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Anarchy Parlor - Killer Ink (2015)



Anfang August 2016 wurde der Torture Porn Anarchy Parlor unter dem schlagkräftigen Titel Killer Ink in Deutschland veröffentlicht. Trotz der dubiosen Umtitelung für den europäischen Raum wäre Hostel-Regisseur Eli Roth stolz auf Anarchy Parlor. Die Regisseure Kenny Gage und Devon Downs haben sich gewaltig von Roths Gewaltorgien inspirieren lassen und halten so auch 2016 das Subgenre am Leben. Aber war das notwendig?

Natürlich sind die Hauptfiguren des Films Amerikaner. Natürlich befinden sich die Amerikaner auf einer Reise durch Osteuropa. Aber mal nicht in Serbien oder in der Ukraine, sondern Litauen muss in diesem Fall für die tendenziell xenophoben Fantasien amerikanischer Filmemacher herhalten. Was macht man natürlich im Urlaub? Genau man lässt sich in einem wenig vertrauenswürdigen Tattoostudio in einer gammeligen Seitenstraße ein Bild unter die Haut stechen. Doch unsere Freunde haben wohl nicht damit gerechnet, dass es sich bei dem Inhaber um einen fiesen Sadisten handelt...


Die Macher des Films geben sich wenig Mühe dabei, die Offensichtlichkeit ihrer Inspirationsquellen, aber vor allem ihrer Absichten verdeckt zu halten. Es geht um sehr, sehr viel nackte Haut und grausige Gewaltexzesse. Material für die Videotheken dieser Welt. Gage und Downs, die auch für das Skript zuständig waren, schöpfen dabei alle gängigen Klischees derartig aus, dass man Anarchy Parlor zwischenzeitlich als Parodie auf dieses unanständige Subgenre verstehen könnte. In jenen Szenen macht Anarchy Parlor durchaus Spaß und hält den geneigten Horrorfan bei der Stange.

Leider hat es der Film jedoch verpasst sympathische Charaktere zum Mitfiebern einzuführen. Ein Problem, das dem Genre von Anbeginn erhalten blieb. Die Hauptfiguren sind allesamt debile Dumpfbacken, die nichts als Saufen und Bumsen im Kopf haben. Mitleid stellt sch hier kaum ein. Viel mehr verschiebt der Film seinen Mittelpunkt auf den sadistischen Tattookünstler The Artist, ziemlich gut dargestellt vom ewigen Filmbösewicht Robert LaSardo (Hard To Kill, Death Race). An seiner Seite steht das ebenfalls noch dezent hervorstechende, finnische Tattoomodel Sara Fabel mit ihrer kruden Art des totalen Overactings.


Und dann wäre da noch die ziemlich heftige Gewalt, die in Deutschland dafür sorgte, dass der Film um einige Minuten gekürzt wurde. Die ungeschnittene Fassung des Films liefert in der Tat einige deftige Gewaltspitzen, die beim Zuschauen wirklich schmerzen. Auf der anderen Seiten fällt der unnötige Gebrauch von CGI auf, der vielen Szenen seine Intensität raubt. Ansonsten ist der Film handwerklich in Ordnung und wirkt trotz seines geringen Budgets wie eine gehobene Horrorproduktion.

An und für sich ist Anarchy Parlor alias Killer Ink kein sehenswerter oder überhaupt erwähnenswerter Film. Kevin Matthews hat es auf Letterboxd gut veranschaulicht, als er Anarchy Parlor als Film bezeichnet, "der viel zu spät zu einer Party erscheint". Genreliebhabern sei jedoch gesagt, dass der Film von Kenny Gage und Devon Downs dennoch zu den besseren Einträgen des Torture Porn gehört. Es gibt nicht viele Ansprüche, die man an einen solchen Film stellen könnte, aber die vorhandenen erfüllt Anarchy Parlor doch recht vollständig...

OT: Anarchy Parlor ET: Killer Ink DT: Killer Ink - Dein erstes Tattoo wirst du nie vergessen VÖ: 2015 Laufzeit: 98 Minuten FSK: - Fassung/Schnitt: Achtung die deutsche FSK 18 Version ist geschnitten R: Kenny Gage, Devon Downs D: Robert LaSardo, Jordan James Smith, Sara Fabel, Tiffany DeMarco
Trailerlink

Christian

Bildquelle: Gravitas Ventures, Tiberius Film

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