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Lucy (2014)



Lucy ist ein Film mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle und Morgan Freeman als Professor Samuel Norman, in der Nebendarstellung. Grundsätzlich basiert die Thematik des Films auf dem Zehn-Prozent-Mythos, der suggeriert, dass der gewöhnliche Mensch nur 10 Prozent seiner Gehirnkapazität nutzt. Doch was passiert, wenn der Mensch die maximalen 100 Prozent ausschöpfen kann?

Zu Beginn des Filmes kehrt man zurück zur vor Milliarden von Jahren schöner Natur: Ein Vorfahre des Homo Sapiens bedient sich an einem Fluss, aus dem er Wasser für sich schöpft. Eine eindeutig weibliche Stimme, die der Synchronsprecherin von Scarlett Johansson, erklingt anschließend aus dem Off. Sie stellt eine tiefsitzende, bedeutungsvolle Frage:
"Vor einer Milliarde Jahren wurde uns das Leben geschenkt. Was haben wir daraus gemacht?"

Vor einem willkürlichen Hotel in Taiwan kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen der 25-Jährigen Amerikanerin Lucy und ihrem Freund Richard. Schnell wird klar, dass sich die beiden erst vor Kurzem kennengelernt haben und Lucy nichts von der Idee hält, sich in Richards Angelegenheiten einzumischen. Hauptbestandteil der Diskussion ist nämlich ein Koffer mit mysteriösem Inhalt, den seine kürzlich erworbene Freundin für ihn an der Rezeption abgeben soll. Bei dem Empfänger handelt es sich, wie später offensichtlich wird, um einen taiwanesischen Gangsterboss, Mr. Jang. Schließlich kettet Richard Lucy in einem Moment der Unachtsamkeit an den Koffer und sie muss den Deal alleine über die Bühne bringen.

Während der Übergabe wird ihr Freund Richard vor dem Eingang des Hotels erschossen und Lucy wird in Jangs Hotelzimmer verschleppt – mit ihr der Inhalt des Koffers, eine junge Droge, genannt „synthetisches CPH4“. Eine weitere, abenteuerlustige Etappe beginnt, in der Lucy noch ein unangenehmes Gespräch mit Mr. Jang und seinen Schergen führen muss und Lucy dem Moment der Wahrheit ins Auge blicken muss: Wird der Koffer sich einfach sprengen, wenn man ihn öffnen will? Zu guter Letzt aber wird ihr und drei anderen Männer dieselbe Droge in den Unterbrauch gepflanzt, um sie als lebende Lieferanten nach Europa zu bringen.


Nach einem kurzen Black Out Lucys erwacht sie in einem Container, der schon bald besucht wird. Ein vermutlich eher unwichtiger Handlanger versucht, Lucy körperlich näher zu kommen, weshalb sie sich wehrt. Als Art Rachehandlung tritt ihr jener fies aussehende Tawainese in den Unterlaub, wodurch das Drogenpäckchen Risse bekommt und langsam in Lucys Blutstrom fließt.
Es ist relativ humorvoll anzusehen, wie Lucy sich daraufhin an den Containterwänden windet beziehungsweise entlanghämmert, was wohl den Eindruck vermitteln soll, dass es sich bei den blauen Chemiekügelchen in ihrem Unterlaub um eine richtig aufregende Substanz handelt. Mit dieser Auflösung in ihrem Körper beginnt die Wirkung der synthetischen Droge einzusetzen.

Lucys Muskeln werden hart und starr, ihr Blick eisig bis hellwach. Sie hat nun die vollkommene Kontrolle über ihren Körper erlangt – wir sind hier bei ungefähr 20 Prozent. Was ihr im Laufe der Zeit passieren wird: Sie erhält die Fähigkeit, elektromagnetische Wellen zu manipulieren und erwirbt telepathische und telekinetische Fähigkeiten. Je mehr der Prozentsatz ihrer Gehirnnutzung ansteigt, umso besser kann sie ihre Fähigkeiten einsetzen, bis zur totalen Kontrolle. (Die sich gegen Ende in einer schwarzen Materie, die sich mit den Computern der Professoren verbindet, zeigen wird.)

Ihre Reise geht von nun an in diese Richtung. Sie erlangt dank ihrer jetzt starken Kondition wieder die Freiheit und macht sich auf in ein Krankenhaus. Ein Arzt im OP erklärt ihr, nachdem sie ungefragt auf dessen Operationstisch Platz genommen hat, dass CHP4 eigentlich eine natürlich vorkommende Substanz bei Schwangeren ist. Er ist äußerst erstaunt, zu hören, dass Lucy eine künstlich nachgeahmte Form in sich trägt – aber da hält Lucy ihm schon eine Pistole an den Kopf und zwingt ihn, an ihr zu Operieren.

