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Suicide Squad (2016)



Nicht nur für mich war Suicide Squad der wohl am meisten erwartete Film des Jahres. Obwohl die Comichelden bzw. Antihelden des Squads längst nicht zur ersten Brigade der DC Comics gehören. Schon bei der Ankündigung dürften sich nicht viele Comicfans gewundert haben, dass ausgerechnet die Schurkenriege des Verlags auf die große Leinwand kommen wird, denn den Status oder die Bekanntheit eines Batman, Superman oder einer Wonder Woman lag hier längst nicht vor. Doch nicht nur mit der aufreizenden Figur der Harley Quinn als Mittelpunkt der Marketingkampagne konnten DC und Warner die Fans anheizen. Sogar der Trailer lief über ein halbes Jahr lang vor nahezu jedem Film im Kino. Doch dann trat vor zwei Wochen der Reboot des Batman V Superman Faktors ein. Verheerende Kritiken überschwappten das Internet. Für nicht wenige wandelte sich Suicide Squad vom Heilsbringer zum Flop des Jahres. Seit dem 18. August läuft der Film nun auch in Deutschland und was soll ich sagen? Ich bin begeistert!

In Suicide Squad plant Regierungsagentin Amanda Waller (Viola Davis) nach dem Tode Supermans eine schlagkräftige Truppe Oberschurken zu casten um diese im Dienste des Staates gegen noch viel schlimmere Bösewichter einzusetzen. Das Aufgebot umfasst dabei illustre Leute wie Deadshot (Will Smith), einem Mann, der nie sein Ziel verfehlt. Oder Harley Quinn (Margot Robbie), inhaftierte Gespielin des Jokers und ehemalige Psychologin. Dazu gesellen sich der feurige Diablo (Jay Hernandez), Krokodilmann Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje), Räuber Captain Boomerang (Jai Courtney), Hexe Enchantress (Cara Delevingne) und Slipknot, der Mann, der noch jedes Hindernis überqueren konnte. Der erste Einsatz der sogenannten Task Force X kommt dann auch schneller als erwartet, denn ein Mitglied des Squads tanzt aus der Reihe und richtet ein gewaltiges Chaos an. Gemeinsam mit dem Obersoldaten Rick Flag (Joel Kinnaman) müssen die Antihelden nun versuchen das Problem zu lösen und die Zerstörung der Welt aufzuhalten.


Das erste Drittel des Films nimmt sich die Zeit um uns alle Figuren mal mehr, mal weniger umfangreich vorzustellen. Hauptfiguren wie Deadshot, Harley Quinn, aber auch Diablo bekommen durchaus nachvollziehbare Hintergründe, nicht zuletzt aus den Comicvorlagen geliefert. Manchmal in einer je fünf Minuten umfassenden, bunten und vor allem exorbitant heftig zusammengeschnittenen Sequenz oder im Film selbst, als kurze Flashbacks, die anders als Batmans Albtraumsequenzen in Batman V Superman nie stören oder den Erzählfluß blockieren. Diese erste halbe Stunde ist grell, bunt, sehr rasant und hat mich entgegen vieler Kritiken sehr begeistert. So muss sich eine Comicadaption anfühlen und so muss sie aussehen. Man kann herrlich über Suicide Squad diskutieren, aber dem Film seinen tollen Comicflair absprechen, nein, das nicht. Nachdem sich unsere Antihelden artig begrüßt haben, geht es auch schon in die turbulente Action. Es gibt einige richtig toll inszenierte Kämpfe und Schießereien, die aber auch in wenigen Momenten, vor allem auf Grund des 3D-Effekts unübersichtlich sind.

Dennoch entfaltet Suicide Squad hier durchgängig tolles Entertainment. Die Figuren harmonieren wundervoll, jede auf ihre eigene Weise. Deadshot ist klar als Leader des Squads definiert und ist auch jene Figur, der wir vor allem unsere Sympathien schenken sollen. Das gelingt problemlos, denn Will Smith liefert hier ab wie seit Jahren nicht mehr. Die Freude an der Rolle ist ihm in jeder Szene anzusehen. Toll, den sympathischen Darsteller endlich wieder in Form zu sehen. Auf der anderen Seite haben wir Harley Quinn. Durchgeknallt, psychopathisch, aber eigentlich eine bemitleidenswerte Frau. Ich hatte die Befürchtung, dass letztgenannter Aspekt im Film keine Rolle spielen wird, doch das eigentlich eher dürftige Drehbuch hat auch für Quinns finstere Vergangenheit Momente frei. Comicfigur Harley Quinn wird von der großartigen Darstellerin Margot Robbie zum Leben erweckt. Robbie wird jedem Aspekt der Figur vollkommen gerecht. So entpuppt sich Robbie bzw. Quinn als wahre Szenendiebin. Des Jokers Herzdame reißt nahezu den ganzen Film an sich und nähert nur noch mehr die Hoffnung auf einen Solofilm oder zumindest einer Verfilmung des grandiosen Mad Love Comics. Ich kann es kaum erwarten.


Ein weiteres Highlight ist Viola Davis. Bereits ihre Besetzung im Film war eine Überraschung aber was sie daraus gemacht hat? Umwerfend. Gegen Amanda Waller ist Nick Fury nur ein feuchter Pups. Viola Davis könnte nicht mehr badass sein als hier. Von den restlichen Figuren ist mir dann noch Diablo ans Herz gewachsen. Die anderen Charaktere bekommen ihre Auftritte, bleiben aber doch eher Randfiguren. Und dann hätten wir da noch den Joker. Jack Nicholson war gut, Heath Ledger großartig. Jared Leto? Schwer zu sagen, denn die Screentime wurde im Kinoschnitt tatsächlich auf ein Minimum reduziert. Auf jeden Fall sorgt Letos Performance für eine eigenständige Interpretation von Gotham Citys Obervillain. Die ganze Figurenkonstellation ist für mich auf jeden Fall deutlich interessanter als bei den Avengers, die dann doch etwas zu gelackt wirken im Vergleich. Ich mag Black Widow. Ich mag Captain America. Würde Harley und Deadshot aber jederzeit den Vorzug geben. Da bin ich ehrlich.

Zurück zum angedeuteten Kritikpunkt. Ja, die Handlung ist simpel und das Drehbuch hätte durchaus mehr Tiefe verlangt. Angesichts des Drucks der Studios auf David Ayers Arbeit ist das jedoch nicht verwunderswert. Ayer, bekannt als Regisseur von Fury, End Of Watch und Sabotage, agiert beim Suicide Squad als Regisseur, Autor und Produzent. Vielleicht etwas viel Arbeit für eine Person. Dafür, dass es sich letztlich jedoch um eine Originstory handelt, verplempert der Film zum Glück noch relativ wenig Zeit mit der Einführung der Figuren. Vielen ging die Vorstellung der Figuren scheinbar zu lang, aber ich bin da ganz anderes gewohnt. Ansonsten trifft der Film tonal definitiv das Comicuniversum und liefert im Vergleich zu Batman V Superman deutlich mehr Power und Tempo. Lediglich auf der Seite der wirklichen Antagonisten des Films offenbart der Film ähnliche Probleme wie der Großteil aller Comicadaptionen. Egal ob bei den Avengers, Deadpool oder Batman V Superman. Hier herrscht Nachholbedarf. Wie man es macht hat The Dark Knight gezeigt, auch wenn man einen Bösewicht wie den Joker wirklich nur selten vorfindet.


