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I Spit On Your Grave (1978/2010) - Original vs. Remake



Jennifer ist eine aufstrebende Autorin aus New York. Um ihren ersten vollständigen Roman zu schreiben, begibt sie sich in eine abgelegene Waldhütte abseits der Großstadtmetropole. Dort angekommen, gerät sie schon bald ins Visier zwielichtiger Männer. Aus dem Nichts überraschen die Männer Jennifer, misshandeln und vergewaltigen sie. Jennifer flüchtet und wird nur durch ihren Rachetrieb am Leben gehalten. Die Rache wird blutig...

Meir Zarchis I Spit On Your Grave ist ein Höllentrip für jeden Filmfan. Besonders die schlimmen Vergewaltigungsszenen in der ersten Hälfte des Films haben es wirklich in sich und hinterlassen sowohl bei Jennifer, als auch bei jedem Zuschauer Spuren. Der israelisch-amerikanische Regisseur Zarchi sorgte mit diesen Szenen, aber auch mit dem anschließenden Racheakt der gepeinigten Frau für einen weltweiten Skandal. Verständlich, denn die Peinigung und Qual der weiblichen Protagonistin ist nicht auszuhalten. Vielleicht ist es der gesunde Menschenverstand, dass man spätestens bei der zweiten Sichtung diese Szenen vorspult oder ausläst. Vergewaltigung und Selbstjustiz - keine schönen Themen und I Spit On Your Grave schafft es auch nicht vollständig diese angemessen zu behandeln. Teilweise wirkt die Gewalt zelebriert - völlig unnötig. Abartig und anders als in Wes Cravens Last House On The Left, lässt Zarchi seine Protagonistin mehrfach misshandeln. Trotz des Exploitationgehalts ist es schwer als Filmfan da noch für die Kunst Stellung zu beziehen. Auf der anderen Seite lässt sich der Film auch feministisch interpretieren, die ausufernde Selbstjustiz lässt zumindest diese Möglichkeit offen, nein sie wird sogar recht deutlich klar. Die zweite Hälfte des Films ist radikal feministisch und das ist auch gut so. Aber ob es die ausufernde visuelle Gewalt an der Frau besser macht? Ich denke nicht. Zu kalt und stillos ist die Inszenierung, wodurch ein dokumentarischer Charakter entsteht, der die Situation noch unerträglicher werden lässt. Atmosphärisch punktet der Film leider nur bedingt, zu standardisiert sind Optik und Sound, ganz zu schweigen von den dürftigen Darstellern, aus denen nur Hauptdarstellerin Camille Keaton positiv herausragen kann.

Das Original von I Spit On Your Grave ist ein berüchtigter Kultfilm und Horrorklassiker, den jeder Fan des Genre gesehen haben sollte. Aber gut finden muss ihn niemand.

OT: I Spit On Your Grave AT: Day Of The Woman DT: Ich spucke auf dein Grab VÖ: 1978 Laufzeit: 101 Minuten FSK: - R: Meir Zarchi D: Camille Keaton, Eron Tabor, Richard Pace, Anthony Nichols



Auch im Remake von 2010 ist Jennifer eine junge Schriftstellerin die auf's Land reist, um an ihrem Buch zu arbeiten. Ihre städtische, scheinbar etwas versnobbte Attitüde begeistert nicht alle Einwohner des Umlands. Einige Burschen wollen der jungen Frau eine Lektion erteilen, die aber komplett ausartet und abscheulich endet. Doch letztlich wird es den Peinigern an den kragen gehen, denn Jennifers Rache wird gewaltig werden...

Das 2010er Remake von I Spit On Your Grave wurde von Steven R. Monroe gedreht, der eigentlich nur für C-Trash bekannt ist. Doch ganz überraschend schafft es Monroe viele Schwachstellen und Fehler des Originals abzustellen, obwohl sich das Drehbuch des Remakes fast identisch zum Original liest. Zum einen ist der Film, nicht nur gemessen am Alter der beiden Fassungen, audiovisuell wesentlich ansprechender. Anders als 1978 ist der neue Film in bitterkalte Bilder getaucht. Das erzeugt automatisch eine wesentlich düstere Stimmung und passt perfekt zur unmenschlichen Handlung. Optimal für einen Horrorfilm, wenn schon die Kulisse bedrohlich ist ohne Wirken der Charaktere. Hauptdarstellerin Sarah Butler ist ebenfalls ein Gewinn für den Film. Ihr Spiel ist facettenreich und authentisch. Mitfiebern fällt bei ihr wirklich nicht sonderlich schwer. Aus meiner Sicht schafft das Remake auch den Spagat zwischen Rape und Revenge wesentlich besser. War die Rache der gepeinigten Frau 1978 noch relativ blutleer im Vergleich zu ihrer brutalen Misshandlung, setzt Monroe ein eindeutigeres Zeichen. Die Hauptdarstellerin wird auch nicht wie im Original als Objekt zur Schau gestellt und die verachtenswerten Handlungen der Männer zelebriert. Die Racheshow Jennifers dagegen läuft schonungslos und ultrabrutal ab. Der feministische Grundton des Films ist aus meiner Sicht eindeutiger als im Original. Zu stilisiert ist der Film, als dass man ihm irgendwelche negativen Botschaften entnehmen könnte. Trotz der simplen Story schafft es das Remake wesentlich mehr Spannung aufzubauen als das Original. Auch verleumdet der Streifen seine Exploitationherkunft nicht. Spätestens als einer der Männer entmannt wird und sein bestes Stück in den zahnlosen Mund nehmen muss, ist klar, dass der Film auch Fanservice abliefert. Alles passt mehr - Darsteller, Inszenierung und Atmosphäre. Perfekt ist das Remake nicht, dafür mangelt es zu sehr an der Charakterisierung der Protagonisten und an Motiven für das Handeln dieser.

Das Remake von I Spit On Your Grave aus dem Jahr 2010 ist der deutlich bessere Film und gehört für mich sogar zu den besten Horrorfilmen der letzten fünf Jahre. Spannend, brutal, handwerklich nahezu optimal umgesetzt und verdammt packend.

OT: I Spit On Your Grave VÖ: 2010 Laufzeit: 108 Minuten FSK: - R: Steven R. Monroe D: Sarah Butler, Daniel Franzese, Chad Lindberg, Jeff Branson

Christian

Bildquelle: Tiberius Film,Illusions

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