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Central Intelligence (2016)



Verrückte Welt. Während CJ auf der High School der absolute Musterschüler und das absolute Sportass mit nahezu perfekter Zukunftsperspektive war, wurde Außenseiter Robbie auf Grund seines Übergewichts gemobbt und schikaniert. Zwanzig Jahre später, anlässlich eines Jahrgangstreffens, meldet sich Robbie auf Facebook bei CJ, mittlerweile ein enttäuschter Buchhalter und dessen Welt gerät damit sofort aus den Fugen, denn Robbie ist mittlerweile Bob und Bob ist ein muskelbepackter Spion des CIA...

Was nach einer lustigen Buddy-Komödie klingt ist leider nur ein ziemlich belangloser und zum großen Missfallen auch noch weitestgehend humorbefreiter Rohrkrepierer. Es ist wirklich eine Schande, dass es keinem Autoren und keinem Regisseur gelingen will das Charisma und enorme Potential eines Kevin Hart (Ride Along, Grudge Match) auf der Leinwand glänzen zu lassen. Keine Frage, Hart ist auch in Central Intelligence eine Nummer, aber eben der Rest des Films nicht, allen voran sein völlig unglaubwürdig wirkender Co-Star Dwayne Johnson (Furious 7, Pain & Gain), der nach zuletzt eher positiven Stimmen hier wieder klar einen Rückschritt macht. So richtig harmonieren wollen die beiden Stars dann leider auch nicht. Ungewöhnlich distanziert wirken die Performances zueinander.


Wer den Trailer zu Central Intelligence gesehen hat, hat damit auch schon 90% der noch halbwegs tauglichen Gags gesehen. Ansonsten bietet der Film eine komplett oberflächliche, unwichtige Story, die an manchen Stellen aus meiner Sicht sogar die falschen Botschaften vermittelt. Dazu gibt es ein paar überraschende Kameoauftritte, die letztlich aber völlig verschenkt wirken in Rawson Marshall Thurbers (We're The Millers, Dodgeball) Action-Comedy. Positiv anrechnen muss ich Central Intelligence die Absicht ein paar nette Metasprüche und Metagags einzubauen, in solchen Szenen hat der schwache Film seine wenigen, besseren Momente.

Oft versucht Central Intelligence die Zeit zwischen denen als Gags angedachten Szenen mit Lückenfüllerei zu nutzen. Das macht sich dann in stereotypischen Lebensweisheiten oder unnötigen Beziehungskisten bemerkbar. Auch die Actionszenen sind nicht wirklich groß in Szene gesetzt und wirken hastig dahin produziert. Klar Central Intelligence hat das Herz meist am richtigen Fleck und ich gebe jederzeit gerne Geld aus, um Kevin Hart auf der Leinwand zu sehen, aber das Gelbe vom Ei war die Komödie ganz sicher nicht. Vor ein paar Wochen lief mit The Nice Guys ja ebenfalls ein Buddy-Film an und zwischen diesem und Central Intelligence liegen wirklich Welten.

OT: Central Intelligence VÖ: 2016 Laufzeit: 107 Minuten FSK: 12 R: Rawson Marshall Thurber D: Dwayne Johnson, Kevin Hart, Amy Ryan
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Christian

Bildquelle: Warner Bros.

The Nice Guys (2016)



Auftragsschläger Jackson Healy und der überaus hysterische Detektiv Holland March stolpern eher zufällig in eine gewaltige Verschwörung zwischen Korruption, Gewalt, Politik und Porno. Selbst ein scheinbar gewöhnlicher Selbstmord eines Pornostars ist im Los Angeles der 70er Jahre nicht so wie er scheint. Und schon gar nicht wenn zwei Männer in diesem Fall ermitteln die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und schon gar nicht wenn ihre Figuren von keinem geringeren als Buddy-Movie-Experte Shane Black geschrieben sind.

Und in der Tat setzt Shane Black, u.a. Schreiberling einiger der besten Buddy-Action-Filme aller Zeiten (Last Boy Scout, Lethal Weapon), dort an wo er in den 90ern mit dem starken Kiss Kiss Bang Bang aufgehört hat. The Nice Guys offenbart sich rasch als Neo-Noir-Action-Comedy, die so typisch Shane Black ist, dass man sich von der ersten Sekunde an komplett wohl fühlt in dieser stilisierten 70s Welt der Stadt der Engel. Ich muss gestehen, der Trailer hat mich im Vorfeld alles andere als umgehauen. In den letzten Jahren haben die ohnhin schon selten gewordenen Buddy-Movies mit Noir-Anstrich nichts neues erzählt. Umso faszinierender die Überraschung dann im Kino. The Nice Guys kombiniert mit Leichtigkeit clever inszenierte Actionszenen, mal mehr mal weniger tiefgründigen Humor und vor allem großartige Dialoge, die schon immer die Stärke Shane Blacks waren.