Um beim Tonfall zu bleiben. Entgegen der Marketing-Kampagne ist Suicide Squad tatsächlich ein ziemlich dunkler und düsterer Film. Die Haupthandlung spielt eben in der Dunkelheit und erinnert schon an Batman V Superman. Doch immer wieder offenbaren sich Farbtupfer. In der Vorstellungsrunde zu Beginn sowieso, hier erkennt man auch deutlich den Stil der Trailer wieder. Aber auch im weiteren Verlauf kommt immer wieder Farbe ins Spiel und wenn es der dezente, aber nie deplatzierte Humor richten muss. Audiovisuell ist Suicide Squad übrigens aus meiner Sicht herausragend. Der Film sieht einfach super aus, ist toll geschnitten und schick gefilmt. Handwerklich gehört David Ayers Film definitiv zu den besten Blockbustern des Jahres. Das fängt bei den tollen Kostümen an und hört bei der ganzen Präsentation auf. Die Comicadaption lässt sich optisch am ehesten als Mix aus Moulin Rouge, Zack Snyders Sucker Punch und vielen hochwertig produzierten Musikvideos beschreiben. Der Vergleich zu Sucker Punch passt beim Suicide Squad übrigens nicht nur an dieser Stelle. Die Stärken und Schwächen beider Filme lesen sich nahezu gleich. Und auch Sucker Punch war schon so ein Hate It Or Love It Streifen. Über den Soundtrack lässt sich übrigens streiten. Vermutlich änderte man hier einiges nachdem man bemerkte, dass die Musikauswahl der Trailer für große Begeisterung bei den Fans sorgte. Und so spielt Suicide Squad wie schon Marvel's Guardians Of The Galaxy mit der Welt der Popmusik. Ob Eminem, die Rolling Stones, Queen oder Black Sabbath. Da kommt schon einiges auf uns zu. Aus meiner Sicht gelungen, aber die Inspiration bei Marvel lässt sich hier nicht abstreiten.

Was bleibt am Ende? Für mich vor allem zwei Stunden lang wirklich tolles Entertainment. Ich liebe die Figuren und ihre Interaktionen. Ich bin verliebt in den Artstyle und die ganze Machart des Films, tatsächlich inklusive des Erzählsstils. Sicherlich hätte der Film an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Logik und Tiefgang vertragen. Aber who cares? Ich hatte Spaß ohne Ende. Suicide Squad ist die lebhafte Einführung neuer Comicantihelden auf der großen Leinwand und ich hoffe Warner und DC geben nicht auf und bleiben diesem Stil treu. Das könnte in Zukunft passen, wenn man an den richtigen Schrauben dreht. Suicide Squad ist nicht so gut wie Deadpool, kann sich aber mit einem Civil War definitiv messen. Nicht großartig, aber aus meiner Sicht weit davon entfernt seinen miserablen Kritiken gerecht zu werden. Also Leute, schaut euch den Film, und bildet euch eine eigene Meinung.

OT: Suicide Squad VÖ: 2016 Laufzeit: 130 Minuten FSK: 16 R: David Ayer D: Will Smith Margot Robbie Joel Kinnaman Viola Davis, Jared Leto, Cara Delevingne
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Christian

Bildquelle: Warner Bros., DC,

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows (2016)



Ghostbusters, He-Man, Captain Tsubasa, Mila und die Turtles. Das waren die Heldinnen und Helden meiner Jugend. Manche dieser Figuren werden ab und zu noch auf angestaubten DVD-Collections wiederveröffentlicht, einige bekommen jedoch in unregelmäßigen Abständen noch große Auftritte zugesichert. Zuletzt die Ghostbusters im viel diskutierten Reboot oder alle Jahre wieder die Turtles. Der erste Live-Action-Film der Comicschildkröten aus den frühen 90ern ist für mich bis heute ein gelungenes Abenteuer. Die Nachfolger waren da schon dürftiger. Vor einigen Jahren gab es dann einen gar nicht so verkehrten Animationsfilm, der aber die Fans alter Zeiten wenig glücklich gestimmt hat. 2014 nahm sich dann Michael Bay's Produktionsteam den vier grünen Sympathieträgern an und präsentierte einen Live-Action-Film mit verblüffend toll animierten Turtles, aber auch wenig Tiefgang. Ein Film der Spaß macht, aber auch in keinen Punkten aus dem Wulst an Blockbustern herausragte. Da jedoch der kommerzielle Erfolg passte, schob man in der letzten Woche bzw. in den Staaten im Mai ein Sequel nach.

In Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows geht es, wie so oft im Blockbuster, um das große Ganze. Das Schicksal der Menschheit steht mal wieder auf dem Spiel. Und da haben wir auch schon mein größtes Problem mit dem neuen Turtles Film und dem Actionkino der letzten Jahre generell: dem Showdown. Durch viele Actionfilme musste ich mich 2016 am Ende regelrecht durchquälen. Durch unübersichtliche oder völlig generische Effektschlachten. Egal ob Ghostbusters, X-Men Apocalypse, Batman V Superman oder eben Turtles: Out Of The Shadows. Wo sind die erdigen Storys? Die greifbaren oder mal persönlichen Elemente? Insbesondere zu den Turtles passen eher die kleineren Geschichten, in denen beispielsweise einfach mal nur eine Straßengang dingfest gemacht werden muss. Bei unseren tierischen Freunden darf es auch gerne mal etwas düsterer zugehen wie in den alten Comics oder in der US-Fassung des ersten Films, in der es nicht die aus der deutschen Sprachfassung bekannten Boing-Boing und Pow-Pow Geräusche im Sekundentakt gibt. Aber nein, in Out Of The Shadows bedroht der bekannte Turtles-Schurke Krang die Welt mit einem Dimensionsportal und seiner Superwaffe, dem Technodrome. Da wird selbst Oberbösewicht Shredder ganz klein im Vergleich. Zwischenzeitlich wird ein Disput zwischen den unterschiedlichen Turtlescharakteren deutlich. Mehr davon! Die Turtles sind coole Figuren, denen man auch etwas Tiefgang trotz aller Entertainmentfähigkeiten zutrauen kann. Aber im Film selbst wird dieser Konflikt letztlich nur als Aufhänger benutzt.


