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Wrong Turn - Die komplette Filmreihe



Student Chris hat ein Vorstellungsgespräch und steht im Stau. Die Zeit drängt und er versucht den Stau auf einer unasphaltierten Umgehungsstraße durch die Wälder West-Virginias zu umgehen. Sein Auto knallt gegen einen parkenden Jeep, der eine Panne hat. Chris schließt sich den fünf anderen Personen an um Hilfe anzufordern. Allerdings haben sie nicht mit den degenerierten Hinterwäldlern gerechnet, die ihnen das Leben fort an zur Hölle machen werden...

Was das Texas Chainsaw Massacre oder Deliverance für die alte Generation des Backwoodsslashers waren, ist Wrong Turn für die moderne Variante dieses Subgenre gewesen. Rob Schmidts Ausflug in die finsteren Wälder setzte alle Stereotypen für eine zünftigte Widergeburt. Ein Unfall, Desorientierung und die menschenfressenden Ungeheuer. Nichts neues, aber lange Zeit verschollen. Anders als viele Horrorfilme dieser Zeit hat Wrong Turn bis auf die Anspielung auf Deliverance keinerlei Metaebene, Ironie oder gar Humor. Stattdessen entpuppt sich Wrong Turn als knallharte Survivalkost. Jene gepaart mit den urbanen Ängsten vor Inzest-Rednecks und ihrer unbewachten, wilden Welt abseits der Großstädte ergeben ein spannendes und temporeiches Konstrukt. Die Darsteller sind okay, lediglich Final Girl Eliza Dushku, bekannt aus Buffy, ragt etwas heraus. Die Figuren sind aber auch nicht nervend und durchaus sympathisch. Das reicht schon für einen solchen Genrefilm. Die blutigen Effekte sind wohl dosiert, aber für eine FSK 16 ziemlich hart. Bis heute kann kaum jemand nachvollziehen, wie unsere Prüfstellen zu dieser Freigabe gekommen sind. Da Effektguru Stan Winston an der Produktion beteiligt war, konnte man schon im Vorfeld erahnen, dass die prakischen Effekte und Masken ihrer Zeit würdig sind. Lediglich die zu durchschnittliche Inszenierung des Regisseurs Rob Schmidt lässt den Horrorfan etwas hadern. Aber spätestens bei der Fluchtszene in den Baumkronen ist auch Schmidt auf der Höhe des Geschehens.

Wrong Turn ist ein spannender und rasanter Backwoodsslasher, der leider wieder zu viele Rip-Offs und Sequels mit sich brachte. Erstaunlicherweise ist der Film bei vielen Horrorfans gar nicht so beliebt, wie ich annahm. Für mich zählt er aber ganz klar zu den besten Slashern der letzten 15-20 Jahren.

OT: Wrong Turn VÖ: 2003 Laufzeit: 84 Minuten FSK: 16 R: Rob Schmidt D: Desmond Harrington, Eliza Dushku, Emmanuelle Chriqui




Eine Survival-Reality-Show soll in den dunklen Wäldern von West Virginia gedreht werden. Eine Filmcrew und zahlreiche C-Promis machen sich auf in die Wildnis. Jedoch haben die naiven Produzenten und Teilnehmer nicht mit der Anwesenheit der allseits beliebten Hillbilly-Familie um Three Finger gerechnet. Ein folgenschwerer Fehler...