Und wer hätte schon gedacht, dass Russell Crowe und Ryan Gosling auf Anhieb eines der besten Leinwandduos der letzten zehn Jahre abgeben? Die beiden werfen sich in bester Manier die Bälle zu und werden nur noch von der Neuentdeckung des Films schlechthin, der jungen Angourie Rice (These Final Hours) ausgespielt. Die kecke Jungdarstellerin kann den beiden erfahrenen Filmstars tatsächlich erheblich Parolie bieten und stiehlt ihnen in einigen Szenen sogar komplett die Show. Man darf gespannt sein, was da in Zukunft noch kommen mag. Man muss aber auch anmerken, dass nahezu alle Figuren des Films äußerst interessant und voller Charisma und Makel geschrieben sind. Ryan Gosling erreicht sogar sein Comedyniveau aus Crazy, Stupid, Love. Crowe beweist warum er nach wie vor einer der coolsten Typen im Filmbusiness ist.


The Nice Guys
füllt seine knapp zwei Stunden mit vielen großartigen Momenten, Highlights und kreativen Ideen. Immer wieder erwischt man sich dabei, sich ganz sicher über den Fortlauf der Geschichte zu sein, nur um dann doch wieder an der Nase herumgeführt zu werden. Der Noir-Krimi ist gespickt mit Mysteryelementen, unerwarteten Verbindungen und Verschachtelungen. Gedanken an die Coen-Brüder kommen da unweigerlich auf. Und so wirkt selbst ein angestaubtes Genre wie der Buddy-Film im Jahre 2016 komplett frisch und überraschend. Dabei wirkt der Film in jeglicher Hinsicht komplett dynamisch und wie aus einem Guss. Bis zum finalen Pay-Off, der ist dann leider etwas einfallslos, wenn gleich auch immer noch sehenswert. Aber am Ende wird klar, dass bei den Nice Guys der Weg zum Ziel das eigentliche Highlight ist.

Optisch fängt The Nice Guys das 70's Flair und Ambiente mit all seinen passenden Autos, Klamotten und Kulissen hervorragend ein. Los Angeles ist für derartige Stoffe natürlich immer eine perfekte Location. Und so ist The Nice Guys letztlich für mich die größte Überraschung des nun schon fast sechs Monate alten Kinojahres und wird auch am Ende sicher einer der besten Filme 2016 bleiben. Shane Blacks humorvoller Krimi liefert einfach Kino ab. Kino mit echten Schauwerten, großartigen Darstellern, tollen Dialogen. Ohne Schnick-Schnack.

OT: The Nice Guys VÖ: 2016 Laufzeit: 118 Minuten FSK: 16 R: Shane Black D: Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Murielle Telio, Keith David, Kim Basinger
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Christian

Bildquelle: Concorde Video

Mortal Kombat (1995)



Eine jede Generation erlebt ihr eigenes Mortal Kombat Turnier. Doch dieses Mal steht viel mehr auf dem Spiel, denn Oberschurke Shang Tsung kann für die böse Outworld den zehnten Sieg in Folge erringen und damit die Weltherrschaft an sich reißen und damit die ganze Menschheit zum Sklaven halten. Nur Schauspieler Johnny Cage, Soldatin Sonya Blade und Martial Arts Kämpfer Liu Kang können die finsteren Pläne noch verhindern, jedoch nur wenn sie gewollt oder ungewollt am großen Turnier teilnehmen...

Machen wir uns nichts vor, die Story dieser Videogame-Adaption ist so schwachsinnig wie sie sich liest. Aber machen wir uns auch nichts vor, genau das wollten wir Fans des Mortal Kombat-Franchise sehen. Denn anders als beispielsweise die Street Fighter, Tekken oder Dead Or Alive Verfilmungen, verlässt Paul W.S. Andersons Mortal Kombat sein wichtigstes Merkmal nie wirklich. Das Turnier zwischen den unterschiedlichen Martial Artists bleibt bis zum Ende Mittelpunkt des Films. Es gibt keinen unnötigen Nebenplot, keine wirkliche Romanze und kein deplatziertes Drama. Mortal Kombat goes straight to the point.


Da die Kämpfe im Zentrum des Films stehen und es sich um ein Prügelspiel als Vorlage handelt, kann man durchaus mit großen Erwartungen an die Fightszenen herangehen und wird auch nicht wirklich enttäuscht. Je nach dem wer grade im Ring steht, sorgt mal mehr, mal weniger für gut choreografiertes Spektaktel. Fanservice steht hier zum Glück im Mittelpunkt. Die Charaktere kommen ihren Vorlagen ziemlich nahe und es wurde auch dafür gesorgt, möglichst viele Kämpfer im Film unterzubringen ohne den Film zu überladen. Wer Goro, Sub-Zero, Scorpion, Kitana, Cage und Co sehen möchte, kommt hier voll auf seine Kosten.

Leider verzichtet Mortal Kombat ausgerechnet auf das wichtigste Merkmal seiner Vorlage. Zwar ist Andersons Film nicht zahm, aber die Härte der Games hätte durchaus auch zur Szenerie des Films gepasst. Dafür hat man einige richtig starke Kulissen geschaffen, die definitiv für die richtige Atmosphäre sorgen. Leider hat man neben einigen handgemachten Effekten, viel Wert auf CGI gelegt. Die Effekte waren größtenteils schon Mitte der 90er nicht mehr zeitgemäß und wirken heutzutage ebenso lächerlich wie die oberflächlichen Dialoge. Zum Glück nimmt sich der Film von Anfang an nicht besonders ernst.