Dass Turtles 2 kein guter, sogar ein schwächerer Film als sein durchschnittlicher Vorgänger ist, liegt vor allem am hundsmiserablen Pacing und Drehbuch. Der Film führt mit Casey Jones, Rocksteady und Bebop Fanlieblinge ins neue Turtlesuniversum ein, verschenkt diese Figuren aber nahezu komplett. War Casey früher ein cooler Charakter, dient er heute nur noch als Maybe-Maybe-Not-Loveinterest für April O'Neal (Megan Fox). Worauf ich hinaus will? Der Film vergibt so viel Potential. Optisch ist der Film, wenn er nicht grade in den Actionszenen unübersichtlich wird, durchaus sehenswert. Die Animationen der Turtles selbst haben mich schon im Vorgänger begeistern. Aber was nützt das, wenn der Film insbesondere in der ersten Hälfte grausig und stellenweise konzeptlos zusammengeschnitten ist? Da spielt sich die eigentlich ziemlich simple Handlung in viel zu vielen Szenarien ab. Wissenschaftler Baxter Stockman hier, Shredder da, Turtles hier, April da...Interesse an der Handlung und den Figuren erweckt man so nicht. Auch die Eindimensionalität der Figuren stört massiv. Klar hat und hatte jeder Turtle schon immer seine eigene Rolle im Universum des Franchises. 2016 sind die Figuren jedoch so stereotypisch, dass es selbst in den meisten Kinderaugen weh tun muss. Muskelturtle, Anführerturtle, Nerdturtle (ja so wird es sogar im Film erzählt) und Trottelturtle. Ist unser Blockbusterhorizont denn wirklich immer noch so beschränkt? Traut man dem Publikum nicht mehr zu?


Trotz aller Probleme und Schwächen lassen einen die Turtles aber auch in Out Of The Shadows nicht ganz kalt. Der Humor ist zwar recht flach, aber sehr sympathisch und manchmal auch mit einer dezenten Metaebene versehen. Ich will nicht behaupten, dass Turtles 2 zotig ist, aber auf die ein oder andere Art und Weise schon sehr selbstironisch und damit nahe an den Vorlagen. Ein Punkt auf den man in eventuellen kommenden Sequels näher eingehen sollte. Zwiespältig gegenüber stehe ich einigen völlig übertriebenen Szenen (z.B. der Fallschirmszene und den Minuten danach). Eigentlich habe ich die Schnauze voll von solchen Filmmomenten, auf der anderen Seite unterstützen eben diese Momente die eigentliche Herkunft aus den Comics und der weltberühmten Zeichentrickserie. Die Turtles bleiben der Popkultur auch im Jahr 2016 fest erhalten. Herausgekommen ist mit Out Of The Shadows jedoch nur höchstens durchschnittliches Blockbusterentertainment ohne Tiefgang mit viel Krawall, aber auch Potential nach oben. Aber ob dieses Potential je wirklich genutzt werden wird? Man mag es bezweifeln.

OT: Teenage Mutant Ninja Turtles: Out Of The Shadows VÖ: 2016 Laufzeit: 112 Minuten FSK: 12 R: Dave Green D: Megan Fox, Stephen Amell, Will Arnett, Laura Linney
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Christian

Bildquelle: Paramount Pictures, Nickelodeon Movies, Platinum Dunes

Mother's Day (2010)



Darren Lynn Bousman ist mit seinen Saw II-IV Inszenierungen bereits ein erfahrener Regisseur in Sachen expliziter Horrorfilme und so war es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet ihm das Remake des 80's Troma Klassikers Mother's Day anvertraut wurde. Doch Bousman hielt es nicht für notwendig Charles Kaufmans Film 1:1 nachzudrehen und siedelt die moderne Version des Kultfilms im vor wenigen Jahren noch höchst angesagten Terrorkino an. Mit mäßigem Erfolg...

Die frischen Hausbesitzer Daniel und Beth feiern mit ihren Freunden eine nette Party im neuen Anwesen, doch plötzlich dringen flüchtige Bankräuber in die vier Wände ein und nehmen Geiseln. Als dann auch noch die Mutter der Ganoven ihren Auftritt hat, ist der Gewaltexzess vorprogrammiert. Bousmans brutaler Thriller offenbart besonders zu Beginn ein enormes Tempo und bietet eine durchaus interessante Ausgangssituation. Im Jahr 2010 basiert Mother's Day jedoch nur noch sehr lose auf den in Deutschland vor allem durch die Gewaltvideodebatte bekannt gewordenen Trashhorror Muttertag, der jedoch durch seinen politischen Unterton und einige intelligente Einfälle noch heute viele Fans hat. Letztlich bleibt 2010 nur die krankhafte Beziehung zwischen der dominanten Mutter und ihren gewaltätigen Söhnen übrig. Herum gebastelt hat man dann einen klassischen Home Invasion Film mit Torture Porn Anleihen. Schade, denn als psychologischer Horror funktioniert der Streifen. Mother's Day hat es eigentlich nicht nötig, dass Darren Lynn Bousman auch sein geschätztes Saw-Publikum mit einigen sehr deftigen Gewaltspitzen für den Film gewinnen wollte. Die Gewalt ist dabei schmerzhaft und recht realistisch. Anders als die comichaft übertriebene Gewaltzeichnung im Original.


Auf kreativer Ebene zeigt sich mal wieder Bousmans sprödes Handwerk. Visuell passiert nie etwas aufregendes. Aber immerhin hat man auf die Editing-Orgien aus Bousmans Saw-Filmen verzichtet. Mother's Day ist übrigens größtenteils ein Kammerspiel, mit einigen wenigen Szenen außerhalb des Anwesens von Daniel und Beth. Das fordert die Darsteller und die machen ihre Sache schon recht gut. Besonders die bekannteren Schauspielerinnen Rebecca De Mornay (Risky Business) und Jaime King (Sin City, My Bloody Valentine) überzeugen. Lediglich von Frank Grillo (Warrior, Zero Dark Thirty, The Purge 2+3) hätte ich etwas mehr erwartet. Leider handeln die Figuren im Film äußerst hilflos und besonders dumm. Fünf der Freunde sind zusammen mit einem bewaffneten Ganoven in einem Raum. Es liegen genug brauchbare Gegenstände (z.B. ein Billard Queue) in der Nähe. Und es passiert nichts, selbst als der Verbrecher ihnen den Rücken zukehrt. Da der Film generell zu viele Figuren aufweist und zu wenig Zeit aufgebracht wird um ihnen charakterliche Tiefe zu verleihen, mangelt es leider auch extrem an emotionaler Bindung. Ja, der Film ist an vielen Stellen spannend, aber bewegend eher weniger. Immerhin gibt es ein paar brauchbare Twists. Leider ist der Tonfall für diese rudimentäre Geschichte viel zu ernst gewählt. Etwas Humor, wie im Original hätte Mother's Day auch Anno 2010 noch gut gestanden. So bleibt am Ende nur ein ganz netter, ziemlich brutaler Home Invasion Thriller übrig, den man eigentlich nicht mal im entferntesten als Remake des chaotisch-anarchistischen Troma Kultfilms bezeichnen könnte.

