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Battle Royale (2000)




Japan zu Beginn des neuen Jahrtausends. Das Land befindet sich im Chaos und die Gewalt an Schulen ist völlig außer Kontrolle geraten. Die Regierung kontert mit einem neuen Gesetz: dem Battle Royale. Jährlich wird eine Schulklasse willkürlich ausgewählt  und auf einer verlassenen Insel ausgesetzt. Die Schüler sind nun Teil eines “Spiels”, das nur drei Regeln hat: Es dauert drei Tage, jeder bekommt Verpflegung und ein Hilfsmittel, nur einer darf überleben.

Die Story kommt euch bekannt vor? Kein Wunder, denn vor nicht all zu langer Zeit erschien mit “The Hunger Games” eine zahme, jugendfreie Hollywood-Variante der Thematik. Auch wenn sich der Stoff lediglich durch den ersten Teil der Blockbuster-Reihe zieht. “Battle Royale” zeigt sich jedoch wenig angepasst und provoziert mit jeder gelaufenen Sekunde etwas mehr und versteckt auch seine blutigen Gewaltorgien zwischen den Schülern nicht. Der Einstieg in die Kulisse wird kurz und bündig erzählt: Es herrscht eine große Krise, hohe Arbeitslosigkeit, unanständige Kinder und eine hilflose Regierung. Doch das soll nun ein Ende haben. Die Regierung entwirft ein Programm um die verdorbenen Kinder wieder zu züchtigen. Das Programm ist hart, kompromisslos und hoffnungslos, denn nur einer kann überleben. Schwarzer Peter ist dabei eine Schulklasse die zuletzt nur noch geschwänzt und sich für einen Ausflug bereit gemacht hat. Problematisch: Der Ausflug führt auf eine 10 Quadratkilometer große Insel, auf der sich die Schüler gegenseitig töten müssen. Unter der Leitung ihres strengen, faschistoiden Lehrers werden sie in die Wildnis getrieben. Wer sich weigert, stirbt sofort. 

Während des dreitätigen Kampfes prangert der leider verstorbene Regisseur Kinji Fukasaku die Probleme der Realität an. Leistungsdruck, Konsum, Autoritätenwahn, Macht, Sicherheit, Unterdrückung und Co. spielen keine untergeordnete, nein, sogar eine offensichtliche Rolle in “Battle Royale”. Eine der Hauptfiguren wurde zum Waisen, weil sein Vater durch seine Arbeitslosigkeit und den Druck der Gesellschaft keinen anderen Ausweg als Suizid sah. Obligatorisch: Der Erhängte hinterlässt seinem Sohn eine motivierende Botschaft… auf einer Rolle Klopapier um den Hals gebunden. Solche Momente sind es, die den Film unvergleichlich und ergreifend machen. Trotz aller Kontroversen – selbst die japanische Regierung wollte den Film aus dem Verkehr ziehen – erlangte der Film Kultstatus auf der ganzen Welt und hat nichts von seiner ursprünglichen Ausstrahlung verloren. "Battle Royale" trug ebenfalls zum wiederkeimenden Interesse der westlichen Zivilisation am fernöstlichen Kino bei.

Die Darsteller des Films sind sehr authentisch und verfallen nur in wenigen Momenten dem typisch japanischen Emotionspathos. Herausragend agiert Takeshi Kitano (“Zatoichi” und“Sonatine”) als Lehrer. Einerseits drückt er seinen Schülern ihren falschen Lebensweg auf die Brust, auf der anderen Seite wird er von seiner eigenen Tochter gehasst und sein 24/7 Arbeitsplatz scheint auch nicht die Erfüllung zu sein. Die Charaktere haben durchgängig Tiefgang, besonders im Extended Cut werden die Figuren noch detaillierter beschrieben. Dass man der Buchvorlage in Sachen Umfang nicht ganz gerecht wird, stellt kein Problem dar. Gewalt und Brutalität spielen eine große Rolle in “Battle Royale”. Wo “The Hunger Games” die Gewalt nur andeutet oder ausblendet, schlägt das vermeintliche Original aus Japan ganz andere Töne an. Die Kinder metzeln sich mit schwerem Kriegsgerät und brutalen Waffen gegenseitig ab. Schließlich kann es nur einen “Gewinner” geben. Die blutigen Effekte sind sehr gelungen und verschlagen einem häufig die Sprache. In welchem Film konnte (bzw. wollte) man bis dato schon sehen, wie sich 15-Jährige Kinder enthaupten und massakrieren. Fassungslosigkeit macht sich breit im Anblick der brutalen Gewaltdelikte. Begleitet werden die Szenen von klassischer und pompöser Musik. Beeindruckend. Zusätzlich generiert der Film durch kleine Texteinblendungen immer wieder Zeit zum Nachdenken, Hinterfragen und Verstehen.

Der Film ist in Deutschland nie ungeschnitten veröffentlicht worden. In Österreich gibt es zwei tolle, aufwendige Edition, die gänzlich ungekürzt sind und sowohl die Kinofassung als auch den Extended Cut enthalten.

“Battle Royale” ist ein Stück Filmgeschichte. Das japanische Meisterwerk ist noch heute ungemein spannend, authentisch, atmosphärisch und verstörend brutal. Respekt an den verstorbenen Regisseur Fukasaku, der sich diesen eigentlich unverfilmbaren Stoff kompromisslos angenommen hat. Ganz großes japanisches Kino!

VÖ: 2000 Laufzeit: 114 Minuten FSK:Spio/JK  R: Kinji Fukasaku D: Takeshi Kitano, Chiaki Kuriyama, Aki Maeda, Tatsuya Fujiwara

Christian 

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