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Don't Breathe (2016)



Nach dem uns der aus Uruguay stammende Regisseur Fede Alvarez bereits mit seiner Neuauflage von Evil Dead mit absoluter Begeisterung zurückließ, kommt nun sein langerwarteter, zweiter großer Film ins Kino. Alvarez schafft es dabei, mit dem vom legendären Sam Raimi produzierten Film Don't Breathe, allen Erwartungen gerecht zu werden. Nicht nur auf Grund des schwachen Aufkommens an Genrehighlights in diesem Jahr stellt Don't Breathe eine mehr als willkommende Achterbahnfahrt in die Abgründe menschlichen Schaffens dar.

Don't Breathe stellt drei junge Leute in den Mittelpunkt, die im sozialen Brennpunkt Detroits leben. Wer hier lebt hat es schwer seine Träume zu verwirklichen. Doch Rocky, Alex und Money wollen sich ihrem scheinbar aussichtslosen Schicksal nicht ergeben und sparen mit Einbrüchen Geld zusammen um es einmal im sonnigen Kalifornien besser zu haben. Ein letzter großer Coup muss her. In einem nahezu menschenleeren Straßenzug wohnt ein blinder Kriegsveteran mit angeblichen 300.000 Dollar im Safe. Ein scheinbar einfacher Deal. Doch, dass diese Nacht die letzte im Leben der drei Freunde werden könnte, damit haben sie nicht gerechnet.


Fede Alvarez Film ist ein kurzer Ausflug in die Hölle. Dass der blinde Mann kein harmloses Opfer darstellen wird, konnte man bereits in den Trailern sehen. Aber was sich dann wirklich im Haus des Kriegsveteranen abspielt ist der pure Terror. Das Drehbuch spielt dabei geschickt mit den klassischen Rollen von Gut und Böse und erwischt uns dabei nicht nur einmal wie sich unsere Sympathien während der Spielzeit des Films verschieben. Schon der White-Trash-Background der Figuren zeichnet jene. So reichen schon die wenigen Minuten Einführung um die Handlungen der Protagonisten für uns plausibel zu machen. Generell offenbart Don't Breathe bis auf wenige Momente ein erschreckend realistisches Szenario. Die Inszenierung des Film ist dabei sehr hochwertig. Fede Alvarez versteht sein Handwerk definitiv. Allein wie es der Film schafft ein ganz normales Haus so vielschichtig, riesig und verwinkelt ausssehen zu lassen ist überragend. Die Kamera ist dabei immer auf Höhe des Geschehens und fängt einige richtig schicke Shots ein. Grade bei einem Horrorfilm der es auf die Sinne anlegt ist die Technik wichtig. Don't Breathe gelingt dabei sowohl das Spiel mit der Lichtstimmung, als auch mit dem Sounddesign. Die Geräuschkulisse ist stark und vor allem der Score erreicht zwischenzeitlich altes Carpenter-Niveau.


Eine große Stärke des Films, ist der kleine, aber mehr als gelungene Cast. Die großartige Jane Levy, die bei vielen Filmstudios scheinbar immer noch unter Radar läuft, spielt sich hier erneut nach Evil Dead um Kopf und Kragen. Wenigstens Regisseur Alvarez scheint das enorme Talent seiner Muse zu kennen. Levy und ihre Figur der Rocky funktionieren dabei sowohl auf emotionaler Ebene, als auch in der Actionkomponente. Die Katz- und Mausjagd durch das Anwesen des blinden Veterans meistert die Schauspielerin gekonnt. Ihre beiden männlichen Co-Darsteller sind etwas oberflächlicher geschrieben, aber dennoch nicht lieblos auf's Papier gebracht. Doch das Highlight des Films ist definitiv Avatar-Schurke Stephen Lang, der völlig frei von einer Maskerade unglaublich angsteinflößend ist. Ich glaube keinem im Kino ist nicht die Luft weggeblieben in den Momenten absoluter Stille, in denen sich Lang durch seine Dunkelheit tastet und sich herausstellt, dass er besser mit seinem Handicap zurechtkommt als unsere drei Protagonisten ahnen. Und das ist längst nicht alles...


Ohne groß zu spoilern, der recht kurze Horrorthriller driftet zwischenzeitlich in etwas andere Gefilde ab und könnte zarte Gemüter ziemlich anekeln. Diese Szenen ergeben im Kontext aber durchaus Sinn. Don't Breathe hat durchaus seine Gewaltspitzen, legt den Fokus aber dennoch deutlich auf Spannung und Atmosphäre. Die simple Ausgangssituation spielt Alvarez Film dabei perfekt in die Karten. Dass sich der Regisseur bei seiner Arbeit durchaus von anderen Genreperlen inspirieren ließ, lässt sich nicht geheim halten, ist aber genauso wenig ein Problem. Besonders der Vergleich zu Wait Until Dark mit Audrey Hepburn dürfte einigen in den Sinn kommen. Aber der Film ist ja nun auch schon viele Jahrzehnte alt und steckt genretechnisch ganz andere Claims ab. Don't Breath ist letztlich ein extrem spannender, grimmiger und vor allem atmosphärisch bärenstarker Horrorthriller, der am Ende beweist, dass in diesem Jahr der Horrorfilm (Lights Out, The Neon Demon, The Conjuring 2) den Sommer dominiert und nicht die teilweise erschreckend schwachen Blockbuster. Fede Alvarez zeigt, dass er keine Eintagsfliege ist und wir wohl noch viel von ihm in Zukunft erwarten können.

OT: Don't Breathe VÖ: 2016 Laufzeit: 88 Minuten FSK: 16 R: Fede Alvarez D: Dylan Minnette, Jane Levy, Daniel Zovatto, Sergej Onopko, Stephen Lang
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Christian

Bildquelle: Sony Pictures, Blumhouse

Die Kinovorschau von Moviroyal & Die Filmguckerin: September 2016


Don't Breathe (Start: 08.09.2016 R: Fede Alvarez D: Dylan Minnette, Jane Levy, Daniel Zovatto, Stephen Lang)

Story: Aus Geldnot bricht eine Gruppe Jugendlicher in das Anwesen eines blinden Mannes ein. Ein einfacher Coup. Oder doch nicht? Denn schnell entpuppte sich der gehandicapte Bewohner als der wohl gefährlichste Mann Detroits. Von nun an geht es für die Kids nur noch darum, dass Haus lebendig zu verlassen.