OT: Mother's Day DT: Mother's Day - Mutter ist wieder da! VÖ: 2010 Laufzeit: 112 Minuten FSK: 18 R: Darren Lynn Bousman D: Rebecca De Mornay, Jaime King, Patrick John Flueger, Deborah Ann Woll, Frank Grillo
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Christian

Bildquelle: Studio Canal

Lights Out (2016)



Rebecca hat das Elternhaus früh verlassen. Die eigenen Dämonen und besonders jene ihrer schwierigen Mutter haben ihr Leben nicht einfach gestaltet. Doch alles schien sich zum positiven zu entwickeln, bis Beccas Stiefvater stirbt und ihrem kleinen Bruder ein ähnliches Kindheitsschicksal droht. Ein unheimliches Wesen, welches nur in der Dunkelheit erscheint, gefährdet erneut das Leben und den Zusammenhalt einer ganzen Familie. Um es direkt auf den Punkt zu bringen: Seht euch Lights Out an! Möglicherweise wird es in diesem Jahr keinen besseren Horrorfilm auf der großen Leinwand zu bestaunen geben.

Lights Out macht alles besser. Besser als all die Geister- und Creaturefilme der letzten Jahre. Reduziert auf die wesentlichen Elemente eines großartigen Horrorstreifens. Lights Out ist pures Adrenalin. Der schwedische Regisseur David F. Sandberg liefert ein blitzsauberes, hochspannendes Spielfilmdebüt ab, welches auf einem eigenen Kurzfilm basiert, der u.a. dafür sorgte, dass sich Horrorstarregisseur James Wan (The Conjuring) Sandberg annahm und dessen Lights Out mitproduzierte. Eine größere Auszeichnung kann man momentan im Genre gar nicht bekommen. Sandberg wird im übrigens die Fortsetzung zu Annabelle drehen und versprach bereits im Vorfeld sämtliche Fehler des Vorgängers korrigieren zu wollen. Jedenfalls legt Lights Out ein abnormales Tempo vor. Die Story ist auf knappe 80 Minuten gebrochen und dennoch fehlt nichts. Die Figuren haben Tiefe, die Story ist ausgefeilt und Lights Out bietet einiges auf der audiovisuellen Ebene. Die Effekte sind mehr als gelungen, der Sound großartig und atmosphärisch gehört Sandbergs Film zur Oberliga.


Was Lights Out auszeichnet sind die tollen Figuren. Alle sympathisch und alle handeln authentisch und plausibel. Die Menschen reagieren so wie es vermutlich echte Menschen tun würden. Selten und lobenswert. Die gelungene Besetzung äußert sich als weiterer Pluspunkt des Horrorfilms. Teresa Palmer (Warm Bodies, Triple 9) zeigt, dass sie einen Film auf ihren Schultern tragen kann und ist in meiner persönlichen Gunst noch mal deutlich gestiegen. Kinderdarsteller Gabriel Bateman zeigt ein weiteres mal sein Talent und Maria Bello als psychisch kranke Mutter überzeugt ebenfalls. Generell ist es übrigens bemerkenswert, wie elegant und emotional Sandberg sein Konstrukt um dieses Familiendrama über physische Krankheiten spinnt, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang den Unterhaltungswert zu senken. Als wäre das nicht genug, ist Lights Out auch noch einer der gruseligsten und effektivsten Horrorfilme der letzten Zeit. Nicht nur die schaurige Stimmung lässt den Puls nie ruhen, auch die grandiosen Jump Scares sind ein echter Knaller. Der Film war so aufregend, dass zwei Typen in der Reihe vor mir vorzeitig den Saal verlassen haben. Kommentar: "Du ich halt das nicht mehr aus, mein Herz, lass uns rausgehen." Aber stimmt schon, auch ich habe mich in den letzten Jahren selten so erschreckt wie bei Lights Out und das heißt wirklich was. Über das überraschend gute Ende haben wir da noch nicht mal geredet...

Lights Out bekommt eine klare Empfehlung von mir. Kurz und knackig, im Vergleich zu langweiligen anderen Genrevertretern irgendwie entschlackt, lehrt uns Sandberg Furcht und Schrecken. Die moderne, aber auf Klassikern basierende Inszenierung, die starke Besetzung und die großartige Atmosphäre lassen keinen anderen Eindruck zu, als dass es sich bei Lights Out möglicherweise um den besten Horrorfilm des Jahres handelt. Was für eine Überraschung.

OT: Lights Out VÖ: 2016 Laufzeit: 81 Minuten FSK: 16 R: David F. Sandberg D: Teresa Palmer, Maria Bello, Alicia Vela-Bailey
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Christian

Bildquelle: Warner Bros.

Saw II (2005)



Nach dem Erfolg des Originals musste die Cash-Cow am Leben gehalten werden und so nutzte man ein längst verstaubtes Drehbuch von Darren Lynn Bousman, welches rein gar nichts mit dem Saw Franchise am Hut hatte und ermutigte den Autoren auch noch direkt dazu dieses Drehbuch selbst zu inszenieren, aber eben als Teil der Saw-Reihe. In Saw II wurde nach den Ereignissen des ersten Teils ein weiteres Opfer des Jigsaw-Killers gefunden. Und auch Jigsaw selbst kann von Detective Eric Matthews festgenommen werden. Doch all das ist nur Teil des finsteren Jigsaw-Plans in dem vor allem Matthews Sohn eine sehr große Rolle spielen wird...

Anders als im Vorgänger ist dieses Mal eine größere Gruppe Menschen, scheinbar aussichtslos, in einem Gebäude voller tödlicher und gefährlicher Fallen eingesperrt. Darunter der Sohn, des im Jigsaw-Fall ermittelnden Detectives. Jener versucht natürlich das Leben seines Sohnes zu retten und erfährt auf dem Weg dorthin so einiges über die Psyche des Jigsaw-Killers. Und darin liegt eigentlich auch schon mit die einzige im Vergleich zum Original dazugewonnene Stärke. Sowohl Jigsaw, als auch die eingesperrten Insassen erhalten deutlich mehr Hintergrund und Geschichte. Unterhaltsamer als das Original ist Saw II auch, jedoch längst nicht so spannend, auch wenn die Fortsetzung ebenso auf eine twistorientierte Erzählung setzt wie der Vorgänger.

Besonders kreativ an Saw II sind jedoch nur die fiesen Fallen Jigsaws. Die Szene in der Nadelgrube dürfte zu den wenigen Highlights des gesamten Franchises zählen. Man sieht dem Horrorfilm deutlich an, dass das Budget im Zuge des bahnbrechenden Erfolgs des Erstlings gewachsen ist. Dennoch legt auch Regisseur Bousman wert auf einen düsteren, schmutzigen Grittylook. Das passt aber zur Stimmung. Der Aufbau von Saw II ist nahezu identisch mit dem Vorgänger. Es gibt das Kammerspiel und auf der anderen Ebene die Ermittlungsarbeit. Jedoch bekommt letztere deutlich weniger Erzählzeit zugesprochen. Eine gute Entscheidung.


