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The 5th Wave (2016)



The 5th Wave ist die Verfilmung von Rick Yanceys gleichnamigem Young Adult Dystopie Roman. Auf der Erde fand eine Invasion durch Aliens statt, die die Menschheit bis auf einige wenige nahezu komplett ausgelöscht hat. Unter den wenigen überlebenden Menschen befindet sich auch die Teenagerin Cassie, die allein durch die Wälder streift um ihren kleinen Bruder zu finden.

Nach den Hunger Games, der Divergent Reihe, Mortal Instruments und Co. hat nun eine weitere Jugendbuch Adaption ihren Weg auf die Leinwand gefunden. Die Vorlage zählt durchaus zu den besseren Genrevertretern. Leider kann man das nicht von der filmischen Umsetzung behaupten. Dabei beginnt alles ziemlich überraschend und vor allem vielversprechend. Bereits in der ersten Szene, als Cassie fahrlässig einen unschuldigen Menschen erschießt, setzt der Film ein Zeichen. Ist dieser Film tatsächlich erwachsener und ehrlicher als seine doch oft seichte Konkurrenz? In der Folge sehen wir einen Rückblick auf die ersten vier Wellen der Alien-Invasion. Die Außerirdischen, im Film 'die Anderen' genannt, legen zunächst die komplette Stromversorgung außer Kraft. Anschließend zeigen sie der Welt wie Naturkatastrophen auszusehen haben. In der Folge setzen die Aliens einen Virus frei, der den Großteil der Überlebenden dahin raffen lässt. Nun bewegen sich die Aliens selbst auf die Erde, jedoch in der physischen Form der Menschen. All das inszeniert Regisseur Blakeson rasant, düster und stellenweise wirklich rührend. Anhand von Hauptfigur Cassie und ihrer Familie, die nach und nach alles, aber vor allem Hoffnung verliert, bekommt man tatsächlich einen Eindruck von der nun menschenfeindlichen Erdkulisse und ihrem moralischen Zerfall.

Doch nach diesen ersten spannenden und tonal überraschend dunklen dreißig Minuten springt der Film wieder in die Gegenwart und damit in den cineastischen Abgrund. Von nun an entwickelt sich The 5th Wave zu einer kitschigen Kreuzung aus Twilight- und Panem Saga. Von der schockierenden ersten Szene ist nichts mehr übrig geblieben, als sich einer der männlichen Hauptdarsteller nackt im See badet und seine Muskeln präsentiert. Nichts ist übrig geblieben von der toughen Cassie. Ihr Charakter entwickelt sich nicht weiter, sondern zurück. Es folgt Kindermilitarismus der Marke Red Dawn, Teen-Romantik und nicht wenig Langeweile. Ganz schlimm wird es, als ein nach wenigen Minuten total offensichtlicher Twist erst nach drei Vierteln der Laufzeit des Films für den Zuschauer aufgedeckt wird. Ein weiterer Twist ist dann nur noch dumm und lässt die letzte Hoffnung auf einen sehenswerten Film zurück. Es mag sein, dass ich nicht der eigentlichen Zielgruppe des Films angehöre, aber einige Storykniffe und auch Änderungen im Vergleich zur Romanvorlage haben mich zum Ende hin in einen Dauerfacepalmzustand verschlagen.


Keine Frage, Romantik in so einem Stoff ist durchaus legitim. Aber dann bitte auch authentisch und dynamisch erzählt und nicht auf dem Niveau eines Basteiheftchens. Alles was wir nach der starken Einleitung zu sehen bekommen ist nicht neu. Es gibt keine Überraschungen, keine interessanten Charaktere und über eine Stunde Langeweile im Mittelteil. Darsteller wie Liev Schreiber und Shooting Star Maika Monroe (The Guest, It Follows) wirken völlig unterfordert bei der Darstellung ihrer Stereotypes. Die beiden männlichen Hauptdarsteller Nick Robinson und Alex Roe agieren sehr hölzern, wobei ersterer wenigstens noch sympathisch wirkt. Ein großer Schwachpunkt des Films ist aber tatsächlich die eigentlich immer tolle Chloë Grace Moretz, die leider und scheinbar nicht das Potential einer Jennifer Lawrence oder Shailene Woodley mitbringt um eine solche Filmreihe zu tragen. Möglicherweise ist daran aber auch ihre sehr oberflächlich geschriebene Figur Cassie nicht ganz unschuldig.

So hoffnungsvoll wie The 5th Wave beginnt, so bescheiden ist der Eindruck am Ende. Was dunkler und ehrlicher als der Rest des Genres anfängt, entwickelt sich zu einem seichten Teenie-Adventure mit hanebüchenen Twists und gewissen Logikfreiheiten. Betrachtet man nur die Handlung in der Gegenwart, muss man justieren, dass sich The Fifth Wave tatsächlich näher an der Twilight-Reihe befindet als an den Hunger Games. Dass sich der Film auch noch zu einem Liebesdreieck entwickelt, wie er eben genau auf diese Art schon in den beiden angesprochenen Filmreihen auf nervige Art zelebriert wurde, ist schon fast gar nicht mehr erwähnenswert. The 5th Wave ist in der Summe ein absoluter Blender und klammert man den guten Einstieg aus, sogar ein für Hollywood Verhältnisse komplettes Desaster. Lediglich die nette Inszenierung bewahrt J Blakesons zweite Regiearbeit vor der Unerträglichkeit.

OT: The 5th Wave DT: Die 5. Welle VÖ: 2016 Laufzeit: 112 Minuten FSK: 12 R: J Blakeson D: Chloë Grace Moretz, Nick Robinson, Alex Roe, Liev Schreiber, Maika Monroe
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Christian

Bildquelle: Sony Pictures

Kommentare:

  1. Ich habe euch nominiert, schaut mal hier: http://www.filmophilie.de/2016/02/liebster-blog-award.html

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