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Fifty Shades Of Grey (2015)



Zig Millionen Frauenherzen waren begeistert, vielleicht auch ein paar Männer. Die Erotik-Romane Shades Of Grey von E.L. James gehören zu den größten Bestsellern des letzten Jahrzehnts. Kein Wunder, dass Universal schnell die Idee bekam den Stoff von (harter) Liebe zwischen zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, zu verfilmen.


Anastasia Steele ist eine schüchterne, unauffällige Studentin, die ihre WG-Mitbewohnerin bei einem Interview mit dem arroganten Millionär Christian Grey vertritt. Angewidert und fasziniert zu gleich beginnt sie eine sinnliche Liaison mit dem Unternehmer. Doch eine Beziehung mit dem unnahbaren Grey ist eine andere, als Ana vielleicht aus kitschigen Liebesfilmen zuvor kannte. Das wird ihr spätestens klar als Grey die junge Frau in seinen Playroom einführt. Keine Playstation, keine X-Box, sondern Fesseln, Peitschen und Sexpspielzeug jeder Sorte.

Es war klar, dass die Verfilmung Fifty Shades Of Grey kein cineastischer Meilenstein wird. Ebenso war klar, dass wir es hier mit keinem Liebling der Kritikern zu tun haben werden. Es war lediglich klar, dass der Film 100% Fan-Service liefern wird, wie auch schon die Twilight Verfilmungen. Kein Wunder, basiert Shades Of Grey doch auf einer Fan Fiction der Vampir-Romanze. Wie in Twilight geht es um ein schüchternes Mädchen, das von einem Mann in eine für sie unbekannte und gefährliche Welt geleitet wird.

Gleich zu Beginn gestehe ich, dass mir der Film wesentlich besser gefallen hat als erwartet. Natürlich ist der Film weit entfernt davon gut zu sein. Bisweilen ist Fifty Shades Of Grey sogar gähnend langweilig. Pikant - die Langeweile tritt ein, als die eigentlich wichtigen und herausstechenden Merkmale des Films auftreten. Als es im Playroom zur Sache geht. Als es um den berühmten Vertrag geht. Dann verliert der Film seine Leichtigkeit, seinen Humor und sein Augenzwinkern aus den ersten zwei Dritteln des Films, die einem durchaus vermitteln, dass alle Beteiligten wissen, welche krude Story sieht dort grade verfilmen. Jammerschade. Zuvor wirkt der Film fast wie eine RomCom voller Leichtigkeit und dem Mut zum Scherz und die Art seine Charaktere nicht ganz so ernst zu nehmen.

Besonders Dakota Johnson überzeugt in ihrer Rolle als "hässliches Entlein". Sie ist schüchtern und verträumt. Ist Grey zunächst hörig und verfallen, entwickelt sich aber im Laufe der zwei Stunden weiter und erwidert nicht alles, was ihr der dominante Millionär auftischt. Ihre Figur hat tatsächlich und das kommt überraschend eine Persönlichkeit, Tiefgang, Entwicklung und Vielschichtigkeit. Newcomerin Johnson wirkt dabei sehr authentisch. Sogar ihre Blicke, ihre Mimik wirkt nie gestellt. Es ist ein leichtes ihr in naher Zukunft ein große Karriere zu prophezeien. Ihr männlicher Gegenpart Jamie Dornan wurde von der Kritik weniger gelobt. Schade eigentlich, denn Dornan ist ein durchaus überzeugender Darsteller, wie er u.a. in der BBC Serie The Fall bereits unter Beweis gestellt hat. Auch in Fifty Shades Of Grey kann er meines Achtens punkten. Er spielt den Charakter aus einer Romanvorlage und erledigt diesen Job dementsprechend. Zwar wirkt er nicht so erfrischend wie Johnson, aber auf keinen Fall schlecht.