Saw II wiederholt eigentlich so ziemlich alle Schwächen des Vorgängers. Die Schauspieler sind wieder nur zum Zweck anwesend. Neben Tobin Bell, Donnie Wahlberg und Dina Meyer sind hauptsächlich Seriennebendarsteller mit an Bord. Die Figuren sind leider so mies geschrieben, dass man keinerlei Sympathien verteilen kann. Vielleicht der größte Schwachpunkt der ganzen Reihe. Die meisten Figuren nerven dagegen sogar noch zusätzlich. Ja die Welt von Saw ist dunkel, böse und gemein, aber für einen guten Film benötigt man eben auch gute Figuren. An Technik mangelt es bei diesem Schnelldreh auch wieder. Der Schnitt ist grausig und die Kameraführung wie schon im Vorgänger zumindest gewöhnungsbedürftig.

Und warum wiederholt - da greife ich schon mal die nächsten Reviews vorweg - eigentlich jeder Eintrag im Saw-Franchise den Fehler, sämtliche Twists bis auf den letzten Schritt aufzulösen und so zu erklären, dass auch noch der unaufmerksamste Zuschauer denken kann: "Oh da habe ich ja nichts verpasst!". Liebe Autoren, Regisseure und Produzenten - wir sind nicht doof. Wir verschwenden zwar massig Geld im Jahr an viele eurer mittelmäßigen Filme, aber doof sind wir nicht. Letztlich ist Saw II ein stellenweise nerviges, teilweise auch grundsolides Sequel. Nicht mehr und nicht weniger.

OT: Saw II VÖ: 2005 Laufzeit: 92 Minuten FSK: 18 R: Darren Lynn Bousman D: Tobin Bell, Shawnee Smith, Donnie Wahlberg
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Christian

Bildquelle: Twisted Pictures, Studio Canal, Lionsgate, Kinowelt

Saw (2004)



Sowohl für Regisseur James Wan als auch für das gesamte Horrorgenre war der Thriller Saw ein absoluter Game Changer. Ähnlich wie zu ihren Zeiten Halloween oder Blair Witch Project sollte der Low Budget Streifen um den Jigsaw-Killer prägend für ein ganz neues Subgenre sein. Dem sogenannten Torture Porn. Doch anders als viele in der Folge entstandene Ripoffs, Sequels und Nachahmer, galt Saw bis dato immer als intelligentes Aushängeschild in ansonsten meist inspirationslosen Gefilden. Doch ist das wirklich so?

Die Antwort ist klar und deutlich: Nein! In der Retrospektive, die ich hier recht früh ansetze, kommt der Film schon nicht mehr so gut davon wie zu Zeiten des Releases. Dabei liegt es nicht mal an den endlosen in dichter Staffelung veröffentlichten Sequels, die zwar auch am Wert des Erstlings genagt haben, sondern viel mehr an zahlreichen formellen Schwächen des Durchbruchwerks von James Wan. Auf den ersten Blick ist der Handlungspfaden um die zwei völlig verschiedenen Männer, die ahnungslos und festgekettet in einer alten, keimigen Nasszelle aufwachen und Opfer eines perfiden Spiels des Jigsawkillers werden zwar frisch und mehr als spannend erzählt, auf der anderen Seite wird dieses ziemlich originelle Kammerspiel immer wieder durch Szenen unterbrochen, die so wirken als wären sie aus einem billig produzierten Se7en Abklatsch entsprungen. Danny Glover und Ken Leung sind eben nicht Morgan Freeman und Brad Pitt. Dauernd wird der Erzählfluß durch Flashbacks und Mordszenen, die aus einem epileptischen MTV-Video entsprungen scheinen, förmlich aufgehoben. Alles an Saw müffelt nach Low Budget. Dadurch, dass sich die Handlungsstränge zwar weitestgehend in Räumen abspielen fällt das kaum auf und wirkt stimmig, auf der anderen Seite kann man einen B-Movie-Flair so nicht grade verhindern. So schränkt das Budget den Film auf der einen Seite maßgeblich ein, auf der anderen lässt sich so vielleicht auch kreativer arbeiten.


Auch die Darsteller sind maximal durchschnittlich, einige sogar weit davon entfernt. Den Tiefgang der Figuren und der Geschichte täuscht Saw nur vor. Der Film ist weit von genreähnlichen Werken wie eben Se7en oder The Silence Of The Lambs entfernt. Saw ist auch nicht besonders gruselig. Die Gewalt ist ziemlich explizit dargestellt, aber eher abstoßend als schaurig. Der Kammerspielanteil ist wie angesprochen tatsächlich recht spannend, vor allem da der Zuschauer nie mehr weiß als die beiden Protagonisten. Aber alles abseits dieses Erzählstranges wirkt bedeutungslos und ist vor allem sehr langweilig. Dennoch kam der Film überragend bei den Zuschauern an und zwar nicht nur bei den Horrorfans. Ein Grund dafür mag in der Effektivität liegen, die sich vor allem im entscheidenen Twist offenbart. Ja das war wirklich nicht abzusehen.

Am Ende passt auch plötzlich der vorher ziemlich nervtötende Industrial-Score. Doch als sich das Pacing in den letzten Minuten merklich erhöht, passt selbst das plötzlich. Generell sind die ersten und die letzten Minuten die großen Momente des Films. Hier zeigt James Wan auch schon im Ansatz die Qualitäten, die sich aber erst später bei The Conjuring und Insidious offenbaren sollten. Letztlich ist Saw stellenweise ein Blender, der längst nicht so gut ist wie oft geschildert. Um es anders auszudrücken, der Film ist sehr twistorientiert. Saw liefert zwar ein paar zentrale Momente, aber eben auch viele nichtssagende Sequenzen und Montagen, die den Film verzweifelt auf Länge bringen wollen. James Wans Mainstreamdebut ist ein Film der seinem weitestgehend positiven Ruf über zehn Jahre später kaum noch gerecht wird. Etwas raffinierter als sein Sequels ist er dennoch und es ist immer wieder erstaunlich, dass Saw zwar die Torture-Porn-Welle in Gang setzte, aber eigentlich gar nicht so explizit ist wie vieles was danach auf unseren Bildschirmen flimmerte.

OT: Saw VÖ: 2004 Laufzeit: 103 Minuten FSK: 18 R: James Wan D: Danny Glover, Tobin Bell, Dina Meyer, Cary Elwes
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Christian

Bildquelle: Twisted Pictures, Studio Canal

Ghostbusters (2016)



Leute - bevor wir uns zum x-ten Mal um die Vorgeschichte des neuen Ghostbusters mit all seinen Threads und zerstörten Männerseelen kümmern und diese unnötigen, da völlig unangebrachten Diskussionen weiter fördern - lasst uns einfach über diesen richtig guten Sommer-Blockbuster reden. In Ghostbusters geht es um die Wissenschaftlerin Erin Gilbert, die sich grade einen festen Platz an einem renommierten Institut erarbeiten will. Doch ohne Vorwarnung wird sie von ihrer Vergangenheit und einem von ihr geschrieben Buch über paranormale Erscheinungen eingeholt. Als dann nach all den Jahren tatsächlich jemand mit einer Geistersichtung zu ihr kommt, trifft sie auf alte und neue Freundinnen und die Zeit scheint reif für den ersten Einsatz der New Yorker Geisterjägerinnen.

