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Saw (2004)



Sowohl für Regisseur James Wan als auch für das gesamte Horrorgenre war der Thriller Saw ein absoluter Game Changer. Ähnlich wie zu ihren Zeiten Halloween oder Blair Witch Project sollte der Low Budget Streifen um den Jigsaw-Killer prägend für ein ganz neues Subgenre sein. Dem sogenannten Torture Porn. Doch anders als viele in der Folge entstandene Ripoffs, Sequels und Nachahmer, galt Saw bis dato immer als intelligentes Aushängeschild in ansonsten meist inspirationslosen Gefilden. Doch ist das wirklich so?

Die Antwort ist klar und deutlich: Nein! In der Retrospektive, die ich hier recht früh ansetze, kommt der Film schon nicht mehr so gut davon wie zu Zeiten des Releases. Dabei liegt es nicht mal an den endlosen in dichter Staffelung veröffentlichten Sequels, die zwar auch am Wert des Erstlings genagt haben, sondern viel mehr an zahlreichen formellen Schwächen des Durchbruchwerks von James Wan. Auf den ersten Blick ist der Handlungspfaden um die zwei völlig verschiedenen Männer, die ahnungslos und festgekettet in einer alten, keimigen Nasszelle aufwachen und Opfer eines perfiden Spiels des Jigsawkillers werden zwar frisch und mehr als spannend erzählt, auf der anderen Seite wird dieses ziemlich originelle Kammerspiel immer wieder durch Szenen unterbrochen, die so wirken als wären sie aus einem billig produzierten Se7en Abklatsch entsprungen. Danny Glover und Ken Leung sind eben nicht Morgan Freeman und Brad Pitt. Dauernd wird der Erzählfluß durch Flashbacks und Mordszenen, die aus einem epileptischen MTV-Video entsprungen scheinen, förmlich aufgehoben. Alles an Saw müffelt nach Low Budget. Dadurch, dass sich die Handlungsstränge zwar weitestgehend in Räumen abspielen fällt das kaum auf und wirkt stimmig, auf der anderen Seite kann man einen B-Movie-Flair so nicht grade verhindern. So schränkt das Budget den Film auf der einen Seite maßgeblich ein, auf der anderen lässt sich so vielleicht auch kreativer arbeiten.


Auch die Darsteller sind maximal durchschnittlich, einige sogar weit davon entfernt. Den Tiefgang der Figuren und der Geschichte täuscht Saw nur vor. Der Film ist weit von genreähnlichen Werken wie eben Se7en oder The Silence Of The Lambs entfernt. Saw ist auch nicht besonders gruselig. Die Gewalt ist ziemlich explizit dargestellt, aber eher abstoßend als schaurig. Der Kammerspielanteil ist wie angesprochen tatsächlich recht spannend, vor allem da der Zuschauer nie mehr weiß als die beiden Protagonisten. Aber alles abseits dieses Erzählstranges wirkt bedeutungslos und ist vor allem sehr langweilig. Dennoch kam der Film überragend bei den Zuschauern an und zwar nicht nur bei den Horrorfans. Ein Grund dafür mag in der Effektivität liegen, die sich vor allem im entscheidenen Twist offenbart. Ja das war wirklich nicht abzusehen.

Am Ende passt auch plötzlich der vorher ziemlich nervtötende Industrial-Score. Doch als sich das Pacing in den letzten Minuten merklich erhöht, passt selbst das plötzlich. Generell sind die ersten und die letzten Minuten die großen Momente des Films. Hier zeigt James Wan auch schon im Ansatz die Qualitäten, die sich aber erst später bei The Conjuring und Insidious offenbaren sollten. Letztlich ist Saw stellenweise ein Blender, der längst nicht so gut ist wie oft geschildert. Um es anders auszudrücken, der Film ist sehr twistorientiert. Saw liefert zwar ein paar zentrale Momente, aber eben auch viele nichtssagende Sequenzen und Montagen, die den Film verzweifelt auf Länge bringen wollen. James Wans Mainstreamdebut ist ein Film der seinem weitestgehend positiven Ruf über zehn Jahre später kaum noch gerecht wird. Etwas raffinierter als sein Sequels ist er dennoch und es ist immer wieder erstaunlich, dass Saw zwar die Torture-Porn-Welle in Gang setzte, aber eigentlich gar nicht so explizit ist wie vieles was danach auf unseren Bildschirmen flimmerte.

OT: Saw VÖ: 2004 Laufzeit: 103 Minuten FSK: 18 R: James Wan D: Danny Glover, Tobin Bell, Dina Meyer, Cary Elwes
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Christian

Bildquelle: Twisted Pictures, Studio Canal

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