Prognose: Fede Alvarez' Don't Breathe gehört zu den von mir meist erwarteten Filmen des Jahres. Die Trailer haben gerockt und die Zutaten scheinen perfekt. Alvarez hat bereits mit seinem Evil Dead Remake für einen der besten Genrefilme der letzten zehn Jahre gesorgt und auch im Fall von Don't Breathe greift er wieder auf Hauptdarstellerin Jane Levy zurück, die uns sicher wieder begeistern wird. Die Story scheint erfrischend und sehr spannend zu sein. Ich freue mich riesig und werde hoffentlich nicht enttäuscht. Don't Breathe wird vermutlich mit Lights Out ins Duell um meinen persönlichen Horrorfilm des Jahres gehen.


The Magnificent Seven (Start: 22.09.2016 R: Antoine Fuqua D: Chris Pratt, Denzel Washington, Ethan Hawke, Haley Bennett)

Story: The Magnificent Seven ist Antoine Fuquas Remake von John Sturges Western-Klassiker, der auch zu seiner Zeit nur eine Adaption von Akira Kurosawas Seven Samurai war. Auch 2016 versammeln sich wieder vier bewaffnete Outlaws um eine kleine Stadt von miesen Schurken zu befreien.

Prognose: Ich bin eigentlich kein Westernfan, aber ab und zu gibt es dann doch ein paar Genrebeiträge, die mir schon gefallen. In den letzten Jahren ist die Ausbeute jedoch deutlich kleiner geworden, insbesondere im Kino und so greife ich nach jedem Strohhalm der noch bleibt. The Magnificent Seven bietet mit Chris Pratt, Denzel Washington, Ethan Hawke und Haley Bennett eine tolle Besetzung, aber mit Fuqua eben auch einen Regisseur, dessen letzter richtig guter Film auch schon 15 Jahre her ist. Über die Sinnhaftigkeit eines Remakes lässt sich sowieso herrlich diskutieren. Aber lassen wir uns doch einfach mal überraschen...


War Dogs (Start: 29.09.2016 R: Todd Phillips D: Miles Teller, Jonah Hill, Bradley Cooper, Ana de Armas)

Story: Zwei Freunde Anfang 20. Miami. Zur Zeit des ersten Irakkriegs. Eine wahre Geschichte. Die beiden durchschauen ein Gesetz, dass es einfachen Leuten und Unternehmen ermöglicht für Aufträge des US-Militärs zu bieten. Und so starten die zwei Freunde klein, erarbeiten sich mit der Zeit aber auch ein Leben im Saus und Braus. Doch die Geschichte scheint ihnen aus den Fingern zu gleiten, als Sie einen 300 Mio $ Auftrag an Land ziehen, der sie in Kontakt mit den ganz schlimmen Burschen bringt...

Prognose: War Dogs ist der neue Film von Regisseur und Autor Todd Phillips, der bereits für die Hangover-Trilogie verantwortlich war. Ist der Humor ähnlich anarchistisch wie zu seiner Zeit im ersten Hangover, kann War Dogs nur gewinnen. Denn wenn man bereits die großartigen Miles Teller und Jonah Hill an Bord hat, kann doch eigentlich nicht mehr viel schief gehen oder? Jedoch wird spätestens bei Betrachtung des Trailers klar, dass sich Phillips hier ganz klar auf dem Weg eines modernen Martin Scorsese bewegen will und damit auch ganz böse scheitern könnte.

Christian


The Purge: Election Year (Start: 15.09.2016 R: James DeMonaco D: Elizabeth Mitchell, Frank Grillo, Mykelti Williamson)

Story: The Purge goes politics. So könnte man den neusten Teil der Horror-Reihe rund um die jährliche Säuberung knapp zusammenfassen. Die 12-stündige Aufhebung aller Gesetze, die alljährlich mit Mord und Todschlag einhergeht, sorgt nämlich nicht nur für zivile Ruhe in der restlichen Zeit des Jahres, sondern trifft vor allem die Armen und Schwachen der Gesellschaft. Es regt sich politischer und gesellschaftlicher Widerstand gegen die Purge - doch die Fans des Schlachtfestes haben ihre eigenen Methoden, ihre Meinung durchzusetzen.

Prognose: Die sehr interessante Ausgangsidee von The Purge hat bereits zwei erfolgreiche Filme rund um das jährliche Abschlachten hervorgebracht, der The Purge: Election Year scheint deutlich politischer und selbstreflektierter an den Stoff zu gehen. Wenn man dem Trailer Glauben schenken darf, wird zwar wieder einmal ordentlich gemetzelt, aber vielleicht bleibt die angedeutete moralische Komponente dabei nicht auf der Strecke. Mit einem bisschen Glück kommt ein Splatter mit einer Portion Grips dabei heraus.


Tschick (Start: 15.09.2016 R: Fatih Akim D: Anand Batbileg, Tristan Göbel, Nicole Mercedes Müller)

Story: oser trifft Loser. Der 14-Jährige Außenseiter Maik sieht düsteren Sommerferien entgegen, seine Mutter ist in der Entzugsklinik, sein Vater lässt es sich mit seiner Assistentin gut gehen und seine große Liebe lädt ihn nicht zu ihrer Party ein. Glücklicherweise tritt Tschick in Maiks Leben. Mit einem geklauten Lada ausgestattet, will er seinen Großvater in der Walachei besuchen. Es beginnt ein jugendlicher Trip der ganz besonderen Art.

Prognose: Ein sommerliches Roadmovie inmitten der windradbepflanzten ostdeutschen Einöde - was könnte ein besserer Abschied für den diesjährigen Sommer sein? Die Weichen für ein wenig Beklopptheit, unüberlegte Handlungen und eine Prise culture clash sind gestellt. Zu der sicherlich interessanten Handlung kommt mit Fatih Akin einer der besten Regisseure der deutschen Filmlandschaft, der inszenatorisch und technisch seinen Senf dazugibt. Kann demnach nur gut werden.


Frantz (Start: 29.09.2016 R: François Ozon D: Paula Beer, Anton von Lucke, Pierre Niney)

Story: Deutschland, 1919. Frantz ist nicht aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt. Vor allem seine Verlobte Anna kommt nicht über seinen Tod hinweg und besucht täglich das Grab ihrer großen Liebe. Eines Tages trifft sie dort Adrien, einen jungen Franzosen, den trotz der Feindschaft der Nationen offenbar eine tiefe Freundschaft mit Frantz verband. Es entspinnt sich eine komplizierte Beziehung zwischen den Trauernden, die immer wieder auf denselben Nenner kommt: Frantz.

Prognose: Dass der französische Autorenfilmer François Ozon mit Vorliebe die Irrungen und Wirrungen von zwischenmenschlichen Beziehungen auslotet, bewies er bereits mit Filmen wie Das Schmuckstück oder Jung & Schön. In Frantz wagt er sich in ästhetischen Schwarz-Weiß-Bildern an die nicht immer leichte deutsch-französische Beziehung. Das könnte sowohl inhaltlich auch als von den Darstellern her (Paula Beer!) interessant werden..