Die große Stärke des Ghostbusters-Reboots liegt im großartigen Cast und den Rollen, die von jenen tollen Darstellerinnen verkörpert werden. Allen voran Kristen Wiig, als Gleichgewicht zwischen den anderen Damen, funktioniert unglaublich gut. Wiig spielt ihre Rolle so herrlich sympathisch und alles andere als oberflächlich, dass ich mir vorgenommen habe ihre Filmografie abseits von Bridesmaides, Adventureland und Diary Of A Teenage Girl zu vertiefen. Ein weiteres Highlight ist Comedy-Star Kate McKinnon, die ihre völlig durchgeknallte Wissenschaftlerin grandios und stets am Rande zur Grenzüberschreitung performt. Ganz ehrlich, diese Frau ist genial. Und wenn dann selbst mal Melissa McCarthy nicht nervt, haben wir es wohl wirklich mit einem besonderen Film zu tun. Leider hat man in Leslie Jones Figur nicht ganz so viel Mühe investiert, wie in die drei anderen Hauptrollen. Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist dann tatsächlich Chris Hemsworth als brüllend komischer Sidekick.


Ghostbusters verbindet das Grundgerüst des Originals mit neuem Wegmustern. Liebevoll, charismatisch und alles andere als lustlos, ausgestattet mit einem starken Pacing, verfolgen wir die vier Geisterjägerinnen in ihrer Originstory, die auch politischen und gesellschaftlichen Themen keinen Halt macht. Natürlich stehen hier Gags und gute Laune im Vordergrund, aber spätestens bei der Szene, in der sich die vier Frauen die Miete für die im Original noch schäbig billige Feuerwehrstation nicht mehr leisten können, wird klar, dass der Film durchaus Tiefgang beweist, natürlich immer im Rahmen eines Blockbusters. Dass man die ursprünglich männliche Besetzung gegen Frauen ausgetauscht hat, ist für Regisseur Paul Feig (Bridesmaides, Spy) kein Grund darauf näher einzugehen. Wie es sich gehört, wird diese Situation als selbstverständlich angesehen. Gut so! Also liebe Freunde, es gibt hier nicht plötzlich Geisterjägerinnen, die stereotypisch stundenlang vor dem Spiegel stehen. Alles gut, beruhigt euch.

In manchen Momenten wirkt Ghostbusters tatsächlich so, als hätte man die potentielle Kritik sogenannter Franchise Fans bereits erahnt und spielt in gewissen Szenen vorausschauend darauf an. Ganz ehrlich Leute, die vier Frauen funktionieren so gut als eigenständige Ghostbusters, dass es die zahlreichen Kameoauftritte und Reminiszẹnzen an das Original gar nicht bedurft hätte, zu mal diese auch nicht besonders elegant in den Film integriert wurden. Übrigens ist der Film audiovisuell ziemlich gut gelungen. Während ich beim Trailer desbezüglich meine Sorgen hatte, löst sich spätestens beim ersten Auftritt eines Geistes jegliche Anspannung. Von manchen kritisiert, kann ich die grellen Neonfarben des Films nur absolut positiv hervorheben. Auch das Spiel mit der Letterbox-Begrenzung und dem 3D-Effekt ist nicht besonders kreativ, aber sehr charmant.


Natürlich ist Ghostbusters kein perfekter Film. Trotz des hervorragenden Erzähltempos kann zum Beispiel der Showdown nicht vollends überzeugen. Außerdem gibt es keinen ebenbürtigen Antagonisten zu den Heldinnen des Films. Auch sitzt, besonders im ersten Drittel, nicht jeder Gag. Sony muss sich übrigens die kritische Frage gefallen lassen, warum man ausgerechnet alle wenigen weniger lustigen Szenen damals in den ersten Trailer gepackt hat. Vermutlich hätte man sich einen Großteil der Panik um den Film sparen können mit einem gut geschnittenen und inhaltlich sinnvollen Trailer. Übrigens sorgte der neue Ghostbusters aber auch für meinen persönlich schlimmsten Jump Scare der letzten zehn Filmjahre.

Ich habe mir Ghostbusters vorurteilsfrei angesehen und hatte eine ganze Menge Spaß. Mehr habe ich von den neuen Geisterjägerinnen auch gar nicht erwartet. Der Film ist liebevoll und geistreich umgesetzt, ist aber entfernt davon an der Perfektion zu kratzen. Auf jeden Fall gehört der dritte Ghostbusters Film zu den wenigen guten Blockbustern dieses Sommers. An meiner Liebe zum Original hat sich übrigens nicht geändert. Im Gegenteil, meine ganze Begeisterung für das Ghostbusters Franchise ist neu entfacht worden und ein größeres Kompliment könnte man dem Film doch gar nicht geben oder?

OT: Ghostbusters VÖ: 2016 Laufzeit: 116 Minuten FSK: 12 R: Paul Feig D: Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones, Chris Hemsworth
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Christian

Bildquelle: Sony Entertainment

The Legend Of Tarzan (2016)



Ich muss gestehen die Vorfreude auf einen neuen Tarzan hielt sich bei mir ziemlich in Grenzen. Aber der zuletzt veröffentlichte, neue Trailer ließ in mir dann doch ein geringes Volumen an Interesse entstehen. Dennoch war mir im Vorfeld klar, dass eine Adaption von Edgar Rice Burroughs Material im Jahr 2016 nur noch schwer funktionieren dürfte. Und so haben sich die Filmschaffenden dazu entschieden den fiktiven Stoff mit historischen Inhalten zu mischen...

Aufgegangen ist dieses Vorgehen weiß Gott nicht. Im Gegenteil. In The Legend Of Tarzan geht es um den im Dschungel Kongos von Affen aufgezogenen Tarzan, der mittlerweile als Lord Greystoke ein aristokratisches Leben in England führt. Doch dann maschieren Söldner unter der Führung des Schurken Leon Rom in Tarzans Heimat ein und wollen dort sämtliche Rohstoffe des Kongos erbeuten. Tarzan zögert nicht und macht sich mit seiner Frau Jane auf eine Reise in die Vergangenheit. Das klingt zwar zunächst stereotypisch, gibt aber die Hoffnung es nicht wieder mit einer typischen Reboot-Origin-Geschichte zu tun zu haben. Doch diese Hoffnung wird schnell begraben. The Legend Of Tarzan erzählt nicht nur in einem Nebenplot die Ursprungsgeschichte Tarzans, nein, David Yates Film vermittelt uns diesen Handlungsstrang auf dem schlimmst möglichen Weg. Mit Flashbacks. Au backe. So altbacken wie dieses Stilmittel ist leider auch der ganze Film. Einfach nur erbärmlich wie uns Hollywood immer und immer wieder die selben Geschichten in anderen Kulissen erzählen will. Immerhin hat man es geschafft, Burroughs Stoff vom latenten Rassismus zu befreien. Oder sagen wir es anders, man hat es versucht.


