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Unsere Enttäuschungen 2015 (Jahresrückblick Teil 2)


2015 ist Geschichte. Zeit um noch mal in zwei Teilen auf die Filmhighlights und Enttäuschungen des Jahres zu schauen. Im zweiten Teil unseres Rückblicks beschäftigen wir uns mit den Flops und Enttäuschungen des Filmjahres. Wichtig für eine Erwähnung in der Liste war der erstmalige Release des jeweiligen Films in Deutschland. Sprich entweder der Kinostart oder der Heimkinorelease (wenn es keinen Kinostart gab) muss 2015 in Deutschland gewesen sein. Was sind eure Enttäuschungen des Jahres? Schreibt es uns in den Kommentaren und nun viel Spaß mit den Enttäuschungen unserer Schreiberlinge.


01 American Guinea Pig: Bouquet of Guts and Gore Welcher Gorehound kennt sie nicht? Die berühmt-berüchtigten Guinea Pig Filme... Ein paar amerikanische Filmmacher und Effektkünstler haben sich zuletzt vorgenommen ein amerikanisches Reboot des Franchise zu starten und scheiterten dabei klänglich. American Guinea Pig ist ein absurd brutaler und menschenverachtender Film, der nur mit einer, ach was, nicht mal mit einer rudimentären Story auffahren kann. Was folgt sind fast anderhalb Stunde purer Sadismus und Folter. Letztlich dient der Film wohl nur der Demonstration der Effekte. Die Darsteller sind grotesk schlecht, die pseudo Bildverfremdung aufgesetzt. Eine wahre Geduldsprobe für den Zuschauer. Die praktischen Effekte sind natürlich ziemlich gut, aber wer kann sich an über einer Stunde Dauerkörperzerteilung noch erfreuen oder begeistern? Einfach nur unnötig und ärgerlich.

02 Ouija/Annabelle und Co. Ouija und Annabelle stehen hier als Musterbeispiele für die Einfallslosigkeit des amerikanischen Mainstreamhorrors des letzten Jahres und der vorherigen. Möglichst zahm, möglichst unspektakulär, damit auch ja jeder Zuschauer, sei er noch so jung, in den Genuss des Filmes kommen kann. Ich habe langsam echt keinen Bock mehr auf diese mutlosen Geisterhausgeschichten, sprechende Puppen und Städte, die auf Indianerfriedhöfen errichtet worden sind. Ich fand Sinister, Conjuring und teilweise Insidious auch nett, aber muss man wirklich jede Erfolgswelle bis zum letzten Drops auslutschen? Brauchen wir wirklich zig Fortsetzungen, Spinoffs und Ripoffs?

03 San Andreas Ich liebe Katastrophenfilme, ich liebe sogar richtige trashige wie Into The Storm 2014. Und genau deshalb war San Andreas für mich eine Enttäuschung. Der Film nimmt sich zu ernst, ist unglaublich unlogisch und absolut stereotypisch. Die Darsteller sind dabei niemals das Problem. Egal ob Johnson, Giamatti oder Daddario, die Besetzung ist gut. Der Film zeigt jedoch nie das menschliche Leid einer solch möglichen Katastrophe. Er legt zu viel Wert auf die Familiengeschichte. Und irgendwie fehlen am Ende auch die Zerstörungsorgien anderer toller Genrefilme. San Andreas ist nicht unguckbar, er ist sogar ganz okay, aber für mich wurde er den Erwartungen nicht im Ansatz gerecht.

04 The Voices "Den musst du dir ansehen Christian, der ist großartig...", "Du wirst überrascht sein wie gut der Film ist...", "The Voices ist ein absoluter Geheimtipp in diesem Jahr..." - Nööööö....

05 Wir sind jung. Wir sind stark. Die deutsche Produktion zeigt einen der traurigsten Tage der deutschen Nachkriegsgeschichte. Rostock-Lichtenhagen und die Anschläge auf Asylbewerber. Leider verpasst es der Film irgendeine Aussage zu treffen. Stattdessen folgen wir fast über zwei Stunden lang Nazis und ihren Mitläufer, ihre jugendliche Langeweile und Hoffnungslosigkeit. Definitiv unbeabsichtigt, aber die Wirkung des Films versucht schon fast die Taten der Jugendlichen zu legitimieren. Der Cast spielt allerdings wunderbar und auch aus audiovisueller Sicht kann man Burhan Qurbanis Film nichts vorwerfen. Es fehlt einfach der Impact. Zwischenzeitlich wird das gezeigte sogar langweilig und völlig belanglos. Schade, denn ich hatte große Hoffnungen an den Film, die nur mittelmäßig erfüllt wurden.


