Projekte Snyders, ist das Hauptmotiv des Regisseurs doch ganz klar Style Over Substance. Snyder kann keine Geschichte erzählen und schon gar keine Charaktere oder Spannung generieren. In gewisser Weise erinnert Snyder desbezüglich an Eli Roth. Auch Batman V Superman ist zu zwei Dritteln einfach unglaublich langweilig und arbeitet über seine volle Laufzeit mit unterentwickelten, blassen Figuren.

Der Beef zwischen den namensgebenden Helden ist nie nachvollziehbar und wird genauso unverständlich aufgelöst. Die unsinnigen Traumsequenzen und Visionen ändern daran auch nichts. Auch an den Darstellern läuft der Film vorbei. Bei Release des Films wurde noch Ben Afflecks Bruce Wayne Darstellung gelobt. Dem kann ich weniger zustimmen. Er macht nicht viel verkehrt, aber eine Offenbarung sieht anders aus. Am blassen Henry Cavill lässt sich sowieso kaum ein gutes Wort verlieren. Die Figur Clark Kent und seine Motivationen wirken auf Grund ausbleibender Dialoge und tiefgründiger Darstellungen völlig verschenkt. Kein gutes Zeichen, wenn die Helden und Hauptfiguren gleichermaßen unsympathisch sind. Zum Glück gibt es durch Gal Gadot und ihrer Wonder Woman Abhilfe. Zwar ist die Darstellung der Amazone sehr trashig, lässt aber tatsächlich auf einen tauglichen Soloauftritt hoffen. Aus dem umfangreichen und prominent besetzten Cast (u.a. Amy Adams, Jesse Eisenberg, Diane Lane, Laurence Fishburne und Holly Hunter) ragt lediglich Jeremy Irons als Butler Alfred heraus. Insbesondere Eisenberg als Schurke des Films ist eine Enttäuschung als müder Heath Ledger-Joker Abklatsch.


Auch optisch ist der Film enttäuschend. Snyder kann einen Film audiovisuell zum Erlebnis werden lassen, bei Dawn Of Justice hat er die Möglichkeit jedoch weitestgehend verpasst. Der Score von Hans Zimmer und Junkie XL kann sich durchaus noch hören lassen. Visuell passt jedoch wenig. Ein grauer Matsch ohne Kontraste, überflutet von unübersichtlich kaugummifarbenen Spezialeffekten. Besonders das Finale ist extrem unübersichtlich und sieht ungefähr so aus, wie man sich eine Explosion in einer Süßigkeitenfabrik vorstellen muss. Auch der Schnitt hat nichts mit einem modernen Blockbuster am Hut.

Am Ende fragt man sich warum uns der Film nicht abholt? Wo will die Story hin? Was sagt sie uns? Noch viel schlimmer ist, dass Dawn Of Justice überhaupt keinen Spaß macht. Überlegt euch das mal. Ein Duell zwischen Batman und Superman soll keinen Spaß machen? Ich war am Ende der zweieinhalb Stunden wirklich erschöpft und überfordert. Was Marvel in nun mehr als genug Filmen erzählt hat, wird bei Warner/DC in einen Film gepresst. Und das selten subtil und komplett humorlos. Müde und deprimiert bin ich aus dieser bisher größten Enttäuschung des Kinojahres gegangen. Viel zu lang und alles andere als unterhaltsam.

OT: Batman V Superman - Dawn Of Justice VÖ: 2016 Laufzeit: 151 Minuten FSK: 12 R: Zack Snyder D: Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Gal Gadot, Jesse Eisenberg
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Christian

Bildquelle: Warner Bros.

Countdown (2016)



Ein neuer Monat, ein neuer WWE-Film im Heimkino, wenn auch bisher nur in den USA. In Countdown darf sich Wrestler Dolph Ziggler als Cop versuchen um zu verhindern, dass ein kleiner Junge stirbt und gleichzeitig eine Bombe explodiert. Dass Zigglers Figur selbst vor nicht so langer Zeit einen Sohn verlor, macht die Angelegenheit nur noch dramatischer. Ach egal, um es früh auf den Punkt zu bringen Countdown reiht sich bedingungslos in die Reihe extrem bescheidener Produktionen der WWE-Studios ein...