Maria

Blogparade: My 100 greatest films of the 21st century … so far


Die von mir geschätzte Bloggerin Miss Booleana hat eine neue Blogparade gestartet. Vor ein paar Tagen veröffentlichte die BBC eine Liste der (angeblich) besten 100 Filme des aktuellen Jahrhunderts. Erstellt von Experten. Ich fand die Liste eigentlich ganz brauchbar und hatte wenig daran auszusetzen. Und doch sieht meine persönliche Top 100 ganz anders aus. Da ich für mich vorgestern eine persönliche Top 100 erstellt habe, passt es ganz gut, dass Miss Booleana uns dazu aufgerufen hat unsere Listen zu veröffenlichen. Ich präsentiere euch nun also meine ungefilterte Topliste. Es sind viele Filme enthalten, die wohl jeder in seiner Liste haben dürfte, aber eben auch ein paar kontroverse Nennungen. Meine Liste beschränkt sich jedoch auf Filme die bis spätestens 31.12.2015 in ihren Herkunftsländern ihren Release feiern durften. Viel Spaß! Kommentare sind erwünscht!


01 Lost In Translation (2003)
02 The Lord Of The Rings: The Fellowship Of The Ring (2001)
03 Interstellar (2014)
04 Spotlight (2015)
05 Drive (2011)
06 Whiplash (2014)
07 The Dark Knight (2008)
08 The Wolf Of Wall Street (2013)
09 Catch Me If You Can (2002)
10 The Perks Of Being A Wallflower (2012)


11 Adventureland (2009)
12 Zodiac (2007)
13 The Spectacular Now (2013)
14 Inside (2007)
15 Battle Royale (2000)
16 The Revenant (2015)
17 Requiem For A Dream (2000)
18 The Girl With The Dragon Tattoo (2011)
19 Thw Wrestler (2008)
20 The Raid 2 (2014)


21 Birdman (2014)
22 Moulin Rouge (2001)
23 Star Wars: The Force Awakens (2015)
24 The Social Network (2010)
25 Love & Mercy (2014)
26 Casino Royale (2006)
27 Black Swan (2010)
28 Little Miss Sunshine (2006)
29 Gladiator (2000)
30 The Assassin (2015)


31 Under The Skin (2013)
32 Evil Dead (2013)
33 Skyfall (2012)
34 Edge Of Tomorrow (2014)
35 Warrior (2011)
36 Inception (2010)
37 Martyrs (2008)
38 Fruitvale Station (2013)
39 The Descent (2005)
40 We Need To Talk About Kevin (2011)


41 Super 8 (2011)
42 Beasts Of The Southern Wild (2012)
43 Into The Wild (2007)
44 Ex Machina (2015)
45 The Raid (2011)
46 Mad Max: Fury Road (2015)
47 Oldboy (2003)
48 The Prestige (2006)
49 Kill Bill Vol. I (2003)
50 District 9 (2009)


51 Silver Linings Playbook (2012)
52 Creed (2015)
53 Dallas Buyers Club (2013)
54 The Intouchables - Ziemlich beste Freunde (2011)
55 Collateral (2004)
56 Let The Right One In (2008)
57 Gangs Of New York (2002)
58 Django Unchained (2012)
59 Moneyball (2011)
60 Nightcrawler (2014)


61 Gone Girl (2014)
62 Zero Dark Thirty (2012)
63 Perfect Sense (2011)
64 The Descendants (2011)
65 Children Of Men (2006)
66 Sin City (2005)
67 It Follows (2014)
68 Zombieland (2009)
69 American Psycho (2000)
70 The Town (2010)


71 The Departed (2006)
72 The Guest (2014)
73 Boyhood (2014)
74 The Martian (2015)
75 Snowpiercer (2013)
76 The House Of The Devil (2009)
77 A Girl Who Walks Home Alone At Night (2014)
78 Up In The Air (2009)
79 300 (2006)
80 Spring Breakers (2012)


81 A Most Violent Year (2014)
82 Taken (2008)
83 Inglourious Basterds (2009)
84 Training Day (2001)
85 In The Mood For Love (2000)
86 Ali (2001)
87 The Grand Budapest Hotel (2014)
88 Winter's Bone (2010)
89 Avatar (2009)
90 Good Bye, Lenin! (2003)


91 Sucker Punch (2011)
92 The Hills Have Eyes (2006)
93 Guardians Of The Galaxy (2014)
94 Joint Security Area (2000)
95 Scott Pilgrim Vs. The World (2010)
96 Dredd (2012)
97 Ghost World (2001)
98 The Conjuring (2013)
99 Mean Girls - Girls Club (2004)
100 Gravity (2013)

Christian

Code Of Silence (1985)



Kurze Zeit nach Chuck Norris' größtem Kassenschlager Missing In Action sollte der wohl objektiv beste Film seiner Karriere veröffentlicht werden: Code Of Silence. Code Of Silence ist in Deutschland unter dem Titel Cusack - Der Schweigsame bekannt und erzählt die Geschichte des Polizisten Cusack, der mit seinem Team schon lange an einer umfangreichen Razzia bei der kolumbianischen Drogenmafia arbeitet. Doch als alles schief läuft und sich eine rivalisierende Gang einschaltet steht Cusack zwischen den Fronten. Auf die Mithilfe seiner Kollegen kann sich Cusack nicht verlassen, denn er hat den sogenannten Code Of Silence gebrochen...

Code Of Silence ist ein waschechter Actionthriller in dem Chuck Norris keine One Man Show abliefert, sondern nur ein Werkzeug in einem großen Koffer darstellt. Gerüchteweise war der Film eigentlich als Dirty Harry Sequel für Clint Eastwood gedacht. Letztlich wurde Chuck Norris' wohl einzig wirklich guter Film daraus. Auf der einen Seite ist der Film sehr realistisch gehalten und hat nur wenig mit der sonstigen Vita von Chuck Norris am Hut. Die Figuren wirken in ihrem Kosmos tatsächlich glaubwürdig und nachvollziehbar. Ein seltener Aspekt in einem Norris Film, der aber wie gesagt in diesem Film kein Norris Film ist, sondern viel mehr die Handschrift von Regisseur Andrew Davis trägt. Jener Regisseur der Jahre später mit The Fugitive seinen großen Durchbruch in Hollywood abseits von B-Actionern feiern sollte.


