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Mother's Day (2010)



Darren Lynn Bousman ist mit seinen Saw II-IV Inszenierungen bereits ein erfahrener Regisseur in Sachen expliziter Horrorfilme und so war es nicht verwunderlich, dass ausgerechnet ihm das Remake des 80's Troma Klassikers Mother's Day anvertraut wurde. Doch Bousman hielt es nicht für notwendig Charles Kaufmans Film 1:1 nachzudrehen und siedelt die moderne Version des Kultfilms im vor wenigen Jahren noch höchst angesagten Terrorkino an. Mit mäßigem Erfolg...

Die frischen Hausbesitzer Daniel und Beth feiern mit ihren Freunden eine nette Party im neuen Anwesen, doch plötzlich dringen flüchtige Bankräuber in die vier Wände ein und nehmen Geiseln. Als dann auch noch die Mutter der Ganoven ihren Auftritt hat, ist der Gewaltexzess vorprogrammiert. Bousmans brutaler Thriller offenbart besonders zu Beginn ein enormes Tempo und bietet eine durchaus interessante Ausgangssituation. Im Jahr 2010 basiert Mother's Day jedoch nur noch sehr lose auf den in Deutschland vor allem durch die Gewaltvideodebatte bekannt gewordenen Trashhorror Muttertag, der jedoch durch seinen politischen Unterton und einige intelligente Einfälle noch heute viele Fans hat. Letztlich bleibt 2010 nur die krankhafte Beziehung zwischen der dominanten Mutter und ihren gewaltätigen Söhnen übrig. Herum gebastelt hat man dann einen klassischen Home Invasion Film mit Torture Porn Anleihen. Schade, denn als psychologischer Horror funktioniert der Streifen. Mother's Day hat es eigentlich nicht nötig, dass Darren Lynn Bousman auch sein geschätztes Saw-Publikum mit einigen sehr deftigen Gewaltspitzen für den Film gewinnen wollte. Die Gewalt ist dabei schmerzhaft und recht realistisch. Anders als die comichaft übertriebene Gewaltzeichnung im Original.


Auf kreativer Ebene zeigt sich mal wieder Bousmans sprödes Handwerk. Visuell passiert nie etwas aufregendes. Aber immerhin hat man auf die Editing-Orgien aus Bousmans Saw-Filmen verzichtet. Mother's Day ist übrigens größtenteils ein Kammerspiel, mit einigen wenigen Szenen außerhalb des Anwesens von Daniel und Beth. Das fordert die Darsteller und die machen ihre Sache schon recht gut. Besonders die bekannteren Schauspielerinnen Rebecca De Mornay (Risky Business) und Jaime King (Sin City, My Bloody Valentine) überzeugen. Lediglich von Frank Grillo (Warrior, Zero Dark Thirty, The Purge 2+3) hätte ich etwas mehr erwartet. Leider handeln die Figuren im Film äußerst hilflos und besonders dumm. Fünf der Freunde sind zusammen mit einem bewaffneten Ganoven in einem Raum. Es liegen genug brauchbare Gegenstände (z.B. ein Billard Queue) in der Nähe. Und es passiert nichts, selbst als der Verbrecher ihnen den Rücken zukehrt. Da der Film generell zu viele Figuren aufweist und zu wenig Zeit aufgebracht wird um ihnen charakterliche Tiefe zu verleihen, mangelt es leider auch extrem an emotionaler Bindung. Ja, der Film ist an vielen Stellen spannend, aber bewegend eher weniger. Immerhin gibt es ein paar brauchbare Twists. Leider ist der Tonfall für diese rudimentäre Geschichte viel zu ernst gewählt. Etwas Humor, wie im Original hätte Mother's Day auch Anno 2010 noch gut gestanden. So bleibt am Ende nur ein ganz netter, ziemlich brutaler Home Invasion Thriller übrig, den man eigentlich nicht mal im entferntesten als Remake des chaotisch-anarchistischen Troma Kultfilms bezeichnen könnte.

OT: Mother's Day DT: Mother's Day - Mutter ist wieder da! VÖ: 2010 Laufzeit: 112 Minuten FSK: 18 R: Darren Lynn Bousman D: Rebecca De Mornay, Jaime King, Patrick John Flueger, Deborah Ann Woll, Frank Grillo
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Christian

Bildquelle: Studio Canal

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