Der originale Wrong Turn entpuppte sich sowohl bei Kritikern als auch an den Kinokassen als ziemlicher Flop. Doch der Film hat bis heute seine Fans und so verwunderte es nicht, dass irgendwann, in diesem Fall mit Dead End, ein Sequel erscheint. Der Film beschäftigt sich neben seiner generischen Slasher-Thematik mit oberflächlicher Medienschelte. Besonders der Umgang mit Reality-TV in einem Horrorfilm, lange vor dem aufkeimenden Found-Footage-Hype, war ein sinnvolle Idee der Autoren, zu mal die Umsetzung klar besser geworden ist, als der thematisch ähnliche Halloween: Resurrection. Wrong Turn 2: Dead End liefert eine Menge Gedärme und Gore, und ja auch ein paar Brüste. Der Film ist wirklich brutal und zum Ende hin gar geschmacklos. Doch das hält Gorehounds natürlich nicht ab. Leider sind die Figuren des Films fast ausnahmslos unsympathisch und uninteressant. Mit Henry Rollins hat man natürlich einen echten Kulttypen an Bord und dieser ist auch der einzige ernstzunehmende Gegenspieler der Hinterwäldler, aber ansonsten konnte nur Aleksa Palladino in mir Sympathien hervorrufen, doch leider segnet ihre Figur überraschend früh das Zeitliche. Generell ist die Verteilung der Opfer, sowohl in Reihenfolge, als auch Resultat ziemlich originell. Letztlich ist Wrong Turn 2 aber wirklich nicht aufregend oder spannend. Zwar wird das Zusammenleben der Hillbillys etwas mehr beleuchtet, aber das war es auch schon. Atmosphäre will nicht wirklich aufkommen. Der Wald als Schauplatz kommt viel zu wenig zur Geltung. Außerdem spielt der Film größtenteils bei Tageslicht. Die anfangs aufkeimende Medienkritik bleibt oberflächlich und wird nie zu Ende geführt. Dazu gesellt sich ein pubertärer Humor und eine Menge unnötiger Sextalk, der Wrong Turn 2 in Kombination mit den blutig derben Schandtaten der Hinterwäldler mehr zum Funsplatter als zum Backwoods-Slasher werden lässt.

Für viele Fans ist Wrong Turn 2 klar vor dem Original in den Rankings. Diese Meinung teile ich nicht, kann aber bestätigen, dass das erste Sequel mit Sicherheit zur besseren Hälfte des Franchise gehört. Für eine DTV-Fortsetzung ist Wrong Turn 2 auf jeden Fall eine Sichtung wert, da der Film unterhaltsam und charmant umgesetzt wurde.

OT: Wrong Turn 2: Dead End VÖ: 2007 Laufzeit: 96 Minuten FSK: - R: Joe Lynch D: Erica Leerhsen, Henry Rollins, Texas Battle, Daniella Alonso




Ein Gefangenentransport in den Wäldern West Virginias verunglückt und plötzlich laufen zahlreiche Schwerverbrecher, die sich so gar nicht leiden können, durch die Wälder. Bald stoßen die Häftlinge auf der Flucht mit einem Polizisten im Schlepptau auf die junge Alex, die Überlebende eines Massakers der ansässigen Hillbilly-Bande. Anfangs glaubt ihr niemand, doch schon bald müssen selbst die harten Sträflinge der Wahrheit und damit der blutigen Gewalt der Hinterwäldler ins Auge sehen.

Da Wrong Turn 2 bei den Horrorhounds ziemlich gut wegkam, war klar, dass die Hillbillys ein weiteres Mal die Wälder von West Virginia unsicher machen durften. Nach der Standard-Backwoods-Slasher-Besetzung in Teil 1 und dem Reality-TV-Cast in Teil 2 sollten nun Sträflinge auf einem Gefangenentransport die Opfer der entstellten Hinterwäldler werden. Keine schlechte Idee. Dazu beweist das WT-Franchise damit, dass es nicht immer die üblichen Teens sein müssen, die in Slashern abgeschlachtet werden. Am Format der Reihe hat sich dennoch nichts geändert. Die Figuren sind blass und austauschbar, die Handlung nicht mal auf jene Art spaßig wie in Teil 2, sondern weitestgehend langweilig. Schade, denn das Tempo der Einleitung hatte es noch wirklich in sich. Dazu gesellen sich beschämende Dialoge der Marke "You have perfect tits. I could hold them forever." und extrem viele Logikfehler. Nicht mal die Effekte schaffen es auch nur annähernd auf das Niveau des ersten oder wenigstens zweiten Teils. Stattdessen hat man einen Großteil der praktischen Effekte durch CGI ersetzt. Das Ergebnis ist in einigen Momenten haarsträubend schlecht. Schade, denn die Mordsequenzen sind ansonsten ziemlich kreativ, besonders der rasante Einstieg, in dem mehr Leute drauf gehen, als in ähnlichen Streifen über die gesamte Laufzeit. Aber in der Optik? No way! Der Handlungsverlauf bleibt ebenfalls auf der Strecke, da die Geschichte der Häftlinge eher durch die Angriffe von Hillbilly Three Finger störend unterbrochen wirkt. Lediglich das Ende kann tatsächlich noch für eine Überraschung sorgen und etwas atmosphärischer als Teil 2 ist der Film dank nächtlicher Tageszeit ebenfalls.

