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Vicky Cristina Barcelona (2008)



Die Filmkomödie Vicky Christina Barcelona von Regisseur Woody Allen handelt von zwei Amerikanerinnen, die ihren Sommer in Barcelona verbringen wollen. Vicky, eine bodenständige junge Frau, die genau weiß, was sie im Leben will, schreibt ihre Abschlussarbeit über katalanische Identität und lädt ihre langjährige beste Freundin Christina dazu ein, mit ihr nach Barcelona zu reisen.

Christina ist im Vergleich zu Vicky temperamentvoll, impulsiv und passionniert. Sie selbst hat seit einem selbst gedrehten Kurzfilm keine Beschäftigung und ist ständig auf der Suche nach einem nicht zu erfüllbarem Ideal – sowohl privat als auch beruflich.

Als die Beiden in Barcelona ankommen, werden sie von Vickys Freundin Judy, bei der sie in ihrer Zeit in Barcelona unterkommen, empfangen. Eines Abends nimmt Judy sie mit auf eine Vernissage des verführerischen Malers Antonio, der den Beiden durch seine mysteriöse Ausstrahlung auffällt.

Auch Antonio wird auf die Frauen aufmerksam und lädt sie dazu ein, erst einen flotten Dreier und dann ein Wochenende zu Dritt in der spanischen Stadt Oviedo zu verbringen, was bei Vicky auf absolutes Unverständnis, bei Christina jedoch auf Interesse stößt. Schließlich überredet Christina Vicky dazu, Antonio eine Chance zu geben und die beiden verbringen das Wochenende mit ihm. Im Folgenden entwickelt sich eine komplizierte Dreiecksgeschichte, die an sich auch sehr gut funktioniert, bis Antonios psychisch labile Frau Maria zurückkommt und die bisher gut verlaufene Ménage-à-Trois völlig auf den Kopf stellt.


Dank Vicky Christina Barcelona und Midnight in Paris habe ich meine Liebe zu Woody Allen entdeckt. Wie bereits in Midnight in Paris, legt Woody Allen hier besonders viel Wert auf die Landschaftsaufnahmen. Diese sind ihm auch außergewöhnlich gut gelungen. Man hat sofort den Drang in den Flieger zu steigen und ein Wochenende in Barcelona zu verbringen. Vicky Christina Barcelona ist ein typischer Woody Allen Film mit sehr vielen Dialogen und viel, viel Reflexion. Inhaltlich bietet der Film nichts Neues, es geht primär vor allem um Liebes- und Lebensphilosophien: Keine Liebe hält für immer; Frauen reflektieren völlig irrational und normal ist schonmal direkt niemand.

Allen geht jedoch noch einen Schritt weiter. In seinem Film geht es nicht nur um die Geschichte einer locker flockigen Dreierliebelei, es geht vielmehr darum, den gesellschaftlichen Konventionen zu entsagen und sich nicht sein ganzes Leben lang in der Sicherheit von materiellem Besitz und Vernunft zu wägen. Es geht um Passion, Leidenschaft, Widerstand von konservativen Lebenseinstellungen und Toleranz für das Fremde und Unbekannte. Diese Diskrepanz zwischen Vernunft und Passion zeigt sich in der Gegensätzlichkeit zwischen Vicky und Christina. Vor Allem Vicky entwickelt sich im Laufe des Filmes und beginnt an ihrem – für sie bisher perfektem – Leben zu zweifeln. Besonders die Dialoge zwischen Antonio und seiner Frau Maria sind köstlich. Zwischen alles verzehrender Liebe und zerreißendem Selbsthass suchen die beiden ihren Standpunkt in ihrer Beziehung.

Die Schauspielleistung von Penelopé Cruz als Maria ist absolut brilliant. Der komplexen Rolle als emotionale, völlig verstörte und eifersüchtige Ehefrau ist sie absolut gerecht geworden. Nicht umsonst hat sie für ihre Darstellung der Maria einen Oscar gewonnen. Scarlett Johansson ist wie immer auch in Vicky Christina Barcelona eine absolute Augenweide, schafft es aber leider nicht ganz, ihrer Figur die nötige Tiefe zu verleihen.


Allen spielt hier ganz überzogen mit altbekannten Klischees und schafft es trotzdem den Film sehr authentisch zu inszenieren. Diese Lebensnähe gekoppelt mit den wunderschönen Landschaftsaufnahmen und des lebensbejahenden Soundtracks schaffen eine Atmosphäre, wie sie nur Woody Allen schaffen kann.

Vicky Christina Barcelona ist sicherlich nicht sein bester Film, aufgrund von den etwas überspitzten Klischees und dem etwas schleppenden Verlauf der Story. Auch an Allens vorherigen Filme wie Midnight in Paris oder Match Point kommt Vicky Christina Barcelona bei Weitem nicht heran. Dennoch sollte er auf der To-Watch Liste eines jeden Allen-Fans stehen.

OT: Vicky Cristina Barcelona VÖ: 2008 Laufzeit: 96 Minuten FSK: 6 R: Woody Allen D: Javier Bardem, Penelope Cruz, Scarlett Johansson, Rebecca Hall
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Annick

Bildquelle: Concorde Filmverleih

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