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The Wonder Years (1988-1993) - Season 1



The Wonder Years war meine erste Serie. Ich bin sozusagen gemeinsam mit der Hauptfigur Kevin Arnold aufgewachsen. Auch heute noch ist die Show meine insgeheime Lieblingsserie. Es gab in der Folge viele bessere und größere Serien, aber keine erweckte in mir diese Emotionen und heute diese Erinnerungen an meine eigene Kindheit wie The Wonder Years. Es klingt platt, aber ohne die Serie von Carol Black und Neal Marlens wäre ich wohl heute ein ganz anderer Mensch.

The Wonder Years erzählt die Geschichte des jungen Kevin Arnold, der in den späten 60er und frühen 70ern in einer anonymen, typisch amerikanischen Vorstadt (Suburban) aufwächst. Ihm passieren Dinge, die uns auch passiert sind. Schule, die erste Liebe, Pubertät, Zoff in der Familie, glückliche Zeiten und schmerzhafte Momente. Die Serie ist authentisch und hat nichts an Aktualität verloren, obwohl sie vor knapp 50 Jahren spielt.

Bei der Besetzung bewies man ein glückliches Händchen. Zwar erreichten nur die wenigsten, wie später Giovanni Ribisi, größeren Ruhm, doch für diese Serie waren sie allesamt perfekt. Ob der typische Durchschnittsjunge Kevin, sein dümmlicher Bruder, seine rebellische Schwester oder die streng in konservative Bahnen gelenkten Eltern. Auch die Nebenfiguren, man denke nur an Paul oder Winnie, sind einfach nur großartig und ebenso perfekt besetzt.

Drei weitere große Stärken dieser wundervollen Show sind unverzichtbar. Da wäre zum einen der emotionale und authentische Off-Kommentar des erwachsenen Kevin, gesprochen von Daniel Stern (im deutschen übrigens von Norbert Langer, der Stimme von Magnum). Auf der Habenseite befindet sich ebenfalls der großartige Soundtrack, der übrigens schuldig für die extrem verspätete DVD-Veröffentlichung der Serie war. Kein Wunder, befinden sich doch einige der am teuersten zu lizensierenden Songs der Musikgeschichte auf dem Soundtrack. "When A Man Loves A Woman", "All You Need Is Love", "Louie Louie", "Ruby Tuesday", "Will You Love Me Tomorrow", "Black Bird", "Light My Fire", "Born To Be Wild" oder die großartige Coverversion Joe Cockers von "With A Little Help From My Friends", die gleichzeitig als Theme der Serie fungiert. Letzte große Stärke ist die Einbindung wichtiger historischer Ereignisse, wie die Erkundung des Weltalls, Woodstock oder Vietnam. Ein kleine Geschichtsstunde in einer großartigen Serie.


Wunderbare Jahre bietet alles - Humor, Drama, Melancholie und Spaß. Gerichtet an jede Altersgruppe, die jede für sich ihre eigenen Elemente aus der Show ziehen können. Die Generation der heute fast oder knapp über 30-Jährigen wird diese Serie bestens kennen und lieben. Allen anderen möchte ich in den kommenden Blogbeiträgen die einzelnen Staffeln der Serie näher bringen und Folge für Folge kurz analysieren. Vielleicht gewinnt die Show ja noch den einen oder anderen Fan dazu. Ich würde mich freuen!

S01E01 Pilot - (5/5) Der junge Kevin Arnold feiert seinen Einstand an der Junior Highschool. Gemeinsam mit seinem besten Freund Paul erlebt er den ersten Sportunterricht, das erste Mittagessen in der Kantine und macht Bekanntschaft mit den unterschiedlichsten Peer Groups und Stereotypen an einer amerikanischen Highschool. Früh bekommt man die tief emotionale Beziehung Kevins zu seinem schwer arbeitenden, sehr konservativen Vater kennen. Jack Arnold ist ein Vater, der alles für seine Familie geben würde, aber seine Gefühle meistens unterdrückt. Für die Kinder ist er ein strenger Vater und noch wissen sie ihn nicht vollständig zu schätzen. Auch die Beziehung Kevins zu seinem älteren Wayne ist kompliziert, aber typisch. Die Pilotfolge lässt auch früh die wichtigste Bindung der Serie aufblitzen. Kevin und Winnie. Winnie ist die bezaubernde Nachbarin im selben Alter. Die Geschichte Kevins hängt eng mit Winnie zusammen und wird bis zum Ende die wichtigste Rolle in Kevins leben spielen. Wie banal viele Probleme damals und heute sind wird klar als bekannt wird, dass Winnies erwachsener Bruder Brian im Vietnamkrieg gefallen ist. Ein emotionaler Beginn, gleich zu Beginn der Serie. Doch Hoffnung keimt auf, als Kevin in einer sehr romantischen Szene zum ersten Mal Winnie küsst. Bereits die Pilotfolge enthält alles, was diese Serie so bemerkenswert macht.