Zu den besten Momenten des Films gehört übrigens der Kampf zwischen Johnny Cage und Scorpion, die sich auf einer fantastischen Piratenschifffriedhofskulisse zu den Industrialklängen von Fear Factory prügeln. Der feuchte Traum eines jeden Teenies. Zwar sind die Darsteller durchaus charismatisch, ich hätte aber gerne gesehen, wie Mortal Kombat mit den ursprünglich geplanten Darstellern wie Cameron Diaz, Jean-Claude van Damme, Dustin Nguyen oder Brandon Lee (RIP mein Freund) ausgesehen hätte. So hat man zwar am Ende Zockliebhaber Christopher Lambert und den ewigen Schurken Cary-Hiroyuki Tagawa an Bord, in den sonstigen Hauptrollen aber nur B-Darsteller oder gar komplette No-Names.

Die Filmadaption von Mortal Kombat gehört tatsächlich zu den ganz wenigen, wirklich sehenswerten Videospielverfilmungen. Man muss sich zwar auf eine gehörige Portion Trash und 90's Magie einlassen, wird dann aber auf jeden Fall seinen Spaß mit dem heutigen Kultfilm haben. Leider konnte die desaströse Fortsetzung in keiner Hinsicht das Niveau halten.

OT: Mortal Kombat VÖ: 1995 Laufzeit: 101 Minuten FSK: 16 R: Paul W.S. Anderson D: Christopher Lambert, Robin Shou, Linden Ashby, Cary-Hiroyuki Tagawa, Bridgette Wilson, Talisa Soto
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Christian

Bildquelle: Warner Bros., New Line Cinema

Green Room (2015)



"The Ain't Rights" sind eine Band, die den Punk leben. Auf Tour tingelt die Band von Örtchen zu Örtchen. Als ein versprochener Gig nicht stattfindet, spielt die Band in einem von Neonazis durchlaufenen Club. Als die Bandmitglieder nach ihrem Auftritt zeugen eines Mordes werden, geht es nur noch darum die Lokalität lebendig zuverlassen, denn ein glatzköpfiger Schlägertrupp ist schon auf dem Weg, um die Spuren des Tatorts zu beseitigen...

Der Horrorfestivalkracher der letzten Monate Green Room ist tatsächlich ein echter Überraschungshit von Blue Ruin Regisseur Jeremy Saulnier. Nach einem ruhigen Einstieg, steigt die Spannungskurve des Thrillers rasant. Die Geschichte bleibt dabei stets kompakt, übersichtlich und griffig. Saulnier gibt seinen jungen Akteuren, aber auch einigen Widersachern persönliche Momente und schafft so eine weitestgehend authentische Atmosphäre, die für eine stetig wachsende Bedrohung sorgt, der am Ende lediglich der finale Pay Off fehlt. Aber bis dahin lässt Green Room keine Zweifel an der eigenen Energie, Power und Dynamik aufkommen.


Der Mangel an einem größeren Finale oder einem prägenden Highlight ist aber auch wirklich die einzige Schwäche, die man Saulniers Film vorwerfen kann. Vor allem audiovisuell glänzt der Film. Soundtrack und Score unterstützen die Stimmung des Films beispielsweise beinahe in Perfektion. Dazu liefert Sean Porter stellenweise überragende Bilder ab. Hier steckt die Gewalt wirklich in Bild und Ton. Und wir reden hier noch gar nicht von der tatsächlichen Gewalt die man auf dem Screen geliefert bekommt, denn auch diese wirklich beachtlich.

Nicht wenige Kinobesucher haben ihren Blick bei der einen oder anderen Szene angewidert vom Geschehen entfernt. Dabei zeigt Saulnier zwar wirklich eindringende Gewaltmomente, die aber nie zum reinen Selbstzweck gezeigt werden. Auch läuft nur wenig nach Schema F in Green Room ab. In der Tat weiß man nur selten was genau, wann passieren wird. Es gibt einige Überraschungen, auch wenn diese zuweilen an der Logik des Films nagen. Dafür nutzt der Film seine begrenzte Location fantastisch aus. Obwohl Green Room auf dem Papier ein klassischer Backwoodsthriller ist, wirkt er auf der Leinwand alles andere als abgenutzt.


Die Wrong Place, Wrong Time-Thematik ist ja wirklich hinlänglich bekannt, funktioniert hier jedoch erfrischend anders, auch ein Verdienst der guten Besetzung. Insbesondere Anton Yelchin, Imogen Poots (!!!) und Macon Blair fallen enorm positiv auf. Dass man dann mit Patrick Stewart als Anführer der Neonazis auffahren kann, ist schließlich die Spitze des Eisbergs. Was mir ebenfalls positiv aufgefallen ist, dass der Film zwar einige One Liner liefert und hier und da auch mal ins Comic Relief abdriftet, aber ansonsten seine Thematik und Story sehr ernst nimmt. Ein derartiger Umgang ist immer förderlich für die richtige Stimmung.

Jeremy Saulnier liefert spätestens mit Green Room seine entgültige Bewerbung für die ganz großen Filme ab. Man darf gespannt sein was da noch kommen mag. Green Room hat jedenfalls, trotz kleiner Schwächen, definitiv das Potential zum Kultfilm, so ungern man dieses inflationäre Wort heutzutage auch benutzen mag. Green Room ist endlich mal wieder ein Midnight Movie für Nachtschwärmer, der nur so vor Adrenalin glüht.

