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Camp X-Ray (2014)



In Deutschland wird das Drama Camp X-Ray als Liebesfilm vermarktet. Ein absoluter Irrtum. Camp X-Ray ist ein eindrucksvoller Film über Empathie, Menschlichkeit und Humanität. Auch auf Grund seines kritischen und tiefgründigen Themas und den Umgang mit diesem, ist der Film leider völlig zu Unrecht unter dem Radar geflogen. Wer aber mal wieder ein aufrüttelndes und dennoch komplett ruhiges Drama sehen möchte und mit kleinen Schwächen leben kann, kommt an Camp X-Ray nicht vorbei.

Amy Cole ist neu bei der Armee. Um ihrer bekannten Kleinstadtödnis zu entkommen, erhofft sie sich einen Einsatz im Irak, landet letztlich aber zum Dienst im berühmt berüchtigten Strafgefangenenlager Guantanamo Bay. Dort erwartet sie die übliche Schwarz/Weiß-Malerei. Wir sind die guten, die anderen sind die schlechten. Die Folgen von 9/11 sind klar spürbar. Doch mit der Zeit durchbricht Amy die erlaubten Grenzen und freundet sich langsam mit einem Häftling an.


Autor und Regisseur Peter Sattler ist es mit Camp X-Ray gelungen ein liberales Antikriegsdrama zu drehen, das nicht verurteilt, aber darstellt. Fernab von jeglichem Patriotismus behandelt er Themen, die in Amerika lange Zeit verschwiegen wurden. Im Zentrum des Films werden Humanität, Liebe und Emanzipation groß geschrieben. Der Film geht unter die Haut. Einen großen Anteil daran hat Hauptdarstellerin Kristen Stewart, die hier ganz groß aufspielt und wiederholt unter Beweis stellt, dass sie und ihr Talent völlig unterbewertet sind. Ethik und Moral werden dabei nie plakativ eingetrichtert, sondern entwickeln sich langsam und behutsam. Auch die Beziehung zwischen Amy und Ali braucht ihre Zeit. Für den ein oder anderen könnte das langweilig sein, für mich war es ergreifend.

Zu politisch wird es in Camp X-Ray dann auch nicht. Eine Abrechnung oder gar offensichtliche Kritik am System bleibt verborgen, sorgt aber auch dafür, dass der Film nicht reißerisch und plakativ wirkt. Sattler schafft hier den Spagat gekonnt. Für jenes Ergebnis arbeitet der Regisseur oft distanziert und dokumentarisch. Leider bleiben die Nebenfiguren blass und die Verbindung zwischen Amy und Ali wirkt dadurch manchmal merkwürdig. Weil Ali belesen ist und aus Deutschland kommt, ist er plötzlich der liebe Terrorist, die weiteren konturlosen Insassen aber nicht. Sie bleiben Abziehbilder des Prototerroristen. Da macht es sich Sattler zu einfach. Die gute Absicht ist jedoch erkennbar.

So kontrovers der Film am Ende auch (nicht) sein mag, letztlich kann man kritisieren, dass er mit den Zuständen in Guantanamo noch recht harmlos umgeht. So setzt sich der Film selbst seine eigenen Grenzen. Schade. Was bleibt ist dennoch ein rührendes und aufrüttelndes Drama, mit tollen Darstellern und einigen großartigen audiovisuellen Momenten. Für mich ein klarer Geheimtipp!

OT: Camp X-Ray VÖ: 2014 Laufzeit: 111 Minuten FSK: 12 R: Peter Sattler D: Kristen Stewart Peyman Moaadi Lane Garrison
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Christian

Bildquelle: Koch Media

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