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Summer Of Slasher: Terror Train (1980)



Der Erfolg des sehr niedrig budgetierten Kultklassikers Halloween erschuf quasi über Nacht ein neues Subgenre des Horrorfilms: Sogenannte "Slasher"-Filme trafen genau den Zeitgeist der späten 70er/ frühen 80er und führten zu einer wahren Flut an - mal weniger und mal mehr sehenswerten - Nachahmungen. Terror Train oder Monster im Nachtexpress stellt erfreulicherweise einen der gelungeneren Vertreter dieser besonderen Horrorfilmgattung dar.

Doch nicht nur Halloween-Regisseur John Carpenter wurde durch die weiß bemalte William Shatner-Maske und den minimalistisch-wirkungsvollen Score berühmt. Auch die junge und bis dato noch völlig unbekannte Jamie Lee Curtis (Tochter von Some Like It Hot-Tony Curtis und Psycho-Duschprinzessin Janet Leigh) avancierte durch den Terror-Hit zum Star und bekam fortan die Rolle der "Scream-Queen" regelmäßig auf den Leib geschneidert. Terror Train drehte sie z. B. Rücken an Rücken mit dem sehr ähnlichen Prom Night - ebenfalls einer der besseren Schlitzerfilme. Doch anders als Prom Night wartet Terror Train mit einem für das Genre recht abwechslungsreichen Setting auf...


Ein paar junge College-Studenten beschließen, ihrem nerdigen Freshman-Kumpel bei einer Verbindungsparty einen Streich zu spielen. Leider misslingt dieser und der geschundene und introviertierte Kenny Hampson landet daraufhin in einer psychiatrischen Klinik. So weit, so klischeehaft. Doch als Jahre später der Abschluss für unsere Scherzbolde ansteht beschließt die partysüchtige Meute kurzerhand, einen alten Zug zu mieten und bei einer feucht-fröhlichen Nachtfahrt den Übergang in den neuen Lebensabschnitt zu begehen. Der geneigte Horrorfreund kann sich bereits an dieser Stelle denken, dass die Reise für viele der Schüler nicht glücklich enden wird: Ein Killer ist an Bord und dieser dezimiert die Teens unaufhörlich, bis es schließlich zum nervenzerfetzenden Showdown kommt...

Anders als viele andere Filme seiner Art geht Terror Train von Anfang an sehr offen mit der Frage nach dem "Whodunnit" um. Die Tatsache, dass Kenny durch den Streich seiner Mitkommilitonen schwer geschädigt wurde wird ausgiebig erläutert und es steht von Anfang an fest, wer der Mörder ist. Dennoch hat man es geschafft, einen netten kleinen Twist einzubauen, der zwar nicht wirklich umhaut, den Zuschauer aber dennoch etwas auf die falsche Fährte zu führen versucht. Abgesehen davon tut die fehlende Überraschung der sehr guten Atmospähre des Filmes keinen Abbruch. Das Zug-Setting ist erfreulich unverbraucht und die Enge der Abteile erzeugt eine fast schon klaustrophobische Stimmung. Jamie Lee Curtis übernimmt wenig verwunderlich die weibliche Hauptrolle der noch halbwegs vernünftigen Studentin Alana, die die Schuldgefühle gegenüber Kenny noch immer nicht verwunden hat. Das auch Stereotypen wie der Quoten-Macho und der liebenswerte Spaßmacher nicht fehlen dürfen versteht sich von selbst, an dieser Stelle dürfen also keine Innovationen erwartet werden.


Definitiv erwähnenswert ist hingegen, dass Magier David Copperfield die einzige Hauptrolle seiner Karriere spielen durfte. Auf dem Zenit seines Schaffens darf er einige Tricks zeigen, welche (zumindest nach seiner Aussage) 1:1 so vor der Kamera stattfanden, wie sie die Zuschauer später vor dem Bildschirm bewundern durften. In punkto Charisma steht Copperfield Curtis in Nichts nach, was den Film tatsächlich enorm bereichert. Klar, man wollte ihn quasi mit der Brechstange im Film unterbringen, um von seinem Erfolg zu profitieren und Interesse zu generieren. Copperfield macht aber das Beste aus seiner Rolle und seine Szenen gehören zu den unbestrittenen Highlights. Negativ auffällig ist jedoch das nahezu vollständige Fehlen von Gore. Die meisten Kills finden Off-Screen statt und nur die Auswirkungen dürfen vereinzelt bewundert werden. Die Gewaltschraube wird zum Ende hin nochmal etwas angezogen, wirklich blutrünstig ist der Film jedoch nicht. Hinfällig zu erwähnen, dass dennoch bis heute keine ungeschnittene deutsche Version im kommerziellen Handel erhältlich ist. Lediglich kleinere Label haben den Film in seiner Ursprungsfassung veröffentlicht. Hier wäre defintiv eine Neuprüfung angebracht.

Terror Train bietet das bewährte "10-kleine-..."- Prinzip, präsentiert dieses jedoch in einer ungewohnten Umgebung. Die stimmige Atmosphäre und die Präsenz von Curtis und Copperfield entlohnen für den zähen, blutarmen Anfang. Keine unbedingte Perle des Genres aber für Fans absolut sehenswert und in meinen persönlichen TOP 20-Slashern. Die BD/DVD-Kombi von Scream Factory ist uneingeschränkt zu empfehlen, da es sich um einen US-Import handelt ist jedoch ein codefreier Player erforderlich.

OT: Terror Train DT: Monster im Nachtexpress VÖ: 1980 Laufzeit: 97 Minuten FSK: - R: Roger Spottiswoode D: Jamie Lee Curtis, Ben Johnson, Hart Bochner, David Copperfield
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Dominik

Bildquelle: Scream Factory

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