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The Hunted (1995)



Der folgende Text ist eine Liebeserklärung. Eine Liebeserklärung an eine Zeit, in der Nachts noch Wrestling im DSF lief, in der VOX in den Nachtstunden Anime im Originalton ausstrahlte und eine Zeit in der man zum ersten Mal lange wach bleiben durfte und die scheinbar unendlichen Möglichkeiten des Fernsehprogramms ausloten wollte. Das war die Zeit in der ich mich noch gar nicht für Filme interessierte. Das sollte sich aber ändern. Wir schreiben das Jahr 1999. Es läuft der Film The Hunted im Nachtprogramm...

Dieser herkömmliche B-Movie sorgte dafür, dass ich in der Folge sämtlich auch nur annähernd interessant klingenden Filme auf VHS aufnahm und pausenlos konsumierte. Deshalb sei mir meine komplett subjektive Einschätzung in dieser Rezension auch bitte verziehen. Der Film war nach dem damaligen Erlebnis schnell vergessen. Als ich vor ein paar Jahren dann endlich den Titel des Films erfuhr war klar - der muss in meine Sammlung. Lange habe ich gesucht (einige Versionen sind mittlerweile unglaublich teuer) und wurde nun in England fündig. Endlich.

Paul Racine ist ein amerikanischer Geschäftsmann auf Dienstreise in Japan. An der Bar lernt er eine Frau kennen und verbringt den Abend mit ihr bis zum leidenschaftlichen Höhepunkt. Als er die Frau bereits verlassen hat, kehrt er zurück, da er die Hotelzimmerschlüssel vertauscht hat. Er wird Zeuge, wie seine Geliebte von drei Ninjas überfallen und getötet wird. Paul überlebt den Überfall schwer verletzt, wird aber von nun an gejagt, da er das unmaskierte Gesicht des Ninja-Kult Anführers gesehen hat. Paul bekommt auf der Flucht Unterstützung von einem Samurai-Krieger, der ebenfalls eine Rechnung mit dem Ninja-Oberguru Kinjo offen hat.

Bereits nach wenigen Minuten fällt mir auf, dass ich damals eine völlig gekürzte Fassung des Films gesehen habe und ich nun in den Genuss von satten sieben weiteren Minuten brutaler Ninja/Samurai Action gekommen bin. Der Film The Hunted selbst, ist nichts anderes als ein klassischer B-Movie in der typischen Machart der 80er und 90er Jahre. Kein Meisterwerk. Kein Klassiker. Nicht mal eine Trashperle. Einfach nur ein objektiv durchschnittlicher Action-Thriller. Für mich hat der Film wie gesagt eine ganz eigene Bedeutung. Ich war gespannt ob sich meine damalige Faszination rekonstruieren lässt. Doch bereits mit dem zähen, überlangen Einstieg hatte ich so meine Probleme. Aber Schwamm drüber.


Die Story ist völlig albern und eine Ansammlung sämtlicher japanischer Klischees - inkl. Spielautomaten, Ninjas, Samurai, japanische Trommeln, Verständigungsprobleme, Burgen, Papiertüren, Holzbrücken, Schwerter und Co.! Es ist ja nicht das erste Mal, dass uns Amerikaner zeigen wollen wie Asien funktioniert. Schwamm drüber. Denn dafür liefert der Film stimmige Bilder der markanten japanischen Großstadtatmosphäre. Pluspunkt für The Hunted, denn das liebe ich. Neben diversen Albernheiten ist die Handlung auch völlig unlogisch und unglaubwürdig. Aber Schwamm drüber. Dafür bekommen wir supertolle Ninja- und Samuraiaction mit einem enorm hohen Bodycount, viel Gewalt und Geschnetzel und einer, aus meiner Sicht, mörderischen Spannung. Filme mit Leuten auf der Flucht sind immer gut, siehe The Fugitive.

Auch die asiatische Musik darf natürlich nicht fehlen. Schwamm drüber, denn sie funktioniert exzellent im Setting. Die Besetzung des Films schwankt zwischen Vollkatastrophe und Durchschnitt. Besonders Hauptdarsteller Christopher Lambert zeigt, dass er mimisch unglaublich eingeschränkt ist und einem Steven Seagal nicht nur optisch ähnelt. Kein Wunder, dass ihm nach Highlander ein weiterer größerer Erfolg verwehrt geblieben ist. Aber Schwamm drüber. Dafür gibt es eine geniale und äußerst blutige Kampfverfolgungsjagd in einem Hochgeschwindigkeitszug. Auch der Wechsel des Settings in ein Samurai-Camp, in dem Lambert ausgebildet wird um gemeinsam mit den Samurai gegen die Ninja zu kämpfen funktioniert nicht reibungslos. Ebenso schwach sind die Dialoge, aus denen man nicht einmal lustige One-Liner á la Stallone oder Arnold entnehmen könnte. Aber Schwamm drüber. Denn nach dem etwas schleppenden Start verliert der Film nie wieder an Tempo und unterhält bis zum Schluß in prächtiger Art und Weise.

Eine Geschichtsstunde ist The Hunted nicht. Nur reine Unterhaltung. Ansonsten werden alle für einen Actionfilm ködernden Zutaten in den Topf geworden. Die einzelnen Setpieces, wie eben der Hochgeschwindigkeitszug oder die Insel auf der Ninja gegen Samurai kämpfen, klingen spektakulär und sind es auch. Letztlich ist es, trotz aller Kritik aus heutiger Sicht, nur Lambert der in dem Film stört. Ohne Lambert als Darsteller und vor allem ohne seine eigentlich unnötige Figur Paul wäre der Film wohl besser. Aber man hat sicherlich ein amerikanisches Zugpferd als Darsteller benötigt. Aber Schwamm drüber...

...denn ich liebe diesen Film. DER Film meiner frühen Jugend. DER Film der mich überhaupt zum Interesse am Medium Film bewegte. DER Film, der seine ganz eigene Historie in meinem Herzen hat. Und ich würde The Hunted auch nach meinem ersten Rewatch seit über 15 Jahren immer wieder schauen. Solltet ihr auch mal probieren!

OT: The Hunted DT: The Hunted - Der Gejagte VÖ: 1995 Laufzeit: 106 Minuten FSK: SPIO/JK R: J. F. Lawton D: Christopher Lambert, John Lone, Joan Chen, Yoshio Harada
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Christian

Bildquelle: Universal

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