OT: Green Room VÖ: 2015 Laufzeit: 94 Minuten FSK: 18 R: Jeremy Saulnier D: Anton Yelchin, Imogen Poots, Patrick Stewart
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Christian

Bildquelle: Universum Film

Martyrs (2015)



Nur sieben Jahre nach dem famosen, französischen Terrorfilm Martyrs hat das nicht minder berüchtigte US-Filmstudio Blumhouse (u.a. Insidious, Paranormal Activity) ein Remake in Auftrag gegeben. Leider gehört Pascal Laugiers Film zu jener Kategorie, die auf keinen Fall neu verfilmt werden sollte. Und so erleidet das Remake der Goetz-Brüder einen furiosen Schiffbruch.

US-Remakes europäischer oder asiatischer Filme sind per se nicht verfluchenswert. Gore Verbinskis The Ring oder vor allem David Finchers The Girl With The Dragon Tattoo haben mehr als eine Daseinsberechtigung verdient und zeigen wie so ein Projekt funktionieren kann. Auf der andere Seite gibt es aber auch unnötige 1:1 Kopien wie Michael Hanekes selbst gedrehtes Funny Games Remake oder Quarantäne als [REC]-Ersatz. Den Großteil bilden jedoch qualitativ ganz dünne Geschichte wie die US-Versionen von Oldboy, A Tale Of Two Sisters, The Experiment oder One Missed Call. Die Adaption von Martyrs ist dagegen noch mal ein ganz anderes Brett.

Lucie wurde als Kind entführt, eingesperrt und gepeinigt. Nach ihrer Flucht kommt sie in ein Heim und freundet sich mit der gleichaltrigen Anna an. Jahre später, immer noch verfolgt von den Dämonen der Vergangenheit dürstet es Lucie nach Rache. Doch was Lucie und Anna im Haus der Peiniger von damals erwartet, entbehrt sich jeglicher Vorstellungskraft. Soweit ist der erzählerische Rahmen von Martyrs identisch. Doch die Goetz-Brüder nehmen sich in Zusammenarbeit mit Autor Mark L. Smith viele deplatzierte Freiheiten heraus.


Schon als klar war, dass Blumhouse Productions hinter Martyrs stehen, konnte man erahnen, dass es sich bei diesem Remake um Massenware von der Stange handelt. Blumhouse ist bekannt für günstig produzierte, extrem gewinnbringende Horrorfilme und Franchises. Qualitativ kam dabei jedoch selten Glanz heraus. Pascal Laugiers Original ist kaum auszuhalten, aber dennoch extrem kraftvoll und energisch. Auch das Remake hält sich nicht zurück und liefert einige heftige Gewaltspitzen ab, jedoch ohne die Intensität und Schrecklichkeit des Originals. Denkwürdigen Szenen wie die berüchtigte Häutung wurden ihrer Kraft beraubt und wirken hier nur zum Selbstzweck. Stattdessen gibt es Verfolgungsjagden durch die örtlichen Wälder. Künstlerische Freiheit oder was? Definitiv künstlerische Freiheit oder eher eine Frechheit ist das modifizierte Ende.

Auf emotionaler Ebene versagt Martyrs 2015 tatsächlich vollständig. Eine Bindung zu den Figuren ist unmöglich. Auch der Leidensweg wirkt hier völlig absurd. Ohne großartig zu spoilern, Originalkenner werden wissen worum es geht, muss die Hauptfigur im Original eine wahre Tour de Force erleiden um das Ziel der "Schurken" zu erreichen. Im Remake ist dieser qualvolle Prozess nach gefühlten zwei Minuten abgeschlossen und wirkt vollkommen dumm und unglaubwürdig. Der Film wirkt gehetzt und lässt sich keine Sekunde Zeit für Gefühle oder Intentionen. Atmosphäre? Fehlanzeige! Lediglich die für dieses geringe Budget immerhin durchschnittliche Production-Value und die Darsteller geben dem Film überhaupt etwas positives ab.

Man muss sich schon hinterfragen, wer auf die glorreiche Idee kam ein Remake der Creme de la Creme des Terrorkinos zu drehen? Stellenweise äußerst sich der Verdacht, dass die Filmschaffenden ihr französisches Vorbild und seine Botschaften nicht mal verstanden haben. Dachte wirklich jemand, dass das Resultat auch nur im entferntesten Sinne akzeptabel werden könnte? Aber wenn dem so ist, Blumhouse Productions, gebt mir 1 Mio $ und ich drehe euch ein Remake von The Godfather. Laugiers Martyrs ist ein Film den man nie wieder vergisst, egal ob die eigene Rezeption positiv oder negativ ausfällt. Das US-Remake ist jedoch ein Film, den man nach wenigen Stunden geistig schon wieder komplett gestrichen hat. Bitte schaut euch weiterhin nur das Original an liebe Filmfreunde! Wer sich jedoch selbst vom Fiasko überzeugen will, dem sei die ungeschnittene, günstige, aber qualitativ gelungene UK-DVD empfohlen.

