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Amber Alert (2012)



Nate und Samantha sind die besten Freunde. Als sie mit dem Auto unterwegs sind fällt ihnen auf, dass ein graues Auto in Zusammenhang mit Kindesentführung auf einem Amber Alert gesucht wird. Wenig später entdecken sie das Auto und informieren die Polizei. Um den potentiellen Entführer nicht entkommen zu lassen, beschließen die beiden die Verfolgung aufzunehmen.

Um gleich die Verwirrung zu entkräften: Ein Amber Alert ist eine Art Notrufsignal auf einer elektronischen Anzeigetafel auf den Straßen Amerikas (siehe Banner oben). Das ist schon mal spannend. Die beiden Freunde, begleitet von Sams Bruder, lesen die Information und treffen zufällig auch auf das gesuchte Fahrzeug. Sie verfolgen es und werden in ein schauriges Verbrechen reingezogen. Klingt immer noch spannend. Und das ist auch die einzige minimale Stärke des Films. Man will unbedingt wissen wie es weitergeht, egal wie schlecht der Film ist. Generell weckt alles unser Interesse. Das Filmposter, der Plot und auch der Trailer. Doch leider steckt nicht mehr dahinter.

Der Film ist im Found-Footage Stil gehalten, natürlich! Das ist auch kein Problem. Besonders originell ist die Kameraarbeit zwar nicht, aber das ist sie bei vergleichbaren Filmen auch nicht unbedingt. 3/4 der Laufzeit ist Amber Alert ein Kammerspiel im Auto. Ein Pluspunkt des Films ist dabei die nicht zu unterschätzende Atmosphäre. Damit könnte man auch Leben, wenn die agierenden Figuren nicht so unsagbar nervig und dumm wären. Permanent schreien sich die Beteiligten an. Es wird geflucht, gebrüllt, gestritten. Man fragt sich schon warum diese Leute überhaupt miteinander befreundet sind. So schlecht wie die Figuren sind auch die laienhaften Darsteller. Eine Zumutung. Besonders die Rolle von Sam ist so bescheuert, dass ein mögliches Ableben dem Zuschauer letztlich völlig egal ist.


Womit wir beim Handeln der Personen angekommen sind. Dieses ist völlig unlogisch und haarsträubend. In wirklich jeder erdenklichen Szene handeln die Leute unrealistisch und dumm. Nate versucht zu Beginn noch zu kontern, lässt sich aber immer wieder von Sam zu hirnrissigen Ideen überreden. Amber Alert ist somit am ehesten mit einem Filmchen aus Aktenzeichen XY ungelöst der Marke "Wie verhalte ich mich nicht im Angesicht eines Verbrechens?" zu vergleichen. So konfrontieren die Freunde den möglichen Kindesentführer auf einem recht einsamen Acker, anstatt an der noch vor wenigen Minuten besuchten und belebten Tankstelle. Im Finale wird es richtig abstrus, aber ich will nicht zu sehr spoilern. Auch die Darstellung der Polizeiarbeit im Film ist ungeheuerlich. Wer nur wenige Sekunden recherchiert, wird erfahren, dass Cops in den USA binnen von wenigen Minuten nach Mitteilung über Entdeckung des Amber Alerts an Ort und Stelle sind. Im Film dauert es gefühlt Stunden. Ausnahme oder Plothole? Ich bin mir da nicht sicher. Im Normalfall wird das Gespräch mit der Polizei auch aufrecht erhalten und nicht nach der Mitteilung über die Sichtung des Fahrzeugs einfach aufgelegt. Die Polizei scheint die Passenten im Film sogar zur Verfolung zu ermutigen. Mag sein, dass das in den Staaten Gang ung Gebe ist, ich persönlich kann es mir aber nicht vorstellen.

Zwar hält einen die Sensationsgier und die Hoffnung, dass noch etwas geschehen wird, am Ball, jedoch wird man das Gefühl nie los, dass man die gar nicht so schlechte Ideen einfach viel besser hätte umsetzen können. Aber letztlich ist Amber Alert ein Film und wenn seine Figuren keine Fehler machen würden, wären viele Geschichten langweilig und nach wenigen Sekunden erzählt. Vielleicht wäre das in diesem Fall aber einfach besser gewesen...

OT: Amber Alert VÖ: 2012 Laufzeit: 81 Minuten FSK: - R: Kerry Bellessa D: Jasen Wade, Summer Bellessa, Chris Hill
Trailerlink

Christian

Bildquelle: Underground Films

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