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The New York Ripper - Lo squartatore di New York (1982)



Lucio Fulci gehört zu den größten Regisseuren, die das Horrorgenre je bedient haben. Seine Klassiker The Beyond, Zombie, City Of The Living Dead und The House By The Cemetery gehören noch heute zu den Favoriten der meisten Horrorliebhaber. Doch sein berüchtigster Film, gleichzeitig einer der gewaltätigsten Filme aller Zeiten, ist jedoch das Gorefest The New York Ripper. Weniger Horror, mehr ein ultrabrutaler Thriller, der die Verrohung der Großstadt so prägnant wie selten zuvor auf die Leinwand brachte. The New York Ripper ist noch heute ein Film der ganz oben auf der Agenda der weltweiten Zensurbehörden steht. Nebenbei belebte Fulci mit diesem Film das sich bereits auf dem absteigenden Ast befindende Giallo-Genre wieder.

Die Story ist dabei relativ simpel erzählt. The New York Ripper begleitet einen Detective aus dem Big Apple, der sich mit einem Psychologen verbrüdert, um einen gefürchteten Serienkiller zur Strecke zu bringen, der schon seit einiger Zeit die Metropole unsicher macht. So einfach wie die Story sich liest, ist der Film definitiv nicht. Dafür enthält Fulcis Klassiker zu viele großartige, aber auch abstoßende Elemente. Was sofort ins Auge fällt ist die Darstellung New Yorks im Film. Wenn Woody Allen uns immer die schöne, heile Welt der Ostküstenmetropole gezeigt hat, ja dann fällt der Eindruck unter der Leitung des italienischen Regisseurs ziemlich konträr aus. Schönheit findet hier nicht statt. New York ist skrupellos, brutal, gefährlich und dreckig. Und jeder ist auf seine Art und Weise dabei. Es gibt kein Gut und kein Böse. Schäbige Lokale, schmutzige Sexshops und abgewrackte Häuser, sowie Straßenschluchten bestimmen das Bild.


Für viele Gorehounds ist The New York Ripper schon auf Grund der ausufernden, extrem Gewalt Pflicht. Leider drückten diese überaus deftigen und häufigen Szenen dem Film auch einen Schmuddelstempel auf. Die Gewalt ist over the top und kaum auszuhalten. Ich als Horrorfan habe schon viel gesehen und mich wirft eigentlich nichts aus der Bahn, aber bei diesem Film musste ich schon ziemlich schlucken. Ich will dabei gar nicht auf einzelne Gewaltakte eingehen, diese dürften bereits hinlänglich bekannt sein. Fulci wurde nicht nur auf Grund dieses Films eine Frauenfeindlichkeit sonder gleichen vorgeworfen. Und sind wir ganz ehrlich, bei aller Liebe zum Genre und zu Fulci, so ganz kritiklos darf die Abschlachtung und Zurschaustellung von Frauen auch nicht akzeptiert werden. Vor allem da The New York Ripper als Film selbst tendenziell wertungsfrei seinen Handlungen gegenüber bleibt.

Fulci zeigt in diesem Film ungewöhnlich viel nackte Haut und Sex. Aber auch nicht auf eine schöne Art. Die sexuelle Komponente des Films ist weder erotisch, noch betörend, viel mehr schäbig, billig und unsexy. Etwas kurios ist die Entscheidung den Serienkiller mit verstellter Donald Duck Stimme agieren zu lassen. Die Wirkung ist manchmal besonders gruselig, manchmal besonders albern und grotesk. Ansonsten bleibt der Film knallhart und realistisch. Ein Unterschied zu den anderen Fulci-Klassikern, die sich meist in fantastischen Gefilden aufhielten. Das Szenario des New York Ripper ist jedoch realistisch und in der Mitte unserer Zivilisation, was die Gewaltexzesse noch brachialer wirken lässt. Umso schwieriger fällt es dem Zuschauer mit den Charakteren Fulcis zu sympathisieren. Denn viel Raum dafür geben uns die Figuren nicht. Dafür geben uns die Figuren die Möglichkeit unsere eigenen Vorstellungen und Ansichten zu überdenken.

Die Bildsprache Fulcis ist auch in The New York Ripper furios. Sein Auge für grandiose Schauplätze ist auch hier gegeben. Stellvertretend sollte an dieser Stelle die U-Bahn-Szene erwähnt werden. Schaurig schön. Wo Fulci grandios inszeniert, lässt er allerdings auch die Logik grundsätzlich außer Acht. Selbst für die 80er Jahre enthält der Film schlampig viele Fehler. Geredet wird in diesem Giallo auch eher weniger. Fulci bleibt sich treu und lässt Bilder, Musik und Taten sprechen. Auch so kann man die Gesellschaft für ihre Pseudomoral kritisieren. Dass in diesem Film aber auch viel privater Frust und Problembewältigung des Regisseurs steckt, sollte man nicht vergessen. Wie sehr muss jemand die Welt hassen um solche Kunst zu inszenieren? Eine Menge oder vielleicht gar keine? Ich weiß es nicht.


Der eigentliche Schwachpunkt des New York Rippers ist dabei nicht seine Figurenzeichnung oder seine Präsentation von Gewalt, sondern die Spannungsarmut zwischen den atmosphärisch großartigen Momenten. Weder die Ermittlungen, noch die intimen Geheimnisse der Figuren sind wirklich interessant. Hier ist offensichtlich warum viele Filme des Giallo heute kaum noch funktionieren. Die meisten Streifen sind einfach nur eine, teilweise zusammenhangslose Aneinanderreihung von Szenen, mit zu vielen Charakteren und Ebenen, die uninteressant sind. Style over substance hat man damals und auch heute dazu gesagt. Es gibt einige hervorrangende Ausnahmen, aber einen noch größeren Teich an überbewerteten, unterdurchschnittlichen Vertretern.

The New York Ripper ist ein schmutziger, unfassbar brutaler Giallo, der nur den harten unter den harten Genreliebhabern empfohlen sei. Unterhaltung ist das nun wirklich nicht mehr. Fulcis Film ist kaum zu ertragen. Auf der anderen Seite ist The New York Ripper aber auch ein stark inszenierter Thriller, mit hervorragenden Setpieces, toller Musik und einer abgrundtief bösartigen und düsteren Atmosphäre, die als Gesellschaftskritik fungiert. Man muss aber auch dazu sagen, dass der großartige und ähnlich gelagerte Maniac mindestens eine Liga höher spielt und heute noch besser funktioniert als Fulcis Ausflug nach New York. Im Jahr 2015 wirkt The New York Ripper an vielen Stellen einfach zu uninteressant, spannungslos und erreicht nicht die Qualität von Lucio Fulcis Meisterwerk Zombie.

OT: Lo squartatore di New York ET: The New York Ripper DT: Der New York Ripper VÖ: 1982 Laufzeit: 93 Minuten FSK: - R: Lucio Fulci D: Jack Hedley, Antonella Interlenghi, Howard Ross
Trailerlink

Christian

Bildquelle: Shameless UK

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