01 The Age of Adaline Adaline ist 20 Jahre alt und hört nach einem Autounfall auf mysteriöse Weise auf zu altern. Aufgrund der Tatsache, dass sie sich äußerlich nicht verändert, wechselt sie regelmäßig die Heimat, bis sie plötzlich einem jungen Mann begegnet, der ihr Leben verändert. Trotz einiger spannender Szenen überwiegen leider die kitschigen Momente. Für alle Kitschliebhaber ist dieser Film empfehlenswert. Aber für all jene, die Kitsch und realitätsferne Wohlfühlromanzen nicht ausstehen können: Finger weg.

02 The Hunger Games: Mockingjay – Part 2 Der finale Teil der Tribute von Panem Reihe versagt leider auf voller Linie. Bereits nach dem Ansehen von Mockingjay Teil 1 stellte man sich die Frage, ob das wohl eine gute Idee war zwei Filme aus einer Buchvorlage zu machen? Mit einer zusammengefassten Mockingjay Verfilmung, hätten die Macher ein gebührendes Finale schaffen können. So kann sich der Zuschauer auf einen Actionfilm ohne Tiefgang einstellen. Besonders das Ende ist mehr als enttäuschend.

03 Unfriended Eine weitere Enttäuschung war der Indie-Horrofilm Unknown User. Der Film spielt auf einem Computer. Sechs Freunde treffen sich im Videochat, als sie plötzlich mysteriöse Narichten von einer vermeintlich toten Mitschülerin erreichen. Die Idee hinter Unknown User ist interessant und hätte sehr gut umgesetzt werden können. Leider ist das Ergebnis nicht sehr zufriedenstellend, denn es gibt einige logische Fehler und fehlende Spannungsmomente. Der größte Störfaktor: die absolut einfältigen Diskurse.

04 Paranormal Activity 5: Ghost Dimension Paranormal Activity Ghost Dimension handelt wie üblich von einer jungen Familie, die von übernatürlichen Ereignissen geplagt wird. Die ersten drei Teile von Paranormal Activity waren noch gut umgesetzt mit einer einigermaßenstabilen Story. Alles was danach kam wurde immer langatmiger ohne jegliche Spannungsmomente. So ist es leider auch bei Paranormal Activity 5. Die Story ist dermaßen flach und vorhersehbar, dass jeder Spaß am Zuschauen vergeht. Der Trailer verspricht hier mehr als der Film zu bieten hat. Die Zeiten von Paranormal Activity sind endgültig vorbei.

05 A World Beyond Der Kinder-SciFi Streifen, dessen Drehbuch von Brad Pitt geschrieben wurde, handelt von zwei Erfindern, die alle Geheimnisse über das Tomorrowland aufdecken wollen. Dabei bekommen sie Hilfe von einem Robotermädchen. A World Beyond basiert auf den Disney-Themenparks mit dem Namen „Tomorrowland“. An sich ist die Idee hinter A World Beyond sehr interessant. Leider fällt es schwer den Filmgenre zu identifizieren: Disney Kinderfilm oder spannender Science-Fiction Thriller? Es sind Aspekte von beiden Genres vorhanden. Ganz der Disney Manier wird auch in A World Beyond zu jeder Geschichte die passende Moral und die obligatorischen unterschwelligen Botschaften integriert. Man findet keinen richtigen Zugang zu den Charakteren, der Film plätschert vor sich hin und am Ende bleibt man mit der Frage zurück: Wo war der Schluss?


01 Kartoffelsalat Vorab: Ich habe diesen "Film" nur in Auszügen gesehen, was jedoch genügte, um mir ein Urteil zu bilden. YouTuber, Beautyblogger etc. erfreuen sich steigender Beliebtheit und wer meinen Twitterfeed verfolgt kennt meine Meinung zu diesem Phänomen. Ich halte einen Großteil dieser Persönlichkeiten für manipulativ, egoistisch und talentlos. Und scheinbar reichen diese Eigenschaften aus, um den Zuschauer von Kartoffelsalat mit 71 Minuten völlig sinnfreier Selbstbeweihräucherung, gepaart mit erschreckender Dummheit und 0,0% Unterhaltungswert zu quälen. Wenn der Regisseur davon spricht, "für die Zielgruppe" gedreht zu haben, so heißt das im Klartext: Jugendliche im Alter zwischen 11 und 19 Jahren haben ihren Eltern noch nicht genug Kohle aus den Rippen geleihert, um sie Dagi Bee, LionT und Co. in den Rachen zu werfen. Kartoffelsalat wurde nur aus diesem Grunde und mit diesem Ziel gedreht. Weshalb Otto Waalkes hier mitwirkt, ist absolut unverständlich. Bleibt nur zu hoffen, dass es bei diesem einen Machwerk bleibt und der Trend, talentfreien Egoisten wie Sektenführern hinterher zu laufen irgendwann abebbt.

