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Summer Of Slasher: Mother's Day (1980)



Reden wir über den Horrorfilm der 80er Jahre, reden wir auch vom berühmt berüchtigten Independent Label Troma. Hunderte von kultigen, großartigen, vor allem aber trashigen Streifen gehen auf das Konto Tromas. Getreu dem Motto aus wenig Budget, den größtmöglichen Erfolg erlangen, wandelte Troma auch desöfteren auf Slasher-Pfaden. Das Niveau der großen Hits wie Nuke'em High oder dem Toxic Avenger erreichte man zwar selten, aber ein Kultfilm wie Mother's Day gehört sicherlich noch grade so zu den besseren Streifen des Kultlabels.

Der früh in den 80ern entstandene Mother's Day bewegt sich zwischen Backwoods-Slasher und finsteren Streifen wie I Spit On Your Grave oder The Last House On The Left. Gemixt mit einer Prise Humor, die man sich bei Troma nie gespart hat, ist das Ergebnis für einige sicher sehenswert, jedoch nur für genreaffine Fans. In meiner Jugend wurde der Film noch wild auf kopierter VHS umher gereicht. Ich hatte damals gewisse Erfurcht vor dem Film, da ich schon so einiges gelesen hatte. So schlimm war der Film dann zwar nicht, aber an der Grenze zur Geschmacklosigkeit blieb er an vielen Stellen hängen.


In Mother's Day machen drei nette Mädchen einen Ausflug in den Wald. Sie lachen, trinken und genießen das Leben. Das Leben genießt auch die Mutter zweier Hillbilly-Söhne, die die Mädchen entführen, schänden und brutal foltern. Mutter liebt diesen Anblick. Tief im Wald hört dich niemand schreien. Die Regeln sind anders. Aber kann jemand dieses Folterfest überleben?

Liest sich erstmal sehr nach Exploitation, ist es auch. Genießen konnte ich den Film früher nie. Zu abartig empfand ich mit meiner noch sehr geringen Filmerfahrung den Kontrast zwischen rohen und ganz schlimmen Gewaltakten und dem offensichtlichen Comedy-Faktor, vor allem in der Ausarbeitung der Antagonisten. Kann und darf man solche Bilder in so einer Tonalität präsentieren? Damals habe ich viel zu viel darüber gegrübelt und wusste noch nicht was Satire ist. Heute weiß ich, dass es selbst den Machern von Troma völlig egal war. Eine gewisse Distanz zu Mother's Day behalte ich mir jedoch bis heute vor. Exploitation hin oder her.

Überraschend hoch ist die Qualität der Darsteller. Rose Ross als Mutter spielt die anderen Charaktere zwar an die Wand, diese können aber trotzdem überzeugen. Die beiden Brüder sind einfach nur crazy und die Mädchen sehr sympathisch. Umso qualvoller ist es ihre Leiden mitansehen zu müssen. Leider erreicht die Audiovisualität zu keiner Sekunden die schauspielerischen Qualitäten. Der Film ist ziemlich ätzend gefilmt und geschnitten. Hier erkennt man offensichtlich, dass Charles Kaufmans Talente an vielen Orten liegen, aber nicht im Regiestuhl. Auch der Soundtrack ist sehr bescheiden und killt ziemlich oft die Atmosphäre des Films.


Mother's Day ist kein wirklich guter Horrorfilm und gehört eher in die Schmuddel oder Nasty-Ecke. Dass man wirklich Spaß mit dem Film hat, kann ich auch nicht behaupten. Aber trotzdem hat Kaufmans Film, wenn mal keine Albernheiten auf dem Programm stehen, eine dreckige und verstörende Atmosphäre zu bieten. Immer wieder lobenswert ist es, wenn Horrorfilme mit den Geschlechterrollen spielen. Hier darf auch mal eine alte Frau das Böse auf Erden sein. Hier dürfen Frauen zu Heldinnen werden. Wo sonst gibt es eine solche Vielfalt und Vielzahl an weiblichen Hauptcharakteren wie im Horrorfilm? Das Genre war seiner Zeit schon immer voraus.

Mother's Day ist ein absurder und ziemlich harter Backwoods-Rape & Revenge-Slasher mit Anschlag auf Exploitation. Für im Genre unerfahrene Filmliebhaber dürfte der Muttertag vor allem inhaltlich nicht geeignet sein. Wer sich im Rape & Revenge Bereich und insbesondere im Exploitation-Genre auskennt, sollte Mother's Day aber mindestens mal angesehen haben. Warum weiß ich aber nicht. Der berühmte, leider verstorbene, Filmkritiker Roger Ebert äußerte sich zur Zeit des Releases schockiert: "The question of why anyone of any age would possibly want to see this movie remains without an answer." Und jenen Vorwurf muss sich Mother's Day definitiv gefallen lassen. Als Satire auf den American Way Of Life funktioniert der Film nur bedingt und bei dem Werk von Unterhaltung zu sprechen, wäre extrem fragwürdig. Was bleibt dann noch über?

OT: Mother's Day DT: Muttertag VÖ: 1980 Laufzeit: 90 Minuten FSK: - R: Charles Kaufman D: Nancy Hendrickson, Deborah Luce, Tiana Pierce, Rose Ross
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Christian

Bildquelle: 88 Films, Troma

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