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V/H/S (2012)



V/H/S – Eine mörderische Sammlung ist ein amerikanischer Found-Footage Horrorfilm aus dem Jahr 2012. Der Film besteht aus einer Rahmenhandlung und fünf voneinander unabhängigen Kurzfilmen.

Die Rahmenhandlung beginnt mit einer Gruppe von jungen Männern namens Brad, Gary, Rox und Zak, die sich mit selbstgedrehten Videos pornographischen Inhaltes ihr Taschengeld aufbessern. Dazu überfallen sie junge Frauen auf der Straße, entblößen ihre Brüste und halten das auf einer VHS-Kassette fest. Diese Videos verkaufen sie an Pornoläden weiter. Bei einem Treffen der Gruppe erzählt einer der Männer von einem besser bezahlten Auftrag, für den sie in ein Haus eines Rentners einbrechen und eine VHS Kassette klauen müssen. Den Einbruch filmen sie mit 2 Videokameras. Was sie in dem Haus vorfinden ist ein scheinbar toter Mann, der vor mehreren Monitoren sitzt. Nach eingiebigen Absprachen einigen sich die Männer darauf sich aufzuteilen, um das Tape schneller zu finden. Brad bleibt in dem Raum mit dem scheinbar toten Rentner und sieht sich die vorhandenen Kassetten an.

Auf den VHS Kassetten sind jetzt die fünf Kurzfilme zu sehen, die die Rahmenhandlung unterbrechen.

Das erste Tape beginnt drei Männern, die Frauen abschleppen wollen. Um das Ganze festzuhalten nutzen sie eine Videobrille, mit der der Abend aufgenommen wird. Im Club treffen Clint, Shane und Patrick auf Lily und Lisa. Lisa ist besonders offen und feierlustig, während Lily sehr introvertiert ist und ein seltsames Verhalten an den Tag legt, indem sie Clint ständig “Ich steh auf dich” zuflüstert. Als Lisa während des Techtelmechtels mit Shane einschläft, machen sich die Männer an Lily ran und werden böse überrascht.

Auf dem zweiten Tape sieht man das Paar Stephanie und Sam, die durch die Wüste auf der Route 66 reisen. Die Fahrt nehmen sie mit einer Videokamera auf. Sie übernachten in einem Hotelzimmer in einer alten Wild-West Stadt. In der ersten Nacht sieht man, dass die Videokamera angeschaltet wird und Stephanie und Sam von einem Fremden beim Schlafen gefilmt werden. Dabei klaut der Fremde Sam 100 Dollar, zieht Stephanie die Decke runter und tunkt Sam's Zahnbürste ins Klo. Der folgende Tag soll jedoch noch mysteriöser werden.

Im dritten Tape fahren die vier Freunde Spider, Joey, Samantha und Wendy zusammen an einen See im Wald um dort einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen. Dabei filmen sich die Vier abwechselnd gegenseitig. Es gibt Gerüchte, dass an besagtem See Menschen von einem Unbekannten auf brutalste Art und Weise getötet wurden. Die Kamera der Freunde weist Störungen auf: Während des Filmens erscheinen immer wieder Szenen der älteren Aufnahmen, mit denen die Morde aufgenommen wurden. Kurz darauf erscheint bei jedem der Freunde eine nicht erkennbare Gestalt, die es nicht gut mit ihnen meint.


Das vierte Tape besteht aus einer Aufnahme einer Videokonferenz zwischen Emily und James. James ist Arzt und lebt in einer anderen Stadt als Emily. Emily verrät James, dass sich paranormale Dinge in Ihrer Wohnung abspielen und sie seit kurzer Zeit Schmerzen in ihrem Arm verspürt. Als sie eines Nachts von den seltsamen Geräuschen wach wird, startet sie eine weitere Videokonferenz mit James, um ihm von den Geschehnissen zu erzählen und ihn zu bitten, die Videokonferenz aufzuzeichnen mit ungeahnten Folgen.

Das abschließende Tape zeigt erst einige Leute beim Grillen. Danach bricht das Video ab. Die folgenden Aufnahmen zeigen vier Jungs, die sich verkleidet auf den Weg zu einer Halloweenparty machen. An der vermeintlichen Location angekommen, finden sie niemanden vor. Sie betreten das Haus und durchsuchen die Räume. Während des Rundgangs begegnen ihnen immer wieder Gestalten. Sie hören ein Lobgesang, der vom Dachboden kommt und als sie oben angelangt sind, finden sie eine Gruppe von Männern, die in einem ritualähnlichen Sing-Sang ein menschliches Opfer in Form einer angeketteten Frau bringen wollen.

