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The Huntsman - Winter’s War (2016)



Rupert Sanders Snow White and the Huntsman war vor vier Jahren schon so ein Ding. Der Film fiel durch die Kritik, obwohl ich ihn persönlich für gelungen empfand. Nach dem Skandal zwischen Sanders und seiner Hauptaktrice Kristen Stewart habe aber selbst ich nicht mehr mit einer Fortsetzung gerechnet und urplötzlich wurde sie dann nach elendingen Produktionsquerelen doch angekündigt, größtenteils mit sehr bescheidenen Trailern und nun ist The Huntsman - Winter's War auch schon auf der Leinwand. Aber wer wollte denn überhaupt eine Fortsetzung sehen?

Vermutlich nicht viele. Doch es gibt zwei große ABER! Zunächst ist Winter's War kein reines Sequel, sondern im ersten knappen Drittel sogar ein Prequel zu Snow White. Desweiteren ist der zweite Huntsman-Film überraschend gelungen. Zwar wird der Film, wie sein Vorgänger, das Feuilleton kaum begeistern, wer jedoch nur minimal für Fantasy und Märchen zu begeistern ist, wird den Kinobesuch nicht bereuen. Das Hauptaugenmerk hat man jedoch nicht auf den Plot gelegt. Dieser ist relativ rudimentär und oberflächlich. Snow White zieht zwar im Hintergrund noch die Pfäden, doch der Blick des Films huscht nun auf den titelgebenden Huntsman, gespielt von Chris Hemsworth und seiner großen Liebe Sara (Jessica Chastain). Beide sind seit ihrer Kindheit die besten Kämpfer der Eiskönigin, die das ganze Land unter ihre Fittiche bringen will und Liebe auf Grund von persönlichen Ereignissen in der Vergangenheit verbietet. Das ist ein Problem. Denn Huntsman Eric und seine Sara sind schwer ineinander verliebt. Bei einem Fluchtversuch werden die beiden enttarnt und getrennt. Doch Jahre später kreuzen sich die Wege der beiden in der Freiheit wieder. Doch da gibt es ein neues Problem, denn eine längst besiegt geglaubte Königin macht wieder von sich reden.


Wie gesagt, die Story ist nicht der Weisheit letzter Schluss, aber durchaus im Genredurchschnitt einzuordnen. Der Film behält zwar den düsteren Grundtenor des Vorgängers bei, lockert diesen jedoch immer wieder durch One-Liner und Zwergenhumor, der leider schnell infantil wird, auf. Die Märchen-Fantasy-Mischung wirkt zwar nach wie vor nicht ganz rund, passt aber dank des präziseren Pacings besser als beim Vorgänger. Der Eindruck, dass der Film nur aus einzelnen Versatzstücke besteht lässt sich jedoch auch bis zum gelungenen Ende nicht lindern. Die Zutaten sind kalkuliert, ein Risiko ist man bei der Produktion auf Teufel komm raus nicht eingegangen. Nach dem Sanders für die Fortsetzung nicht mehr verpflichtet wurde, nahm man mit Cedric Nicolas-Troyan keinen Unbekannten mit an Bord. Denn Nicolas-Troyan war bereits für die für einen Oscar nominierte Effektarbeit des Vorgängers zuständig. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Optik von The Huntsman zwar keine Bäume ausreißt, aber nach wie vor sehr homogen und stimmig ist. Anzumerken ist, dass mir besonders die Kampfszenen ziemlich gut gefallen haben.


Die große Stärke des Films liegt in seinen starken Frauenrollen. Die böse Königin Charlize Theron war bereits im Vorgänger das eigentliche Highlight und spielt auch hier wieder ihre fiese Rolle. Kristen Stewarts Snow White hat man mehr als gleichwertig und vor allem direkt doppelt ersetzt. Zum einen haben wir die Eiskönigin, moralisch hin und her gerissen und extrem verletzlich gespielt von der bezaubernden Emily Blunt. Auf der anderen Seite natürlich noch die großartige Jessica Chastain in einer ganz ungewohnten Blockbusterrolle und dann auch noch direkt als Kriegerin. Völlig überraschend ist Chastain damit perfekt besetzt. Auch harmonisch passt es im Romantikteil mit Chris Hemsworth. Die Frauen sind jedenfalls in dieser Märchengeschichte keine Stichwortgeber sondern prägend. Den Stereotypen, wenn auch einen gewohnt charmanten, verkörpert dagegen Hemsworth als Huntsman.


The Huntsman - Winter's War ist bei seinen durchaus vorhandenen Schwächen durchgängig unterhaltsam und präsentiert keinerlei unnötige Längen. Die Reise auf der Suche nach dem MacGuffin mit abschließenden Showdown ist temporeich und optisch sehenswert inszeniert. Dadurch hat der Film nun auch ein Setting für weitere Geschichten gesetzt. Beim nächsten Sequel sollte also niemand mehr über die Fragwürdigkeit diskutieren. Wer auf gut gemachte Blockbuster-Unterhaltung steht und schon mit dem Vorgänger etwas anfangen konnte, wird Gefallen an The Huntsman finden. Da der Film aus meiner Sicht eine qualitative Steigerung zu Snow White darstellt, können auch Skeptiker einen Blick riskieren. Ein Klassiker ist hier zwar nicht geboren, aber der Film hält deutlich mehr als er in den enttäuschenden Trailern versprochen hat. Schade nur, dass er nie aus seinem Schema F ausbricht.

OT: The Huntsman Winter’s War DT: The Huntsman & the Ice Queen VÖ: 2016 Laufzeit: 114 Minuten FSK: 12 R: Cedric Nicolas-Troyan D: Chris Hemsworth, Charlize Theron, Emily Blunt, Jessica Chastain, Nick Frost
Trailerlink

Christian

Bildquelle: Universal

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