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Turbo Kid (2015)



Der Fauxploitation-Kracher Turbo Kid spielt in der apokalyptischen Zukunft einer alternativen Zeitlinie. Wir schreiben das Jahr 1997 und die Welt ist am Abgrund. Sämtliche technischen und gesellschaftliche Fortschritte scheinen wie aufgelöst. Verschwunden und dem Erdboden gleich gemacht. In dieser rauen und grausamen Welt muss sich ein kreativer Waisenjunge zurechtfinden. Bis dato ein Einzelgänger, trifft dieser Junge auf ein hübsches, total verspieltes Mädchen, die unserem Helden nicht nur den Kopf verdreht, sondern ihm auch ein großes und gefährliches Abenteuer eröffnet.

Retro ist modern. Besonders die 80er Jahre sind wieder im Kommen. Vor allem 2015 steht in vielen Subgenre im Zeichen der Vergangenheit. Eines der Highlights in diesem Jahr war sicherlich David Sandbergs halbstündiger Kung Fury. Auch auf einen Kurzfilm basierend geht Turbo Kid einen etwas anderen Weg. Hier wurde tatsächlich ein Konzept für einen vollwertigen Spielfilm umgesetzt. Mit Erfolg. Turbo Kid macht Spaß, Turbo Kid ist lebendig, Turbo Kid ist einer der liebevollsten und unterhaltsamsten Filme des ganzen Jahres.


In Turbo Kid steckt ein ungeahntes Maß an Herzblut und Fanservice. Und trotzdem funktioniert der Film über anderthalb Stunden, da er im Gegensatz zu Kung Fury zwar ideenreich und abwechslungsreich, aber nicht ganz so abgedreht ist. Turbo Kid enthält viele Anspielungen auf andere Filme (Mad Max, BMX-Bande und Co.), aber auch ohne großes Nerdhintergrundwissen wird man garantiert bestens unterhalten. Wer die Faszination der 80er Adventure Kids und VHS-Ära nachvollziehen will, kommt an Turbo Kid nicht vorbei. Aber Achtung, trotz seiner jungen Helden und dem Abenteuer-Flair nimmt der Streifen keine Gefangenen und liefert Gore- und Splatterszenen im Minutentakt. Sägeblätter machen sich über menschliche Körper her, Gedärme werden ver- und zerteilt und da werden einem Fiesling schon mal mit dem eigenen Kiefer die Augen ausgestochen.

Die FSK hatte bei ihrer Freigabeentscheidung entweder einen sehr guten Tag oder konnte tatsächlich nachvollziehbar den offensichtlichen Comic-Relief vernünftig einschätzen. Denn die explizite Gewalt ist zwar allgegenwärtig, aber niemals bösartig oder furchterregend. Dafür ist der Kontext einfach zu harmlos. Die Effekte selbst sind übrigens größtenteils in Handarbeit entstanden und lassen nur wenig CGI Momente zu.


Ein wahrer Hochgenuß ist der überragende Soundtrack des Films. Wahnsinn. Die Wahl der Stücke ist mindestens so charmant wie der ergreifende Spirit des Films. Wenn das Turbo Kid mit seiner Apple auf dem BMX durch die Ödnis der Apokalypse auf einem herrlichen Synthie-Klangteppich cruist merkt man auch ganz klar den größten Unterschied zu Kung Fury. Denn im Gegensatz zu diesem, zeigt Turbo Kid Emotionen und packt mich als Zuschauer. Dafür sorgen auch die durchaus brauchbaren und sympathischen Darsteller aus denen vor allem Laurence Leboeuf als Apple herausragt.

Man darf jedoch nicht unerwähnt lassen, dass bei aller Fanliebe zu Turbo Kid, der Film inhaltlich wenig neues erzählt. Die Botschaft ist klar, jeder kann ein Großer sein, man muss nur seinen inneren Superhelden entdecken. Nicht verkehrt, aber erzählerisch ist das halt maximal Durchschnitt. Aber ansonsten kann ich Turbo Kid jedem Filmfan nur an's Herz legen. Er verlässt sich nicht nur auf die Retromania, wirkt frisch und verspielt. Der diesjährige Festivalliebling darf sich berichtigt zu den wunderbaren Filmen des Jahres zählen. Bitte mehr davon!

OT: Turbo Kid VÖ: 2015 Laufzeit: 95 Minuten FSK: 16 R: François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell D: Munro Chambers, Laurence Leboeuf, Michael Ironside
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Christian

Bildquelle: LFG

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