OT: Martyrs VÖ: 2015 Laufzeit: 86 Minuten FSK: - R: Kevin Goetz, Michael Goetz D: Troian Bellisario, Bailey Noble, Kate Burton
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Christian

Bildquelle: Altitude Film Distribution, Blumhouse Productions, The Safran Company, Temple Hill Entertainment

X-Men: Apocalypse (2016)



Ich bin ehrlich, obwohl ich Comics und Superhelden mag, kann ich dem aktuellen Akkordoutput an Superhelden-Filmen nicht mehr viel abgewinnen. Insbesondere nach dem Dawn Of Justice Fiasko bin ich momentan schwer für solche Themen zu begeistern. Im Jahr 2016 ist X-Men: Apocalypse nun schon nach eben Batman V Superman, Civil War und Deadpool der vierte große Superheldenstreifen und ein Ende ist in Anbetracht des kommenden Suicide Squad Releases nicht in Sicht. Nach den durchaus gelungenen Trailern der letzten Wochen zum neuen X-Men Film bin ich dennoch frohen Mutes in die Vorstellung gegangen.

Bereits im ersten Drittel des Films überraschen Bryan Singer als Regisseur und Simon Kinberg als Autor. Hier gibt es längst keine große Materialschlacht, sondern ein ziemlich düsteres, emotionales und geerdetes Superheldendrama. Identitätskrisen an allen möglichen Orten und Stellen. Insbesondere die Figur Magnetos fällt hier positiv ins Gewicht. Doch schnell wird ebenso klar, dass Apocalypse kaum etwas zu erzählen hat. Der Plot ist unglaublich schwach und besteht eigentlich nur aus stereotypischer Schwarzweißmalerei. Je mehr die Weltherrschaftsambitionen des Schurken Apocalypse in den Vordergrund rücken, desto blasser mutiert die Veranstaltung. Göttliche Allmächtigkeitsfantasien haben wir ja nun wirklich zu genügend als Motiv in diesem Genre erlebt.

Denn auch hier man es wieder nicht geschafft einen tollen Bösewicht zu installieren. Seit The Dark Knight hat es, bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege, keinen nennenswerten Schurken mehr in Superheldenadaptionen gegeben. Oscar Isaac tat mir in seiner Rolle hier schon ziemlich leid. Der Mittelteil des Films ist in der Folge ziemlich belanglos und auch langweilig. Nicht selten konnte man im gut gefüllten Kinosaal ein lauteres Gähnen verzeichnen. Den großen Bombast hebt sich Singer dann für sein großes, viel zu lange hinausgezögertes Finale auf. Bis es endlich zur Sache geht, sind fast zwei Stunden vergangen. Aber auch das Finale ist eher enttäuschend. Ein Effektgewitter welches jenem aus Batman V Superman sehr ähnelt, wenn auch deutlich übersichtlicher. Auch der passende Farbmatsch spielt hier wieder eine große Rolle.


X-Men: Apocalypse erzählt und zeigt uns nichts besonderes. Es gibt kein Alleinstellungsmerkmal im Sumpf der Comicadaptionen und leider auch nur wenige Highlights. Die stärksten Momente des Films können Michael Fassbender, aber insbesondere Evan Peters als Quicksilver für sich verbuchen. Auch Neuzugang Sophie Turner (Game Of Thrones) passt gut in den Cast. Jennifer Lawrence scheint sich jedoch mehr denn je von solchen Blockbustern unterfordert zu fühlen, anders lässt sich ihre extrem gelangweilte Performance nicht erklären. Als sich die Lage im Film zuspitzt gibt es noch einen Kameoauftritt eines allseits bekannten Mutanten zu bestaunen. Doch wer die letzten Trailer gesehen hat, der wird auch hier nicht mehr großartig überrascht.

So tritt der neue X-Men irgendwie auf der Stelle. Eine Entwicklung oder ein Fortschritt in Singers Reihe ist nicht zu erkennen und so wirkt Apocalypse eben wie ein Füllfilm im Franchise, der nur in seinen wenigen emotionalen Charaktermomenten überzeugen kann. Zu konventionell, zu stereotypisch und deutlich zu lang ist X-Men: Apocalypse und geht damit erstaunlicherweise einen Weg, der für das Franchise bis dato eher ungewohnt ist.

OT: X-Men: Apocalypse VÖ: 2016 Laufzeit: 144 Minuten FSK: 12 R: Bryan Singer D: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Oscar Isaac, Nicholas Hoult, Rose Byrne, Tye Sheridan, Sophie Turner, Olivia Munn, Lucas Till, Evan Peters
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Christian

Bildquelle: Twentieth Century Fox, Marvel Entertainment, Bad Hat Harry Productions, TSG Entertainment

The Football Factory (2004)



Der FC Chelsea ist alles für Tommy. Alles dreht sich um Fussball. Doch Tommy ist selten im Stadion zu finden, lieber verteidigt er seine Vereinsfarben auf den Straßen Londons oder in der britischen Provinz bei Auswärtsspielen. Auf einem Acker, in einer Seitenstraße oder in einem Tunnel, denn Tommy ist Hooligan und Mitglied einer streng hierarchischen Gang. Zwischen Bürgerlichkeit und Straßenehre, Blumensträußen und Koks. Bis zum bitteren Ende.

Ganz in der Tradition von Danny Boyles Trainspotting ist The Football Factory ein Drama, welches sich mit britischen Subkulturen auseinandersetzt. Anders als beispielweise der etwas bekanntere aber thematisch identische Hooligan-Film Green Street Hooligans, gibt The Football Factory ein wesentlich authentischeres, schmutzigeres Bild der Gewalt ab. Während Hooligans zu zwei Dritteln einem Tourismuswerbefilm für Schlägereien ähnelt, gibt sich The Football Factory zwar auch abenteuerlich, offenbart aber auch früh die Schattenseiten dieser "Berufung", lässt jede leider letztlich die Konsequenz vermissen.

