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Evidence (2011)



Vier Freunde machen einen Camping Ausflug. Ihr kennt die Story. Reiseziel ist natürlich der finstere Wald. Ihr kennt die Story. Ein Mitglied der Gruppe nimmt eine Kamera mit um eine "Dokumentation" zu drehen. Ihr kennt die Story. Es wird nacht und überall sind unheimliche Geräusche in der Dunkelheit zu hören. Ihr kennt die Story. Doch was dann passiert...

"Evidence" wirkt besonders zu Beginn wie ein weiterer klassischer, langweiliger Beitrag zum Found-Footage Genre. Vier Twens campen im Wald und filmen sich dabei. Sowohl bei den Charakteren als auch am Setting gibt es zunächst keinerlei Überraschungen. Die Damen zeigen sich ab und zu etwas freizügiger und die Kerle labern größtenteils pubertären Bullshit. Das ist alles halb so wild, da die Spannung schnell ansteigt. Es gibt die üblichen Spannungen und Streitigkeiten (wie in Blair Witch und Co.) innerhalb der Gruppe von der Art "Warum filmst du jetzt?" oder "Immer ist dir dein Filmprojekt wichtiger". Da muss man als Horrorfan häufig durch. Genauso wie die verquere Logik im Horrorfilm dazu führt, dass die Protagonisten bei drohender Gefahr nicht die Zelte abbrechen und flüchten, sondern eher noch neugieriger werden. Ebenfalls: Warum geht immer eine einzelne Person aus einer Gruppe Hilfe holen? Warum nie in der ganzen Gruppe? Das muss wohl so sein, sonst dürfte es kaum noch Genrebeiträge geben.

Spätestens wenn die ersten Jumpscares über den Bildschirm flimmern passt die Atmosphäre. Dann wird es sogar wirklich schaurig und stimmungsvoll. Ein Pluspunkt ist die relativ realistische und authentische Kameraführung. Trotzdem bleibt "Evidence" von der üblichen Found-Footage Problematik nicht unberührt. Man muss ein ums andere Mal die Beweggründe hinterfragen, warum in dieser und jener Szene überhaupt die Kamera läuft bzw. noch läuft. Aber manche Dinge sind in bestimmten Genre einfach so und lassen sich nicht vermeiden. Nicht mal vermeintliche Klassenprimen wie Cloverfield, Blair Witch oder [REC] konnte ohne derartige Ungereimtheiten auskommen.

Zurück zu "Evidence". Der Film gewinnt in der zweiten Hälfte richtig an Fahrt und glänzt sowohl technisch, als auch inhaltlich. Es gibt tolle Kameraeinstellungen und interessante Ideen. Außerdem gibt es wirklich zahlreiche Schockmomente und auch einen gewissen Ekelfaktor. Vor allem aber schafft es "Evidence" fast über die gesamte Laufzeit sein Mysterium und damit auch seine Spannung aufrecht zuerhalten. Zudem überrascht das wirklich hohe Tempo nach dem das Grauen "ausgebrochen" ist. Es gibt kaum Zeit zum Verschnaufen. Die verbliebenen Charaktere werden pausenlos durch das Szenario gehetzt. Besonders gegen Ende wünscht man sich, dass der Stil von Found-Footage zum gewöhnlichen Filmstil wechselt, da die Furcht besteht, etwas wichtiges verpassen zu können. Die Story bzw. die Geschehnisse entwickeln sich dabei abenteuerlich verrückt, machen das Gezeigte jedoch nur noch interessanter und aufregender. Leider bleibt das Ende etwas offen. Ich hatte enormes Interesse an den Hintergründen. Dieses blieb leider unbefriedigt.

Dennoch bleibt vor allem ein überraschend guter Eindruck von "Evidence". In den letzten Jahren habe ich so viele langweilige und identische Found-Footage Filme gesehen. Ich will nicht behaupten, dass "Evidence" das Rad neu erfindet, aber poliert wurde es auf jeden Fall.



VÖ: 2011 Laufzeit: 78 Minuten FSK: 16  R: Howie Askins D: Ryan McCoy, Brett Rosenberg, Abigail Richie
Christian

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