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Hei tai yang 731 - Men Behind The Sun (1988) #horrorctober



Es gibt Filme über die man sich Mythen und Geschichten erzählt. Filme, die man als Kind nicht sehen darf. Filme, die vielleicht bessern in den Schmuddelecken dieser Welt verstauben sollten. Men Behind The Sun gehört vermutlich zu all diesen Kategorien. Die Pseudodokumentation übt besonders auf Goreheads eine ziemliche Faszination aus, soll aber zeitgleich einen historischen Einblick in die Thematik abgeben. Letztlich ist Men Behind The Sun eigentlich kein Horrorfilm, aber die dargestellten Begebenheiten sind mehr Horror als man in jedem Slasher- oder Splatterfilm zu sehen bekommt.

Men Behind The Sun, ein berüchtigter CAT-III Film aus Hong Kong, betrachtet die Gräueltaten und Experimente der japanischen Armeeeinheit 731, die diese am chinesischen Volk gegen Ende des zweiten Weltkriegs verübt haben. Im Mittelpunkt stehen dabei neue Rekruten, denen nach und nach jedes menschliche Gefühl und jegliche Empathie ausgetrieben wird.

Was der Zuschauer letztlich mit Men Behind The Sun bekommt, ist eine Aneinandereihung von Experimenten an Menschen im Pseudodokumentarstil. Die gezeigten Szenen sind extrem heftig, auch über 30 Jahre später noch. Das Gefangenenlager wird historisch mit einem Konzentrationslager verglichen und wenn man das Gezeigte realisiert, bleibt einem auch keine andere Schlussfolgerung übrig. Obwohl Japan das Filmprojekt zum Release extrem verurteilte und auf Grund mangelnder Faktenlage kritisierte, weiß man heutzutage, dass ein Großteil der Erzählungen und damit auch ein Großteil der gezeigten Experimente, Folterungen und Schandtaten tatsächlich stattgefunden haben.

Das ist auch tatsächlich Stoff für einen Film, aber nicht für einen solchen Spielfilm, sondern für eine echte Dokumentation. Men Behind The Sun kann und will diesen Anspruch nicht erfüllen. Stattdessen ist dieser Film reißerisch, schon ziemlich plump und aus cineastischer Sicht auch noch ziemlich bescheiden inszeniert, auch wenn die explizite Darstellung der Gewalt nach wie vor aufrüttelt und schockt. Der Film also seine Intention zum Teil erfüllt. Mir persönlich fehlt jedoch eine Moral und Gefühlsebene in dem Film. Der Zuschauer kann selbst reflektieren - selbstverständlich, aber eine Position abseits vom üblichen schwarz/weiß-Kontrast was Handlungsmaxime angeht, wäre wünschenswert gewesen, auch beim Regisseur. Dieser verurteilt die Experimente und Brutalitäten an den Menschen, nutzt für deren Projektion allerdings das echte Leid von Tieren aus. Wie unmoralisch ist das bitte? Selbst 1988 sollte es möglich gewesen sein, Tierszenen mit der Trickkiste zu realisieren, besonders im Hollywood Asiens - Hong Kong. Dafür fehlt mir jegliches Verständis.

Leider wirkt der Film an vielen Stellen auch noch ungewollt komisch, was bei einer solchen Thematik kaum deplatzierter sein könnte. Die Darsteller sind zum Großteil Laien und agieren auch genauso. Dazu gesellt sich ab und zu ein Soundtrack, der an alte russiche oder tschechische Märchenadaptionen erinnert. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist den Chinesen zu Recht wichtig, da es welthistorisch bis heute nach wie vor kaum eine Rolle spielt. Auch wenn der Regisseur in der Folge noch thematisch ähnlich gelagerte Projekte führte, bleibt bei mir der Eindruck, dass viele Szenen, insbesondere die Autopsie an einer echten Kinderleiche (!!!), doch nur den Goreliebhaber befriedigen soll. Sind wir ehrlich, jeder wird mir zustimmen, dass ein Film wie Schindler's Liste nachhaltiger und wirkungsvoller ist, als diese Schlachtplatte. Und woran liegt das? In Schindler's Liste baue ich eine Verbindung zu den Charakteren auf. Ich empfinde etwas. Die Schwarz-Weiß-Malerei ist nicht gegeben. In Men Behind The Sun ist sie allgegenwärtig. Eine Differenzierung ein paar ganz weniger Figuren wird zwar angedeutet, aber nie konkretisiert. Aber es lässt sich letztlich vielleicht doch darüber streiten, was einer solchen Thematik gerecht wird. Men Behind The Sun ist jedenfalls nicht so weit weg von Uwe Boll's Auschwitz, wie es zunächst klingt.

Aber genug der Kritik, denn auf der anderen Seite sind viele Schwächen des Films auch gleichzeitig Stärken. Die gezeigten Grausamkeiten und auch der Umgang der beteiligten Personen mit diesen, rütteln definitiv auf. Fordern einen förmlich dazu auf, sich dieser Thematik zu belesen und zu recherchieren. Das sind Ereignisse, die wohl in den wenigsten deutschen Geschichtslehrbüchern stehen dürften. Umso wichtiger ist es, solche Taten nicht zu vergessen und sie lieber aufzuarbeiten, von mir aus auch mit einem Film der Marke Men Behind The Sun. Trotzdem sollte man im Umgang mit diesem Film vorsichtig sein. Ich bin mir zumindest auch nach Betrachtung von Men Behind The Sun nicht sicher, ob der Film beabsichtigt eine Geschichtsaufarbeitung zu sein oder lieber klassisches Exploitationkino darstellen will. Entscheidet selbst...

P.S.: Falls jemand von euch den Film schon mal gesehen habt, teilt mir doch in den Kommentaren mal eure Meinung mit!

OT: Hei tai yang 731 IT: Men Behind The Sun VÖ: 1988 Laufzeit: 105 Minuten FSK: - R: Mou Tun-Fei D: Hsu Gou, Tie Long Jin, Zhaohua Mei, Zhe Quan
Trailerlink

Christian

Bildquelle: 8 Films, Shock Entertainment

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