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Torso - I corpi presentano tracce di violenza carnale (1973)



Der italienische Kultregisseur Sergio Martino hat sich Anfang der 70er Jahre mit Filmen wie All The Colors Of The Dark und The Blade Ripper einen Namen gemacht. Doch sein größter Triumph dürften einigen Horrorfans noch im Gedächtnis liegen - Torso. Der in Deutschland als Die Säge des Teufels bekannte Film handelt von einem Serienkiller, der zunächst eine Universitätsstadt unsicher macht und in der Folge potentielle, attraktive, weibliche Opfer bei ihrer Flucht aufs Land verfolgt.

Torso ist ein klassicher Kultfilm des 70er Jahre Horrorfilms. Legenden, Bootlegs, Videotheken. Drei Stichworte, die jedem Genreanhänger das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Und in der Tat funktioniert Torso auch heute noch wie damals zu den Anfängen des Giallo-Films. Dabei gehört Torso nur teilweise dem mittlerweile verblasstem Genre an. Letztlich ist es eher ein Slasher nach amerikanischer Machart. Der Einfluss ist klar erkennbar. Der maskierte Killer, der oft aus der Egoperspektive agiert und eine schlimme Vergangenheit inne hat, die ihn veranlasst "sündige" Teenager zu meucheln. Die Kids trinken, kiffen und vertreiben sich ihre Freizeit am liebsten mit vorehelichem Sex. Unsere Hauptdarstellerin ist natürlich rein und schuldlos und kann es deshalb mit dem Killer aufnehmen. Trotzdem geschah das alles vor bekannten US-Franchises wie Halloween oder Friday The 13th.

Torso ist vor allem zu Beginn erstaunlich gruselig und offenbart einige richtig schaurige Momenten und Szenen. Schon die Eingangssequenz ist düster und überzeugt fraglos. Das Stalken und Jagen des maskierten Mörders hat zumindest bei mir ziemlichen Nervenkitzel erzeugt. Vor allem die Mordszene im Moorwald ist brillant fotografiert und inszeniert. Wirklich großartig! Nicht ganz so großartig sind die Darsteller des Films, die vor allem auf Grund ihres äußerst attraktiven Aussehens besetzt wurden. Aber wem erzähle ich hier etwas neues? Das ist natürlich ein prägendes Element des südeuropäischen Horrors der 70er und frühen 80er Jahre. Dafür ist die Visualität und auch die Musik des Film hervorragend. Desbezüglich konnte kaum ein US-Horrorregisseur mit den Fulcis, Argentos und in diesem Fall auch Martinos dieser Welt mithalten. Am ehesten würde ich diese Stärken in der Inszenierung noch dem frühen John Carpenter zuschreiben.


Natürlich kann sich auch Martinos Torso nicht ganz der üblichen Schmuddelmentalität des Genre entziehen. Dafür zeigt die Kamera einfach viel zu oft auf nackte Frauenkörper. Aber was solls, das gehört eben zu dieser Art Film dazu. Und sind wir ganz ehrlich, wer fühlt sich schon davon gestört? Beklagen kann man sich dagegen über die ziemlich flachen Figuren des Films. Eine ernsthafte Charaktertiefe wurde gar nicht versucht zu erreichen. Und so muss man hoffen, dass sich zwischen den brillant inszenierten Spannungsmomenten, wenigstens die Kamera offenbart ein paar schöne Bilder einzufangen, damit man von den sinnbefreiten Dialogen abgelenkt wird. Wobei hier angemerkt werden muss, dass sowohl die italienische, als auch die englische Sprachfassung der deutschen deutlich überlegen sind.

Das eigentliche Highlight des Films ist das letzte Drittel, das einen gewaltigen Sprung macht und die Spannung rasant ansteigen lässt. Ich will nicht mehr verraten als nötig, aber stellt euch auf eine sehenswerte und stimmungsvolle Versteckspiel zwischen unserem Finalgirl und dem Killer ein.

Der Ruf des Films ist natürlich skandalöser als der Film selbst. Der Film wurde eigentlich überall verbannt, beschlagnahmt und verboten, aber aus heutiger Sicht gehört der Streifen eher zur harmlosen Sorte. Für Gore- und Splatterfans gibt es weitaus weniger zu sehen, als für Freunde gepflegter Soft-Erotik. Legendenbildend hierzulande dürfte natürlich auch der Titel Die Säge des Teufels gewesen sein. Diese spielt aber eigentlich gar keine große Rolle. Gorehounds dürften von Torso also eher enttäuscht sein. Die wenigen Kills On Screen sind mit schlechten Puppen gemacht und die aufgefunden Leichen atmen noch so frisch wie nach der Geburt.

Man muss definitiv ein Faible für diese Sorte Film haben, um Torso etwas abgewinnen zu können. Für mich ist Torso eine kleine Perle, die unter den großen Namen des Giallo immer etwas untergegangen zu sein scheint. Dabei liefert der Film wirklich gute Unterhaltung mit leichtem Schmuddel-Flair, Soft-Porno Elementen und wenig Tiefgang, aber dafür mit einigen großartig inszenierten und stimmungsvollen Horrormomenten, die so nur die 70er Jahre liefern konnten.

OT: I corpi presentano tracce di violenza carnale ET: Torso DT: Die Säge des Teufels VÖ: 1973 Laufzeit: 89 Minuten FSK: - R: Sergio Martino D: Suzy Kendall, Tina Aumont, Luc Merenda, John Richardson
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Christian

Bildquelle: Shameless UK

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