Code Of Silence bewegt sich also irgendwo zwischen Dirty Harry, French Connection und am Ende sogar einer Prise Robocop. Klingt zwar krude, ist aber tatsächlich ziemlich gelungen. Atmosphärisch überzeugt der Film mit seinem prägnanten Score, den stimmigen Bilder Chicagos und den interessanten Figuren auf ganzer Linie. Zwar ist die Story letztlich nur ein 08/15 Krimi, wird aber gut durch Andrew Davis' Handwerk kaschiert. Lediglich der Showdown ist am Ende etwas zu viel. Ansonsten ist Code Of Silence tatsächlich der sehenswerteste Film mit Chuck Norris. Doch der Sprung nach vorne für den Actionstar sollte nicht lange anhalten. Schon sein nächster Film Invasion USA sollte ein qualitativer Tiefpunkt in der langen Karriere von Chuck Norris werden. Das Niveau von Code Of Silence hat keiner seiner Filme in der Folge mehr erreichen können.

OT: Code Of Silence DT: Cusack - Der Schweigsame VÖ: 1985 Laufzeit: 101 Minuten FSK: 16 R: Andrew Davis D: Chuck Norris, Mike Genovese, Henry Silva, Bert Remsen
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Christian

Bildquelle: Orion, 20th Century Fox

Missing In Action (1984)



Unter der Regie von Joseph Zito (The Prowler, Friday the 13th: The Final Chapter) spielt Actionstar Chuck Norris (Delta Force, McQuade) im Kriegsactionfilm Missing In Action seine wohl bekannteste Rolle. Colonel Braddock konnte nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft endlich aus dem Vietnam fliehen. Noch Jahre später kämpft er nun auf diplomatischem Wege darum, dass auch die immer noch vermissten Kameraden endlich befreit werden. Doch in diesem Fall scheint Diplomatie nicht zu helfen und Braddock ist auf sich allein gestellt bei einer scheinbar unmöglichen Mission...

Missing In Action ist nicht nur der bekannteste Film und Braddock die bekannteste Filmrolle von B-Movie-Star Chuck Norris, nein, der Kriegsfilm im Stile von Rambo 2 war auch der erste Film einer langen Kooperation Norris' mit der berühmt-berüchtigten Produktionsschmiede Cannon. Trotz der strapaziösen Dreharbeiten im Dschungel an echten Locations, wurde Missing In Action auch zum größten finanziellen Erfolg in der langen Vita des Schauspielers. Aus irgendwelchen Gründen genießt der vor Patriotismus nur so strotzende Film bis heute Kultstatus. An der Qualität des Films kann es jedoch nicht liegen. Die Story und ihre Figuren sind extrem eindimensional, die Dialoge schlimmer als platt und handwerklich ist Zitos Film auf Grund des geringen Budgets auch maxmimal okay. Es ist nur zu offensichtlich, dass man mit Filmen im Stile von Rambo schnelle Kasse machen wollte. Dieser Film war übrigens ursprünglich als Prequel in der drei Filme umfassenden Reihe gedacht, doch auf Grund des etwas besseren Drehbuchs wurde aus Missing In Action 2 ganz kurzfristig Missing In Action 1.


Man muss dem Film anrechnen, dass er phasenweise recht spannend und unterhaltsam ist, aber im Mittelteil auch ziemlich stark langweilt. Der rassistische Tonfall des Films macht diesen heute eigentlich ungenießbar. Die reaktionäre, extrem patriotische politische Auffassung gehört jedoch auch untrennbar zur Vita von Chuck Norris. Im Gegensatz zu anderen Actionstars unserer Kindheit färbten Norris' private Ansichten auch auf seine Filme ab. Nicht der einzige, aber definitiv ein Grund für die nie abflauende Kritik an der Filmkarriere des Kampfsportlers. So ist Missing In Action letztlich nur ein qualitativ und inhaltlich ganz schwacher Abklatsch der Rambo-Idee. Wer jedoch zwischenzeitlich nicht eingeschlafen ist, darf eine besonders charmante taiwanesische Interpretation von Rod Stewarts "Do Ya Think I'm Sexy" belauschen. Dafür hat es sich dann doch gelohnt.

OT: Missing In Action VÖ: 1984 Laufzeit: 101 Minuten FSK: 16 R: Joseph Zito D: Chuck Norris, M. Emmet Walsh, David Tress
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Christian

Bildquelle: Cannon Group, 20th Century Fox

Anarchy Parlor - Killer Ink (2015)



Anfang August 2016 wurde der Torture Porn Anarchy Parlor unter dem schlagkräftigen Titel Killer Ink in Deutschland veröffentlicht. Trotz der dubiosen Umtitelung für den europäischen Raum wäre Hostel-Regisseur Eli Roth stolz auf Anarchy Parlor. Die Regisseure Kenny Gage und Devon Downs haben sich gewaltig von Roths Gewaltorgien inspirieren lassen und halten so auch 2016 das Subgenre am Leben. Aber war das notwendig?

Natürlich sind die Hauptfiguren des Films Amerikaner. Natürlich befinden sich die Amerikaner auf einer Reise durch Osteuropa. Aber mal nicht in Serbien oder in der Ukraine, sondern Litauen muss in diesem Fall für die tendenziell xenophoben Fantasien amerikanischer Filmemacher herhalten. Was macht man natürlich im Urlaub? Genau man lässt sich in einem wenig vertrauenswürdigen Tattoostudio in einer gammeligen Seitenstraße ein Bild unter die Haut stechen. Doch unsere Freunde haben wohl nicht damit gerechnet, dass es sich bei dem Inhaber um einen fiesen Sadisten handelt...


Die Macher des Films geben sich wenig Mühe dabei, die Offensichtlichkeit ihrer Inspirationsquellen, aber vor allem ihrer Absichten verdeckt zu halten. Es geht um sehr, sehr viel nackte Haut und grausige Gewaltexzesse. Material für die Videotheken dieser Welt. Gage und Downs, die auch für das Skript zuständig waren, schöpfen dabei alle gängigen Klischees derartig aus, dass man Anarchy Parlor zwischenzeitlich als Parodie auf dieses unanständige Subgenre verstehen könnte. In jenen Szenen macht Anarchy Parlor durchaus Spaß und hält den geneigten Horrorfan bei der Stange.

Leider hat es der Film jedoch verpasst sympathische Charaktere zum Mitfiebern einzuführen. Ein Problem, das dem Genre von Anbeginn erhalten blieb. Die Hauptfiguren sind allesamt debile Dumpfbacken, die nichts als Saufen und Bumsen im Kopf haben. Mitleid stellt sch hier kaum ein. Viel mehr verschiebt der Film seinen Mittelpunkt auf den sadistischen Tattookünstler The Artist, ziemlich gut dargestellt vom ewigen Filmbösewicht Robert LaSardo (Hard To Kill, Death Race). An seiner Seite steht das ebenfalls noch dezent hervorstechende, finnische Tattoomodel Sara Fabel mit ihrer kruden Art des totalen Overactings.


