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These Final Hours (2013)



In den letzten Jahren erfreute sich der Post-Apokalypse-Film großer Beliebheit. Die kleine australische Produktion These Final Hours dreht den Spieß endlich mal wieder um und zeigt uns die letzten Stunden vor dem vermeintlichen Ende der Menschheit. Kein großes Trara der Marke 2012 oder Independence Day, sondern zwischenmenschliche Beziehungen der Marke The Last Of Us oder The Road, nur eben vor dem Ende des Lebens, wie wir es kennen.

These Final Hours bleibt trotz der relativ niedrigen Produktionskosten über seine kurze Lauflänge stilsicher. Die Optik ist sehr ansprechend und die Landschaften Australiens werden hervorragend eingefangen und fördern die Stimmung der Handlung. Das alles soll es in wenigen Stunden nicht mehr geben? Bedauernswert. Formell tobt sich der Film oberflächlich auf bekannten Wegen aus. Ein Darstellerpaar, das unterschiedlicher nicht sein könnte, die Erde vor dem Ende, die Menschen rasten aus. Aber zwischen den Zeilen ist These Final Hours ein bemerkenswert guter Film.


Wir lernen James kennen, der uns zunächst sehr unsympathisch ist. Er trinkt, nimmt Drogen, hält sich viele Frauen warm und zeigt null Interesse an den Gefühlen seiner Mitmenschen. Doch dann lernt er das kleine Mädchen Rose kennen, das in ihm (nicht sofort) Beschützerinstinkte, Gefühle und Wärme erzeugt. Dabei wandelt sich James nicht sofort mit der Holzschlaghammermethode. Es bedarf schon etwas Zeit um einen Wandel in James Innenleben auszumachen. Schließlich, wenn ihm die Suche nach Rose' Vater wichtiger wird, als die Party zum Ende der Menscheit, dann erobert die Figur unser Herz.

Trotz aller Weltuntergangsszenerie ist These Final Hours soweit wie möglich von einem Emmerich-Blockbuster entfernt. Stattdessen schrieb Regisseur Zak Hilditch ein authentisches Melodrama, ganz im Stil vom bitterbösen The Road oder von Triers Melancholia, nur ohne dessen Extravaganz. Da ist der australische Film schon deutlich gradliniger. Ich glaube das Material des Streifens hätte bzw. würde sich auch perfekt für eine TV-Serie eignen. Interessant auch, dass der Film den eigentlichen Grund und Ablauf der Naturkatastrophe, einen Asteroiden der einschlägt und eine Feuerwalze nach sich zieht, die Australien als letztes erreichen soll, völlig unwichtig werden lässt. Niemand wird die nicht vorhandenen spektakulären Actionszenen, Explosionen und Zerstörungen vermissen.


Die erzählerische Qualität zeigt sich auch in der gradlinigen Abhandlung der Geschichte. Es gibt keine nennenswerten Füllszenen, die Story wird straight vorangetrieben. Zwischen den Zeilen fragt uns These Final Hours stets, was wir tun würde im Angesicht des zeitnahen Todes? Amok laufen, den größten Spaß des Lebens haben, Suizid begehen, allein mit unseren Liebsten sein. Niemand will sich diesen Moment vorstellen, aber all diese kleinen Randgeschichten wirken ungemeinem realistisch. Da hilft es, dass der Film nicht wirklich mit einem Happy End endet und von Minute zu Minute deprimierender wird.

These Final Hours ist ein sehenswertes, emotionales Pre-Apocalypse-Drama, das mit wenigen Mitteln viel erreicht. Ein kleiner australischer Film, der so viele Big-Budget-Katastrophenfilme tief in die Tasche packt. Hilditchs Film ist ein echter Geheimtipp, der vielleicht nicht jedem so gut gefällt wie mir, aber definitiv ein Film ist, den keiner schlecht finden wird. Vielleicht inhaltlich etwas dünn, aber emotional ganz groß.

OT: These Final Hours VÖ: 2013 Laufzeit: 87 Minuten FSK: 16 R: Zak Hilditch D: Nathan Phillips, Angourie Rice, Daniel Henshall
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Christian

Bildquelle: Studio Canal

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