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Suicide Squad (2016)



Nicht nur für mich war Suicide Squad der wohl am meisten erwartete Film des Jahres. Obwohl die Comichelden bzw. Antihelden des Squads längst nicht zur ersten Brigade der DC Comics gehören. Schon bei der Ankündigung dürften sich nicht viele Comicfans gewundert haben, dass ausgerechnet die Schurkenriege des Verlags auf die große Leinwand kommen wird, denn den Status oder die Bekanntheit eines Batman, Superman oder einer Wonder Woman lag hier längst nicht vor. Doch nicht nur mit der aufreizenden Figur der Harley Quinn als Mittelpunkt der Marketingkampagne konnten DC und Warner die Fans anheizen. Sogar der Trailer lief über ein halbes Jahr lang vor nahezu jedem Film im Kino. Doch dann trat vor zwei Wochen der Reboot des Batman V Superman Faktors ein. Verheerende Kritiken überschwappten das Internet. Für nicht wenige wandelte sich Suicide Squad vom Heilsbringer zum Flop des Jahres. Seit dem 18. August läuft der Film nun auch in Deutschland und was soll ich sagen? Ich bin begeistert!

In Suicide Squad plant Regierungsagentin Amanda Waller (Viola Davis) nach dem Tode Supermans eine schlagkräftige Truppe Oberschurken zu casten um diese im Dienste des Staates gegen noch viel schlimmere Bösewichter einzusetzen. Das Aufgebot umfasst dabei illustre Leute wie Deadshot (Will Smith), einem Mann, der nie sein Ziel verfehlt. Oder Harley Quinn (Margot Robbie), inhaftierte Gespielin des Jokers und ehemalige Psychologin. Dazu gesellen sich der feurige Diablo (Jay Hernandez), Krokodilmann Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje), Räuber Captain Boomerang (Jai Courtney), Hexe Enchantress (Cara Delevingne) und Slipknot, der Mann, der noch jedes Hindernis überqueren konnte. Der erste Einsatz der sogenannten Task Force X kommt dann auch schneller als erwartet, denn ein Mitglied des Squads tanzt aus der Reihe und richtet ein gewaltiges Chaos an. Gemeinsam mit dem Obersoldaten Rick Flag (Joel Kinnaman) müssen die Antihelden nun versuchen das Problem zu lösen und die Zerstörung der Welt aufzuhalten.


Das erste Drittel des Films nimmt sich die Zeit um uns alle Figuren mal mehr, mal weniger umfangreich vorzustellen. Hauptfiguren wie Deadshot, Harley Quinn, aber auch Diablo bekommen durchaus nachvollziehbare Hintergründe, nicht zuletzt aus den Comicvorlagen geliefert. Manchmal in einer je fünf Minuten umfassenden, bunten und vor allem exorbitant heftig zusammengeschnittenen Sequenz oder im Film selbst, als kurze Flashbacks, die anders als Batmans Albtraumsequenzen in Batman V Superman nie stören oder den Erzählfluß blockieren. Diese erste halbe Stunde ist grell, bunt, sehr rasant und hat mich entgegen vieler Kritiken sehr begeistert. So muss sich eine Comicadaption anfühlen und so muss sie aussehen. Man kann herrlich über Suicide Squad diskutieren, aber dem Film seinen tollen Comicflair absprechen, nein, das nicht. Nachdem sich unsere Antihelden artig begrüßt haben, geht es auch schon in die turbulente Action. Es gibt einige richtig toll inszenierte Kämpfe und Schießereien, die aber auch in wenigen Momenten, vor allem auf Grund des 3D-Effekts unübersichtlich sind.

Dennoch entfaltet Suicide Squad hier durchgängig tolles Entertainment. Die Figuren harmonieren wundervoll, jede auf ihre eigene Weise. Deadshot ist klar als Leader des Squads definiert und ist auch jene Figur, der wir vor allem unsere Sympathien schenken sollen. Das gelingt problemlos, denn Will Smith liefert hier ab wie seit Jahren nicht mehr. Die Freude an der Rolle ist ihm in jeder Szene anzusehen. Toll, den sympathischen Darsteller endlich wieder in Form zu sehen. Auf der anderen Seite haben wir Harley Quinn. Durchgeknallt, psychopathisch, aber eigentlich eine bemitleidenswerte Frau. Ich hatte die Befürchtung, dass letztgenannter Aspekt im Film keine Rolle spielen wird, doch das eigentlich eher dürftige Drehbuch hat auch für Quinns finstere Vergangenheit Momente frei. Comicfigur Harley Quinn wird von der großartigen Darstellerin Margot Robbie zum Leben erweckt. Robbie wird jedem Aspekt der Figur vollkommen gerecht. So entpuppt sich Robbie bzw. Quinn als wahre Szenendiebin. Des Jokers Herzdame reißt nahezu den ganzen Film an sich und nähert nur noch mehr die Hoffnung auf einen Solofilm oder zumindest einer Verfilmung des grandiosen Mad Love Comics. Ich kann es kaum erwarten.


