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女囚さそり 第41雑居房 Female Prisoner Scorpion: Jailhouse 41 (1972)



Die berühmte Gefängnisinsassin Matsu Sasori ist nach den Vorfällen des ersten Female Prisoner Scorpion Films mittlerweile in Einzelhaft gesperrt. Als sich hoher politischer Besuch hinter Gittern ankündigt, darf Sasori doch mal kurz an die frische Luft, nutzt die Möglichkeit jedoch sofort um den verhassten Gefängnisdirektor bloß zustellen. Klar, eine Strafe lässt nicht lange auf sich warten, doch schließlich gelingt es Sasori mit sechs anderen Häftlingen zu fliehen...

Vorkenntnisse zum ersten Sasori-Film sind für die Sichtung von Jailhouse 41 tatsächlich nicht notwendig. Der zweite Teil der Reihe nimmt nur wenig Bezug auf das Original und funktioniert auch als für sich alleinstehende Geschichte. Auf der einen Seite ist Jailhouse 41 ein auf die Spitze getriebener, extrem feministischer Grindhouse Film. Doch neben gängigen Exploitationelementen, wie lesbischer Sex, derbe Gewalt und einen Rape & Revenge Aufmacher, liegt die Besonderheit und das Alleinstellungsmerkmal von Jailhouse 41 in seinen surrealistischen, weltfremden Momenten. Eigentlich erwartet man in solch recht günstig produzierter B-Ware keine cineastischen Wundertaten, doch eben jene liefert der Film von Shunya Ito.

In diesen genreunüblichen Szenen trumpft auch die große audiovisuelle Klasse des Films auf. Großartige japanische Folklore-Töne paaren sich mit kreativen, mystischen ja fast psychodelischen Bildgewalten. Die großartige Kamera und der wohlwollende Schnitt liefern ebenfalls auf hohem Niveau ab. Zwischen all den rauschartigen Szenarien gibt es aber auch grundsätzlich kalte und derbe Gewalt. Vor Vergewaltigungen macht der Film genauso wenig halt, wie vor der blutigen Rache der gepeinigten Frauen. Im Film sind tatsächlich alle männlichen Figuren hassenwürdig und schlecht, was jedoch nicht automatisch jede der gezeigten Protagonistinnen zu Heldinnen hochstilisiert. Rape-Szenen sind da wohl ein scheinbar notwendiges Übel als Storyaufhänger wie in ähnlich gelagerten amerikanischen Horrorthrillern (I Spit On Your Grave, The Last House On The Left). Aus meiner Sicht kann man trotzdem auf explizite Darstellungen dieser Elemente verzichten. Die unterschiedliche Geschlechterpositionierung in der japanischen Gesellschaft wird auch so deutlich.


Mittelpunkt des Films ist natürlich wieder das wundersame Wesen Meiko Kaji (Lady Snowblood, Blind Woman's Curse), die eiskalt und fast wortlos als Sasori durch den Film schwebt. Ihre Aura hebt jeden noch so schmuddeligen Film auf eine ganz andere Ebene. Ihre Figur Matsu, genannt Sasori, entspricht aber auch dem stereotypischen Leitsatz Japans. Niemals aufgeben, egal wie schlimm die Qualen noch sein mögen. Nutze wenige Worte, lasse lieber deine Taten sprechen. Da bleit der Film dann auch bis zum Ende konsequent. Sowohl thematisch als auch handwerklich gehört der zweite Sasori-Film, wie auch schon Lady Snowblood, ebenfalls mit Meiko Kaji, zu den großen Inspirationsquellen eines Quentin Tarantino (Kill Bill). Filmhistorie wird hier also auch noch vermittelt.

All diese Großartigkeit in solch einem kleinen Exploitationfilm. Am Ende hat Shunya Ito fast mehr kreativen Input in den Film gesteckt, als er vielleicht verträgt. Auf der anderen Seite ist der zweite Sasori-Film aber auch deutlich interessanter und spannender als sein Vorgänger. Über die Magie einer Meiko Kaji brauchen wir eh keine Worte mehr verlieren. Jailhouse 41 ist ein wirklich sehenswerter Vertreter fernöstlicher Exploitationkunst, die aber auch nicht für jeden geeignet ist.

OT: 女囚さそり 第41雑居房 Joshû sasori: Dai-41 zakkyo-bô IT: Female Prisoner Scorpion: Jailhouse 41 AT: Female Convict Scorpion - Jailhouse 41 DT: Sasori - Jailhouse 41 VÖ: 1972 Laufzeit: 90 Minuten FSK: 18 R: Shunya Ito D: Meiko Kaji, Fumio Watanabe, Kayoko Shiraishi, Yuki Arasa
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Christian

Bildquelle: Rapid Eye Movies

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