Im Anschluss nimmt sie den Kontakt zu dem bekannten Professor Samuel Norman auf, dessen Forschungen sich über die Gehirnkapazitäten und dessen Nutzungen drehen. Denn sein Vortrag zu diesem Thema hat Lucys Neugier geweckt – sie hat nun ein wenig recherchiert - und so erreicht sie ihn per Telefon und Fernseher, dessen Wellen sie einfach zu ihren Zwecken manipuliert. Beeindruckt von Lucys Ansichten über die Steuerung ihres Gehirns, willigt der Wissenschaftler ein, Lucy die Türe zu seine Appartement zu öffnen. Darauf besteigt Lucy einen Flieger nach Paris, in dem sie sich auch einen Kontakt erschafft zu dem dort ansässigen Polizisten Pierre del Rio. Immerhin weiß sie nun wieder, welche Personen noch das CHP4 in sich tragen und in ihr Heimatland zu schmuggeln versuchen. Aufgrund der Information werden die Drogenkuriere in Berlin, Paris und Rom auch erfolgreich festgenommen. Unglücklicherweise braucht Lucy die letzten drei Päckchen für sich selbst, da sie im Flugzeug so etwas wie Entzugserscheinungen erlebt hatte und sich an ihrem übrig gebliebenen CHP4 bedienen musste. Gemeinsam mit dem anscheinend ewig irritierten Pierre del Rio, welcher von Lucys Fähigkeiten dermaßen verblüfft ist, sodass ihm in den meisten Szenen ein wenig der Mund offen steht, fahren sie in das Krankenhaus, das die ehemaligen Drogenkuriere beherbergt. Natürlich sind die Untertanen von Mr Jang zu dieser Zeit ebenfalls bereits auf dem Weg dorthin und nur ein paar Minuten zu spät treffen sie tatsächlich ein. Nach einer Art „Kampf der Übersinnlichen Lucy Vs. Den gewöhnlichen taiwanesischen Handlangern“, nimmt Lucy selbstverständlich die Drogenpakete an sich.


Damit eingetroffen bei Professor Samuel Norman und seinen Wissenschaftlern verabreichen sie Lucy, die nun bald die 100 Prozent erreichen wird, die Droge intravenös, direkt in die Vene. Ab diesem Punkt expandiert ihr Körper, sie verformt sich zu einer schwarzen Materie, und diese verbindet sich mit den nahestehenden Computern, um all ihr angesammeltes Wissen zu vereinen.

Das Ende lasse ich außen vor, aber so viel sei gesagt: Schwarz auf Weiß wirkt der Inhalt dieses Films genauso ergiebig wie jeder andere auch. Doch der Film an sich, beziehungsweise dessen Szenen, fühlen sich ab und an sehr leer an. Wir haben hier einen roten Faden im Verlauf, der dermaßen dick ist, dass er beinahe Prägungen hinterlässt. Außer der Entwicklung von Lucy über ihre 10 bis 100 Prozent Gehirnkapazität findet in diesem Film nichts statt. Es gibt Nebenprotagonisten, die eine Zeit lang mitfahren und starren dürfen (wer diese Anspielung nicht versteht, hat nicht richtig mitgelesen), und es gibt auch noch das Kartell der Mafiabosse, zu denen nicht oft, aber doch ab und an geschwungen wird. Zumindest das. Aber normalerweise besteht eine Story, ein richtiger Plot, aus A und B-Strängen, die sich entweder kurz vor dem Höhepunkt oder sich währenddessen ineinander verflechten. Auch ein C-Strang kommt häufig vor und wird gerne eingesetzt, um die Monotonie, die in einigen Filmen manchmal vorherrscht, zu durchbrechen. Mir ist überaus bewusst, dass sich der Film Lucy eben nur um diese eine Sache dreht, aber sobald man wegschaut, wird es öde. Ein einziges Thema für einen Film führt zu einer sehr einfachen Aussage in einem Film, wie die Logik vorgibt. Weshalb ich mich dann fragen muss: Und, was haben wir Menschen nun aus unserer Welt gemacht? Der Handlungsstrang A gibt dazu absolut keine Antwort und eigentlich kann man es ja für sich selbst beantworten. Nur warum dann diese bedeutungsvollen Worte nach so einer eingeflößten Szene?

Zum einmaligen Sehgenuss reicht es. Die eingeblendeten Szenen des Löwen, der die Antilope auf wahrscheinlich afrikanischem Grund jagt, lockern die abgespaltenen Szenen gekonnt auf. Zu mehr reicht es jedoch nicht. Und der Film bleibt in den häufigsten Szenen leer, daran kann auch die schauspielerische Leistung Morgan Freemans nichts ändern. Scarlett Johansson spielt stark, ab und an wird aber auch nicht viel von ihr verlangt. Die Idee, den 10-Prozent-Mythos aufzugreifen war originell, schade nur, dass dieser eine reine Behauptung ist. (Eine schlichte Recherche im Netz von drei Sekunden reicht, um das herauszufinden.)

Vermutlich kann dieser Mythos auch deswegen nur in der Popkultur oder als Gut künstlerischer Freiheit überleben. Es nervt mich doch beizeiten, dass Themen, die so interessant sind, von einer einzigen Seite aufgezogen werden. Nur, was man visuell mitbekommt, ist höchst ausgearbeitet. Der Verlauf an sich wirkt jedoch unerfüllt, als würden die paar netten Szenen der Antilope, einer Matrix ähnlich kämpfenden Lucy oder eines Rede haltenden Morgan Freemans schon reichen. Als Ganzes oft oberflächlich, solide bis originell fürs Auge, zum Denken gab es nur eine „Was wäre wenn“-Antwort und die stellt sich als in schwarzer Materie auflösende Lucy dar. Der Sinn dieses Plots – mir wird er sich nicht mehr erstrecken, doch zumindest war die Idee dazu durchaus empfehlenswert.

OT: Lucy VÖ: 2014 Laufzeit: 89 Minuten Minuten FSK: 12 R: Luc Besson D: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Choi Min-Sik
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Yannie

Bildquelle: Universal

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