So passt bei Wrong Turn 3 wirklich wenig zusammen. Die Darsteller verbocken, das Drehbuch löchrig, die Effekte katastrophal. Der Film macht nicht mal Spaß oder ist auf schlechte Art unterhaltsam.

OT: Wrong Turn 3: Left For Dead VÖ: 2009 Laufzeit: 91 Minuten FSK: - R: Declan O'Brien D: Tom Frederic, Janet Montgomery, Louise Cliffe




Wrong Turn 4 erzählt die Vorgeschichte der Reihe. In einem verschneiten Sanatorium brechen die degenerierten uns bekannten Hinterwäldler aus und verursachen eine Orgie der Gewalt. Jahre später macht eine Gruppe Twens einen Ausflug in den Schnee, nur um sich zu verlaufen und in eben dieser scheinbar verlassenen Anstalt Unterschlupft zu suchen. Doch ob sie die Rechnung mit Three Finger und Co. gemacht haben?

Gleich zu Beginn: Wrong Turn 4 ist ein Prequel und trotzdem gleichzeitig die aus meiner Sicht beste Fortsetzung des Originals. Bereits das Opening mit einer fetten, völlig außer Kontrolle geratenen Gewaltorgie unter Begleitung von klassischer Musik ist die beste Einleitung des Franchise. Der vierte WT-Film ist auch weniger humorvoll, was der Spannung und vor allem der Atmosphäre gut zu Gesicht steht. So gibt es tatsächlich zahlreiche schaurige, schockende und vor allem verstörend eklige Szenen. Der Blutzoll ist sehr hoch und durch den im Vergleich zum Vorgänger geringeren CGI-Anteil können sich die Mordsequenzen richtig sehen lassen. Der Ekelfaktor ist jedenfalls über 90 Minuten extrem hoch. Halt, wobei, der Film lässt sich bis zu seiner Schlachtplatte vergleichsweise viel Zeit. Und welche Überraschung? Schon sind uns nicht alle Figuren des Films völlig egal. Leider konnte es Regisseur O'Brien nicht sein lassen und wollte den Gorehounds auch noch unnötigen Softcore-Sex-Fanservice bescheren. Ein Griff ins Klo. Aber halb so wild, der Film spielt im Schnee. Blutige Horrorfilme im weißen Schnee sind viel zu selten. Ich will nicht zu viel spoilern, aber Wrong Turn 4 enthält einige richtige Over-The-Top-Szenen (Kannibalen-Fondue, Riesenbohrer), die den Film dann deutlich besser aussehen lassen, als all die anderen Filme seit dem Original.

Wrong Turn 4 ist auch nach dreifacher Sichtung für mich der zweitbeste Wrong Turn Film. Hier wurde für einen DTV-Slasher kaum etwas falsch gemacht und im Vergleich zu den Vorgängern und weiteren Nachfolgern an den richtigen Stellschrauben gedreht.

OT: Wrong Turn 4: Bloody Beginnings VÖ: 2011 Laufzeit: 93 Minuten FSK: - R: Declan O'Brien D: Terra Vnesa, Dean Armstrong, Kaitlyn Wong




Eine Kleinstadt in West Virgina feiert das alljährliche Mountain Man Festival. Einige Jugendliche machen sich auf den Weg zur großen Sause, dabei haben sie jedoch nicht mit den ortsansässigen Hinterwäldlern gerechnet, die eine grausame Blutspur hinter sich herziehen…

Wrong Turn 5
ist der absolute Tiefpunkt der Reihe. Ich habe selten einen so uninspirierten, langweilig und spottbillig inszenierten Horrorfilm wie diesen gesehen. Hier hat man sich so zu Tode gespart, dass man von dem im Plot erwähnten Festival nicht mal etwas mitbekommt. Die Stadt, bzw. der eine Straßenzug der Billokulisse ist völlig unbevölkert und leblos. Und so leblos langweilig ist auch die Story mit ihren unglaublich grenzdebilen Dialogen. Okay, die Effekte sind ganz nice, aber das ist auch wirklich das einzig positiv erwähnenswerte an diesem Schund. Die Kills sind zwar sehr heftig inkl. Rasenmäher, Hammer oder der Verspeisung der eigenen Innereien, sorgen aber nur dafür, dass man ab und zu mal aufwacht beim "Genuss" von Wrong Turn 5. Die Protagonisten sind allesamt dumm und ihre Handlungen noch unlogischer als gewohnt. Stellt sich nur die Frage warum sich Hellraiser-Darsteller Doug Bradley für diesen Müll hergegeben hat? Gut die Antwort dürfte klar sein, trotzdem traurig. Wenn der Film wenigstens rasant und temporeich wäre, aber nein stattdessen ist Wrong Turn 5 unglaublich zäh und man muss sich wirklich zusammenreißen um den Film nicht vorsorglich abzubrechen.

