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Hostel (2005)



Eli Roth's Hostel hat im Jahre 2005 mehr oder weniger das Genre des Torture-Porn reanimiert und populär gemacht. Dass seine Figuren und auch das Setting nur so vor Klischees strotzen lässt sich verzeihen, denn seine unübersehbare und angebrachte Gesellschaftskritik ist über jeden Zweifel erhaben. Nebenbei hat er noch einen der härtesten amerikanischen Filme des letzten Jahrzehnts gedreht, der in der Folge vor allem noch durch seinen Nachfolger getoppt werden konnte.

"I believe people have lost their relationship with food. They do not think "this is something that died for me so that I would not go hungry." I like that connection with something you die for. I appreciate it more."

Der Film zeigt drei Backpacker auf ihrer Reise durch Europa. Ein Isländer und zwei Amerikaner lassen kein Klischee aus. Die erste Hälfte des Films ist daher auch mehr ein Softporno als ein Horrorfilm. Auf nackte Tatsachen folgen nackte Tatsachen. Dazu gibt es immer wieder Bilder vom rauen Osten Europas. Die Frage ist, wer hier klischeehaft dargestellt wird? Der mittlerweile längst modern westlich erzogene Osteuropäer oder der Amerikaner, der sich den wilden Osten immer noch so rückschrittlich vorstellt? Sicherlich letzteres und in diesen Äußerungen liegen u.a. die Stärken von Hostel. Selbst, dass die Niederländer deutsch sprechen halte ich für beabsichtigt.

Anschließend entpuppt sich die anfängliche Euphorie in der Slowakei als verfrüht, denn merkwürdige Dinge gehen vor sich und die Kumpels finden sich in einem mörderisch, abartig brutalen Spiel wieder. Das Hostel, in dem die Jungs untergebracht sind, gibt Touristen an die Mafia weiter, die deren noch lebende Körper an Millionäre verkaufen, damit diese ihre kranken Perversionen an ihnen ausleben können.


So bescheuert die Prämisse klingt, so plausibel ist sie. Regisseur Eli Roth behauptet, er wurde von einer wahren Geschichte inspiriert. Selbst wenn man die Geschichte nicht glaubt, abwegig ist sie nicht. So seltsam eine Geschichte noch klingen mag, irgendwie, irgendwann und irgendwo ist sie bestimmt schon auf diesem Planeten geschehen. Es wäre nicht verwunderlich wenn derartig abscheuliches z.B. mit Kriegsgefangenen veranstaltet wurde oder mit Leuten die niemand je vermissen würde.

Besonders in den Nachwehen von 9/11 war der Film aktueller denn je. Angst vor Fremden machte sich breit. Natürliche und neue Ängste wurden verbreitet und genau mit diesen Dingen spielt Roth in seinem Film. Dadurch, dass seine männlichen Figuren, trotz aller Blödeleien, sympathisch sind vergeht sogar die gewaltfreie Zeit wie im Fluge.

Doch als dann völlig unerwartet die Gewalt einfällt und so absurd, so überzeichnet brutal ist, wird der Horrorfan auf ganz andere Art und Weise gefangen genommen. Die Brutalität ist nahezu grenzenlos und tut wirklich weh beim Hinschauen, wenn es denn tatsächlich zur visuellen Darstellung von Gewalt kommt. Denn Hostel verhält sich oft ähnlich wie das Texas Chainsaw Massacre. Viel wird angedeutet, aber wenig gezeigt, gut so! Viele Kritiker u.a. Roger Ebert haben Roth für diesen Film verflucht, aber nie seinen satirischen, humorvollen und eingangs angesprochenen gesellschaftskritischen Ansatz gesehen. Und ja verdammt, der Film soll unterhalten und "Spaß" machen. Er erfüllt diese Kriterien und zeigt sie auch offensichtlich. Wer genau drauf achtet wird sehen, dass die beiden osteuropäischen Mädels, die die Jungs anlockten von Minute zu Minute unansehnlicher werden im Verlaufe des Streifens. Unansehnlicher, wie der Verlauf der Geschehnisse für die Gruppe. Am Ende ist die Gewalt (Eyeball-Szene) so over the top, dass Vergleiche zum japanischen Splatter der Art Takashi Miike (mit Kameo im Film!) gezogen werden müssen.

Doch nicht alles an Hostel gelingt dem von mir geschätzten Eli Roth. Seine Jungdarsteller sind alles andere als gut. In den Nebenrollen wird es dann noch kurioser. Ich weiß nicht so recht, ob es sich dabei nicht teilweise um Laiendarsteller handelt. Wundern würde es mich nicht. Auch die Effekte sind höchstens mittelmäßig, obwohl klar ist, dass es sich bei Hostel um einen Low-Budget Film handelt. Auch fehlt es dem Film eigentlich an Thrill und Spannung. Diese kommt nicht wirklich auf, maximal der Showdown am Ende sorgt da für etwas Regung.

In der Summe ist Hostel ein guter und unterhaltsamer Horrorfilm, der an manchen Stellen etwas übertreibt und an manchen Stellen mit Qualität spart. Hostel ist ein Schulhofmythos, eine Schulhoflegende, wie zu seiner Zeit das Texas Chainsaw Massacre. Die Vorstellung ist der Meister der Übertreibung. Alles halb so wild, wie vermutet.

P.S.: Unbedingt im Originalton schauen. Selten wurde in einem US-Film so viel deutsch geredet.

OT: Hostel VÖ: 2005 Laufzeit: 94 Minuten Minuten FSK: - R: Eli Roth D: Jay Hernandez Derek Richardson Eythor Gudjonsson
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Christian

Bildquelle: Sony, Lions Gate

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