S01E02 Swingers - (3/5) Die zweite Episode wechselt zwischen Trauer und Humor. Zunächst gibt es die ergreifende Beerdigung Brian Coopers, bevor die Thematik zur sexuellen, aber in diesem Fall sehr verkraften Aufklärung führt. Da gibt es den prüden Sportlehrer, der den Jungs nicht als spröde Biologie erklärt, weshalb Kevin und Paul sich selbst unbeholfen Aufklärungsliteratur beschaffen. Die Comedy steht hier im Vordergrund, erst recht als sich Kevins Bruder in die Angelegenheit einmischt. Keine schlechte Episode, aber tatsächlich eine der schwächeren, auch wenn die humorvolle Pointe durch Kevins Mum am Ende perfekt sitzt.

S01E03 My Father's Office - (5/5) Kevin fragt sich in dieser Episode, was sein Dad eigentlich so arbeitet? Daraufhin nimmt Jack seinen Sohn mit in die Firma. Früh begreift Kevin warum sein Dad immer schlecht gelaunt nach Hause kommt. Diese Episode gilt nicht unberechtigt als eine der besten der Serie, gar als eine der besten Episoden amerikanischer Serien aller Zeiten. Höchst emotional. Wunderbar.


S01E04 Angel - (5/5) Kevins Schwester Karen ist Teil der frühen amerikanischen Hippie-Bewegung. Rebellion an allen Ecken und Enden. Kein Verständnis für die Entscheidungen und Ansichten der Eltern. Der Konflikt klingt nicht ab, denn Karen bringt ihren neuen Freund mit nach Hause, der Monogamie für unmöglich hält und ein amtlicher Kriegsgegner ist, was Kevins Vater richtig auf die Palme bringt, besonders nach dem Ableben des Nachbarsjungen Brian Cooper. Vielleicht ist diese Folge etwas plakativ, aber sie entwickelt Karen als heimlichen Star der Show. Zwar spielt Karen selten eine Rolle, ist aber wenn on Screen ein wundervoller Mensch, der immer wieder für Highlights sorgt. Die Themen zwischen Offenheit, Konservatismus, Vietnam und Flower Power sind ernsthaft und stark umgesetzt. Tolle Folge!

S01E05 The Phone Call - (4/5) In dieser Folge geht es um die Schwärmerei Kevins für seine Mitschülerin Lisa, die ihm ganz schön den Kopf verdreht hat. Winnie ist außen vor. Die Schmetterlinge in Kevins Bauch sind nachvollziehbar und seine Aufregung davor Lisa einfach mal anzurufen kennt wohl jeder von uns. Man kann machen was man will, aber die Konzentration geht verloren wenn der Schwarm den Raum betritt. Herrlich sind die Unterschiede zwischen Kevins Fantasie und der tatsächlichen Realität. Die schöne Episode wird untermalt vom ersten bemannten Mondumflug der Menschheitsgeschichte.

S01E06 Dance With Me - (5/5) Die kurze erste Season der Serie wird mit einem emotionalen Finale abgeschlossen. Kevin lädt Lisa zum Abschlussball ein und wird früh enttäuscht. Also macht er kehrt und fragt die plötzlich wieder interessante Winnie. Doch auch Winnie hat längst eine andere Verabredung für den Ball und so tanzt er mit seinem besten Freund Paul ohne weibliche Begleitung auf dem Ball an. Zettelchen schreiben im Unterricht, den Satz "Ich mag dich wirklich...als guten Freund" oder das urplötzliche Verlieben in ein anderes Mädchen, all das kennen wir bestens aus unserer Kindheit und so fühlen wir uns sofort wohl in dieser Episode. Herrlich sind ebenfalls die Tanzsszenen zwischen Norma und Jack, sowie Waynes Performances zu "Louie Louie". Ziel eines Balls ist es so beschäftigt wie möglich auszusehen. Eine oft unterschätzte Weisheit, die uns hier vermittelt wird. Doch in dieser komplexen Folge ist nichts schöner als der abschliessende Tanz zwischen Kevin und Winnie.

Christian

Bildquelle: StarVista, Timelife

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