Wenn ein Film je das Prädikat "Gewaltporno" verdient hat, dann Wrong Turn 5. So stumpf, so seelenlos und billig war selten ein moderner Film. Für mich ist Blood Lines ganz klar der schlechteste, der bis dato sechs Wrong Turn-Streifen.

OT: Wrong Turn 5: Blood Lines VÖ: 2012 Laufzeit: 91 Minuten FSK: - R: Declan O'Brien D: Camilla Arfwedson, Doug Bradley, Simon Ginty




Danny, zuvor eher selten mit Glück im Leben belohnt, tritt als Erbe des Hotels an und reist mit seinen Freunden an, um sich einen ersten Eindruck vom Anwesen zu machen. Sowohl Personal, als auch seine angebliche Verwandschaft absolvieren zunächst einen recht charismatischen Auftritt. Doch das ändert sich schlagartig und die jungen Leute finden sich schnell in einer Welt aus Kannibalismus, Inzest und Gewalt ausgeliefert.

Ohne Frage, Wrong Turn 6 war nicht nötig. Aber das lässt sich über alle Fortsetzungen des überzeugenden Überraschungshits Wrong Turn aus dem Jahr 2003 sagen. Nach dem Teil 4 etwas Hoffnung aufkeimen ließ, folgte mit Teil 5 Bloodlines der absolute Tiefpunkt der Reihe. Und ich kann euch etwas beruhigen, so katastrophal ist Last Resort dann nicht. Nicht ganz. Denn es handelt sich immer noch um einen ziemlich bescheidenen Horrorfilm. Der Aufbau der Handlung gleicht denen seiner Vorgänger fast bis auf's Detail. Konturlose Charaktere, eine Story samt Dialogen, die eigentlich nur unter erhöhtem Konsum illegaler Substanzen entstehen kann, viele nackte Brüste, harmlose Sexszenen und recht brutale, aber technisch unterdurchschnittlich umgesetzte Gewaltakte. Ein paar Neuerungen gibt es aber dann doch, so spielen unsere entstellten Lieblings-Kannibalen nur eine Nebenrolle, dafür enthält der Hintergrund und die Familiengeschichte der Schurken ein paar neue Informationen. Die Reihe hat sich vor allem durch ihre durchaus ausgefallenen Tötungssequenzen am Leben gehalten. Wrong Turn 6 ist ebenfalls recht brachial. Allerdings ist die Kreativität entsprechender Szenen dem Franchise mit Teil 6 völlig abhanden gekommen. Als wäre das nicht schlimm genug, werden aus technischer Sicht auch die ohnehin schon billigen Effekte der Vorgänger unterboten. Viel Handarbeit, weniger CGI, aber trotzdem nie effektiv. Nur die Masken unser Hinterwäldler sehen noch günstiger aus. Etwas unterhaltsamer, da zügiger erzählt, als Teil 5 ist Last Resort dennoch.

Ich würde gerne behaupten, dass Wrong Turn 6 der letzte Teil der Reihe ist, doch ich muss euch sicher enttäuschen. Teil 7 wird natürlich längst in Planung sein. Wenn ihr direkt nach dem gelungenen Originalfilm ausgestiegen seid, bleibt dabei und vergesst den Rest. Wenn ihr euch, so wie ich, jedes Jahr auf's neue über die mieserablen Sequels ärgern wollt, dann bleibt auch dabei. Schlimmer kann es doch nun wirklich kaum noch werden.

OT: Wrong Turn 6: Last Resort VÖ: 2014 Laufzeit: 91 Minuten FSK: 18 R: Valeri Milev D: Chris Jarvis, Aqueela Zoll, Anthony Ilott, Sadie Katz

Bildquelle: Constantin Video, Ascot Elite, 20th Century Fox

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