Im Film geht es zu wie in Gangs Of New York. Chelsea, Tottenham, Millwall, Stoke. Ein Kampf zwischen Städten und Distrikten. Für Max und Erika Mustermann eine Parallelgesellschaft. Um insbesondere die Kampfszenen möglichst authentisch zu gestalten, beteiligten sich ehemalige und noch aktive Hooligans an der Produktion. The Football Factory beleuchtet in seinen kurzweiligen anderthalb Stunden aber nicht nur die Gewalt nach außen gegenüber anderen Gruppierungen, sondern auch jene Brutalität innerhalb der eigenen Strukturen. Letztlich ist es aber immer ein herunter gebrochenes klischeehaftes "Wir gegen den Rest der Welt".


Fussball spielt in Nick Loves Film eine untergeordnete Rolle. Es geht viel mehr um Traditionen, Rituale und Macht innerhalb der sogenannten Firmen. Ein Ball verkommt da schnell zur Nebensache und nur zum Vorwand für stumpfe Schlägereien. Wirklich abschreckend wirkt der Film dabei selten. Es bleibt eine stetige Distanz zwischen uns und den Figuren und die unterschwellige Verharmlosung der Thematik und ihren Konsequenzen zeugt nicht grade von einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Problem Hooligans. Bei aller legendären Glorifizierung darf man nie vergessen, dass durch Hooligans zahlreiche Menschen ihr Leben verloren, nicht zuletzt bei den Katastrophen von Heysel Mitte der 80er Jahre. Da war am Ende der deutlich klarer im Mainstream angesiedelte Green Street Hooligans konsequenter.

Stattdessen wirkt der Film zwischenzeitlich eher satirisch und ironisch, was auch am permanenten Off-Kommentar des Hauptdarstellers Danny Dyer liegt. Dyer und auch die anderen Darsteller agieren eher bescheiden. Lediglich Frank Harper überzeugt in seiner Rolle als Firmleader. Großartig ist dagegen der Soundtrack, u.a. prominent besetzt mit Britpop von The Jam, The Streets und Primal Scream. Zum Teil wurde The Football Factory übrigens von den Videospielveteranen Rockstar Games produziert. Einer der Protagonisten spielt sogar kurz eine Runde Grand Theft Auto. Letztlich ist The Football Factory vielleicht der berühmteste Subgenrevertreter, reiht sich aber nur in die endlose Reihe durchschnittlicher Hooligan-Filme wie Green Street Hooligans oder Cass ein. Klassenprimus bleibt weiterhin Alan Clarkes TV-Film The Firm mit Gary Oldman in der Hauptrolle.

OT: The Football Factory VÖ: 2004 Laufzeit: 91 Minuten FSK: 16 R: Nick Love D: Danny Dyer, Neil Maskell, Frank Harper
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Christian

Bildquelle: Kinowelt

Girlhouse (2014)



Kylie benötigt für die Erfüllung ihrer Wünsche und Träume schnelles Geld. Diese Möglichkeit bekommt sie mit dem Einzug in das Girlhouse, einer Art Frauen-WG, die 24/7 unter Beobachtung im Internet steht und natürlich vor allem bei an Erotik interessierten Kunden für Umsatz sorgen soll. Doch schnell muss Kylie erkennen, dass nicht alle Zuschauer harmlos sind. Insbesondere wenn deren Vergangenheit so aussieht, wie die von Loverboy...

Der ehemalige Schauspieler Trevor Matthews feiert mit dem Slasher Girlhouse sein Regiedebüt und tatsächlich ein überraschend gelungenes. Dabei lässt sich der Film wirklich verdammt viel Zeit, vielleicht etwas zuviel. Die erste Hälfte führt Figuren ein, liefert rudimentäre Charakterisierung und offeriert nicht grade wenig Softerotik. Tatsächlich gibt es genügend nackte Tatsache. Zum einen bedient man damit den Exploitationfaktor, zum anderen passt es inhaltlich ganzgut. Zwar wird Girlhouse nie wirklich gesellschaftskritisch, ein paar Anmerkungen zu diversen Themen über das moderne Computer Zeitalter verkneift sich der Film aber dann auch nicht. Leider verschenkt Matthews Horrorfilm auch ein wenig sein Potential, denn anstatt für einen schönen Reveal am Ende zu Sorgen, klärt er uns bereits im kurzen Intro ausreichend über Hintergründe und Motive auf, wenn auch auf sehr brutale Art und Weise. Während in der ersten Hälfte also Brüste dominieren, geht es im zweiten Abschnitt deutlich brutaler und heftiger zur Sache. Die Spannungskurve steigt gleichermaßen mit dem Tempo und nimmt zum Ende hin keine Gefangenen mehr.

