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Bereavement (2010)



Vor vielen Jahren wurde ein Junge von einem psychisch kranken Mann entführt und in einem ehemaligen Schlachthof gefangen gehalten. Der Mann killt leidenschaftlich gerne junge Frauen und nutzt den Jungen als Komplizen. Jahrelang geschehen Gräueltaten, völlig im Verborgenen. Niemand bekam etwas mit. Jahre später zieht die junge Alison zu ihrem Onkel auf's Land und kommt dem Verbrechen langsam, aber sicher, auf die Spur, mit fatalen Folgen.

Bereavement ist ein kleiner, spannender Horrorthriller, der leider weit unter dem üblichen Horrorfilmradar lief und so verwundert es nicht, dass kaum jemand den Film kennt, obwohl er erst fünf Jahre alt ist. Ich habe den Film dagegen schon häufiger gesehen. Grund dafür ist vor allem die dichte und spannende Atmosphäre des Films und seine gelungene Besetzung. Eventuell stehe ich mit meinem Lob auch allein da, ansonsten wäre es verwunderlich, warum der Film erst drei Jahre nach dem letzten Take veröffentlicht wurde. Wie dem auch sei, kein Genre spaltet die Geschmäcker so wie der Horrorfilm. Jeder hat seine eigenen Ängste und Gruselvorlieben. Viele stehen auf Geister, ich zum Beispiel gar nicht. Ganz einfach.


Zurück zu Bereavement. Der Film funktioniert völlig eigenständig, ist aber eigentlich ein Prequel zu Malevolence, ebenfalls von Regisseur Stevan Mena gedreht. Es geht um einen gestörten Typen, der einen jungen als Komplizen entführt hat und nun sämtliche junge Damen im ländlichen Umkreis bis zum bitteren Ende foltern will. So lässt sich der Film, auch auf Grund seines eher gemütlichen Aufbaus, schwer kategorisieren. Irgendwas zwischen Slasher, Torture und Thriller dürfte es dann sein. Seine stärken zieht Bereavement dabei vordergründig aus der tollen Kameraführung von Marco Cappetta, der für stimmige und extrem atmosphärische Bilder sorgt. Die visuelle Qualität hebt die 08/15 Story dadurch vom Durchschnitt ab.

Selbst für einen Horrorfilm ist Bereavement ziemlich pessimistisch und geht ziemlich an die Nieren. Auch die Thematik mit dem kleinen Jungen als Komplizen geht auf den Magen. So ist es kein Wunder, dass der Film nicht mal in seiner SPIO/JK-Fassung in Deutschland ungeschnitten ist und sogar auf dem Index brach liegt. Die düsteren Bilder verdeutlichen das Gewicht der Thematik nur noch mehr. Ein Lichtblick sind da schon fast die Darsteller. Die damals noch ziemlich junge Alexandra Daddario, die mittlerweile ein aufstrebender Jungstar geworden ist, dank Auftritten in Texas Chainsaw 3D, San Andreas, Percy Jackson und True Detective, liefert hier eine vorzügliche Leistung ab. Grade für Genrefilme passt Daddario mit ihren strahlenden Augen wie die Faust auf's Auge. Dass die Darstellerin, wie Jahre später in TCM 3D, in der zweiten Filmhälfte nur noch spärlich bekleidet durch's Bild läuft dürfte auch nur den wenigsten Horrorfans nicht gefallen. Ich hoffe Daddario musste beim Dreh nicht zu sehr frieren.


Ebenfalls mit an Bord ist Kultdarsteller Michael Biehn, der es nach Aliens und Kampfrobotern (Terminator) aus der Zukunft mal mit einem etwas menschlicherem Gegner zu tun hat. Aber auch nur etwas menschlicher. Brett Rickaby spielt den bösen Mann und wirkt zunächst fehlbesetzt, entpuppt sich dann aber im Verlauf des Films als echte Überraschung. Die guten Mimen sorgen dafür, dass die Geschichte rund um große Verluste auf menschlicher Seite durchaus Tiefgang bekommt und so nur noch schauriger wirkt. Die Geschichte wirkt dabei ziemlich realistisch und authentisch und wirft auch einige Fragen bezüglich der Erziehung von Kindern auf. Wie viel schauen sich die Kinder vom Verhalten ihrer Eltern ab, wie viel Individualität ist möglich? Bereavement liefert nicht unbedingt Antworten, aber Fragen zum Grübeln.

Frei von Schwächen ist Bereavement trotz allen Lobs nicht. Zum Teil gibt es haarsträubende Logiklöcher. Warum kommt dem Mörder niemand auf die Schliche? Der Handlungsort beschränkt sich auf dünn besiedeltes Land und der Serienkiller fährt in einem ziemlich auffälligen Truck durch die Gegend. Schon seltsam, dass bis dato niemand etwas vom Treiben des Schurken mitbekommen haben soll.

Bereavement ist alles andere als ein Meisterwerk, aber definitiv ein Geheimtipp für Fans von spannenden und gut inszenierten Horrorfilmen. Der Film kommt zwar mit einem klassischen Aufbau daher, der kaum überraschen dürfte, punktet aber mit einigen Details (heute mal keine Spoiler) die Bereavement besonders machen. Kleine Warnung noch mal am Ende, Spaß macht der Film wie erläutert nicht. Der Film ist düster, depressiv und pessimistisch, gar hoffnungslos.

OT: Bereavement VÖ: 2010 Laufzeit: 103 Minuten FSK: - R: Stevan Mena D: Alexandra Daddario, Michael Biehn, John Savage
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Christian

Bildquelle: Universum, High Fliers

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