Bereits die Besetzung Alexander Skarsgårds als Tarzan hätte eine Vorwarnung sein müssen. Natürlich sieht der durch die Vampirshow True Blood bekannt gewordene Schwede mit seinem muskelbepackten Körper fantastisch und damit für seine Rolle verdammt passend aus. Leider sind dem Mimen nahezu sämtliche schauspielerischen Talente abhanden gekommen. Meistens guckt der Hauptdarsteller nur emotionslos ins nichts. Ein Hauptdarsteller ohne Ausstrahlung. Da kann man dann auch nicht mehr viel retten, selbst wenn man Margot Robbie heißt und einfach bezaubernd ist. Der Shooting Star der letzten zwei Jahre spielt Jane ansprechend und extrem selbstbewusst. Das gefällt und man hat zunächst den Eindruck, dass wir hier eine weibliche Rolle in einem Action/Abenteuerfilm sehen, die nicht permanent von Männer gerettet werden muss. Das gelingt, bis zum klischeenassen Showdown. Robbie ist trotzdem sehenswert, ebenso wie der kurze, aber prägnante Auftritt von Djimon Hounsou. Völlig verschenkt ist auch mal wieder Christoph Waltz, der wiederholt seine Hollywoodschurkenrolle spielen darf. Wie oft hat er jetzt schon den Hans Landa für die Amerikaner gespielt? Nichts gegen Waltz, er kann diese Rolle ja wirklich spielen, aber in ihm steckt noch so viel mehr.

Spannung vermittelt die zahme, sich von Action- zu Actionszene hangelnde Geschichte eigentlich über die gesamte Laufzeit nie. Auch atmosphärisch passt nur wenig zusammen. Muss eine CGI-Welt mit den technischen Möglichkeiten des Jahres 2016 wirklich noch so künstlich und leblos wirken? Ungelogen, es gibt einige wirklich böse Green Screen Schnitzer in The Legend Of Tarzan. Besonders die Szenen auf dem Dach eines Zuges und die Momente davor sehen gruselig aus. Nicht mal die animierten Tiere, vor allem ein Strauß, der es auf Samuel L. Jackson abgesehen hat, haben das Niveau des Produktionsjahres. Tarzan 2016 funktioniert am Ende nur selten. Nicht mal als Blockbuster taugt der Film des ehemaligen Harry Potter Regisseurs David Yates. Für mich zählt The Legend Of Tarzan zu den bisher größten Enttäuschungen des Kinojahres.

OT: The Legend Of Tarzan VÖ: 2016 Laufzeit: 110 Minuten FSK: 12 R: David Yates D: Alexander Skarsgård, Margot Robbie, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, John Hurt, Djimon Hounsou
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Christian

Bildquelle: Warner Bros., Dark Horse Entertainment

Die Kinovorschau von Moviroyal & Die Filmguckerin: August 2016


Suicide Squad (Start: 18.08.2016 R: David Ayer D: Will Smith, Jared Leto, Margot Robbie, Viola Davis, Cara Delevingne)

Story: Der Suicid Squad ist eine Gruppe von Schurken, die von der amerikanischen Regierung rekrutiert wurde, um gefährliche Missionen zu erfüllen. Die Umsetzung der in Europa noch nicht so bekannten DC-Comic Vorlagen lässt den Zuschauer u.a. auf so illustre Figuren wie den Joker, Harley Quinn oder Deadshot treffen. Doch werden die Antihelden am Ende an einem gemeinsamen Strang ziehen im Kampf gegen eine noch üblere Supermacht?

Prognose: Seit Anfang Februar lief der Trailer in zig Variationen zu meinem meisterwarteten Film 2016 vor jedem Besuch im Kino auf der Leinwand. Ich will diesen Film einfach nur noch sehen. Endlich. Ich halte es wirklich nicht mehr aus. Zeigt ihn mir bitte! Und doch habe ich auch Angst um meinen Squad. Denn im Frühjahr hat DC bereits mit Batman V Superman bewiesen wie man eine faszinierende Idee so richtig gegen die Wand fahren kann. Im Zweifel soll Harley Quinn einfach allen Beteiligten mit ihrer Baseballkeule Manieren lehren und ihren eigenen Film auf die Beine stellen...


Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out Of The Shadows (Start: 11.08.2016 R: Dave Green D: Megan Fox, Stephen Amell, Will Arnett, Laura Linney)

Story: Nach der Flucht des Superschurken Shredder, verbündet sich dieser mit dem verrückten Wissenschaftler Baxter Stockman und dessen Handlangern Bebop and Rocksteady. Gemeinsam schmieden sie einen finsteren Plan um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Nur noch unsere geliebten Turtles können die Umsetzung verhindern. Doch dann treffen unsere grünen Pizzaliebhaber auf Krang, einer noch viel größeren Bedrohung.

Prognose: Zugegeben der erste Film des Turtles-Reboots hat mir zwar gefallen, aber ein Überflieger war es definitiv nicht. Der zweite Teil, der bereits seit Wochen in den USA in den Kinos läuft, hat ziemlich miese Kritiken bekommen. Auch die Trailer generierten nicht grade Vorfreude. Aber ich mag die Turtles in allen Formen und Umsetzungen und so werde ich natürlich auch bei Out Of The Shadows einer der ersten Besucher im Kino sein.


The Shallows (Start: 25.08.2016 R: Jaume Collet-Serra D: Blake Lively)

Story: Eine verletzte Surferin strandet auf einer abgelegenen Boje auf dem Meer. Ihre Verletzung ist so schlimm, dass sie eigentlich sofort zurück zur Küste müsste, doch ein riesiger, gefährlicher Hai hat da ein paar ganz eigene Ideen...

Prognose: Wenn der spanische Regisseur Jaume Collet-Serra eines kann, dann Spannung. Dieses Talent hat er bei Regiearbeiten in diversen Liam Neeson Filmen (u.a. Non Stop und Unknown), aber auch im Horrorbereich (Orphan) schon verdeutlicht und so könnte ein so ausgelutschtes Thema wie eine Haiattacke unter dieser Prämisse in einem völlig neuen Licht erscheinen. Ich erwarte keinen Klassiker, aber spannenden, nervenzerreißenden Thrill. Dass der Film in den USA jetzt schon als Box-Office Überraschung des Jahres gilt, lässt mich hoffen und wenn sich der Film qualitativ irgendwo zwischen Jaws und Open Water einordnet, wäre ich schon zufrieden.

Christian


Ghostbusters (Start: 04.08.2016 R: Paul Feig D: Kristen Wiig, Melissa McCarthy, Leslie Jones)

Story: Überraschenderweise ist nicht viel zur Story bekannt, bzw. geben sich alle gängigen Plattformen mit einer Inhaltsangabe à la "der gleiche Inhalt wie beim ersten Ghostbusters Film" zufrieden. Das wäre dann wohl: drei Frauen mit Faible für Übersinnliches kommen zusammen, bauen sich Strahlenkanonen und ein Haupquartier zur Geisterjagd und heuern alsbald ein weiteres Teammitglied an. Dr. Venkman verknallt sich in einen heißen Kunden (Dan) und stalkt ihn ein wenig, um ihn letztendlich auf dem Dach eines Hochhauses aus den Klauen eines allmächtigen Gottes zu befreien. Eine überlebensgroße Marshmellowfrau taucht auf, wird besiegt, am Ende küssen sich Dr. Venkman und Dan - Happy End.