Und dann wäre da noch die ziemlich heftige Gewalt, die in Deutschland dafür sorgte, dass der Film um einige Minuten gekürzt wurde. Die ungeschnittene Fassung des Films liefert in der Tat einige deftige Gewaltspitzen, die beim Zuschauen wirklich schmerzen. Auf der anderen Seiten fällt der unnötige Gebrauch von CGI auf, der vielen Szenen seine Intensität raubt. Ansonsten ist der Film handwerklich in Ordnung und wirkt trotz seines geringen Budgets wie eine gehobene Horrorproduktion.

An und für sich ist Anarchy Parlor alias Killer Ink kein sehenswerter oder überhaupt erwähnenswerter Film. Kevin Matthews hat es auf Letterboxd gut veranschaulicht, als er Anarchy Parlor als Film bezeichnet, "der viel zu spät zu einer Party erscheint". Genreliebhabern sei jedoch gesagt, dass der Film von Kenny Gage und Devon Downs dennoch zu den besseren Einträgen des Torture Porn gehört. Es gibt nicht viele Ansprüche, die man an einen solchen Film stellen könnte, aber die vorhandenen erfüllt Anarchy Parlor doch recht vollständig...

OT: Anarchy Parlor ET: Killer Ink DT: Killer Ink - Dein erstes Tattoo wirst du nie vergessen VÖ: 2015 Laufzeit: 98 Minuten FSK: - Fassung/Schnitt: Achtung die deutsche FSK 18 Version ist geschnitten R: Kenny Gage, Devon Downs D: Robert LaSardo, Jordan James Smith, Sara Fabel, Tiffany DeMarco
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Christian

Bildquelle: Gravitas Ventures, Tiberius Film

The Driver (1978)



Walter Hills 1978er The Driver war nicht nur Inspiration für Nicolas Winding Refns Namensvetter Drive. Aber an diesem Beispiel kann man gut erkennen, dass Walter Hills nicht unbedingt perfekter, aber wegweisender Film bis heute Pate steht als Musterexemplar für Spannung, Style und Verfolgungsjagden. Und in der Tat sieht sich The Driver auch heute noch so gut an wie es damals gewesen sein muss. Ein Neo-Noir-Thriller am Puls der Zeit.

Der Driver hat seine Obsession im Fahren von Fluchtwagen gefunden. Er ist vermutlich der Beste in seinem Metier und wurde auf Grund seines außergewöhnlichen Talents noch nie von den Cops gefasst. Doch nach einer weiteren grade so geglückten Verfolgungsjagd im nächtlichen Los Angeles nimmt ein Ermittler der Polizei gezielt die Fährte des Drivers auf um ihn hinter Gittern zu bringen. In der Tat ist die Story von Walter Hills Thriller sehr minimalistisch, aber genau das macht sie so spannend. Es gibt nur drei wirklich wichtige Figuren und einen stringenten Plot, der gezielt auf sein in seiner Konsequenz unerwartetes Finale zuläuft. Walter Hill, bekannt als Regisseur von Red Heat, 48 Hours und The Warriors, ist hier einer der ersten prägnanten Style Over Substance Filme des modernen Kinos gelungen.


Und ja in der Tat erinnert die famose Eingangssequenz sehr an Refns Drive. Der Däne hat sich definitiv von diesem Einstieg, aber vor allem in der Figur des namenlosen Drivers für seinen Film mit Ryan Gosling inspirieren lassen. Aber das war es dann auch schon mit den Vergleichspunkten, denn The Driver lässt uns einen ganz eigenen Charme spühren. Spannung und Action stehen hier im Vordergrund. Insbesondere die Fahrsequenzen sind cineastisch hervorragend. Allerdings muss man auch dazu erwähnen, dass eine Autoverfolgungsjagd, die eigentlich nur auf zwei verschiedene Arten enden kann, heutzutage kaum noch jemanden fesseln dürfte. Aber wenn, dann wären es jene stets realistischen aus Walter Hills Streifen. Hill schafft es trotz mittelmäßiger Dialoge und wenig detailierter Charaktere einen durchgängigen Spannungsbogen aufzuheizen, der besonders während der nächtlichen Ausflüge des Drivers perfekt zur Geltung kommt. Kamera, Farbstimmung und Musik ergeben ein konsequentes und sehenswertes Konstrukt.


Ryan O’Neal (Love Story, Barry Lyndon) funktioniert als Driver tatsächlich nicht annähernd so gut wie später Ryan Gosling. So mag die Figur des Drivers dem Chefermittler, gespielt von Bruce Dern (Django Unchained, Nebraska), immer eine Nasenlänge voraus sein, doch schauspielerisch liegt der immer noch höchstaktive Dern ganz klar vorn. Dern und die bezaubernde Französin Isabelle Adjani (Possession, La Reine Margot) sind die eigentlichen Stars des Films. Mit ihrer faszinierenden Ausstrahlung entpuppt sich Adjani als wahre Szenencatcherin. The Driver ist schon irgendwie ein kleiner Blender. Den Mangel an Story und gut geschriebenen Charakteren kaschiert der Film manipulativ durch enorme Spannung und einen grandiosen, audiovisuellen Ausdruck. Doch auch heute wird stets klar, warum The Driver einen derartigen Kultstatus inne hat und auch immer noch zahlreiche junge Regisseure inspiriert. In der Summe klassisches, stilsicheres 70s Kino. Muss man nicht mögen, aber sollte man auf Grund seiner so ziemlichen Einzigartigkeit gesehen haben.

OT: The Driver VÖ: 1978 Laufzeit: 91 Minuten FSK: 18 R: Walter Hill D: Ryan O'Neal, Bruce Dern, Isabelle Adjani, Ronee Blakley
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Christian

Bildquelle: Studio Canal

Suicide Squad (2016)



Nicht nur für mich war Suicide Squad der wohl am meisten erwartete Film des Jahres. Obwohl die Comichelden bzw. Antihelden des Squads längst nicht zur ersten Brigade der DC Comics gehören. Schon bei der Ankündigung dürften sich nicht viele Comicfans gewundert haben, dass ausgerechnet die Schurkenriege des Verlags auf die große Leinwand kommen wird, denn den Status oder die Bekanntheit eines Batman, Superman oder einer Wonder Woman lag hier längst nicht vor. Doch nicht nur mit der aufreizenden Figur der Harley Quinn als Mittelpunkt der Marketingkampagne konnten DC und Warner die Fans anheizen. Sogar der Trailer lief über ein halbes Jahr lang vor nahezu jedem Film im Kino. Doch dann trat vor zwei Wochen der Reboot des Batman V Superman Faktors ein. Verheerende Kritiken überschwappten das Internet. Für nicht wenige wandelte sich Suicide Squad vom Heilsbringer zum Flop des Jahres. Seit dem 18. August läuft der Film nun auch in Deutschland und was soll ich sagen? Ich bin begeistert!