Girlhouse ist handwerklich überraschend gut und hochwertig inszeniert und begeistert zusätzlich mit schönen handgemachten Splatterffekten. Ware von der Stange sieht definitiv anders aus. Viel neues zeigt und erzählt Girlhouse zwar nicht, huldigt aber durchaus an einigen Stellen seinen großen Vorbilder wie Halloween. Und wenn wir schon beim Halloween-Franchise sind, sollte man Anmerken, dass Girlhouse aus dem Online, Reality TV, Big Brother Is Watching You Ding wesentlich mehr macht als Halloween Resurrection zu seiner Zeit. Das Verhalten der Figuren in Girlhouse ist zwar an einigen Stellen etwas fragwürdig, in der Regel aber durchaus nachvollziehbar. Letztlich sorgt das im Zusammenspiel mit dem wirklich bedrohlichen Killer für einige richtig spannende Momente. Der Cast besteht eher aus unbekannten Darstellern. Lediglich Hauptdarstellerin Ali Cobrin (American Reunion, Neighbours) und Rapper Slaine (The Town, Gone Baby Gone, Killing Them Softly) dürften eingefleischten Filmfans bekanntere Namen sein. Mit Girlhouse habe ich einen billigen auf reine Schocks ausgelegten Slasher erwartet und bekam letztlich aber einen ansprechend gespielten, für das Genre überdurchschnittlich inszenierten, stellenweise richtig spannenden Slasher alter Schule. Blut & Nacktcroquet FTW!

OT: Girlhouse DT: Girlhouse - Töte, was du nicht kriegen kannst VÖ: 2014 Laufzeit: 100 Minuten FSK: 18 R: Trevor Matthews, Jon Knautz D: Ali Cobrin, Slaine
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Christian

Bildquelle: Concorde

Memories Of The Sword (2015)



Ein junges Mädchen namens Seol-hee wurde von früh an von ihrer blinden Ziehmutter Seol-rang zur Kämpferin trainiert - mit nur einem Ziel. Seol-hee soll sich bei den Mördern ihrer Eltern rächen. Diese starben damals bei einem Aufstand gegen die Obrigkeit durch heimtückischen Verrat. Und ausgerechnet der Verräter sitzt heute ganz weit oben auf der Treppe der Macht.

Park Heung-Siks Memories Of The Sword ist ein südkoreanisches Martial Arts-Drama ganz im Wuxia-Stil des chinesischen Kinos, insbesondere dem aus Hong Kong. So greift sich Memories Of The Sword sowohl inhaltliche als auch audiovisuelle Versatzstücke aus Crouching Tiger, Hidden Dragon, Hero und House of Flying Daggers und schafft daraus ein doch überraschend eigenständiges und gelungenes Stück, das zeigt, dass auch auch koreanisches Kino Wuxia und epische Swordplays problemlos meistern kann.

Und so weiß man auch, was zu erwarten ist. Das Storytelling unterscheidet sich kaum von den großen Vorbildern. Das Tempo ist nie wirklich hoch und trotzdem wirkt die Handlung etwas rasch erzählt. Memories Of The Sword lässt dabei die wenigsten Genretropes aus. Ja es gibt einen Schwertkampf im Schnee. Ja es gibt einen Schwertkampf im Regen, im Wald. Ein wenig Melodramatik hier, ein wenig flottes Romancing dort. Zudem gibt es häufige Flashbacks und Handlungssprünge, aber unüblicherweise lässt sich dem Geschehen trotzdem überraschend problemlos folgen. Das Rachemärchen ist trotz seiner zahlreich enthaltenen Genrestandards sehr unterhaltsam und gelungen.


Und für dieses Gelingen sorgen vor allem die ziemlich starken Darsteller. Allen voran Lee Byung-Hun (I Saw The Devil, JSA, A Bittersweet Life) spielt als facettenreicher Schurke überragend. Selten habe ich einen so tiefgründigen Filmbösewicht gesehen wie hier. Aber auch die Frauen Jeon Do-yeon (The Housemaid) und Kim Go-Eun (Monster, Coin Locker Girl) spielen ziemlich überzeugend. Man folgt den charismatischen Figuren so gerne durch die zwei Stunden, die entgegen vieler anderer asiatischer Schwertkampfepen wie im Fluge vergehen.

Visuell ist Memories Of The Sword im Grunde wunderbar. Es gibt mal schnelle Schnitte, mal Zeitlupen und dann wieder sehr lange und ruhige Einstellungen. So entsteht eine gelungene Kombination aus moderner und klassischer Action. Kulissen, Kostüme und Farben passen ebenfalls. Eher unterdurchschnittlich ist die bescheidene Anwendung von Wirework, die mehr als offensichtlich ist, insbesondere in Kombination mit gewichtslosen CGI-Effekten, die aber zum Glück eher selten sind. Memories Of The Sword ist optisch definitiv aufregend, aber die ewigen Zeitlupen nutzen sich zum Ende hin auch etwas ab. Park Heung-Siks Film ist ein gelungener, aber definitiv kein zukünftiger Klassiker des Genre. Fans des asiatischen Actiondramas sollten hier aber unbedingt einen Blick riskieren!

IT: Memories Of The Sword OT: Hyeomnyeo: Kar-ui gi-eok VÖ: 2015 Laufzeit: 121 Minuten FSK: 16 R: Park Heung-shik D: Lee Byung-hun, Jeon Do-yeon, Kim Go-Eun
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Christian

Bildquelle: Splendid

Batman v Superman: Dawn of Justice (2016)



Mensch, was war der Hype um Zack Snyders Duell der vielleicht wichtigsten und bekanntesten Superhelden des Planeten groß. Und dann dieser Film. Eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Wer es tatsächlich geschafft hat, die vollständigen 151 Minuten ohne Einschlafen durchzustehen, der wird wohl kaum am Fazit vorbei kommen, dass Batman V Superman DER Film der verschenkten Möglichkeiten ist.

