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The Babadook (2014)



Der australische Horrorfilm Der Babadook aus dem Jahr 2014, handelt von Amelia und ihrem 6 jährigen Sohn Samuel, die zusammen in einer schönen Reihenhaussiedlung leben. Am Tag von Samuels Geburt verlor Amelia ihren Mann und wurde somit zur Witwe. Seit diesem Tag herrscht Trauer und Depression in Amelias Alltag. Zu ihrem Sohn Samuel, der anfänglich ein Aufmerksamkeit suchendes Kind zu sein scheint, hält sie eher Distanz. Samuel findet ein altes Buch, dessen Hauptcharakter namens Babadook sich in Leben der Menschen schleicht und dort sein Unwesen treibt. Was für Amelia anfänglich eine normale, zwar für Kinder unfreundliche Gute-Nacht Geschichte zu sein schien, entpuppt sich im Folgenden als ihr schlimmster Albtraum.

Eins vorweg: Babadook war einer der skurrilsten Filme, die ich bisher gesehen hab, und das nicht im negativen Sinne. Er ist einer der wenigen Horrorfilme, die mir danach noch lange im Gedächtnis geblieben sind. Ich muss auch ehrlich sagen, ich finde er passt nicht ganz in das Horrorgenre. Dafür habe ich mich zu wenig gegruselt.

Jeder der den Film aufmerksam schaut, und nicht vor den ersten zähen Minuten zurückschreckt, erkennt, dass es sich bei Babadook nicht etwa um ein Monster, sondern vielmehr um eine Persönlichkeitsstörung von Amelia handelt.
Amelia hat es in ihrem Leben nicht leicht. An dem Tag, an dem ihr Kind auf die Welt kommen sollte, verliert sie ihren geliebten Mann und muss Samuel alleine aufziehen. Dazu kommt, dass sie in einem Altenheim arbeitet und einen Job machen muss, der sie nicht erfüllt.

Der Alltag von Amelia ist geprägt von Monotonie und Trauer. Das Ganze wird dadurch verstärkt, dass Samuel am Anfang des Film wirklich extrem anstrengend ist. Er hat keine Manieren, er ist gewalttätig und hört absolut nicht auf seine Mutter. Durch diese Überanstrengung von Amelia, kam der Babadook, beziehungsweise die dunkle Seite Amelias, erstmals zum Vorschein.
Durch die dunkle und blasse Inszenierung, herrscht während des kompletten Films eine sehr düstere und beklemmende Stimmung. Direkt zu Anfang wird man in den tristen und monotonen Alltag von Amelia eingeführt, der den Weg für ihren psychischen Verfall ebnet.


Sie verändert sich während des Films, wird immer aggressiver Samuel gegenüber und verliert irgendwann vollkommen den Bezug zur Realität. Auch Samuel verändert sich zusehends. Während des Films merkt man auch, wie sich Samuel mehr und mehr beruhigt und sich herausstellt, dass er sich mit seiner leicht hyperaktiven Art einfach nur schützen wollte. Er ist ein verzweifeltes Kind, das seiner psychisch labilen Mutter einerseits helfen und sie andererseits davon abbringen muss, ihrer dunklen Seite nachzugehen. Auch der Zuschauer beginnt, mehr und mehr Verständnis für Samuel aufzubringen.

Die Meinungen über Babadook sind sehr gespalten. Leute, die erstklassigen Horror mit Splatterelementen und Jump-Scares erwarten, sind hier an der falschen Adresse. Wie ich bereits erwähnt habe finde ich, dass man Babadook nicht unbedingt zu dem Horrorgenre zählen kann. Es ist vielmehr ein psychologisches Drama mit Horrorelementen. Was jedoch keinesfalls heißen muss, dass keine gruselige Atmosphäre entsteht. Regisseurin Jennifer Kent spielt hier mit der Urangst des Menschen und verzichtet auf CGI-Elemente. Knarzende Böden, vermeintliche Monster im Schrank und unter dem Bett, Kratzen an der Tür. Mit solchen einfachen Stilmitteln bedient sich Kent, um den Zuschauern einen kalten Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Und genau diese Atmosphäre ist meiner Meinung nach das Hauptaugenmerk des Films. Kent lässt den Zuschauer jede Phase von Amelias Psychose mitfühlen und miterleben, was den Film noch intensiver macht. Neben den verschiedenen Phasen von Psychosen spricht der Film auch die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft an: Kann man Job und Erziehung eines jungen Kindes gleichzeitig und alleine schaffen, ohne irgendwann einzuknicken?

Die Schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten ist einfach nur großartig, das fällt nach kurzer Zeit des Anschauens direkt auf. Die Schauspielerin Essie Davis konnte den Zwiespalt zwischen Liebe und Hass perfekt umsetzen. Auch Noah Wiseman, der vorher noch nie geschauspielert hat, hat hier eine spitzen Leistung abgegeben.


Wer die ersten 30 Minuten des Films übersteht, und sich nicht von dem wirklich sehr anstrengenden Samuel abschrecken lässt, den erwartet bei Der Babadook ein kleines Meisterwerk des subtilen Horrors, bei dem man sich durch die dunkle Atmosphäre stets in Alarmbereitschaft befindet. Man erlebt und fühlt mit, wie sich Amelia zwischen der Liebe und dem Hass zu sich und zu ihrem Kind entscheiden muss.

Das Einzige, was mir auch nach zweimaligem Anschauen noch nicht ganz schlüssig ist, ist das Ende. Da hätte man meiner Meinung nach Vieles besser machen können. Außerdem ist der Anfang des Films sehr träge, es dauert mindestens 30 Minuten, bis es zu ersten Spannungsmomenten kommt.

Schlussendlich ist Der Babadook ein gelungenes Psychodrama mit einigen Horrorelementen, das auf dem Prinzip „Weniger ist mehr“ aufbaut. Der eigentliche Horror findet sich hier weder in Jump-Scares, noch in irgendwelchen CGI-Elementen sondern viel mehr in der Tatsache, dass eine Mutter ihr eigenes Kind nicht lieben kann. Für ihr Regiedebüt hat Jennifer Kent wirklich eine stabile Leistung abgegeben, der jedem Zuschauer Freiraum für Interpretationen bietet und wirklich unter die Haut geht.

OT: The Babadook DT: Der Babadook VÖ: 2014 Laufzeit: 93 Minuten FSK: 16 R: Jennifer Kent D: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Tim Purcell
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Annick

Bildquelle: Capelight

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