In Suicide Squad plant Regierungsagentin Amanda Waller (Viola Davis) nach dem Tode Supermans eine schlagkräftige Truppe Oberschurken zu casten um diese im Dienste des Staates gegen noch viel schlimmere Bösewichter einzusetzen. Das Aufgebot umfasst dabei illustre Leute wie Deadshot (Will Smith), einem Mann, der nie sein Ziel verfehlt. Oder Harley Quinn (Margot Robbie), inhaftierte Gespielin des Jokers und ehemalige Psychologin. Dazu gesellen sich der feurige Diablo (Jay Hernandez), Krokodilmann Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje), Räuber Captain Boomerang (Jai Courtney), Hexe Enchantress (Cara Delevingne) und Slipknot, der Mann, der noch jedes Hindernis überqueren konnte. Der erste Einsatz der sogenannten Task Force X kommt dann auch schneller als erwartet, denn ein Mitglied des Squads tanzt aus der Reihe und richtet ein gewaltiges Chaos an. Gemeinsam mit dem Obersoldaten Rick Flag (Joel Kinnaman) müssen die Antihelden nun versuchen das Problem zu lösen und die Zerstörung der Welt aufzuhalten.


Das erste Drittel des Films nimmt sich die Zeit um uns alle Figuren mal mehr, mal weniger umfangreich vorzustellen. Hauptfiguren wie Deadshot, Harley Quinn, aber auch Diablo bekommen durchaus nachvollziehbare Hintergründe, nicht zuletzt aus den Comicvorlagen geliefert. Manchmal in einer je fünf Minuten umfassenden, bunten und vor allem exorbitant heftig zusammengeschnittenen Sequenz oder im Film selbst, als kurze Flashbacks, die anders als Batmans Albtraumsequenzen in Batman V Superman nie stören oder den Erzählfluß blockieren. Diese erste halbe Stunde ist grell, bunt, sehr rasant und hat mich entgegen vieler Kritiken sehr begeistert. So muss sich eine Comicadaption anfühlen und so muss sie aussehen. Man kann herrlich über Suicide Squad diskutieren, aber dem Film seinen tollen Comicflair absprechen, nein, das nicht. Nachdem sich unsere Antihelden artig begrüßt haben, geht es auch schon in die turbulente Action. Es gibt einige richtig toll inszenierte Kämpfe und Schießereien, die aber auch in wenigen Momenten, vor allem auf Grund des 3D-Effekts unübersichtlich sind.

Dennoch entfaltet Suicide Squad hier durchgängig tolles Entertainment. Die Figuren harmonieren wundervoll, jede auf ihre eigene Weise. Deadshot ist klar als Leader des Squads definiert und ist auch jene Figur, der wir vor allem unsere Sympathien schenken sollen. Das gelingt problemlos, denn Will Smith liefert hier ab wie seit Jahren nicht mehr. Die Freude an der Rolle ist ihm in jeder Szene anzusehen. Toll, den sympathischen Darsteller endlich wieder in Form zu sehen. Auf der anderen Seite haben wir Harley Quinn. Durchgeknallt, psychopathisch, aber eigentlich eine bemitleidenswerte Frau. Ich hatte die Befürchtung, dass letztgenannter Aspekt im Film keine Rolle spielen wird, doch das eigentlich eher dürftige Drehbuch hat auch für Quinns finstere Vergangenheit Momente frei. Comicfigur Harley Quinn wird von der großartigen Darstellerin Margot Robbie zum Leben erweckt. Robbie wird jedem Aspekt der Figur vollkommen gerecht. So entpuppt sich Robbie bzw. Quinn als wahre Szenendiebin. Des Jokers Herzdame reißt nahezu den ganzen Film an sich und nähert nur noch mehr die Hoffnung auf einen Solofilm oder zumindest einer Verfilmung des grandiosen Mad Love Comics. Ich kann es kaum erwarten.


Ein weiteres Highlight ist Viola Davis. Bereits ihre Besetzung im Film war eine Überraschung aber was sie daraus gemacht hat? Umwerfend. Gegen Amanda Waller ist Nick Fury nur ein feuchter Pups. Viola Davis könnte nicht mehr badass sein als hier. Von den restlichen Figuren ist mir dann noch Diablo ans Herz gewachsen. Die anderen Charaktere bekommen ihre Auftritte, bleiben aber doch eher Randfiguren. Und dann hätten wir da noch den Joker. Jack Nicholson war gut, Heath Ledger großartig. Jared Leto? Schwer zu sagen, denn die Screentime wurde im Kinoschnitt tatsächlich auf ein Minimum reduziert. Auf jeden Fall sorgt Letos Performance für eine eigenständige Interpretation von Gotham Citys Obervillain. Die ganze Figurenkonstellation ist für mich auf jeden Fall deutlich interessanter als bei den Avengers, die dann doch etwas zu gelackt wirken im Vergleich. Ich mag Black Widow. Ich mag Captain America. Würde Harley und Deadshot aber jederzeit den Vorzug geben. Da bin ich ehrlich.

Zurück zum angedeuteten Kritikpunkt. Ja, die Handlung ist simpel und das Drehbuch hätte durchaus mehr Tiefe verlangt. Angesichts des Drucks der Studios auf David Ayers Arbeit ist das jedoch nicht verwunderswert. Ayer, bekannt als Regisseur von Fury, End Of Watch und Sabotage, agiert beim Suicide Squad als Regisseur, Autor und Produzent. Vielleicht etwas viel Arbeit für eine Person. Dafür, dass es sich letztlich jedoch um eine Originstory handelt, verplempert der Film zum Glück noch relativ wenig Zeit mit der Einführung der Figuren. Vielen ging die Vorstellung der Figuren scheinbar zu lang, aber ich bin da ganz anderes gewohnt. Ansonsten trifft der Film tonal definitiv das Comicuniversum und liefert im Vergleich zu Batman V Superman deutlich mehr Power und Tempo. Lediglich auf der Seite der wirklichen Antagonisten des Films offenbart der Film ähnliche Probleme wie der Großteil aller Comicadaptionen. Egal ob bei den Avengers, Deadpool oder Batman V Superman. Hier herrscht Nachholbedarf. Wie man es macht hat The Dark Knight gezeigt, auch wenn man einen Bösewicht wie den Joker wirklich nur selten vorfindet.


