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World War Z (2013)



Als sich Hollywood-Star Brad Pitt 2007 nach einem langen Kampf (u.a. gegen Leonardo DiCaprio) die Verfilmungsrechte an Max Brooks Bestseller "Operation Zombie" sicherte, konnte er wohl kaum ahnen welche Probleme die Leinwandumsetzung mit sich bringen würde. Nach stattlichen sechs Jahren konnte das Werk von Marc Forster und Brad Pitt endlich in den Kinos anlaufen. 

Das große "Z" im Filmtitel kommt nicht von ungefähr, denn Zombies bzw. Infizierte bekommt man in Tausenden zu sehen. Wo zahlreiche kleine Produktionen in den letzten Jahren aus wenig Budget möglichst viel schaffen mussten, konnte man bei der Produktion von "World War Z" aus dem Vollem schöpfen und noch weit darüber hinaus, wie sich später herausstellte. Die Gesamtkosten der Produktion belaufen sich auf mehr als 200 Mio US Dollar, die u.a. für teure Nachdrehs und Entschädigungen entlassener Autoren und Mitarbeiter ausgegeben wurden. Regisseur Marc Forster sah den Stoff geschaffen für einen großen Blockbuster für ein erwachsenes Publikum. Dabei hätte man bei einem derartig hohen Budget durchaus damit rechnen können, dass der Verleih das völlig anders sieht. Und so kam es dann auch, dass zumindest in der Kinofassung reinste Familienunterhaltung geboten wird. PG 13 ist der Feind als Buchstaben-Zahlen Kombination die jedem Kinofan ein Dorn im Auge ist. Der für das Heimkino veröffentlichte Extended Action Cut enthält zum Glück sieben zusätzliche Minuten, die ausschließlich aus blutigen Schandtaten und temporeichen Actionszenen bestehen. 

In "World War Z" geht es um den UN Wissenschaftlicher Gerry Lane (World War Z), der grade mit seiner Familie durch das belebte New York City fährt, als der Ausbruch eines hochansteckenden Virus für pures Chaos sorgt und die Erde unter unzähligen Untoten begräbt. Der zweifache Vater schafft es in aller höchster Not Frau und Kinder in Sicherheit zu bringen. Auf einen im Meer abgelegenen Flugzeugträger haben es nur die wenigsten geschafft, auch Lane und seine Familie wurde die Rettung nur durch Vitamin B ermöglicht. Denn ausgerechnet jetzt, wird die Hilfe Lanes dringender denn je benötigt. Mit der Hilfe eines anderen Wissenschaftlers soll der erfahrene Mann die  Quelle allen Übels ausfindig machen und möglichst ein Gegenmittel im selben Atemzug.

Marc Forster und Brad Pitt haben trotz vieler gemischten Kritiken wirklich einen sehenswerten Film geschaffen, der auf einer ganz anderen Ebene funktioniert, als die kleinen Geschwister mit niedrigerem Budget. In "World War Z" ist eben alles etwas größer, lauter und kontrollierter. Insbesondere die optischen Schauwerte des Films überzeugen auf ganzer Linie. Försters Gespür für Dynamik und Tempo zeichnet sich besonders in der sagenhaften Eröffnungssequenz im New Yorker Großstadtdschungel aus.  Die Infizierten, die an "28 Days/Weeks Later" erinnern, agieren hektisch, aggressiv und schnell und sorgen sofort für das nötige Unwohl und gleichzeitige Freude beim Horrorfan. Doch früh fällt auf, dass es auf der Leinwand zwar öfter mal rot wird, aber der Vergleich zu für gewöhnlich richtig blutigen Zombiestreifen, leider eher negativ ausfällt. Um genau diesen Kompromiss mit den Produzenten auszubalancieren, musste eine schiere Masse an Untoten her, die dank toller CGI-Nutzung in jedem Szenario des Films unglaublich wirkt. Die urbanen Schlachtfelder auf der ganzen Welt wirken so überladen von Zombies, dass man das Ende der Menschheit, wie wir sie kennen, spürbar merkt. Nach der rasanten Einführung zeigt der Film dann wieder dramatische Elemente im Familienalltag der Lanes. Doch ganz so, wie man es aus Apokalypsen in Hollywood gewohnt ist, will "World War Z" dann doch nicht sein. Der Film beschäftigt sich überraschend kurz und wenig mit dem üblichen Kitsch, der besonders in Roland Emmerichs Filmen (2012, The Day After Tomorrow etc.) seit jeher Einzug hält. Da man es mit Brad Pitt und Mireille Enos aber mit einem sehenswerten Leinwandpaar zu tun hat, fällt das Familiendrama und die damit verbundenen Emotionen schmerzhaft mickrig aus.

Das größte Problem der Romanverfilmung ist gleichzeitig Fluch und Segen für "World War Z". Für den Roman "Operation Zombie" stellt die Globalität der Apokalypse kein Problem dar. Aber wie soll eine Adaption für das Kino aussehen? Forster und Pitt gehen einen Spagat ein. Man will möglichst viel der Ausmaße der Zombie-Apokalypse zeigen und schafft jenes auch. Auf der anderen Seite hangelt sich der Streifen dadurch auch merkbar von einem Action Set Piece zum Anderen und erinnert deshalb leider manchmal an den letzten, bescheidenen "Stirb Langsam".  Die einzelnen Stücke sind aber zum Glück in sich sehr abwechslungsreich und sehenswert, teilweise spektakulär. So kann man auch über die wenigen Schwächen der Logik und des Drehbuchs hinwegsehen. Die Hollywoodmaschine rollt knapp zwei Stunden auf und ab und hakt dabei jeden Punkt auf der Zombiefilm-Agenda bürokratisch ab. Wenn die Szenen an sich nicht reichen, legt spätestens der Soundtrack (u.a. Muse) noch mal Holz in den Kamin. Vermutlich will uns der Film auch etwas Gesellschaftskritik (Plünderungen, Überbevölkerung, Medizin) erzählen, bleibt aber nicht nur in dieser Hinsicht dem Klassenprimus "Dawn Of The Dead" von Romero unterlegen. Zur Schande der Produzenten, musste Marc Forster sein ursprünglich (schon fertig gedrehtes) Ende über den Haufen werfen. Gedacht war ein episches Schlussgemetzel mit einem wütenden Brad Pitt. Stattdessen gibt es das familienfreundliche Ende mit Ausblick auf die (mögliche, vorgesehene) Fortsetzung.

Was bleibt ist ein wirklich sehenswerter Film, mit fehlender Emotionalität, aber großartigen Actionszenen, der sich am Ende des Jahres mit Pacific Rim, Man Of Steel und Thor 2 um den Thron des besten Action-Blockbusters des Jahres schlagen darf.

VÖ: 2013 Laufzeit: 110 (Kinofassung) 117 (Extended Cut) Minuten FSK: 16 R: Marc Forster D: Brad Pitt, Mireille Enos, Matthew Fox, Moritz Bleibtreu

Christian 

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