HOME | AUTOREN | BEWERTUNGSSYSTEM | IMPRESSUM

Baise-moi (2000)



Ich glaube Virginie Despentes wusste schon lange vor Release ihres Regiedebüts Baise-Moi, dass sich jene Filmmischung aus Porno und Gewalt zu einem Skandal entwickeln würde. Und so kam es, dass der billig gedrehte Film im Herkunftsland Frankreich eine Kontroverse und Debatte auslöste, die zunächst in einem regulären Kinostart mündete, aber letztlich auf richterlichen Beschluss in Pornokinos endete. So viel Aufregung um einen Film der so vieles ist, aber vor allem eines nicht: gut.

Manu und Nadine sind zwei junge Frauen mit denen es das Leben bis dato ziemlich schlecht gemeint hat. Gefangen zwischen Prostitution, Gewalt und Drogensumpf wissen die beiden keinen Ausweg, bis sie aufeinander treffen und einen brutalen Feldzug durch Frankreich starten. Klingt etwas nach Bonnie & Clyde und vielleicht auch nach Oliver Stones Natural Born Killers, doch Baise-Moi kann weder mit dem einen noch mit dem anderen einen Vergleich standhalten. Despentes hat den Film, vor allem aus Kostengründen, in schmieriger 90er Jahre Porno-Soap-Opera-Home-Video-Optik abgedreht. Das passt zwar tonal zum Film, ist aber einfach nur anstrengend und lässt eventuelle Intentionen des Films früh abstürzen. Der Soundtrack kann dagegen gut mithalten und weiß zu gefallen. Despentes Absicht war es wohl ein Arthouse Home Video zu produzieren, doch der Film erreicht schon bei allen handwerklichen Mängel auch inhaltlich nie das Niveau um für Interesse zu sorgen. Der Film will ein Skandal sein. Dafür zeigt er Hardcore-Sex inklusive massig Blowjobs und Penetration in Großaufnahme. Keine Erotik oder Romantik, sondern kühle Porno-Ästhetik. Dazu blutige, aber mies inszenierte Ballerorgien.


Der Film ist zwar in manchen Momenten kurzweilig, spult dann aber letztlich nur repetetiv Schießereien und Hardcore-Sexszenen im Wechsel ab. Das könnte provozieren, aber nicht wenn man den Zuschauer förmlich mit der Häufigkeit erschlägt. Und Baise-Moi schafft es früh, dass einem die Protagonisten völlig egal sind. Empathie lässt der Film nicht zu. Nicht mal eine feministische Absicht ist zu erkennen. Was passiert, passiert. Warum ist egal. Keine Message, einfach nur bedeutungslos. Selbst als reine Exploitation funktioniert Baise-Moi nicht. Denn auch Ironie lässt sich mit einer Ausnahme (Salami-Szene) nicht erkennen. Stattdessen versucht sich Despentes in Pathos. Pathos in Videooptik. Darauf muss man erstmal kommen. Ausgerechnet in Deutschland entwickelte sich Baise-Moi nicht zum Skandal. Und das hat auch einen Grund. Der Film wurde seinem damaligen Hype nicht gerecht und ist letztlich einfach nur ein ziemlich schlechter Film.

OT: Baise-Moi DT: Baise-Moi (Fick mich) VÖ: 2000 Laufzeit: 77 Minuten FSK: - R: Virginie Despentes D: Karen Lancaume, Raffaëla Anderson
Trailerlink

Christian

Bildquelle: Meteor Film

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen