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Pompeii (2014)



Paul W.S. Anderson hat uns spätestens mit seinen furchtbaren Resident Evil Verfilmungen gezeigt, dass er nicht dazu in der Lage ist einen Film wirklich sehenswert für die Leinwand zu inszenieren. Nein, auch Event Horizon hat dort keine Ausnahme gesetzt. Das Problem ist, dass ohne sein Mitwirken einige Projekte wahrscheinlich deutlich besser ausgesehen hätten. Schade um Jon Snow und seinen Ausflug ins lavagetränke Pompeii.

"Don't look. Just me."

Andersons Sandalen-Abenteuer bringt einige gute Zutaten mit. Definitiv auf der Haben-Seite wären da Kit Harrington, bekannt aus seiner Rolle als Jon Snow in der HBO-Serie Game Of Thrones und vor allem die schnuckelige Emily Browning, die uns schon in Sucker Punch verzauberte. Allgemein würde man auch Kiefer Sutherland als Gewinn bezeichnen. Warum dem nicht so ist, werdet ihr später erfahren.

In Pompeii geht es mehr oder weniger um das Schicksal des Sklaven Milo, den es nach einigen erfolgreichen Gladiatorenkämpfen nach Pompeii verschlägt. Dort soll er für die Unterhaltung der Bevölkerung sorgen. Doch schon bald wird er nicht nur um sein Überleben kämpfen, sondern auch um die Liebe Cassias, Tochter eines reichen Kaufmanns. Diese ist jedoch schon dem korrupten Senator Corvus versprochen. Wie es der "Zufall" will ist der schmierige Römer auch für den Tod von Milos Eltern verantwortlich. Als sich alle Wege kreuzen, spielt die Natur nicht mit und der riesige Vulkan Vesuv droht auszubrechen, um alles in seiner Lava zu begraben.


Es mag komisch klingen, aber der durchschnittliche Pompeii hätte mit einer längeren Laufzeit besser funktionieren können. 105 Minuten sind, gemessen an Genregrößen wie Ben Hur, Gladiator und Spartacus, völlig lächerlich. Nach einer kurzen Einführung, die uns sofort schwarz und weiß, gut und böse vermitteln soll, sind wir mitten im Geschehen. Zeit für Charakterisierung bleibt nicht. Die Fronten sind klar. Der Schwachpunkt auch. Klassiker des Genres erzählen 15 Jahre Handlung nicht mal eben in zwei Minuten, Paul W.S. Anderson schon. Was hat Milo erlebt in dieser Zeit? Das bleibt dem Zuschauer verborgen.

Pompeii leidet oft an seiner mangelhaften Inszenierung. Die CGI-Effekte sehen nur auf dem ersten Blick gut aus. Sieht man etwas genauer hin, könnten die Kulissen und Effekte kaum künstlicher wirken, besonders das finale ist desbezüglich ein Grauen für die Augen. Immer wieder wirft uns Anderson unorganische, uninspirierte Panoramaaufnahmen vor die Linse. So sehen Szenenwechsel vielleicht im Fernsehen aus, aber doch nicht im Kino. Und selbst im Fernsehen schaffen es Serien wie Game Of Thrones und selbst Spartacus wesentlich mehr aus ihrem Produktionsbudget zu machen. Vor allem wird dort nicht die imaginäre Schere bei den Punkten Gewalt, Anspruch und Sex angelegt. Pompeii ist da gnadenlos. Selten habe ich bei Filmkämpfen derart unrealistisch wenig Blut gesehen. Wer gedacht hat eine niedrige Altersfreigabe sorgt für mehr Kasse, der irrt. Pompeii war trotz der zahmen Inszenierung ein finanzieller Flop.

Die Story selbst ist einfach gehalten. Ein Held, ein Schuft, ein Buddy, eine Romanze und der drohende Untergang. Im Prinzip alles schon gesehen. Handlungstechnisch erinnert Pompeii sehr an Titanic. Nur lässt Pompeii seinen Protagonisten kaum Zeit um eine Verbindung mit ihnen aufbauen zu können. Dennoch sind die wenigen gemeinsamen Momente Milos mit Cassia ganz nett und haben mir gefallen. Die Chemie zwischen den Darstellern stimmt auf jeden Fall, was man jedoch von Sutherland, wie eingangs erwähnt, nicht behaupten kann. Seine Rolle ist derartig klischeehaft und überspielt, dass der wunderbare Kiefer einfach nur völlig verschenkt in seiner Rolle ist. Muss ein Bösewicht stets so überacten im Blockbusterkino? Ich denke als Zuschauer erkennt man auch einen subtileren Schurken ganz gut. Zumindest der Mittelteil gewinnt etwas an Qualität durch Harington und Browning.


Das Ende ist dann aber in seiner kompletten (kaum vorhandenen) Entwicklung wieder komplett vorhersehbar und langweilt. Ja tatsächloch, ein Vulkan bricht aus und mir wird plötzlich langweilig. Während der Film mich vorher etwas unterhalten konnte, ist das große Finale unter aller Sau, in jeglicher Hinsicht. Ich bin Romantiker durch und durch. Ich glaube auch an die Liebe auf den ersten Blick. Aber für eine Frau sterben, mit der man in seinem Leben erst zehn Minuten verbracht hat, selbst wenn es sich dabei um Emily Browning handelt? Filmdramaturgie mit Gütesiegel.

Noch ein paar Worte zum 3D-Effekt. Dieser wertet den Film tatsächlich etwas auf und ist als gelungen zu bezeichnen. Pompeii gehört hinsichtlich dieser Kategorie sogar mit zu den besten Filmen, die bisher mit 3D gespielt haben.

Pompeii ist ein seicht und zahm inszeniertes Action-Abenteuer, dass mit Logik und Verstand geizt und alles auf seine Effekte setzt. Leider geht der Plan nicht auf. Ein besseres Drehbuch, mit einem besseren Regisseur hätte hier vermutlich mehr rausholen können. Ganz sicher sogar. Für die wenigen Gelungenen Momente mit Harington und Browning kann man sich den Film dennoch mal ausleihen. Pompeii ist ein Mix aus Gladiator und Titanic für die schnelllebige Gesellschaft von heute. Schade!

OT: Pompeii VÖ: 2014 Laufzeit: 105 Minuten FSK: 12 R: Paul W.S. Anderson D: Kit Harington, Carrie-Anne Moss, Emily Browning, Kiefer Sutherland
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Christian

Bildquelle: Constantin Film

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