Der Cop-Thriller könnte kaum rudimentärer sein. Es gibt eine grobe Story, gemalt nach Zahlen. All das haben wir schon hundertfach gesehen. Es gibt in Countdown null Spannung, keine Wendungen, nicht mal die kleinste Überraschung. Außer vielleicht, dass sich Debütant Nick Nemeth alias Wrestler Dolph Ziggler in seinem Spielfilmdebüt nicht merklich schlechter anstellt als die Mehrzahl seiner Kollegen. An seiner Seite dürfen der schon etwas erfahrenere Glenn Thomas Jacobs (See No Evil 1+2) alias Wrestler Kane und die von mir verehrte Genre- und B-Darstellerin Katharine Isabelle (American Mary, Ginger Snaps, Freddy Vs. Jason) agieren. Die beiden haben sogar schon zusammen in See No Evil 2 agiert.


Countdown ist absolute Videothekenware von der Stange. Einen künstlerischen Wert gibt es nicht. Nicht mal eine coole Kameraeinstellung oder eine tolle Kampfszene. Im Gegenteil, die Kampfszenen erinnern viel mehr an die letzten zehn Filme von Steven Seagal. Walking Tall, No One Lives und stellenweise die See No Evil Filme bilden also weiterhin die Ausnahme an erträglichen WWE-Filmen. Als wäre das alles noch nicht genug, versucht sich Countdown unter der Regie von John Stockwell (Turistas, Into The Blue) auch noch am ganz schlimmen Product Placement. Da man die Laufzeit mit der mangelhaften Story kaum füllen konnte, begleitet man Ziggler und Isabelle hauptsächlich beim wahllos durch die Gegend laufen und ermitteln. Mit dem in der Vergangenheit hängen gebliebenen Soundtrack will ich besser gar nicht erst anfangen.

Countdown ist ein stereotypisches, komplett generisches, belangloses DTV-Produkt, das zwar letztlich nie wirklich weh tut, aber auch wirklich nichts dafür unternimmt eigenständig oder irgendwie unterhaltsam zu sein. Schade, aus der einen sinnvollen Idee (die WWE Show), die auch schon im Trailer verwurstet wurde, hätte man einen schön ironischen Blick hinter die Wrestling-Kulissen wagen können, aber diese Idee hat bei den Produzenten scheinbar nie eine Rolle gespielt. So bleibt am Ende ein ziemlicher schlechter und vor allem langweiliger Film, mit einer bemitleidenswerten Katharine Isabelle, die wir nun immerhin mal in cooler Cop-Kluft bestaunen durften.

OT: Countdown AT: 6:42 VÖ: 2016 Laufzeit: 93 Minuten FSK: -6 R: John Stockwell D: Nick Nemeth, Glenn Thomas Jacobs, Katharine Isabelle
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Christian

Bildquelle: WWE Studios, Lionsgate

The Assassin (2015)



Nie ist eine Assassine während der Tang Dynastie, die von ihrer Meisterin Jiaxin als kleines Kind entführt und als Killerin groß gezogen wurde. Nie ist mittlerweile die beste auf ihrem Gebiet und sorgt in aller Regelmäßigkeit dafür, dass unbeliebte und korrupte Politiker das Zeitliche segnen. Doch Nies Fassade beginnt zu bröckeln und die eiskalte Attentäterin beginnt Gefühle gegenüber ihren Opfern zu entwickeln, weshalb Meisterin Jiaxin ihre Schülerin einer Vertrauensprüfung unterziehen will.

The Assassin ist eine asiatische Koproduktion (TWN/CHI/HK) unter der Regie des weltweit anerkannten taiwanesischen Regisseurs Hou Hsiao-Hsien, der mehrere Jahre auf dieses für ihn zunächst ungewöhnlich wirkende Martial Arts Projekt hinarbeitete. Doch ein Wuxia oder Martial Arts Film unter der Leitung von Hsiao-Hsien ist kein gewöhnlicher Film des in Asien so beliebten (Sub)genres. Während andere Produktionen rasant, unübersichtlich, oberflächlich und vollgepumpt mit Effekten agieren, was besonders in den letzten zwei, drei Jahren extrem negative Züge angenommen hat, ist The Assassin der Antagonist des klassischen Blockbusters. The Assassin ist extrem langsam und extrem ruhig. Selten habe ich einen Film gesehen, der so schwer wahrzunehmen war.