Prognose: Prognosen zur (Un)Lustigkeit des Films aufgrund des weiblichen Casts gibt es wohl wie Sand am Meer. Mich würde interessieren, ob die Geschichte wirklich komplett aus dem ersten Teil übernommen wurde oder ob sich jemand vielleicht doch etwas Neues hat einfallen lassen. Auf jeden Fall ist der Film ein perfektes Beispiel für die Remixing- und Intertextualitätswelle, die seit geraumer Zeit durch die Kinos fegt und schon allein deshalb spannendes Futter für Filminteressierte. Ich schau mir das Teil auf jeden Fall an. Und meine Kindheit wird es überleben.


Lights Out (Start: 04.08.2016 R: David F. Sandberg D: Teresa Palmer, Gabriel Bateman, Alexander DiPersia)

Story: Rebecca hatte als Kind (wie wohl jeder Mensch von Zeit zu Zeit) Angst im Dunkeln, konnte Einbildung und Realität scheinbar nicht auseinanderhalten. Als Erwachsene glaubt sie, diese Angst überwunden zu haben - bis ihr kleiner Bruder plötzlich die gleichen Wesen in der Dunkelheit zu entdecken glaubt. Zusammen mit ihrem Freund Bret versucht Rebecca das Rätsel um die unheimliche Frau im Dunkeln zu lösen.

Prognose: Lights Out basiert auf einem Kurzfilm des Filmschaffenden David F Sandberg und wurde nun als Langspielfilm inszeniert - alle seine wunderbaren Kurzfilme, die immer interessante Ideen verarbeiten, sind übrigens auf Vimeo zu sehen: eine unbedingte Empfehlung. Ob sich das Konzept über einen ganzen Film strecken lässt, wird sich zeigen. Der Trailer macht aber einen sehr guten Eindruck und lässt auf einen interessanten und wirklich gruseligen Horrorfilm hoffen, der Fans des Genres den Sommer versüßen wird.


Captain Fantastic (Start: 18.08.2015 R: Matt Ross D: Viggo Mortensen, Frank Langella, Steve Zahn)

Story: Ben lebt seit Jahren im Wald, seine sechs Kinder haben diesen Ort kaum je verlassen. Als die Mutter der Kinder stirbt, fährt Ben mit Sack und Pack zurück in die Zivilisation, um an der Beerdigung teilzunehmen. Während sich die Kinder noch in der unbekannten Umwelt zurechtfinden müssen, wird Ben mit harscher Kritik an seinen Erziehnungsmethoden konfrontiert.

Prognose: Dass Viggo Mortensen in der Wildnis überleben kann und dabei immer Super-Dad bleibt, hat er bereits eindrucksvoll in The Road bewiesen. Der Trailer zu Captain Fantastic lässt auf einen ebenfalls wunderbar gespielten Film hoffen, der, mit einer interessanten und spannungsreichen Exposition ausgestattet, im Stil von Little Miss Sunshine die Herzen des Publikums höher schlagen lassen könnte. Wenn nicht allzu wild mit der Belehrungskeule herumgefuchtelt wird, steht einem angenehmen Filmerlebnis nichts mehr im Weg.

Maria

Bildquelle: Columbia Pictures, Paramount Pictures, Warner Bros., DC, New Line Productions, Sony Pictures

Shootfighter: Fight to the Death (1993)



Shootfighter ist ein richtig brutaler Martial Arts Film, den heute nur noch die wenigsten und auch damals schon nur Leute mit glühender Videotheken Kundenkarte kennen dürften. Im verspäteten Fahrwasser von Bloodsport geht es in Shootfighter um zwei junge Kämpfer, Nick & Ruben, die zu einem illegalen Shootfighting-Turnier nach Mexiko eingeladen werden. Shootfighting heißt Kämpfen ohne Regeln bis zur Bewusstlosigkeit, doch wer am Ende gewinnen will muss sogar darüber hinaus, über Leichen, gehen...

In der Tat ist Shootfighter nur empfehlenswert für Genrefans. Der normale Filmliebhaber muss sich dagegen mit einem Witz von Drehbuch, mieserablen Darstellern und einer Anhäufung von Stereotypen anfreunden. Man muss Regisseur Patrick Allen jedoch positiv anrechnen, dass er versucht hat das Pacing und den Unterhaltungswert des Films über die anderthalb Stunden so hoch wie möglich zu halten. Es gibt nahezu keine Verschnaufpausen, stattdessen wird fast pausenlos gekämpft. Bis auf's Blut. Eigentlich sogar bis auf die Knochen, bis hin zu den Innereien. Ja richtig gehört, in der vorliegenden Unrated Version geht es richtig zur Sache. Fast jeder Kampf endet mit einem Finisher, der selbst die größten Fans des Fighting Game Franchises Mortal Kombat zufrieden stellen dürfte. Ist der Beginn noch recht zahm, entwickelt die zweite Filmhälfte durchaus seinen Drang zu Gore- und Splattereinlagen.

Nicht nur Story und Darsteller - lediglich Bloodsport Bösewicht Bolo Yeung und Bondgirl Maryam d’Abo sind hier erwähnenswert - sind bescheiden. Nein auch in audiovisueller Hinsicht ist Shootfighter ein Fall für die Low Budget Abteilung. Es gibt zwar viele Kampfszenen, aber diese hätte definitiv einen besseren Schnitt und vor allem eine kreativere Choreografie vertragen können. Lediglich der Showdown, an dem sich dann auch Kultdarsteller Bolo Yeung mal wirklich beteiligt, ist ein Fest für Martial Arts-Fans. Dafür punktet aber der dezente Score, der so markant wie die späten 80ern und frühen 90ern klingt, dass es eine wahre Freude ist.

Shootfighter ist definitiv kein Genreglanzstück wie beispielsweise Bloodsport, Kickboxer oder Kult wie American Samurai. Im Gegenteil, Shootfighter macht extrem viel falsch, aber ich als Fan solcher Kampfturniere und übertriebener Martial Arts Filme habe mich bestens unterhalten gefühlt. Kurzweilig, temporeich und endlich mal wieder so schlecht, dass es schon wieder gut ist. Um den Film Unrated und in HD zu sehen, muss man aber derzeit tief in die Geldbörse greifen. Vor kurzem ist ein Mediabook mit beiden Shootfighter Filmen erschienen. Aber die 40 EUR hat man dann für diese Filmperlen schon noch übrig oder?

OT: Shootfighter: Fight to the Death VÖ: 1993 Laufzeit: 100 Minuten Minuten FSK: - R: Patrick Allen D: Bolo Yeung, Maryam d'Abo, William Zabka, Sigal Diamant, Martin Kove
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Christian

Bildquelle: Digital Dreams, Nameless