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London Has Fallen (2016)



Der Plot von London Has Fallen liest sich so schlecht wie er ist. Der britische Premier Minister stirbt unerwartet, weshalb kurze Zeit später ein großes Staatsbegräbnis mit der Teilnahme aller großer Staatsoberhäupter in London stattfinden soll. Terroristen machen sich dieses Ereignis zu Nutze und legen ganz London lahm, sprengen wichtige Denkmäler und Touristenkernpunkte in die Luft, ermorden aber vor allem die großen politischen Machthaber der Welt. Es gelingt nur dem amerikanischen Präsidenten unter Mithilfe seines ersten Sicherheitsbeauftragten Mike Banning zu fliehen. Doch die Terroristen sind den Flüchtigen schon auf der Spur...

Insbesondere die erste Hälfte des Actionfilms ist eine cineastische Offenbarung. Aber nicht im positiven Sinn. Selbst Roland Emmerich hätte diese patriotische Katastrophenorgie nicht schlimmer inszenieren können. Der Film springt von Peinlichkeit zu Peinlichkeit. Höhepunkt ist die Darstellung der deutschen Bundeskanzlerin Agnes Bruckner. Hier ist Fremdschämen angesagt. Auch Aaron Eckharts Performance des Präsidenten ist wie schon in Olympus Has Fallen sehr dürftig. Der Mann ist leider einfach kein Schauspieler für große Rollen. London Has Fallen wirkt nicht nur einmal wie ein Direct-To-Video-Actioner, der sich ins Kino verirrt hat. Die Spezialeffekte wirken grausig unnatürlich und aufgesetzt. So kommt nie wirklich Atmosphäre auf. Ja es gibt eine Zerstörungsorgie in London, aber visuell sehr dürftig umgesetzt. Politisch ist der Film nicht erst seit gestern oder seit Paris fragwürdig. Darüber muss glaube ich gar nicht groß diskutiert werden.


Warum der Film dann letztlich aber doch kein kompletter Rohrkrepierer ist, entpuppt sich erst in der zweiten Hälfte des Films. Der Tonfall ändert sich drastisch. Während die erste Hälfte noch wie eine Parodie wirkt, geht es im weiteren Verlauf sehr drastisch und inhaltlich minimalistischer zu. Es geht jetzt nur noch um Gerard Butlers One-Man-Show und diese hat es durchaus in sich. In bester Rambo-Art metzelt und ballert sich Butler durch hunderte von anonymen Terroristen. Hier stimmt plötzlich die Atmosphäre, obwohl schnell klar wird, dass hier nicht mehr in London, sondern in Bulgarien gedreht wurde. Es gibt ein paar richtig gute Kameraeinstellungen, Farbspiele und Schnitte. Der Gewaltgrad ist relativ hoch angesetzt. Butler darf sich halt richtig austoben. In den besten Momenten erinnert die zweite Hälfte von London Has Fallen immerhin an die schlechtesten Momente von Die Hard. Und das ist durchaus als Kompliment zu verstehen.

London Has Fallen ist kein großartiger Blockbuster für den es sich lohnt ins Kino zu gehen. Der Film leidet unter vielen formellen, aber insbesondere inhaltlichen Schwächen. Ein Film wie London Has Fallen ist heute überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Auf Grund der ziemlich spannenden und dynamischen zweiten Filmhälfte können Actionfans dem Film aber durchaus eine Chance geben.

OT: London Has Fallen VÖ: 2016 Laufzeit: 99 Minuten FSK: 16 R: Babak Najafi D: Gerard Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman
Trailerlink

Christian

Bildquelle: Universum

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