Die audiovisuellen Ebenen des Films sind durchschnittlich, wie der Film als Ganzes. Regisseurin Sam Taylor-Johnson arbeitet mit vielen Close-Ups und liefert mit ihrem Kameramann auch öfter schicke Bilder ab. Jedoch wirkt das Bild in der Regel sehr stiril und kalt. Oft wirken Szenen, vermutlich nicht unbeabsichtigt, wie Werbeclips für die Produkte, die hier und da durchs Bild huschen. Der Soundtrack bewegt sich zwischen klassischen Score und poppigen Tracks von Beyoncé und Ellie Goulding. Die Mischung aus poppigen Songs und sinnlichen oder befreiend wirken Szenen sind auch die besten im Film. Sowohl die Flugszene, als auch die "Haunted"-Szene sind wirklich gelungen.

Was dem Film dagegen kaum gelingt ist eine Art Tiefgründigkeit. Es werden zwar einige ernste Themen angeschnitten, aber nur oberflächlich behandelt oder als Bagatelle abgetan. Immerhin geht es u.a. um Kindesmissbrauch. Ein ganz schwieriges und düsteres Thema, im Film, zumindest im ersten Teil, eine Randgeschichte, die dazu dient der männlichen Hauptfigur ein Motiv für seine Leidenschaft, dem harten Sex, zu geben. Ein fragwürdiger Umgang mit diesem Thema. Die Romane habe ich nicht gelesen, deshalb hoffe ich, dass die folgenden zwei Filme etwas mehr auf dieses wichtige Thema eingehen. Sonst bleibt ein unmoralischer, unreflektierter Umgang in Erinnerung. Was der Film jedoch aus meiner Sicht nicht ist - antifeministisch oder gar moralisch fragwürdig. Fifty Shades Of Grey verkauft uns keine Gewalt gegenüber Frauen als lebens- oder lobenswert. Der Film geht sehr wohl kritisch mit dieser Thematik um, wie uns Anas Entwicklung zeigt.

Ja, wir reden auch über die Sexszenen, die nicht übermäßig vorhanden sind und auch nicht übermäßig hart sind. Man sieht Popos, Brüste und Ansätze des Schambereichs. Manche Szenen sind schick gefilmt, andere durch Einsatz von Bild-in-Bild und Zeitlupen eher dürftig inszeniert. Der Filmliebhaber bekommt nichts zusehen, was er nicht schon aus anderen Film und Serien kennt. Um es anders auszudrücken, eine normale Folge Game Of Thrones ist spektakulärer was die nackten Tatsachen angeht. Kein Skandal, keine Sensation, alles im Rahmen und leider selten sexy oder erotisch, was jedoch auch am voll besetzten Kino gelegen haben mag.

Während der Film es schafft Emotionen (z.B. den leichten Humor) bis zu einem gewissen Punkt überzeugend darzustellen, scheitert er wenn es ernst wird. Warum ist Christian an Ana interessiert? Warum kann Ana nicht Christian lassen? Alles lässt sich vermuten, wirklich zu erkennen ist es auf der Leinwand nicht. Die Darsteller haben daran keine Schuld, sondern das Skript oder die Umsetzung jener Seiten. Vielleicht stört sogar der zwangsläufig notwendige Sex der Story. Lieber hätte ich den beiden Figuren beim humorvollen Entdecken ihrer jeweiligen Welten zugesehen, anstatt der stressigen, dramatischen Stimmung des letzten Drittels zu folgen. Immerhin schafft es der Film am Ende auszudrücken, dass es in einer funktionierenden Beziehung eben nicht um Sex oder Geld geht, sondern um Kommunikation. Mehr als ich erwartet habe.

Was bleibt ist ein höchst durchschnittlicher Film, mit einer dürftigen Story, gegen die zwei engagierte Hauptdarsteller verzweifelt ankämpfen und überzeugen. Für Fans der Romane sicherlich absolut sehenswert, für alle anderen nur im Zweifel empfehlenswert. Wie es weiter geht interessiert mich aber schon. Fifty Shades Of Grey ist weder den Hype, noch die völlig überzogene Kritik wert.

OT: Fifty Shades Of Grey VÖ: 2015 Laufzeit: 127 Minuten Minuten FSK: 16 R: Sam Taylor-Johnson D: Jamie Dornan, Dakota Johnson
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Christian

Bildquelle: Universal

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