02 A Very Murray Christmas Ein Film, an den ich tatsächlich recht hohe Erwartungen hatte. Ich liebe Bill Murray und der Gedanke, ihm sich selbst spielend dabei zuzusehen, wie er eine zum Scheitern verurteilte Weihnachts-Show zu retten versucht klang sehr verlockend. Das Ergebnis war dann aber doch eher ernüchternd. Trotz etlicher Starpower (welche aber meist nur kurz zum Einsatz kommt) fand ich den Film erschreckend langweilig. Er dümpelt von Musical-Einlage zu Musical-Einlage und hat weder eine durchgehend erzählte Handlung noch bietet er große Schauwerte. Um Miley Cyrus dabei zuzusehen, wie sie sich nackt auf einem weißen Klavier räkelt und Weihnachtslieder trällert sehe ich mir eigentlich keinen Film an. Letztlich geht es, wie in vielen derartig aufgemachten Streifen nur darum, sich an Weihnachten auf das Wesentliche zu besinnen, nett zueinander zu sein und selbst in etwas Negativem das Positive zu entdecken. Wäre dies etwas besser aufbereitet und mit mehr Murray für's Geld versehen worden, so hätte A Very Murray Christmas vielleicht besser funktioniert.

03 Mortdecai Ein typischer Johnny Depp-Film. Wie immer stark affektiert spielt er hier einen abgewrackten Kunsthändler, der sich als Teilzeit-Spion auf die Suche nach einem gestohlenen Gemälde macht. Dieses soll nämlich einen Hinweis auf das Versteck von Nazi-Gold geben. Klingt schon mal reichlich dämlich, aber das muss zunächst ja nicht zwingend etwas Schlechtes heißen. Leider tut es das in diesem Fall dennoch größtenteils. Mortdecai hat durchaus lustige Momente, für die wie erwartet zumeist Depp verantwortlich ist. Dennoch bleibt der Fillm größtenteils belanglos und langweilig und findet so gut wie nie den richtigen Ton. Paul Bettany als sexhungriger Bodyguard/Assistent Mortdecai's ist für mich der einzige erwähnenswerte Nebendarsteller, sowohl Paltrow als auch McGregor konnten mich hier nicht überzeugen. Dann lieber die "alten" Depps wie Sleepy Hollow, Edward Scissorhands oder auch Sweeney Todd.

04 The Ridiculous 6 Noch ein nicht allzu übler Film, der für diese Liste herhalten muss. Sorry, Adam, sorry Maxe. The Ridiculous 6 hat mir über weite Strecken tatsächlich gut gefallen. Trotz Mitwirken einiger unsäglicher Sandler-Urgesteine wie z. B. dem grausamen Rob Schneider ist The Ridiculous 6 kein Totalausfall geworden. Klar, es zünden lange nicht alle Gags und letztlich ist es ähnlich wie bei Grown Ups: Ein Haufen Kumpels hat Bock, sich zu verkleiden, Cowboy und Indianer zu spielen und Blödsinn zu machen. Aber wer sich auf Sandler-Filme einlassen kann, kann auch hier durchaus Spaß haben. Der Film landet nur deshalb auf dieser Liste, weil ich die ewigen Fäkalhumor-Witze einfach zu ermüdend und die Art und Weise, wie Sandler sich ständig selbst feiern muss nur noch nervtötend finde. Würde er es schaffen, sich bei Beidem ca. 50% zurückzunehmen, seine Filme würden mir 100% mehr Spaß machen.

05 Jurassic World Ja, tatsächlich: In Ermangelung echter Enttäuschungen im Kinojahr 2015 findet sich auf Platz 5 ein Film, der wirklich nicht schlecht ist. Jurassic World ist solides Popcorn-Kino und profitiert vor allem durch den charismatischen Chris Pratt in der männlichen Hauptrolle. Die Effekte sind gut (wenn auch nicht herausragend) und die Handlung gerade dick genug, um über 90 Minuten hinweg zu tragen. Warum also ein "Flop" für mich? Ganz einfach: Ich bin mit dem ersten Jurassic Park aufgewachsen und kaum ein anderer Film hat meine frühe Jugend so geprägt wie dieser. JP war für mich damals weit mehr als seichte Unterhaltung, vielmehr war er ein Meilenstein der Symbiose von praktischen Effekten mit CGI. Leider schafft es Jurassic World nicht, dieses Gefühl des Fortschritts neu erstehen zu lassen. Dies habe ich zwar auch nicht erwartet, aber doch zumindest erhofft.

Bildquellen: Studio Canal, Sony Pictures, Disney, Indigo, 20th Century Fox

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