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Me Before You (2016)



Im Mittelpunkt der Filmadaption von Jojo Moyes Erfolgsroman Ein ganzes halbes Jahr stehen der reiche, aber seit einem Unfall nahezu vollständig gelähmte Will und die tollpatschig naive Lou. Will, dem die Lebenslust durch seine Fesselung an einen Rollstuhl völlig abhanden gekommen ist, benötigt im Alltag umgehende Betreuung, weshalb seine Eltern die chaotische, aber liebenswürdige Lou einstellen, damit jemand ein Auge auf ihren Sohn hat. Widerwillig und arrogant nimmt sich Will dieser Situation an, doch Lou gibt nicht auf, um endlich eine Verbindung zu ihm aufnehmen zu können...

Der leichtherzige Mix aus Pretty Woman und Intouchables lässt den Großteil der Dramatik der Romanvorlage außer Acht und begegnet dem Zuschauer als flott erzählter Feel-Good-Streifen, der erst im letzten Viertel auf die Tränendrüse der Zuschauer drücken will. Aber so viel sei verraten, geschafft hat das Me Before You nicht. Zu wenig erfahren wir über das Leid und die Schmerzen des gehandicapten Will. Zu wenig aus seiner lebendigen Vergangenheit. So interessiert uns auch die Nebenhandlung mit seiner Ex-Freundin kaum. Me Before You ist im Gegensatz zur Vorlage dann wirklich eher eine RomCom als ein Melodrama. So wirkt auch das moralisch durchaus diskussionswürdige "Happy End" des Films für Vorlagenunkundige eher seltsam.


Doch das ist kein Problem, denn trotz einiger Ausreißer, wie die deplatzierte Figur von Matthew Lewis als Freund von Lou, unterhält der Film ziemlich gut. Kurzweilig durchlaufen wir die Stationen von der anfänglichen Distanz bis zur engen Vertrautheit der beiden Hauptprotagonisten. Das Pacing ist gelungen und das Ende recht kurz erzählt, so dass nicht die Gefahr auf extrem kitsch geschwängerte Nicolas Sparks Momente besteht. Insbesondere Hauptdarstellerin Emilia Clarke (Terminator Genysis, Game Of Thrones) überzeugt durch ihr charmantes, herzliches Spiel. Vor allem ihre mimische Arbeit muss man einfach gesehen haben, auch wenn die Grenze zum Overacting durchlässig ist. Die Krönung ist die geniale Garderobe der sonst als Khaleesi bekannten Schauspielerin. Ein Outfit faszinierender als das andere.

Audiovisuell ist Me Before You leider nichts besonderes. Romantische Bilder, ein poppiger Soundtrack. Da ging Theaterregisseurin Thea Sharrock keine Risiken ein. So erzählt Me Before You letztlich nichts neues und bewegt sich jederzeit in den für das Genre zugelassenen Grenzen. Das sympathische Hauptdarstellerduo und die zügige Erzählweise sorgt jedoch dafür, dass der Film ziemlich unterhaltsam ist, aber eben auch für offensichtliche Oberflächlichkeit. Eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Behinderungen und den Menschen dahinter findet hier nicht statt, hat aber wohl auch niemand erwartet. Da ist man mit The Fault In Our Stars besser beraten. Wer aber auf leichte und charmante Unterhaltung steht, kann durchaus den Gang ins Kino antreten.

OT: Me Before You DT: Ein ganzes halbes Jahr VÖ: 2016 Laufzeit: 110 Minuten FSK: 12 R: Thea Sharrock D: Emilia Clarke, Sam Claflin, Janet McTeer, Charles Dance
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Christian

Bildquelle: Warner Bros.

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