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Ghostbusters (2016)



Leute - bevor wir uns zum x-ten Mal um die Vorgeschichte des neuen Ghostbusters mit all seinen Threads und zerstörten Männerseelen kümmern und diese unnötigen, da völlig unangebrachten Diskussionen weiter fördern - lasst uns einfach über diesen richtig guten Sommer-Blockbuster reden. In Ghostbusters geht es um die Wissenschaftlerin Erin Gilbert, die sich grade einen festen Platz an einem renommierten Institut erarbeiten will. Doch ohne Vorwarnung wird sie von ihrer Vergangenheit und einem von ihr geschrieben Buch über paranormale Erscheinungen eingeholt. Als dann nach all den Jahren tatsächlich jemand mit einer Geistersichtung zu ihr kommt, trifft sie auf alte und neue Freundinnen und die Zeit scheint reif für den ersten Einsatz der New Yorker Geisterjägerinnen.

Die große Stärke des Ghostbusters-Reboots liegt im großartigen Cast und den Rollen, die von jenen tollen Darstellerinnen verkörpert werden. Allen voran Kristen Wiig, als Gleichgewicht zwischen den anderen Damen, funktioniert unglaublich gut. Wiig spielt ihre Rolle so herrlich sympathisch und alles andere als oberflächlich, dass ich mir vorgenommen habe ihre Filmografie abseits von Bridesmaides, Adventureland und Diary Of A Teenage Girl zu vertiefen. Ein weiteres Highlight ist Comedy-Star Kate McKinnon, die ihre völlig durchgeknallte Wissenschaftlerin grandios und stets am Rande zur Grenzüberschreitung performt. Ganz ehrlich, diese Frau ist genial. Und wenn dann selbst mal Melissa McCarthy nicht nervt, haben wir es wohl wirklich mit einem besonderen Film zu tun. Leider hat man in Leslie Jones Figur nicht ganz so viel Mühe investiert, wie in die drei anderen Hauptrollen. Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist dann tatsächlich Chris Hemsworth als brüllend komischer Sidekick.


Ghostbusters verbindet das Grundgerüst des Originals mit neuem Wegmustern. Liebevoll, charismatisch und alles andere als lustlos, ausgestattet mit einem starken Pacing, verfolgen wir die vier Geisterjägerinnen in ihrer Originstory, die auch politischen und gesellschaftlichen Themen keinen Halt macht. Natürlich stehen hier Gags und gute Laune im Vordergrund, aber spätestens bei der Szene, in der sich die vier Frauen die Miete für die im Original noch schäbig billige Feuerwehrstation nicht mehr leisten können, wird klar, dass der Film durchaus Tiefgang beweist, natürlich immer im Rahmen eines Blockbusters. Dass man die ursprünglich männliche Besetzung gegen Frauen ausgetauscht hat, ist für Regisseur Paul Feig (Bridesmaides, Spy) kein Grund darauf näher einzugehen. Wie es sich gehört, wird diese Situation als selbstverständlich angesehen. Gut so! Also liebe Freunde, es gibt hier nicht plötzlich Geisterjägerinnen, die stereotypisch stundenlang vor dem Spiegel stehen. Alles gut, beruhigt euch.

In manchen Momenten wirkt Ghostbusters tatsächlich so, als hätte man die potentielle Kritik sogenannter Franchise Fans bereits erahnt und spielt in gewissen Szenen vorausschauend darauf an. Ganz ehrlich Leute, die vier Frauen funktionieren so gut als eigenständige Ghostbusters, dass es die zahlreichen Kameoauftritte und Reminiszẹnzen an das Original gar nicht bedurft hätte, zu mal diese auch nicht besonders elegant in den Film integriert wurden. Übrigens ist der Film audiovisuell ziemlich gut gelungen. Während ich beim Trailer desbezüglich meine Sorgen hatte, löst sich spätestens beim ersten Auftritt eines Geistes jegliche Anspannung. Von manchen kritisiert, kann ich die grellen Neonfarben des Films nur absolut positiv hervorheben. Auch das Spiel mit der Letterbox-Begrenzung und dem 3D-Effekt ist nicht besonders kreativ, aber sehr charmant.


Natürlich ist Ghostbusters kein perfekter Film. Trotz des hervorragenden Erzähltempos kann zum Beispiel der Showdown nicht vollends überzeugen. Außerdem gibt es keinen ebenbürtigen Antagonisten zu den Heldinnen des Films. Auch sitzt, besonders im ersten Drittel, nicht jeder Gag. Sony muss sich übrigens die kritische Frage gefallen lassen, warum man ausgerechnet alle wenigen weniger lustigen Szenen damals in den ersten Trailer gepackt hat. Vermutlich hätte man sich einen Großteil der Panik um den Film sparen können mit einem gut geschnittenen und inhaltlich sinnvollen Trailer. Übrigens sorgte der neue Ghostbusters aber auch für meinen persönlich schlimmsten Jump Scare der letzten zehn Filmjahre.

Ich habe mir Ghostbusters vorurteilsfrei angesehen und hatte eine ganze Menge Spaß. Mehr habe ich von den neuen Geisterjägerinnen auch gar nicht erwartet. Der Film ist liebevoll und geistreich umgesetzt, ist aber entfernt davon an der Perfektion zu kratzen. Auf jeden Fall gehört der dritte Ghostbusters Film zu den wenigen guten Blockbustern dieses Sommers. An meiner Liebe zum Original hat sich übrigens nicht geändert. Im Gegenteil, meine ganze Begeisterung für das Ghostbusters Franchise ist neu entfacht worden und ein größeres Kompliment könnte man dem Film doch gar nicht geben oder?

OT: Ghostbusters VÖ: 2016 Laufzeit: 116 Minuten FSK: 12 R: Paul Feig D: Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones, Chris Hemsworth
Trailerlink

Christian

Bildquelle: Sony Entertainment

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