Wer hier tobende Schwert- und Wirekämpfe oder gar Drachen erwartet, ist völlig falsch. The Assassin ist ein extrem akkurates, historisch bestens recherchiertes Drama, mit einer oberflächlich betrachtet leichten Story, die aber durch die Familiengeschichte und die unterschiedlichen Bindungen und Emotionen sehr komplex wirkt. Es bedarf mit Sicherheit einer zweiten Sichtung, in der man nicht so extrem auf die äußerlische Schönheit des Films fixiert ist, um wirklich alles in The Assassin greifen zu können. Etwas Vorwissen in chinesischer Geschichte wäre vielleicht auch nicht verkehrt.


The Assassin ist mit Sicherheit einer der schönsten zwei bis drei Filme der letzten Jahre. Jeder einzelne Frame, des sich fast über die komplette Laufzeit im 4:3 Format abspielenden Films ist ein Kunstwerk. Hou Hsiao-Hsien betreibt hier mit seinem Kameramann Ping Bin Lee, der auch schon für die Bilder in In The Mood For Love verantwortlich war, eine nahezu einzigartige Perfektion. Egal ob das gekonnte Spiel mit Licht und Schatten oder die brillant arrangierte Farbgebung. Die beiden haben ein Auge für Schönheit. Gemäldeartig präsentiert The Assassin seine Szenen.

Genial spielt der Film mit der Perspektive des Zuschauers, der bei den raren aber faszinierenden Kampfszenen mit einer Totalen ferngehalten wird. Auch bei den intimen Dialogszenen werden wir voyeuristisch durch leicht durchsichtige Vorhänge vom Geschehen getrennt. Ganz langsam bewegt sich die Kamera, extrem langsam, fast meditativ möchte man meinen. Der Film erinnert bei seiner Schmelze aus Langsamkeit und Schönheit an Zhang Yimous Raise The Red Lantern. Die Ausstattung samt großartiger Kulissen und wunderschöner Kostüme ist ohne wenn und aber erhaben. Auch der betörende Score passt in wirklich jeder Szene perfekt.


Bei aller von mir hervorgehobenen Genialität muss man aber auch betonen, dass The Assassin definitiv kein Film für Jedermann ist. Lässt man sich nicht auf die Faszination, auf die Schönheit der Bilder und der Geschichte ein, dann kann der Film durchaus eine einschläfernde Wirkung haben, da sich die Kampfszenen auf höchstens geschätzte fünf Minuten beschränken. Aber das wäre wirklich schade, denn der Film entwickelt seine Spannung definitiv, nur eben unterbewusst und subtil. Ich habe es sehr genossen, dass in diesem Film echte Emotionen und realistisch wirkende Figuren im Vordergrund standen und nicht die übliche Schwarzweißmalerei mit ihrer Überdramatik. Dafür sorgen auch die ruhig, aber dennoch intensiv agierenden Darsteller, allen voran natürlich die unglaubliche Shu Qi, die in The Assassin von Hsiao-Hsien mal wieder zu Höchstleistungen angespornt wurde. Das unnötig oft kritisierte Overacting vieler asiatischer Produktionen findet hier nie statt.

The Assassin ist ein unglaublich schöner Arthouse Martial Arts Film, der weniger Action-, viel mehr eine Charakterstudie ist. Hsiao-Hsiens Meisterwerk ist eine außergewöhnliche Erfahrung, ein stimulierendes, faszinierendes, vielleicht sogar hypnotisierendes Erlebnis, welches sich jeder Filmliebhaber einmal geben sollte. The Assassin ist so sanft und doch voller Energie. Vor allem aber holt der Festivalliebling des letzten Jahres das immer epischer werdende Genre des Wuxia wieder zurück auf den Boden. Und wie...