Um beim Tonfall zu bleiben. Entgegen der Marketing-Kampagne ist Suicide Squad tatsächlich ein ziemlich dunkler und düsterer Film. Die Haupthandlung spielt eben in der Dunkelheit und erinnert schon an Batman V Superman. Doch immer wieder offenbaren sich Farbtupfer. In der Vorstellungsrunde zu Beginn sowieso, hier erkennt man auch deutlich den Stil der Trailer wieder. Aber auch im weiteren Verlauf kommt immer wieder Farbe ins Spiel und wenn es der dezente, aber nie deplatzierte Humor richten muss. Audiovisuell ist Suicide Squad übrigens aus meiner Sicht herausragend. Der Film sieht einfach super aus, ist toll geschnitten und schick gefilmt. Handwerklich gehört David Ayers Film definitiv zu den besten Blockbustern des Jahres. Das fängt bei den tollen Kostümen an und hört bei der ganzen Präsentation auf. Die Comicadaption lässt sich optisch am ehesten als Mix aus Moulin Rouge, Zack Snyders Sucker Punch und vielen hochwertig produzierten Musikvideos beschreiben. Der Vergleich zu Sucker Punch passt beim Suicide Squad übrigens nicht nur an dieser Stelle. Die Stärken und Schwächen beider Filme lesen sich nahezu gleich. Und auch Sucker Punch war schon so ein Hate It Or Love It Streifen. Über den Soundtrack lässt sich übrigens streiten. Vermutlich änderte man hier einiges nachdem man bemerkte, dass die Musikauswahl der Trailer für große Begeisterung bei den Fans sorgte. Und so spielt Suicide Squad wie schon Marvel's Guardians Of The Galaxy mit der Welt der Popmusik. Ob Eminem, die Rolling Stones, Queen oder Black Sabbath. Da kommt schon einiges auf uns zu. Aus meiner Sicht gelungen, aber die Inspiration bei Marvel lässt sich hier nicht abstreiten.

Was bleibt am Ende? Für mich vor allem zwei Stunden lang wirklich tolles Entertainment. Ich liebe die Figuren und ihre Interaktionen. Ich bin verliebt in den Artstyle und die ganze Machart des Films, tatsächlich inklusive des Erzählsstils. Sicherlich hätte der Film an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Logik und Tiefgang vertragen. Aber who cares? Ich hatte Spaß ohne Ende. Suicide Squad ist die lebhafte Einführung neuer Comicantihelden auf der großen Leinwand und ich hoffe Warner und DC geben nicht auf und bleiben diesem Stil treu. Das könnte in Zukunft passen, wenn man an den richtigen Schrauben dreht. Suicide Squad ist nicht so gut wie Deadpool, kann sich aber mit einem Civil War definitiv messen. Nicht großartig, aber aus meiner Sicht weit davon entfernt seinen miserablen Kritiken gerecht zu werden. Also Leute, schaut euch den Film, und bildet euch eine eigene Meinung.

OT: Suicide Squad VÖ: 2016 Laufzeit: 130 Minuten FSK: 16 R: David Ayer D: Will Smith Margot Robbie Joel Kinnaman Viola Davis, Jared Leto, Cara Delevingne
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Christian

Bildquelle: Warner Bros., DC,

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows (2016)



Ghostbusters, He-Man, Captain Tsubasa, Mila und die Turtles. Das waren die Heldinnen und Helden meiner Jugend. Manche dieser Figuren werden ab und zu noch auf angestaubten DVD-Collections wiederveröffentlicht, einige bekommen jedoch in unregelmäßigen Abständen noch große Auftritte zugesichert. Zuletzt die Ghostbusters im viel diskutierten Reboot oder alle Jahre wieder die Turtles. Der erste Live-Action-Film der Comicschildkröten aus den frühen 90ern ist für mich bis heute ein gelungenes Abenteuer. Die Nachfolger waren da schon dürftiger. Vor einigen Jahren gab es dann einen gar nicht so verkehrten Animationsfilm, der aber die Fans alter Zeiten wenig glücklich gestimmt hat. 2014 nahm sich dann Michael Bay's Produktionsteam den vier grünen Sympathieträgern an und präsentierte einen Live-Action-Film mit verblüffend toll animierten Turtles, aber auch wenig Tiefgang. Ein Film der Spaß macht, aber auch in keinen Punkten aus dem Wulst an Blockbustern herausragte. Da jedoch der kommerzielle Erfolg passte, schob man in der letzten Woche bzw. in den Staaten im Mai ein Sequel nach.

In Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows geht es, wie so oft im Blockbuster, um das große Ganze. Das Schicksal der Menschheit steht mal wieder auf dem Spiel. Und da haben wir auch schon mein größtes Problem mit dem neuen Turtles Film und dem Actionkino der letzten Jahre generell: dem Showdown. Durch viele Actionfilme musste ich mich 2016 am Ende regelrecht durchquälen. Durch unübersichtliche oder völlig generische Effektschlachten. Egal ob Ghostbusters, X-Men Apocalypse, Batman V Superman oder eben Turtles: Out Of The Shadows. Wo sind die erdigen Storys? Die greifbaren oder mal persönlichen Elemente? Insbesondere zu den Turtles passen eher die kleineren Geschichten, in denen beispielsweise einfach mal nur eine Straßengang dingfest gemacht werden muss. Bei unseren tierischen Freunden darf es auch gerne mal etwas düsterer zugehen wie in den alten Comics oder in der US-Fassung des ersten Films, in der es nicht die aus der deutschen Sprachfassung bekannten Boing-Boing und Pow-Pow Geräusche im Sekundentakt gibt. Aber nein, in Out Of The Shadows bedroht der bekannte Turtles-Schurke Krang die Welt mit einem Dimensionsportal und seiner Superwaffe, dem Technodrome. Da wird selbst Oberbösewicht Shredder ganz klein im Vergleich. Zwischenzeitlich wird ein Disput zwischen den unterschiedlichen Turtlescharakteren deutlich. Mehr davon! Die Turtles sind coole Figuren, denen man auch etwas Tiefgang trotz aller Entertainmentfähigkeiten zutrauen kann. Aber im Film selbst wird dieser Konflikt letztlich nur als Aufhänger benutzt.


