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The Last House On The Left (1972/2009) - Original vs. Remake



Die zwei jungen Mädchen Mari und Phyllis wohnen auf dem Land. Als sie für ein Rockkonzert in der Stadt noch ein paar Drogen kaufen wollen, geraten sie in die Hände einer Verbrecherbande unter der Führung des abartigen Krug. Die Mädchen werden gefoltert, vergewaltigt und getötet. Wie es der Zufall will, suchen die Verbrecher anschließend Unterschlupft bei Maris Eltern...

Wes Cravens The Last House On The Left kündigt sich bereits im Intro als wahre Geschichte an, in der nur Orte und Namen geändert wurden. Damals ein glaubwürdiger Skandal, der sich lange gehalten hat. Heute wissen wir, dass alles irgendwo und irgendwann mal auf der Welt passiert ist und solche Sprüche gerne für ein virales Marketing genutzt werden. The Last House On The Left ist ein wegweisender Klassiker des Horrorgenre, der Vorlage für viele Filme der späten 70er und frühen 80er war. Lange vor Michael Myers, Freddy Krueger oder Jason Voorhees machte die Krug-Bande jagt auf junge Mädchen. Am ehesten, zumindest was die Machart und den Tonfall des Filmes angeht, lässt sich TLHOTL mit dem Texas Chainsaw Massacre vergleichen, da beide Filme in der selben Zeit veröffentlicht wurden. Trotz allen Skandals rund um den Film, wirkt er heute relativ züchtig und harmlos. In meiner Jugend wurden ach so finstere Geschichte über den Film erzählt, aber schon bei meiner ersten Sichtung empfand ich den Film zwar als ziemlich gut, aber auch als alles andere als schockierend. Aber so ist das mit dem Zeitgeist. Stark ist der Film vor allem durch seinen Twist und der einhergehenden Spannung. Im Gegensatz zum ähnlich gelagerten I Spit On Your Grave schöpft Craven den Nutzen einer besseren Charakterisierung aus. Auch filmtechnisch ist klar zu erkennen, warum Craven später einmal ein Star des Genre wurde und nicht sein Kollege Meir Zarchi. Es gibt einige schöne Kameraeinstellungen und Schnitte. Lediglich der manchmal etwas seltsame Score stört etwas. Craven versteht es sogar die vorhandene Gewalt nicht zu explizit werden zu lassen. Vieles bleibt der Fantasie der Zuschauer überlassen, ähnlich dem Texas Chainsaw Massacre. Und so bezieht Craven auch von Beginn an eine klar Stellung, die in I Spit On Your Grave erst spät in der zweiten Hälfte deutlich wird. Craven inszeniert die Gewalt der Krug-Bande als Martyrium und verurteilt dieses, anders als in Zarchis Film von 1978. Ein paar gesellschaftskritische Botschaften gegen das Spießbürgertum hat Craven dem Film auch noch verpasst. Mutig und notwendig. Die Darsteller sind relativ gut und glaubwürdig, das passt. Spätestens beim Auftreten der dümmlichen Cops wird klar, dass der Film auch nicht zu ernst gemeint ist.

Wes Cravens The Last House On The Left ist ein intelligenter und früher Vertreter des Terror-Kinos, der mit guter ungeschliffener Inszenierung und abwechslungsreicher Story auch heute noch anständig funktioniert.

OT: The Last House On The Left AT: Mondo Brutale DT: Das letzte Haus links VÖ: 1972 Laufzeit: 84 Minuten FSK: - R: Wes Craven D: Sandra Peabody Lucy Grantham David Hess



Es ist Ferienzeit und Familie Collingwood nutzt die Zeit um ein paar Tage in ihrem Ferienhaus am See zu verbringen. Als sich die schüchterne Tochter Mari langweilt, beschließt sie zu ihrer Freundin Paige in die Stadt zu fahren. Angelockt von Drogen und Jungs geraten die Mädchen in die Fänge von Schwerverbrechern. Der Ausflug endet blutig. Doch die Verbrechern landen zufällig im Ferienhaus der Collingwoods und haben sicherlich nicht mit der folgenden Reaktion der Eltern gerechnet, als diese erfahren, was ihrer Tochter widerfahren ist.

Der Regisseur des Originals, Horrorlegende Wes Craven, produzierte 37 Jahre später auch das Remake seines Films. Doch anders als das ein Jahr später veröffentlichte Remake von I Spit On Your Grave nutzt The Last House On The Left 2009 mehr den Hochglanzfaktor. Alles wirkt etwas zu durchgestylt und auch nicht überdurchschnittlich gut gefilmt, auch wenn es ein paar wirklich sehenswerte Einstellungen gibt. Schade, denn I Spit On Your Grave 2010 hat bewiesen, wie atmosphärisch eine Neuverfilmung aussehen kann. The Last House On The Left orientiert sich da eher am Look des Remakes von Friday The 13th. Dazu passen die handvoll Popsongs im Film. Ein markanter Unterschied zum Original ist die Laufzeit, die sich nun fast eine halbe Stunde mehr Zeit nimmt. An einigen Stellen ist das angebracht, aber es gibt auch eine Menge unnötiger Füllszenen zu verzeichnen. Die Story ist ebenfalls nicht ganz deckungsgleich mit dem Original. Viele Details und auch einige Charakterzüge wurden modifiziert. Es gibt sogar einen markanten Unterschied im Vergleich zu 1972, aber ich möchte an dieser Stelle nicht spoilern, da diese Änderung der Geschichte auch absolute Geschmackssache ist. Dennoch ein interessanter Aspekt, da diese Überraschung die Kompromißlosigkeit des Films deutlich schmälert. Auf der anderen Seite ist die Gewalt, die die Eltern ausüben, wesentlich expliziter dargestellt als im Original. Das gleicht das Verhältnis letztlich wieder aus. Die Besetzung ist zweckmäßig hat aber mit der immer gerne gesehenen Sara Paxton eine tolle Darstellerin an Bord. In einer Nebenrolle gibt es Breaking Bad Star Aaron Paul zusehen. Ein Problem sind die vielen Logiklöcher (z.B. Schwimmszene im See oder die Mikrowellenszene), die dem Film die Glaubwürdigkeit nehmen und so wird hier auch kein Werbetext der Marke "its only a movie..." benötigt, denn das wird uns die ganze Zeit vor Augen gehalten. Dafür ist das Remake aber sehr spannend und unterhaltsam. Das allein ist im heutigen Horrorgenre schon eine Menge wert.

Das 2010er Remake von Last House On The Left ist ein durchaus überzeugender Genrestreifen, mit ein paar Schwächen und Ungereimtheiten, aber in der Summe steht er dem Original kaum nach.

OT: The Last House On The Left VÖ: 2009 Laufzeit: 110 Minuten FSK: SPIO/JK R: Dennis Iliadis D: Sara Paxton, Aaron Paul, Tony Goldwyn, Monica Potter

Christian

Bildquelle: Turbine, Universal

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