IT: The Assassin OT: Nie yin niang VÖ: 2015 Laufzeit: 105 Minuten FSK: - R: Hou Hsiao-hsien D: Shu Qi, Chang Chen, Satoshi Tsumabuki
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Christian

Bildquelle: Well Go USA Entertainment, Studio Canal, Wild Bunch

Young Guns (1988)



Billy The Kid führt eine Gruppe von jungen Revolderhelden an, die zu Hilfssheriffs ernannt wurden um den Mord an ihrem Ziehvater aufzuklären. Doch als Billy seine Authorität nicht mehr unter Kontrolle hat, werden unsere Helden selbst zu gejagten Outlaws. Christopher Cains moderner Western könnte eigentlich kaum stereotypischer für die 80er Jahre sein. In einer Zeit geboren, in der das Western Genre so gut wie ausgestorben war, versuchte der Regisseur ausgerechnet mit Hilfe des Bratpacks alte Motive wieder zu entstauben.

Und tatsächlich kann man den Kniff die Young Bloods Hollywoods als Young Guns für einen Pop-Western zu verpflichten als gelungen bezeichnen. Egal ob Emilio Estevez, Charlie Sheen oder der stets bestens frisierte Kiefer Sutherland - cooler als die Jungs, kann man als Cowboy eigentlich gar nicht mehr aussehen. Dafür sorgt auch die Musikvideo-Optik, die so gar nicht zu einem Western passen will, aber Sheen und Co. so hip wie möglich darstellt. Oben drauf gibt es natürlich auch nicht Morricone, sondern einen rockigen Score. Früh wird klar, dass sich Young Guns selbst nie ernst nimmt und durch seine locker, leichte warmherzige Art punkten will und das über weite Strecken auch schafft.


Inhaltlich ist Young Guns eine lose Vorgeschichte zur allseits bekannten Billy The Kid Geschichte. Historisch akkurat ist hier lediglich der grobe Umriss der Handlung. Die Tonalität des Films lässt aber auch keine Zweifel daran aufkommen, dass Young Guns alles andere als eine Geschichtsstunde ist. Obwohl Young Guns die Verfilmung vieler Kindheitsträume ist - mit den besten Freunden Abenteuer im Wilden Westen zu erleben - gipfelt der Film dann doch in einem nicht mehr ganz so lustigen Showdown. Zwischenzeitlich fließt sogar überraschend viel Blut.

Ein Klassiker ist Young Guns auf Grund seiner schmalen Story nicht geworden. Zu sehr dreht sich der Film im Kreis und vermittelt uns dabei eigentlich relativ wenig, um ehrlich zu sein gar nichts. Der Unterhaltungswert leidet darunter jedoch nicht und so kann man sich Young Guns als Western der frühen MTV-Generation durchaus noch mal ansehen. Ich war nicht begeistern, aber irgendwie schon positiv überrascht.

OT: Young Guns DT: Young Guns – Sie fürchten weder Tod noch Teufel VÖ: 1988 Laufzeit: 107 Minuten FSK: 16 R: Christopher Cain D: Emilio Estevez, Kiefer Sutherland, Lou Diamond Phillips, Charlie Sheen, Dermot Mulroney
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Christian

Bildquelle: Concorde

10 Cloverfield Lane (2016)



Wie aus dem Nichts und völlig unerwartet kündigte J.J. Abrams Produktionsfirma Bad Robot mit mysteriösen Teasern und Trailern einen neuen Cloverfield Film an. Der erfolgreiche und von mir geschätzte Kaiju Found-Footage Film hatte eigentlich eigentlich gar kein Sequel nötig und glücklicherweise ist der vor wenigen Wochen in den Kinos angelaufene 10 Cloverfield Lane alles andere als eine stereotypische Fortsetzung und gehört für mich bis dato zu den großen Überraschungen des zugegebenermaßen noch kurzen Kinojahres.