Dass Turtles 2 kein guter, sogar ein schwächerer Film als sein durchschnittlicher Vorgänger ist, liegt vor allem am hundsmiserablen Pacing und Drehbuch. Der Film führt mit Casey Jones, Rocksteady und Bebop Fanlieblinge ins neue Turtlesuniversum ein, verschenkt diese Figuren aber nahezu komplett. War Casey früher ein cooler Charakter, dient er heute nur noch als Maybe-Maybe-Not-Loveinterest für April O'Neal (Megan Fox). Worauf ich hinaus will? Der Film vergibt so viel Potential. Optisch ist der Film, wenn er nicht grade in den Actionszenen unübersichtlich wird, durchaus sehenswert. Die Animationen der Turtles selbst haben mich schon im Vorgänger begeistern. Aber was nützt das, wenn der Film insbesondere in der ersten Hälfte grausig und stellenweise konzeptlos zusammengeschnitten ist? Da spielt sich die eigentlich ziemlich simple Handlung in viel zu vielen Szenarien ab. Wissenschaftler Baxter Stockman hier, Shredder da, Turtles hier, April da...Interesse an der Handlung und den Figuren erweckt man so nicht. Auch die Eindimensionalität der Figuren stört massiv. Klar hat und hatte jeder Turtle schon immer seine eigene Rolle im Universum des Franchises. 2016 sind die Figuren jedoch so stereotypisch, dass es selbst in den meisten Kinderaugen weh tun muss. Muskelturtle, Anführerturtle, Nerdturtle (ja so wird es sogar im Film erzählt) und Trottelturtle. Ist unser Blockbusterhorizont denn wirklich immer noch so beschränkt? Traut man dem Publikum nicht mehr zu?


Trotz aller Probleme und Schwächen lassen einen die Turtles aber auch in Out Of The Shadows nicht ganz kalt. Der Humor ist zwar recht flach, aber sehr sympathisch und manchmal auch mit einer dezenten Metaebene versehen. Ich will nicht behaupten, dass Turtles 2 zotig ist, aber auf die ein oder andere Art und Weise schon sehr selbstironisch und damit nahe an den Vorlagen. Ein Punkt auf den man in eventuellen kommenden Sequels näher eingehen sollte. Zwiespältig gegenüber stehe ich einigen völlig übertriebenen Szenen (z.B. der Fallschirmszene und den Minuten danach). Eigentlich habe ich die Schnauze voll von solchen Filmmomenten, auf der anderen Seite unterstützen eben diese Momente die eigentliche Herkunft aus den Comics und der weltberühmten Zeichentrickserie. Die Turtles bleiben der Popkultur auch im Jahr 2016 fest erhalten. Herausgekommen ist mit Out Of The Shadows jedoch nur höchstens durchschnittliches Blockbusterentertainment ohne Tiefgang mit viel Krawall, aber auch Potential nach oben. Aber ob dieses Potential je wirklich genutzt werden wird? Man mag es bezweifeln.

OT: Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows VÖ: 2016 Laufzeit: 112 Minuten FSK: 12 R: Dave Green D: Megan Fox, Stephen Amell, Will Arnett, Laura Linney
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Christian

Bildquelle: Paramount Pictures, Nickelodeon Movies, Platinum Dunes

Mother's Day (2010)



Darren Lynn Bousman ist mit seinen Saw II-IV Inszenierungen bereits ein erfahrener Regisseur in Sachen expliziter Horrorfilme und so war es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet ihm das Remake des 80's Troma Klassikers Mother's Day anvertraut wurde. Doch Bousman hielt es nicht für notwendig Charles Kaufmans Film 1:1 nachzudrehen und siedelt die moderne Version des Kultfilms im vor wenigen Jahren noch höchst angesagten Terrorkino an. Mit mäßigem Erfolg...

Die frischen Hausbesitzer Daniel und Beth feiern mit ihren Freunden eine nette Party im neuen Anwesen, doch plötzlich dringen flüchtige Bankräuber in die vier Wände ein und nehmen Geiseln. Als dann auch noch die Mutter der Ganoven ihren Auftritt hat, ist der Gewaltexzess vorprogrammiert. Bousmans brutaler Thriller offenbart besonders zu Beginn ein enormes Tempo und bietet eine durchaus interessante Ausgangssituation. Im Jahr 2010 basiert Mother's Day jedoch nur noch sehr lose auf den in Deutschland vor allem durch die Gewaltvideodebatte bekannt gewordenen Trashhorror Muttertag, der jedoch durch seinen politischen Unterton und einige intelligente Einfälle noch heute viele Fans hat. Letztlich bleibt 2010 nur die krankhafte Beziehung zwischen der dominanten Mutter und ihren gewaltätigen Söhnen übrig. Herum gebastelt hat man dann einen klassischen Home Invasion Film mit Torture Porn Anleihen. Schade, denn als psychologischer Horror funktioniert der Streifen. Mother's Day hat es eigentlich nicht nötig, dass Darren Lynn Bousman auch sein geschätztes Saw-Publikum mit einigen sehr deftigen Gewaltspitzen für den Film gewinnen wollte. Die Gewalt ist dabei schmerzhaft und recht realistisch. Anders als die comichaft übertriebene Gewaltzeichnung im Original.


Auf kreativer Ebene zeigt sich mal wieder Bousmans sprödes Handwerk. Visuell passiert nie etwas aufregendes. Aber immerhin hat man auf die Editing-Orgien aus Bousmans Saw-Filmen verzichtet. Mother's Day ist übrigens größtenteils ein Kammerspiel, mit einigen wenigen Szenen außerhalb des Anwesens von Daniel und Beth. Das fordert die Darsteller und die machen ihre Sache schon recht gut. Besonders die bekannteren Schauspielerinnen Rebecca De Mornay (Risky Business) und Jaime King (Sin City, My Bloody Valentine) überzeugen. Lediglich von Frank Grillo (Warrior, Zero Dark Thirty, The Purge 2+3) hätte ich etwas mehr erwartet. Leider handeln die Figuren im Film äußerst hilflos und besonders dumm. Fünf der Freunde sind zusammen mit einem bewaffneten Ganoven in einem Raum. Es liegen genug brauchbare Gegenstände (z.B. ein Billard Queue) in der Nähe. Und es passiert nichts, selbst als der Verbrecher ihnen den Rücken zukehrt. Da der Film generell zu viele Figuren aufweist und zu wenig Zeit aufgebracht wird um ihnen charakterliche Tiefe zu verleihen, mangelt es leider auch extrem an emotionaler Bindung. Ja, der Film ist an vielen Stellen spannend, aber bewegend eher weniger. Immerhin gibt es ein paar brauchbare Twists. Leider ist der Tonfall für diese rudimentäre Geschichte viel zu ernst gewählt. Etwas Humor, wie im Original hätte Mother's Day auch Anno 2010 noch gut gestanden. So bleibt am Ende nur ein ganz netter, ziemlich brutaler Home Invasion Thriller übrig, den man eigentlich nicht mal im entferntesten als Remake des chaotisch-anarchistischen Troma Kultfilms bezeichnen könnte.

OT: Mother's Day DT: Mother's Day - Mutter ist wieder da! VÖ: 2010 Laufzeit: 112 Minuten FSK: 18 R: Darren Lynn Bousman D: Rebecca De Mornay, Jaime King, Patrick John Flueger, Deborah Ann Woll, Frank Grillo
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Christian

Bildquelle: Studio Canal