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Horsehead (2014)



Nach dem Tod ihrer Großmutter, kehrt Jessica in ihr Familienhaus auf's Land zurück. Ein schwieriges Unterfangen für Jessica, da sie sich weder mit ihrer Mutter versteht, noch ihre Albträume aus der Kindheit je abschütteln konnte. Auch nach ihrer Rückkehr hat Jessica in ihren Träumen und Vorstellungen merkwürdige und grausige Erscheinungen, die sie jedoch zu einem dunklen Familiengeheimnis führen werden.

Der französische Horrorfilm Horsehead hat mir mal wieder vor Augen gehalten warum ich dieses oft vom Mainstream und feuilleton unterschätzte Genre so liebe. Obwohl es oft stagniert und wie ein unterentwickeltes Relikt der 70er und 80er wirkt, erlaubt es doch kaum ein anderes Genre so fantasievoll und kreativ zu arbeiten. In den letzten zehn Jahren hat sich dabei der französische Horror mit Werken wie Inside, High Tension oder Martyrs besonders hervorgehoben. Mit Romain Bassets Horsehead kann man getrost einen weiteren Vertreter auf die Stufen des Horrorolymps setzen, wenn auch nicht ganz auf die höchste Ebene.


Was uns Regiedebütant Basset mit Horsehead audiovisuell vorzeigt ist unglaublich verstörend, aber gleichzeitig fantastisch. Das Farbspiel, der Schnitt, die gekonnte Kombination mit dem pulsierenden Soundtrack ist unglaublich. Ich habe mir von Horsehead ein ähnliches Erlebnis gewünscht, wie von Starry Eyes und wurde zu keiner Sekunde enttäuscht. Das ist Horror, das ist Wahnsinn. Jessicas Albtraumsequenzen hätten einem Dario Argento nicht besser gelingen können. Die tolle Kameraarbeit mit ihren intensiven Closeups und großartigen Fahrten scheint nicht zufällig vom Giallo inspiriert zu sein.

Der Film wirft uns in surreale, hypnotische Welten, wie auf einem Trip, verstörend und stark. In den letzten Jahren hatte ich bei Horrorfilmen selten Gänsehaut, aber diese beeindruckenden immer heftigeren Traumsequenzen haben mich regelrecht gefangen genommen. Um sich eine Vorstellung vom Film zu machen sollte man gedanklich Livid, Nightmare On Elm Street, The Cell und Silent Hill kombinieren. Und selbst das wird der audiovisuellen Qualität des Films nicht gerecht. Die Darsteller agieren ebenfalls auf einem meist höheren Niveau. An erster Stelle steht natürlich Lilly-Fleur Pointeaux, die sich in der Hauptrolle ganz klar für höhere Aufgaben empfiehlt. Eine kleine Überraschung ist die gelungene Besetzung von Italohorror-Legende Catriona MacColl (The Beyond, City Of The Living Dead, The House By The Cemetery).


Das Erzähltempo des Films ist mal hektisch und rasant, dann aber wieder für längere Zeit sehr gemächlich, aber nie langweilig. Doch stellt man sich nach zwei Dritteln des Films die Frage: "Worum geht es eigentlich?". Womit wir auch beim Schwachpunkt des Films angekommen wären. Die Story ist in der Tat sehr verkopft, bewegt sich gefühlt sinnlos zwischen Realität, Traumebene und irgendetwas dazwischen. Die Handlung scheint dem Regisseur nicht so wichtig gewesen sein. Zunächst wirkt der Film extrem ambitioniert in seiner Erzählung, nur um sich letztlich als ziemlich simpel zu entpuppen. Es werden viele Fragen aufgeworfen, aber nur selten beantwortet. Auch der teilweise religiöse Symbolismus ist eher plakativ und dient lediglich den optischen Reizen.

Trotzdem: Horsehead ist ein Horrorerlebnis der besonderen Art. Selten traf die Bezeichung "Style over substance" mehr zu als bei dieser französischen Perle. Doch die löchrige Handlung hält den Film nicht davon ab sich in der höchsten Horrorliga aufzuhalten. Dieses Genre lebt nun mal von toll in Szenen gesetzten Bluttaten, nackter Haut, Fantasie und schauriger Atmosphäre. Genau das liefert Horsehead und gehört damit für mich neben Starry Eyes, A Girl Walks Home Alone und It Follows zu den besten Horrorfilmen des Jahres.

OT: Horsehead VÖ: 2014 Laufzeit: 89 Minuten FSK: 16 R: Romain Basset D: Lilly-Fleur Pointeaux, Catriona MacColl, Fu'ad Aït Aattou
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Christian

Bildquelle: Donau Film, Horsehead Pictures, Starfix

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