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Bailout - Assault On Wall Street (2013)



Bereits in unserem kurzen Interview mit Dr. Uwe Boll habt ihr einen Eindruck von der direkten Art bekommen mit der sich der deutsche Regisseur, der hauptsächlich in Übersee dreht, ausdrückt. In seinen Filmen paart sich diese Direktheit mit Wut auf das politische Establishment. Nach dem Amoklauf in Rampage hat Boll in Bailout die Wall Street unsicher gemacht.

"The ones that live for tomorrow, get fucked by the ones living for today."

Bereits nach wenigen Minuten fällt auf, dass Boll in seine selbst geschriebenen Werke wesentlich mehr Herzblut investiert hat, als in seine berühmten Auftragsarbeiten. Die Optik und Ausstattung stimmt, die musikalische Begleitung ist sogar exzellent. Aber worum geht es in dem Film? Wie der angepasste Titel für den europäischen Markt schon sagt, geht es um einen Anschlag auf die Reichen der Reichen. Auf die "wahren Verbrecher" der Gesellschaft, wie sie Michael Pare im Film bezeichnet. Er selbst müsse als Polizist Kleinganoven, Streuner und Penner festnehmen. Aber die eigentlichen Verbrecher bleiben unangetastet. Die Story dreht sich um den Sicherheitsmann Jim, der glücklich mit seiner Frau zusammenlebt und einen gut bezahlten Job hat. Sein Einkommen hat er u.a. an der Börse investiert. Jim's Frau ist krank und die beiden haben einen gemeinsamen Kinderwunsch. Doch als Börse und Immobilienmarkt crashen fällt Jim immer tiefer in den finanziellen Bankrott. Eine Spirale ohne Ende. Irgendwann hat selbst der stärkste Mann die Nase voll und rächt sich an den Leuten, die sein Leben zerstört haben, so auch Jim.

Boll lässt die Emotionen des Films, im Gegensatz zu vielen seiner Filme, nicht auf der Strecke bleiben. Obwohl Dominic Purcell nicht zu den Meistern seines Faches gehört, spielt der Ex-Knasti aus Prison Break seine Rolle wirklich glaubhaft und überzeugend. Auch Erin Karpluk als Ehefrau spielt gut mit. Die Nebenrollen sind leider wieder von Boll's Spezies Howard, Pare und Furlong besetzt, deren letzte Hits schon Jahrzehnte zurückliegen. Seit dem krebsen sie von C-Movie zu C-Movie ohne zu glänzen. Aber wer Boll kennt, weiß, dass er sich auf diese Besetzung verlassen kann und sich nicht mit unzuverlässigen Darstellern wie Tara Reid oder Michael Madsen auseinandersetzen muss. Wo er allerdings Lochlyn Munro, John Heard und Keith David ausgegraben hat, weiß ich wirklich nicht.


Anders als in Rampage gibt er dem Gewaltausbruch am Ende mehr Background. Die erste Stunde ist ein klassisches Drama mit Politeinfluß. Dass Taxi Driver ein großes Vorbild für Boll ist, lässt sich auch leicht erkennen. Es gibt sogar mehrere Referenzszenen zum DeNiro-Klassiker. Jim's Outfit mit der olivgrünen Jacke oder die Szene am Ende mit den Knarren vor dem Spiegel. Aber irgendwie merkt man, dass dem Regisseur dieses Thema und dieser Film wichtig ist. Plötzlich funktionieren auch Kamera, Schnitt und Dramaturgie. Boll schafft es den Zuschauer zum Mitfühlen und Mitfiebern zu bewegen, zum ersten Mal in seiner langen Vita. Verzweiflung und Machtlosigkeit kommen sehr gut zur Geltung. Auch die Hilflosigkeit vor dem Fachchinesisch der Bänker und Broker wird gut zum Ausdruck gebracht. Bevor es zum großen Wutausbrauch kommt, gibt es eine Szene die in der Tat das ganze Übel der Finanzwelt ausdrückt. Jim ist verzweifelt, geht spazieren und steht dann vor einem Fenster. Hinter dem Fenster feiern die Leute, die ihn ausgebeutet haben, ausgelassen. Der Moment in dem sich alles ändert...

Das letzte Drittel des Films lässt dann etwas nach. Die Vorbereitungen für die Attentate ziehen sich etwas in die Länge und wirken etwas beliebig. Die Actionszenen während des Massakers sind tendenziell auch nur durchschnittlich eingefangen. Ausbaufähig! Zu guter letzt landet Boll aber noch einen herrlichen Twist, der so nicht zu erwarten war, allerdings auch etwas unlogisch ist.

Assault On Wall Street ist kein Blockbuster, auch wenn es das Cover verspricht. Stattdessen ist der Film zunächst ein ruhiges, bewegendes Drama, ehe er zu einem Rachethriller der alten Schule wird. Definitiv Boll's bis dato bester Film (sogar besser als Rampage), getragen von einem überraschend starken Hauptdarsteller. Empfehlenswert!

OT: Bailout: The Age Of Greed D: Assault On Wall Street VÖ: 2013 Laufzeit: 99 Minuten FSK: 16 R: Dr. Uwe Boll D: Dominic Purcell, Erin Karpluk, Edward Furlong, John Heard, Michael Pare, Clint Howard, Eric Roberts
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Christian

Bildquelle: Splendid

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