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Memoirs Of A Geisha (2005) - "Schönheit und große Qual liegen Seite an Seite"

Dann wollen wir uns mal einem etwas emotionaleren Thema widmen. Die Geisha (2005) ist ein Film, produziert im guten alten Hollywood, mit zunehmend Japanischen Darstellern.

Wollen wir doch gleich auf die Rassismus-Vorwürfe eingehen, die aufkamen, nachdem bekannt wurde, dass die chinesische Schauspielerin Zhang Ziyi die Hauptrolle der Chiyo/Sayuri darstellen würde.

Aus japanischer Liga hieß es, die Darstellung einer Geisha durch eine Chinesin entehre diesen traditionellen Beruf. Die Chinesen selbst warfen Zhang Ziyi Verrat an ihren eigenen Traditionen vor und brachen deshalb sogar in der Hälfte des Films die Synchronisation dazu ab. Und den Amerikanern sagte man, sie hätten die Schauspieler nach dem Motto „Hauptsache Schlitzaugen“ ausgewählt.
Aber sind denn alle rassistisch?
Nein, das glaube ich keineswegs. Nur weil die Japaner vor Ewigkeiten eine unaufhaltsame Feindschaft mit den Chinesen angefangen haben, heißt das noch lange nicht, dass die Schauspielbesetzung nach dem Motto „Asiaten sehen doch alle gleich aus“ abgelaufen ist.
Zhang Ziyi ist durchaus eine gute Schauspielerin, zumindest meiner Meinung nach. Ich habe sie schon in ganz anderen Rollen gesehen und fand sie ebenso überzeugend wie in diesem Film.
Trotzdem: Dieser „Rassismus-Aufruhr“ war durchaus zu erwarten gewesen und wäre man mit ein wenig mehr Taktgefühl an die Auswahl herangegangen, hätte er sich vielleicht auch vermeiden lassen.

Aber da „den eigenen Ratschlag zu befolgen, vermutlich der beste Ratschlag ist“ (Chiyo zu Hatsumomo), werde ich bei diesem Thema auch etwas mehr Spitzengefühl hineinlegen.

Zu Beginn sehen wir die junge Chiyo (gespielt von Suzuka Ōgo) und ihre Schwester Satsu, die mit ihrer Familie in einem kleinen Fischerdorf namens Yoroido lebt.
Die Betroffenheit in ihren Augen ist groß, als sie durch das Innere des Zeltes nach draußen und zu ihrer kranken Mutter lugt. Wie sie mit ihren eigenen Worten erzählt, erfuhr sie von der Krankheit ihrer Mutter dadurch, dass ihr Vater die gefangenen Fische wieder zurück ins Meer warf.
„Um zu begreifen, was Leere bedeutet“, sagte er.

Die Szene wird recht schnell abgehandelt, auch, wie Chiyo und Satsu von ihrem Zuhause abgeholt werden, um in der nächstgelegenen Stadt verkauft zu werden. Aber schließlich hat die kleine Chiyo noch eine lange Reise vor sich.

Das Buch, das als Vorlage genommen wurde, habe ich nicht gelesen. Also habe ich nicht viel Vorstellung davon, wie sehr es dem Ursprünglichen nahe kommt, aber es ist interessant zu sehen, wie sich das Japan um 1920 mit all seinen Details vor seinen Augen wieder erhebt – ohne, dass man es je zuvor gesehen hätte.
Im Grunde wird man hier auch verbleiben, in einem belebten Stadtteil Japans, in Gion (heutiges Kyōto). Die kleine Chiyo, die dort an ein Geisha-Haus verkauft wird, erlebt erst mal einen Kulturschock.

Aber es bleibt nicht bei diesem Schock, oder dem, dass sie sich von Satsu trennen muss, die an ein Bordell verkauft wird.
Nein, denn das ist der rote Faden in ihrer Geschichte, der rote Faden in ihren Memoiren, so dumm es auch klingt.
Je länger man den Weg Chiyos mitverfolgt, desto mehr versteht man, dass sie gar keine andere Wahl hatte, als eine Geisha zu werden. Hineinpressen ist dabei das richtige Wort. Für eine „gute“ Erziehung gibt es natürlich auch mal Schläge, wenn das Kind unartig war.
Und das alles untermauert mit Redensarten, die einen interessanten Einblick in diese Welt geben.
Die Aussagen werden weiterhin interessant bleiben und so wird Chiyos Werdegang.
Nach einem Ausreißversuch mit ihrer Schwester und nachdem sie das Opfer einer Intrige durch ihre große Schwester Hatsumomo geworden war, wird sie aus der Geisha-Schule verbannt.
Inmitten der Sasami-Brücke bläst sie darum öffentlich Trübsal, was einem zufälligen Passanten, dem „Direktor“, gar nicht gefällt. So lädt er sie auf eine Tüte süßes Eis ein.
Und die kleine Chiyo beginnt, in dem Treffen eine schicksalhafte Botschaft zu sehen. Denn der spendable Herr scheint sich vorzugsweise mit Geishas zu umgeben...

Wieder mit einer Perspektive gesegnet, „rappelt“ sich die kleine Chiyo auf und tut alles dafür, eine geehrte Geisha zu werden – durch all die Hindernisse hindurch. Durch die Intrigen der ältesten Geisha im Haus, der besitzergreifenden Art Nobus, aber immerhin an der Seite der geehrten Geisha Mameha.
Dass dieser Weg allerdings lang ist und der Beruf einer Geisha auszuüben ebenso nützlich, als auch hinderlich sein kann, erfährt Chiyo dabei am eigenen Leib.

Und bis zum Ende hin bleibt die Frage offen - was ist eine Geisha eigentlich?

Eine Geisha ist eine Künstlerin. Eine Geisha tanzt, musiziert, schenkt Tee und Sake aus. Eine Geisha unterhält dich. Und eine Geisha redet mit dir über alles, was du willst.

Der Rest ist allerdings geheim.
Der Rest bleibt im Verborgenen.

VÖ: 2005 Laufzeit: 145 Minuten FSK: 12  R: Rob Marshall D: Ken Watanabe, Gong Li, Youki Kudo, Michelle Yeoh, Kaori Momoi 
Yannie


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