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The Texas Chainsaw Massacre (1974)



40 Jahre hat der Klassiker The Texas Chainsaw Massacre schon auf dem Buckel. Ich habe den Film sicherlich schon an die zwanzig mal genossen und bin nach wie vor fasziniert von diesem billig produzierten, schmutzigen Drecksack von Terrorkino. Aktueller Anlass für eine weitere Reise in die unzivilisierten Gegenden Texas' ist die neue 4K-Restauration des Films, die Ende des Jahres 2014 auf den Markt kam. Zeit, sich mal wieder mit dem Film zu befassen.

Der in Deutschland zunächst unter dem Namen Blutgericht in Texas veröffentlichte Horrorfilm von Tobe Hooper ist vor allem durch seine exorbitante Gewaltdarstellung und seine damit verbundene, lange Indizierungs-, Zensur- und Beschlagnahmungsgeschichte. Exorbitante Gewalt? Nie in diesem Film gesehen? Dann habt ihr nicht etwa eine gekürzte Fassung gesehen (wobei das auch möglich ist), sondern seid einfach Zeuge eines der großen Missverständnisse der Filmgeschichte geworden. Denn visuelle Gewalt gibt es in The Texas Chainsaw Massacre kaum. Blut fließt selten. Der Titel des Films und die vielen Gerüchte und Schulhofmythen um den Film haben ihm dann ein weitaus schlimmeres Image verpasst, als er je verdient hätte. Für die damaligen Sehgewohnheiten hat TCM natürlich seinen eigenen Platz in den Filmannalen verdient, aus heutiger Sicht ist die Gewaltdarstellung jedoch ein Witz, verglichen mit dem, was in der Folge alles auf der Leinwand lief.

Denn der Film ist kein brutales Machwerk, sondern ein atmosphärisches Meisterwerk. Der eigentliche Terror des Films entsteht durch die Fantasien im Kopf des Zuschauers. Es ist die unglaublich kranke, ungenießbare Musik. Es sind einzelne Soundelemente und Geräusche die für Gänsehaut sorgen, es sind aber vor allem einzelne Szenen, die sich uns in das Gehirn brennen. Da wäre vor allem der erste Auftritt Leatherfaces, als er zunächst noch versteckt wie ein Schwein grunzt und dann den armen Kirk mit einem Fleischerhammer malträtiert. Oder die Kettensägenverfolgungsjagd mit Sally im Wald. Vieles wird angedeutet, wenig gezeigt. Wundervoll stimmig, wundervoll schaurig.

Ich finde, dass die Zeit kaum an Hoopers Film genagt hat. Lediglich die etwas unspektakuläre halbstündige Einführung wirkt zum Teil etwas gestreckt, da wir vor allem kaum etwas über die einzelnen Figuren erfahren. Im Anschluss werden wir jedoch Teil eines der größten Albträume der Filmgeschichte. Die Figuren spielen dabei kaum eine Rolle. Marilyn Burns als Sally ragt natürlich als Final Girl etwas heraus, der Rest naja. Empfehlenswert ist es natürlich den Film im Originalton zu hören, da besonders die Rolle des Franklin in der synchronisierten Fassung unglaublich nervt. Die Story ist recht simpel, aber effektiv. Ein paar Freunde reisen durch die Gegend und landen letztlich in einem Haus bei einer Familie voller Kanibalen. Das war es schon. Allerdings war TCM auch einer der ersten Film mit einer solchen Handlung. Hooper kann schließlich nichts dafür, dass sich viele nachfolgenden Filme ein Beispiel an seinem Meisterwerk genommen haben.


Hervorzuheben ist die grandiose Kameraarbeit. Die Szenen sind extrem stimmig eingefangen. Die Farben sind fantastisch und die Blickwinkel oft sehr kreativ gewählt. Man muss immer bedenken, dass TCM ein absoluter Low-, ja fast No-Budget Streifen ist. Besonders Szenen, wie die angesprochene Verfolungsjagd zwischen Leatherface und Sally im Wald, sind so brillant gefilmt, dass sie uns mit den Protagonisten, vor allem eben Sally, mitfiebern lassen. Wir wissen eigentlich nichts über das Mädchen, werden aber mit ihr in diese unglaubliche Situation geworfen und sind in der zweiten Filmhälfte fast ausschließlich mit ihr auf der Flucht bzw. dem Leidensweg. Das verbindet, das sorgt für Sympathie und Mitgefühl.

Dass der Film auch Botschaften vermittelt, gar politisch ist und der Konflikt zwischen den "zivilisierten" Großstädtern und den Hillbillys vom Land sogar das Hauptthema des Films ist, zeigt nur ein weiteres Mal, dass es Hooper nicht auf Gewalt und Skandal angelegt hat. Dass sein Film dadurch berühmt, bekannt und auch erfolgreich wurde, ist natürlich ein durchaus positiver Beigeschmack. Hoopers bliebt jedoch eine Karriere im Mainstream verwehrt, wie nahezu allen Beteiligten des Films. Der Regisseur durfte zwar noch Spielbergs Poltergeist verfilmen, dann war jedoch Schluß mit größeren Projekten. Schade, wenn man bedenkt welche Karrieren z.B. die Beteiligten von Halloween im Anschluss hingelegt haben. Immerhin haben sich die Meinungen über diesen Film verändert. Früher verbannt, geächtet und kritisiert, zählt er heute zu den besten Filmen aller Zeiten.

The Texas Chainsaw Massacre
ist ohne wenn und aber ein Meilenstein der Filmgeschichte. Für die einen auf Grund seiner skandalösen Geschichte, für andere, wie mich, vor allem auf Grund seiner enormen Qualitäten. Die aufgebaute Atmosphäre sucht ihres gleichen und ist noch heute die Blaupause für jeden anderen Horrorfilm. Terrorkino, der seine Schocker vor allem durch Kopfkino entstehen lässt. Happy Birthday TCM, auch nach 40 Jahren bist du immer noch fantastisch und schockierend!

OT: The Texas Chainsaw Massacre DT: Blutgericht in Texas VÖ: 1974 Laufzeit: 83 Minuten FSK: 18 R: Tobe Hooper D: Marilyn Burns, Gunnar Hansen, Edwin Neal
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Christian

Bildquelle: Turbine, Rough Trade

Anmerkung zum neuen 4K-Transfer: Die neue Auflage lohnt sich. Das Bild ist deutlich verbessert im Vergleich zur letzten Auflage und trotzdem bleibt der dreckige Charme mit seinem Filmkorn erhalten. Die neue 7.1 Tonspur ist auch ein klarer Gewinn.

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