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The Way (2010)



Ich bin alles andere als spirituell oder religiös veranlagt. Trotzdem wusste ich bereits am Tag der Ankündigung von The Way, dass ich diesen Film sehen muss. Wie einer von sehr vielen Menschen war ich sehr beeindruckt von der Erzählung Hape Kerkelings über dessen Pilgerreise auf dem Jakobsweg nach Santiago De Compostela. Das von ihm gelesene Hörbuch habe ich mittlerweile schon zehn Mal durch. Bilder von den Orten habe ich mir nie angesehen. Deshalb hatte der Film seinen Reiz. Ich konnte die Menschen, die Stationen und die Landschaften endlich mal in Bewegung sehen. Dass dabei auch noch ein wundervoller Film von Emilio Estevez und seinem Vater Martin Sheen entstanden ist, ist ein zusätzliches Geschenk für mich als Filmliebhaber.

"You don't choose a life, you live one."

Der Film beginnt damit, dass der Augenarzt Tom im heimischen Kalifornien davon erfährt, dass sein Globetrotter-Sohn Daniel auf dem Jakobsweg verstorben ist. Er reist nach Frankreich um die Formalitäten zu klären und den Sarg nach Hause zu begleiten. Doch er geht in sich und beschließt die Reise, die sein Sohn nicht mehr beenden konnte, für ihn zu Ende zu gehen. 800km vom Süden Frankreichs bis an die Westküste Spaniens. Er macht sich auf die Reise den berühmten Camino de Santiago zu laufen, um zu erkennen was für ein Mensch sein Sohn wirklich war.

The Way ist eine emotionale Reise. Er blickt tief in die Seelen der Menschen, die den anstrengenden Weg gehen. Tom scheint zunächst sehr verbittert, was sein Umgang mit anderen Pilgern und seine Sturheit beweisen. Immer wieder erscheint ihm Daniel als Einbildung. Auf dem Weg lernt Tom drei weitere Gefährten kennen. Ein Niederländer, der auf dem Weg abspecken will, eine Kanadierin, die das Rauchen aufgeben will und ein irischer Schriftsteller, der von der Religion enttäuscht ist. Gemeinsam erleben die vier die schönen Seiten des Lebens, doch stets begleitet von den melancholischen, dramatischen und bewegenden Momenten.

The Way sieht sich in der Tat wie ein persönliches Reisetagebuch aus. Regisseur Emilio Estevez, der seine große Zeit als Jungdarsteller in den 80er hatte, beweist ein gutes Händchen für die richtigen Momente und Augenblicke. Die Landschaftsaufnahmen Nordspaniens sind authentisch und wunderschön eingefangen. Wir sehen verlassene Pfade, Gipfel, gemütliche Dörfer und große Kathedralen. Meine Wünsche an den Film, vor allem hinsichtlich des Buches von Kerkeling, gingen in Erfüllung. Auch die Figuren des Films sind allesamt sympathisch, wenn auch häufig aus der Klischeekiste gegriffen. Dafür machen alle Figuren eine Entwicklung durch auf dem Pfad. Anfangs sind die Nebenfiguren suspekt, manchmal nervig und sogar unsympathisch. Doch das ändert sich im Verlauf des Jakobswegs.


Der größte Coup gelang Estevez jedoch mit der Besetzung seines Vaters Martin Sheen. Der Hollywoodstar geht in seiner Rolle völlig auf und die Emotionen, die er durchlebt wirken sehr glaubwürdig. Es ist eine wahre Wohltat den Star aus Filmen wie Apocalypse Now mal wieder in einer tollen Rolle zu erleben. Vor allem die wenigen gemeinsamen Szenen mit seinem Sohn wirken wunderbar, da die beiden eben auch im echten Leben Vater und Sohn sind. Es sind die Geschichten die das Leben schreibt, nicht umsonst erinnern The Way zuweilen an Filme wie Into The Wild oder Wild mit Reese Witherspoon.

Besonders angetan haben es mir einige Montagen im Film. Begleitet von Musik von Coldplay oder Alanis Morisette sind die gezeigten Zusammenschnitte unglaublich emotional und lebensfroh. Der Zuschauer wird hier ganz automatisch berührt und ergriffen. Ebenfalls großartig ist, dass der Film den Zuschauer und seine Figur nicht zum Glauben bekehren will. Der Glaube steht nicht im Vordergrund. Das bei einem solchen Thema natürlich spirituelle Elemente vorhanden sind, versteht sich von selbst. Die Inszenierung geht dabei einen sanften und leichten Weg, ohne vor schlimmen Themen halt zu machen. Trotz der Feel Good Stimmung geht es um Tod, Verlust und Schicksalsschläge im Leben.

The Way ist ein gefühlvoller Film, der einen gefangen nimmt in seiner Atmosphäre, in all seinen Emotionen. Er wird getragen von großartigen Darsteller und ist geprägt durch tolle Bilder und schöne Musik. Ein Weg, den es lohnt mitzugehen. Abzug gibt es nur für manche Oberflächlichkeit und manches Klischee. Ansonsten sehr empfehlenswert!

OT: The Way DT: Dein Weg VÖ: 2010 Laufzeit: 128 Minuten FSK: 6 R: Emilio Estevez D: Martin Sheen Emilio Estevez Deborah Kara Unger
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Christian

Bildquelle: Koch Media

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