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Teenage Mutant Ninja Turtles (2014)



Ein Schatten brutaler Gewalt überzieht den Big Apple. Shredder und sein Footclan lernen der Metropole New York was es heißt in Angst und Schrecken zu leben. Doch tief in der Kanalisation wohnen vier tierische Helden mit Ninjutsu-Fähigkeiten, angeleitet von einer weisen Ratte, die gemeinsam mit Reporterin April O'Neil wieder für Gerechtigkeit sorgen wollen.

Selten war ein Film für mich so schwer zu beurteilen wie das 2014er Reboot der Teenage Mutant Ninja Turtles. Ich bin ein riesiger Film des Originals und war im Vorfeld auf Grund der schlechten Vorzeichen (CGI, Produzent Michael Bay, Hauptdarstellerin Megan Fox, Regisseur Jonathan Liebesman) extrem skeptisch. Meine Sorge war dann doch weitestgehend unberechtigt, auch wenn TMNT 2014 kein herausragender Vertreter des Popcornkino ist.

Besonders die ersten 20 Minuten haben in mir gleich Retrogedanken geweckt, da sich sowohl Atmosphäre, als auch Story sehr der Verfilmung der frühen 90er ähnelten. Auch im späten Verlauf offenbaren sich einige bekannte Zutaten. Die Elemente, die das Team um Michael Bay hinzu addierte funktionieren deutlich schlechter. Besonders die Originstory von Meister Splinter und seinen vier Schildkröten ist sehr hanebüchen und lädt besonders Fans zum Kopfschütteln ein. Nicht, dass der eigentliche Background der Turtles einfallsreicher wäre, aber ihr wisst ja wie das ist, ein Mythos wird verstärkt, in dem man ihn immer und immer wieder hört und irgendwann empfinden wir ihn als heilig.


Zwischenzeitlich verkommt der Film jedoch zur April O'Neil Story, was gar nicht so schlimm ist, denn O'Neil war und ist ein sympathische Figur, selbst wenn sie von der nicht grade mit Schauspieltalent gesegneten Megan Fox gespielt wird. Aber irgendwie bekommen dadurch die Turtles selbst deutlich weniger Screentime. Schade, denn wenn sie erst in Aktion sind, wird man prächtig unterhalten. Die Kämpfe und Choreografien sind durchaus gelungen und kräftig. Gibt es Action auf der Leinwand, dann passt es ziemlich gut mit mir und den neuen Turtles.

Einige Leute haben sich über die nicht besonders tiefgründigen Dialoge und "coolen" Sprüche der Turtles aufgeregt, aber ganz ehrlich, dann dürfte jenen Leuten auch das Original nicht gefallen. Auch dort gibt es einen platten Spruch nach dem anderen. Es sind halt "Teenage" Mutant Ninja Turtles, dazu noch männlich und die erzählen nun mal oft Schwachsinn. Dafür verzichten Liebesman und Bay größtenteils darauf die Turtles unnötig cool zu schaffen. Zwar ist der Look der Helden sehr gewöhnungsbedürftig, aber nicht wirklich verkehrt. Leonardo, Donatello, Raphael und Michelangelo sind größer, muskulöser und besser ausgerüstet als früher. Früher waren sie handmade, heute digital erzeugt. Ihre CGI-Ebenbilder sind von der besseren Sorte, aber auch nach so vielen Jahren digitaler Tricktechnik wirken CGI-Figuren in neun von zehn Fällen nicht organisch und schon gar nicht harmonisch mit ihrer echten Umwelt im Film.


Probleme bekommt der Film mit der zweiten Filmhälfte, die sich ähnlich banal und falsch anfühlt wie die diversen Transformers-Ergüsse Michael Bays. Zwar ist das Tempo nun wesentlich höher und die Action rasanter, aber die Wichtigkeit der filminternen Handlungen kommt nie wirklich zur Geltung und sowohl Eric Sacks als auch Shredder überzeugen nicht als ebenbürtige Gegenspieler. Hird wird dann doch klar, dass der Film liebloser umgesetzt wurde, als zunächst angenommen. Die besonders zu Beginn durchaus ansprechende Leistung von Megan Fox artet gegen Ende auch wieder in den üblichen Transformers-vor-Explosionen-möglichst-hübsch-weglaufen-Bullshit aus. Fox kann nichts dafür, aber schade ist es trotzdem. Und das ein Film den großartigen Humor eines Will Arnett nicht nutzen kann ist schlichtweg traurig. Für Hollywood zwar typisch, aber trotzdem ein Aufreger, ist das hochfrequentierte Product-Placement. Sehr penetrant.

Schön, dass sich immer noch so viele Fans für die Turtles interessieren. Schön einen Turtles-Film mit einem solchen Production-Value sehen zu dürfen und schön, dass der Film deutlich über meinen Erwartungen ausgefallen ist. Allerdings ist es schade, dass ausgerechnet die oberflächlichen Handwerker Liebesman und Bay mit dem Stoff vertraut wurden. Ich weiß nicht ob mehr möglich gewesen wäre, aber zumindest das Drehbuch, bzw. die Story hätte einfach interessanter und logischer ausgearbeitet werden müssen. Dann könnte ich dem neuem Turtles Film die Hand geben, so bleibt aber ein bitterer Beigeschmack, der besonders Fans der ersten Stunden negativ aufstoßen wird.

OT: Teenage Mutant Ninja Turtles VÖ: 2014 Laufzeit: 102 Minuten FSK: 12 R: Jonathan Liebesman D: Megan Fox, Will Arnett, William Fichtner
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Christian

Bildquelle: Paramount

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