Letztlich ist 10 Cloverfield Lane ein Pseudo-Sequel. Der Film spielt im selben Universum wie sein Blockbuster-Vorgänger, arbeitet aber weder mit den gleichen Figuren, noch mit Storyverknüpfungen. Auf der einen Seite besteht darin ein Risiko, denn viele Zuschauer bekommen eventuell nicht das geliefert, was sie erwarten. Auf der anderen Seite ermöglicht 10 Cloverfield Lane dadurch auch Kinogängern, die den Vorgänger nicht gesehen haben oder gar negativ aufgenommen haben, einen unvoreingenommenen Einstieg in die Materie. Statt einer großen CGI-Schlacht erwartet den Cineasten ein waschechtes Kammerspiel mit großartigen Performances der Hauptdarsteller. Jedes verlorene Wort über den spannenden Plot wäre ein Wort zuviel, weshalb wir an dieser Stelle darauf verzichten wollen. Vorkenntnislos macht der Film am meisten Spaß.

Regie-Debütant Dan Trachtenberg spielt hervorragend mit der Spannung, liefert uns gezielt Hinweis, wiegt uns in Sicherheit, nur um anschließend das aufgestellte Kartenhaus wieder zum Einsturz zu bringen. 10 Cloverfield Lane fühlt sich daher wie eine Synoptik aus Gareth Edwards Monster, Frank Darabonts The Mist und vor allem Alex Garlands Ex Machina an. Definitiv nicht die schlechtesten Vergleichsfilme. Das Skript erlaubt es Motive subtil und zeitlich perfekt abgestimmt aufzuklären. Das Ergebnis ist weitestgehend schlüssig, aber auch nicht vollständig logisch. Auf Grund der äußerst authentischen Atmosphäre kann man aber über kleine Details hinwegsehen. Viel mehr beschäftigt uns sowieso die Frage wie man mit einer solchen Isolationssituation umgehen würde. Was passiert und was geschah draußen? Glaube ich blind oder riskiere ich eventuell mein Leben um Dinge mit den eigenen Augen zu sehen? Das ist nicht gleich eine religiöse Parabel, aber durchaus raffiniert gemachtes Kino. Besser kann man die aktuellen Ängste dieser Welt in Zeiten des Terrors verpackt in Entertainment nicht erfassen.


So intensiv die Stimmung des Films ist, so wundervoll eingefangen die Bilder von Kameramann Jeff Cutter sind, die eigentlichen Highlights des Films sind die Darsteller. John Goodman war schon immer ein guter Schauspieler, was er aber in 10 Cloverfield Lane abliefert, hätte ungelogen einen Academy-Award verdient. Schade, dass die Academy Genre-Filme viel zu selten berücksichtigt. Goodman zeigt jedenfalls ganz großes Kino und trägt nahezu den ganzen Film auf seinen massiven Schultern. Nicht weniger stark agiert die charismatische Mary Elizabeth Winstead (The Thing, Scott Pilgrim, Die Hard 4+5), die in Trachtenbergs Film fast wie eine Ellen Ripley wirkt. Stark, mutig, clever und trotzdem feminin. So gut können Frauenrollen im Jahr 2016 geschrieben sein. Bitte mehr davon.

Wer solche Schauspieler an Bord hat, kann mit Leichtigkeit ein Kammerspiel über die fast gesamte Laufzeit durchziehen. Emotional, glaubwürdig und an einigen Stellen sogar schon fast in Feel-Good-Gefilden. Ein Ende gibt es auch, welches gemäß Cloverfield-Universum natürlich wieder ein Publikumsspalter ist, aber zumindest mir sehr gefallen hat. Ein Lob soll an dieser Stelle an das großartige Sound-Editing gehen. Jeder noch so kleine Ton im Film ist perfekt gesetzt und hat bei mir desöfteren für Gänsehaut gesorgt. 10 Cloverfield Lane kam unerwartet auf die Leinwand und ist ebenso unerwartet cleveres, intensives Kino. Kino über das man spricht und noch sprechen wird.

OT: 10 Cloverfield Lane VÖ: 2016 Laufzeit: 105 Minuten FSK: 16 R: Dan Trachtenberg D: Mary Elizabeth Winstead, John Goodman, John Gallagher Jr.
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Christian

Bildquelle: Paramount Pictures