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Carrie (2013) - #Horrorctober



Nach dem Ende der großen Welle der Horror-Remakes, ist es schon länger her, dass eine Neuverfilmung eines Klassikers die Kinosäle unsicher gemacht. Letztes Jahr war es dann aber doch wieder an der Zeit und Kimberly Peirce verfilmte mit Carrie den Erstlingsroman Stephen Kings erneut. Zuvor sorgte in den 70ern bereits Brian DePalma für Furore mit der Adaption des Stoffs.

In Carrie geht es um das gleichnamige Mädchen, das bereits seit ihrer Geburt unter dem religiösen Martyrium der Mutter leiden muss. So entwickelt sie sich zu einer Außenseiterin an ihrer Schule und muss täglich mit der Schikane und dem Mobbing ihrer Mitschüler leben, die sie für einen Freak halten. Mit der Zeit entdeckt Carrie jedoch ihre telekinetischen Kräfte und weiß sie mit der Zeit auch einzusetzen - mit einem finalen und fatalen Höhepunkt auf dem Schulball.

Carrie ist im Prinzip genauso aufgebaut, wie DePalmas Verfilmung und Kings Roman. Die Unterschiede liegen im Detail, stellen aber deutlich die mehr oder weniger vorhandene Qualität des Remakes heraus. Während im Original die Beziehung zwischen Carrie und ihrer Mutter im Mittelpunkt steht, kristallisiert sich im Remake viel mehr ein Highschool Drama heraus. Dafür ist die 2013er Fassung wesentlich rasanter und actionreicher als das Original, da heute technisch ganz einfach mehr möglich ist und somit Carries Fähigkeiten deutlicher zur Geltung kommen.
Wie so oft bei Remakes hat sich sicherlich auch die Frage gestellt, ob man den Stoff in seiner Zeit lässt oder in die heutige transferiert. In diesem Fall hat man sich für letzteres entschieden. Und so findet das Mobbing hier u.a. standesgemäß mit Smartphones und youtube statt.

Insgesamt wurde Julianne Moore's Rolle als Mutter eine größere Relevanz zugeordnet. Man sieht Geburt ihrer Tochter, ihre Selbstverletzungen und ganze, kranke Psyche. Julianne Moore spielt das brillant und authentisch, wirklich toll. Auch Chloe Grace Moretz spielt Carrie wunderbar, qualitativ gehört sie mit Sicherheit zu den potentiellen, kommenden Superstars in Hollywood. Rein äußerlich passt sie jedoch nicht in diese Rolle. Dafür ist sie einfach zu hübsch und auch das größte Schmink-Make-Over hilft nicht. Aber das lässt sich verzeihen, denn schauspielerisch passt alles, besonders ihr Overacting gegen Ende des Films ist wunderbar, wenn auch klar hinter Sissy Spaceks Darstellung im Original. Nicht so wunderbar, selbst wenn man das Original nicht kennt, ist die Vorhersehbarkeit der Story. Im Gegensatz zu DePalmas Version lässt Peirce viel Raum und Platz für Andeutungen. So weiß man in der Regel was folgt. Derartig aktiv wie die 2013er Carrie im Umgang mit ihren Fähigkeiten ist, war das Original nicht. Auch die Nebenrollen wirken leider zu stereotypisch und abgedroschen. 

Höhepunkt des Films ist natürlich das große Finale. Hier unterscheiden sich beide Filmfassungen deutlich. Während das Original auch brutal war, aber vieles nur andeutete, legt die neue Carrie richtig los und zerstört gleich die halbe Stadt. Passt und ist sicherlich eine große Stärke des Films, denn hier darf sich dann auch die Bildgewalt mit coolen Effekten und Kameraeinstellungen austoben. Nicht ganz so toll ist der bescheidenen, total unauffällige Soundtrack, der rein gar nichts zur Stimmung und Atmosphäre beiträgt.

Was bleibt ist ein durchaus gelungenes Remake, welches sich im Detail vom Original absetzt und gleichermaßen Dinge besser, als auch schlechter macht. Im Vergleich zum Original handelt es sich bei der neuen Carrie um keine wirkliche Verbesserung, aber um eine zeitgemäße Umsetzung, was man nicht von allen Remakes der letzten Jahren behaupten kann.

VÖ: 2013 Laufzeit: 100 Minuten FSK: 16  R: Kimberly Peirce D: Chloe Grace Moretz, Julianne Moore, Judy Greer
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Christian

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