Worum es geht? Das dürfte auch nach dem zweiten Ansehen nur den wenigstens klar geworden sein. Batman und Superman liegen im Clinch. Batman fürchtet die Anwesenheit eines gottgleichen Superheldens, der bei seiner letzten Weltrettungsaktion halb Metropolis in Schutt und Asche gelegt hat. Und während sich die beiden mehr oder weniger gegenseitig bekämpfen, die Betonung liegt ganz klar auf "weniger", entwickelt sich eine ganz andere Macht, die droht die Weltherrschaft an sich zu reißen. Grob gesprochen war es das. Snyders Superhelden-Epos öffnet aber auch zahlreiche Nebenplots, die selten logisch zu Ende geführt werden oder nur kurzfristig angerissen werden. Von den wenig subtilen Hinweisen auf eine Expansion des DC-Filmuniversums ganz zu schweigen. Die Justice-League Figuren werden tatsächlich per Mail (!!!) angeteast. Generell wirkt der Film wie eine zweistündige Werbeveranstaltung für seine potentiellen Spin-Offs.


Dabei beginnt Dawn Of Justice ziemlich interessant und einfallsreich. Man Of Steel aus der Perspektive von Passanten zu rekapitulieren ist ein starker Einstieg mit einer gewissen 9/11-Attitüde, die seinen Zweck nicht verfehlt. Doch so stark der Einstieg, so schnell geht es bergab. Ich liebe Zack Snyder wirklich für den gnadenlos unterbewerteten Sucker Punch, aber wenn man wirklich ehrlich ist und das beweisen mittlerweile nahezu alle Projekte Snyders, ist das Hauptmotiv des Regisseurs doch ganz klar Style Over Substance. Snyder kann keine Geschichte erzählen und schon gar keine Charaktere oder Spannung generieren. In gewisser Weise erinnert Snyder desbezüglich an Eli Roth. Auch Batman V Superman ist zu zwei Dritteln einfach unglaublich langweilig und arbeitet über seine volle Laufzeit mit unterentwickelten, blassen Figuren.

Der Beef zwischen den namensgebenden Helden ist nie nachvollziehbar und wird genauso unverständlich aufgelöst. Die unsinnigen Traumsequenzen und Visionen ändern daran auch nichts. Auch an den Darstellern läuft der Film vorbei. Bei Release des Films wurde noch Ben Afflecks Bruce Wayne Darstellung gelobt. Dem kann ich weniger zustimmen. Er macht nicht viel verkehrt, aber eine Offenbarung sieht anders aus. Am blassen Henry Cavill lässt sich sowieso kaum ein gutes Wort verlieren. Die Figur Clark Kent und seine Motivationen wirken auf Grund ausbleibender Dialoge und tiefgründiger Darstellungen völlig verschenkt. Kein gutes Zeichen, wenn die Helden und Hauptfiguren gleichermaßen unsympathisch sind. Zum Glück gibt es durch Gal Gadot und ihrer Wonder Woman Abhilfe. Zwar ist die Darstellung der Amazone sehr trashig, lässt aber tatsächlich auf einen tauglichen Soloauftritt hoffen. Aus dem umfangreichen und prominent besetzten Cast (u.a. Amy Adams, Jesse Eisenberg, Diane Lane, Laurence Fishburne und Holly Hunter) ragt lediglich Jeremy Irons als Butler Alfred heraus. Insbesondere Eisenberg als Schurke des Films ist eine Enttäuschung als müder Heath Ledger-Joker Abklatsch.


Auch optisch ist der Film enttäuschend. Snyder kann einen Film audiovisuell zum Erlebnis werden lassen, bei Dawn Of Justice hat er die Möglichkeit jedoch weitestgehend verpasst. Der Score von Hans Zimmer und Junkie XL kann sich durchaus noch hören lassen. Visuell passt jedoch wenig. Ein grauer Matsch ohne Kontraste, überflutet von unübersichtlich kaugummifarbenen Spezialeffekten. Besonders das Finale ist extrem unübersichtlich und sieht ungefähr so aus, wie man sich eine Explosion in einer Süßigkeitenfabrik vorstellen muss. Auch der Schnitt hat nichts mit einem modernen Blockbuster am Hut.

Am Ende fragt man sich warum uns der Film nicht abholt? Wo will die Story hin? Was sagt sie uns? Noch viel schlimmer ist, dass Dawn Of Justice überhaupt keinen Spaß macht. Überlegt euch das mal. Ein Duell zwischen Batman und Superman soll keinen Spaß machen? Ich war am Ende der zweieinhalb Stunden wirklich erschöpft und überfordert. Was Marvel in nun mehr als genug Filmen erzählt hat, wird bei Warner/DC in einen Film gepresst. Und das selten subtil und komplett humorlos. Müde und deprimiert bin ich aus dieser bisher größten Enttäuschung des Kinojahres gegangen. Viel zu lang und alles andere als unterhaltsam.

OT: Batman V Superman - Dawn Of Justice VÖ: 2016 Laufzeit: 151 Minuten FSK: 12 R: Zack Snyder D: Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Gal Gadot, Jesse Eisenberg
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Christian

Bildquelle: Warner Bros.