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Summer Of Slasher: Halloween II (1981)



Die Nacht des Grauen ist noch nicht vorbei. Zwar konnte Dr. Loomis auf den maskierten Serienkiller Michael Myers schießen, doch dieser konnte in die Dunkelheit fliehen. Schwer verletzt wird die überlebende Laurie ins nahe Krankenhaus gebracht. Doch schon bald sucht auch der blutrünstige Myers das Hospital auf und richtet ein Massaker an.

Nach dem Erfolg des Originals war früh klar, dass eine Fortsetzung in die Kinos musste. Die Produzenten Yablans und Akkad hätten gerne wieder John Carpenter auf dem Regiestuhl gesehen, doch dieser erklärte sich nur dazu bereit das Drehbuch mitzuschreiben. Wenn ich mich nicht irre, distanziert sich Carpenter noch bis heute von der Fortsetzung und allen weiteren Sequels die noch kommen sollten. Andere behaupten, Carpenter hätte wesentlich mehr Einfluss auf den Film gehabt als angenommen, insbesondere was den Nachdreh von einigen Gewaltszenen angeht. So nahm das bis dato unbeschriebene Blatt Rick Rosenthal das Zepter in die Hand, mit mäßigen Erfolg wie sich herausstellen sollte.


Während Carpenter drei Jahre zuvor die Genre-Blaupause drehte, wirkt Rosenthals Fortsetzung bereits wie ein Abklatsch seines Vorgängers. Ohne Frage, Halloween II ist aus meiner Sicht noch immer ein spannender Slasher, der im Vergleich zum Original, die Gewaltschraube ordentlich nach oben dreht und mit dem großen Krankenhaus ein mehr als amtliches Setting abliefert. Aber bereits bei der Charakterentwicklung zeigt sich der Unterschied zwischen den Regisseuren. Rosenthal gibt seinen Figuren nämlich kein Raum und keine Zeit etwas zu erzählen. Stattdessen geht er direkt auf's Gaspedal. Was mir jedoch gefällt ist, dass der Film wirklich eine nahtlose Fortsetzung ist. Man kann also die ersten beiden Halloween-Filme perfekt als Double-Feature gucken.

Zum Glück gelingt es Halloween II auch noch genügend Atmosphäre zu erzeugen. Das Setting und auch wie die Kamera jenes einfängt, ist auf jeden Fall stimmig. Da sich jedoch der Bodycount deutlich erhöht hat, sterben viele Personen, die uns überhaupt nicht nahe gehen, da wir sie erst wenige Minuten oder teilweise sogar Sekunden kennen. Das ist wirklich schade und ließ damals schon einen Blick in die Zukunft zu. Denn irgendwann, vielleicht auch schon in diesem Fall, wollten Slasherfilme ihr Publikum nicht mehr erschrecken, sondern durch ihren übertriebenen Gore und Splatter unterhalten. Das man so jedoch nie die Großtaten eines Halloween, The Exorcist, Texas Chainsaw Massacre oder gar Psycho erreichen kann, haben die Filmemacher bis heute nicht gelernt.


Um Halloween II letztlich als gelungene Fortsetzung zu bezeichnen, hätte uns Rosenthal samt Crew einfach mehr Fantasie und Einfallsreichtum beweisen müssen. Der Film wirkt nie erfrischend oder originell. Stattdessen passt er sich ziemlich den Rip-Offs und Splatterorgien der Jahre zwischen Halloween und Halloween II an. Ein Film wie eine Formel, ein Film nach Schema F. Neben der jedoch vorhandenen Spannung und Atmosphäre kann der Film immerhin mit seinem weiterhin vorhandenen guten Darstellern punkten. Curtis und Pleasence werden zwar nicht wie in Teil I gefordert, machen ihre Angelegenheit dennoch sehenswert, was man von den zahlreichen Nebendarstellern nicht unbedingt behaupten kann. Der Film funktioniert eigenständig betrachtet tatsächlich besser als ein Sequel. Die groben Logiklöcher lassen sich jedoch auch unter anderer Sichtweise nicht verleugnen, schon gar nicht wenn der Film uns am Ende erklären will, warum Myers Laurie eigentlich unbedingt meucheln will.

Rick Rosenthals Halloween II ist ein durchaus sehenswerter Slasher, der jedoch nie die Klasse des Originals von John Carpenter erreichen kann. Zugegeben ein schweres Erbe, aber mit dem Setting, den Darstellern und dem nach wie vor starken Soundtrack, hätte man durchaus mehr machen können. Vergleicht man mit Halloween II jedoch mit den vielen Sequels jener Zeit, z.B. für die Nightmare- und Friday-Reihen, gehört der Film noch immer zu den besseren Slashern, da er sich noch als Zwischenphase zwischen atmosphärischem Horror der 70er und den Splatterorgien der 80er definieren und propagieren lässt. Auch wenn Rosenthal uns inhaltlich schon kaum etwas erzählen will, unterhaltsam ist Halloween II alle Mal.

OT: Halloween II DT: Halloween - Das Grauen kehrt zurück VÖ: 1981 Laufzeit: 92 Minuten FSK: - R: Rick Rosenthal D: Donald Pleasence, Jamie Lee Curtis
Trailerlink

Christian

Bildquelle: Universal, Filmkonfekt

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