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Blue Valentine (2010)



Blue Valentine ist ein US-amerikanisches Drama aus dem Jahr 2010. Der Film besteht aus Szenen der tristen, vom Alltag geprägten Gegenwart und immer wiederkehrende Rückblenden in die glücklichere Vergangenheit eines jungen Paares.

Cindy eine junge Medizinstudentin trifft Dean, einen jungen Möbelpacker, der die High School abgebrochen hat, im Altenheim von Cindys Großmutter. Dean verliebt sich sofort in die hübsche Blondine und nach nicht all zu langer Zeit schafft es Dean dank seiner charmanten Art Cindy für sich zu gewinnen. Beide haben eine schwere Kindheit hinter sich und verstehen sich auf Anhieb. Nach einer kurzen Phase der anfänglichen Verliebtheit, muss die junge Liebe schnell die erste große Herausforderung überstehen: Cindy ist von ihrem Exfreund schwanger. Nachdem sie das Kind anfänglich abtreiben wollte, entschied sie sich das Kind mit Deans Hilfe doch zu bekommen. Cindy und Dean heiraten, und die anfängliche Euphorie und Verliebtheit weicht den alltäglichen Problemen, die die Gefühle der beiden auf eine harte Probe stellen.


Was passiert eigentlich nachdem man die große Liebe gefunden hat? Nachdem man das lang ersehnte Happy End hinter sich hat? Was passiert, wenn die Schmetterlinge im Bauch verschwinden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich dieses brillante Drama.
Schon allein der dauernde Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit taucht den Film in eine sehr pessimistische Grundstimmung. Die Gegenwart beschreibt hierbei den Anfang vom Ende; die alltäglichen Probleme, die das Paar mehr und mehr belasten. Die Vergangenheit zeigt das Kennenlernen und die aufregende Anfangszeit der Beziehung von Cindy und Dean. Der sonst wirklich verwöhnte Zuschauer, der in sonstigen Liebesfilmen von rosa Rüsch und Plüsch überschüttet wird, muss sich hier mit der harten Realität auseinandersetzen.

Da wo die meisten Liebesfilme enden, fängt Blue Valentine erst an: Nach kurzem Anschneiden des Kennenlernens, wird der Zuschauer direkt zu Anfang mit den Problemen zwischen Cindy und Dean konfrontiert. Endlich mal ein Film, der sich von der rosaroten Darstellung der Liebe distanziert und sie so zeigt wie sie manchmal eben ist: wunderschön und zeitgleich destruktiv.


Beim Schauen dieses Films schmerzt es einfach nur mitansehen zu müssen, wie vor allem Dean um die Liebe kämpft und einfach nicht akzeptieren kann, dass nichts mehr so ist wie es mal war. Mitansehen zu müssen, wie Gefühle erlöschen und eine Beziehung stirbt, einfach so aus dem Nichts heraus, lässt einen an der Liebe zweifeln. Es drängt sich die Frage auf, wie so etwas passiert: Zwei Menschen, die sich einst so nah waren, distanzieren sich emotional so sehr, dass sie sich, speziell in Blue Valentine, anfangen sich gegenseitig anzuekeln. Bemerkenswert ist hierbei vor allem die Szene im Zukunftszimmer des Hotels, in dem beide einsehen, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

Besonders der unerbittliche Kampf von Dean hat mir das Herz gebrochen. Er hat in Cindy seine absolute Traumfrau gefunden, hat ein Kind großgezogen, das nicht seines ist und hat einige seiner Prioritäten über Bord geworfen um jetzt vor dem großen Haufen einer gescheiterten Liebe zu stehen. Er kann es nicht akzeptieren, dass die damalige rosige Liebe einfach verschwunden ist.

Die schauspielerische Leistung von Michelle Williams und Ryan Gosling ist superb. Beide haben sich unglaublich gut in die Rolle eingespielt und die hoffnungslose Situation des Paares sehr gut verkörpert.
Besonders Ryan Gosling, diesmal mit schütterem Haar und Hornbrille, hat seiner Figur wirkliche Tiefe verliehen, was mich besonders positiv überrascht hat.


Beide Schauspieler haben sich intensiv auf den Film vorbereitet. Regisseur Derek Cianfrance wollte sogar, dass Gosling und Williams zusammen mit der Darstellerin des Kindes in ein Haus ziehen, um sich so besser auf die Rollen vorzubereiten. Diese intensive Auseinandersetzung der Schauspieler mit den zu übermittelnden Gefühlen von Cindy und Dean macht sich im Film bezahlt.

Blue Valentine ist kein einfacher Film. Vor allem ist er kein Film, den man sich mal eben so zur Zerstreuung ansieht. Er ist brutal, emotional und absolut real. Er brilliert dadurch, dass er so menschlich ist und so authentisch. Das Schicksal von Cindy und Dean ist kein Einzelfall. So sieht Liebe nämlich in der Realität aus: Sie kommt und manchmal geht sie wieder.

OT: Blue Valentine VÖ: 2010 Laufzeit: 112 Minuten FSK: 12 R: Derek Cianfrance D: Ryan Gosling, Michelle Williams
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Annick

Bildquelle: Senator Home Entertainment, Universum

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