Im Großen und Ganzen ein gelungener Found-Footage Film, der dennoch einige Schwächen aufzeigt. Vorallem die erst nicht leicht zu durchblickende Struktur des Films ist erfrischend originell und im Horrorgenre nicht oft anzutreffen. Der Film erinnert aufgrund der fünf verschiedenen Regisseure und voneinander unabhängigen Kurzfilme an The ABC of Death.

Wie oft im Horrorgenre anzutreffen, spielt Sex eine große Rolle in dem Film. Gerade zu Beginn erinnert der Film eher an einen Softporno als an einen gruseligen Horrorstreifen. Auch was den Brutalitätsfaktor betrifft, lässt der Film nichts zu wünschen übrig. Manche Szenen sind sehr blutig und Splatterfreunde kommen teilweise wirklich auf ihre Kosten. Leider war die Rahmenhandlung erstaunlich unerstaunlich. Man erfährt wenig über die Auftraggeber, über den Rentner und über die Tapes selbst.

Positiv aufgefallen ist unter anderem der Homemovie-Effekt, der im Vergleich zu The Blair Witch Project besser gelungen ist. Was mir im ersten Tape besonders gut gefallen hat, war die Darstellung von Lily: Ihr Blick und ihr ständiges “Ich steh auf dich” verpasst einem eine kleine Gänsehaut. Das erste Tape lässt den Zuschauer erstmal mit einem dicken Fragezeichen zurück. Was mich ein bisschen gestört hat war die extreme Freizügigkeit.


Das zweite Tape zeigt meiner Meinung nach mehr Schwächen als Stärken. Langwierige Diskussionen. Gespräche ohne Relevanz. Erst als der Fremde mit der Kamera filmt, horcht man auf. Als dann der Spannungspegel wieder sinkt, wird Sam plötzlich abgestochen und auch hier wird man etwas unbefriedigt abgespeist. Spätestens bei der Kussszene zwischen der Fremden und Stephanie fragt sich der Zuschauer: Wieso?

Das dritte Tape hat mir sehr gut gefallen, weil es zu unerwarteten Spannungsmomenten kam. Den nicht erkennbaren Mörder fand ich tatsächlich unheimlich und auch gut dargestellt. Die Hommage an das Spiel Slenderman, bei der bei Sichtung des Mörders ein Störeffekt der Aufnahme und ein Rauschen zu vernehmen ist, ist mir nicht entgangen und finde ich äußerst ansprechend. Selbstverstänlich muss in einer Gruppe mindestens ein etwas dümmlich wirkendes, vollbusiges, anzügliches und dazu noch blondes Fräulein mitspielen, um das Klischee zu erfüllen.

Das vierte Tape hatte seine Spannungsmomente mit den paranormalen Erscheinungen. Dazu bekommt man während des Anschauens eher den Eindruck, dass Emily seltsam ist und eventuell psychische Hilfe braucht, zumal sie sich selbst den Unterarm mit einer Schere aufschneidet.

Das fünfte Tape hat mich vorallem an Paranormal Activity erinnert, vorallem als die Jungs das Opferritual auf dem Dachboden finden, und sich im Haus dämonische Ereignisse abspielen. Ansonsten findet man in diesem Tape keine sehr originelle Story. Sehr viele Filme über paranormale Geschehnisse laufen nach ähnlichem Muster ab.

Im Großen und Ganzen ein sehr unterhaltsamer Film, wenn auch nicht unbedingt brillierend was den Gruselfaktor angeht. Dennoch hat mir vorallem die Originalität und die Inszenierung des Films sehr gut gefallen. Was manche als Interpretationsfreiheit verstehen, erachtete ich als unbefriedigende Antworten. Ich hätte gerne mehr über die einzelnen Tapes aber vorallem über die Rahmenhandlung erfahren. Abschließend würde ich dem Film 3 ½ Sterne geben, weil er trotz mancher Mängel dennoch für alle Horrorliebhaber sehenswert ist.

OT: V/H/S VÖ: 2012 Laufzeit: 93 Minuten FSK: 18 R: u.a. Ti West, Adam Wingard D: diverse Darsteller
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Annick

Bildquelle: Splendid

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