Ein weiteres Highlight ist Viola Davis. Bereits ihre Besetzung im Film war eine Überraschung aber was sie daraus gemacht hat? Umwerfend. Gegen Amanda Waller ist Nick Fury nur ein feuchter Pups. Viola Davis könnte nicht mehr badass sein als hier. Von den restlichen Figuren ist mir dann noch Diablo ans Herz gewachsen. Die anderen Charaktere bekommen ihre Auftritte, bleiben aber doch eher Randfiguren. Und dann hätten wir da noch den Joker. Jack Nicholson war gut, Heath Ledger großartig. Jared Leto? Schwer zu sagen, denn die Screentime wurde im Kinoschnitt tatsächlich auf ein Minimum reduziert. Auf jeden Fall sorgt Letos Performance für eine eigenständige Interpretation von Gotham Citys Obervillain. Die ganze Figurenkonstellation ist für mich auf jeden Fall deutlich interessanter als bei den Avengers, die dann doch etwas zu gelackt wirken im Vergleich. Ich mag Black Widow. Ich mag Captain America. Würde Harley und Deadshot aber jederzeit den Vorzug geben. Da bin ich ehrlich.

Zurück zum angedeuteten Kritikpunkt. Ja, die Handlung ist simpel und das Drehbuch hätte durchaus mehr Tiefe verlangt. Angesichts des Drucks der Studios auf David Ayers Arbeit ist das jedoch nicht verwunderswert. Ayer, bekannt als Regisseur von Fury, End Of Watch und Sabotage, agiert beim Suicide Squad als Regisseur, Autor und Produzent. Vielleicht etwas viel Arbeit für eine Person. Dafür, dass es sich letztlich jedoch um eine Originstory handelt, verplempert der Film zum Glück noch relativ wenig Zeit mit der Einführung der Figuren. Vielen ging die Vorstellung der Figuren scheinbar zu lang, aber ich bin da ganz anderes gewohnt. Ansonsten trifft der Film tonal definitiv das Comicuniversum und liefert im Vergleich zu Batman V Superman deutlich mehr Power und Tempo. Lediglich auf der Seite der wirklichen Antagonisten des Films offenbart der Film ähnliche Probleme wie der Großteil aller Comicadaptionen. Egal ob bei den Avengers, Deadpool oder Batman V Superman. Hier herrscht Nachholbedarf. Wie man es macht hat The Dark Knight gezeigt, auch wenn man einen Bösewicht wie den Joker wirklich nur selten vorfindet.


Um beim Tonfall zu bleiben. Entgegen der Marketing-Kampagne ist Suicide Squad tatsächlich ein ziemlich dunkler und düsterer Film. Die Haupthandlung spielt eben in der Dunkelheit und erinnert schon an Batman V Superman. Doch immer wieder offenbaren sich Farbtupfer. In der Vorstellungsrunde zu Beginn sowieso, hier erkennt man auch deutlich den Stil der Trailer wieder. Aber auch im weiteren Verlauf kommt immer wieder Farbe ins Spiel und wenn es der dezente, aber nie deplatzierte Humor richten muss. Audiovisuell ist Suicide Squad übrigens aus meiner Sicht herausragend. Der Film sieht einfach super aus, ist toll geschnitten und schick gefilmt. Handwerklich gehört David Ayers Film definitiv zu den besten Blockbustern des Jahres. Das fängt bei den tollen Kostümen an und hört bei der ganzen Präsentation auf. Die Comicadaption lässt sich optisch am ehesten als Mix aus Moulin Rouge, Zack Snyders Sucker Punch und vielen hochwertig produzierten Musikvideos beschreiben. Der Vergleich zu Sucker Punch passt beim Suicide Squad übrigens nicht nur an dieser Stelle. Die Stärken und Schwächen beider Filme lesen sich nahezu gleich. Und auch Sucker Punch war schon so ein Hate It Or Love It Streifen. Über den Soundtrack lässt sich übrigens streiten. Vermutlich änderte man hier einiges nachdem man bemerkte, dass die Musikauswahl der Trailer für große Begeisterung bei den Fans sorgte. Und so spielt Suicide Squad wie schon Marvel's Guardians Of The Galaxy mit der Welt der Popmusik. Ob Eminem, die Rolling Stones, Queen oder Black Sabbath. Da kommt schon einiges auf uns zu. Aus meiner Sicht gelungen, aber die Inspiration bei Marvel lässt sich hier nicht abstreiten.

Was bleibt am Ende? Für mich vor allem zwei Stunden lang wirklich tolles Entertainment. Ich liebe die Figuren und ihre Interaktionen. Ich bin verliebt in den Artstyle und die ganze Machart des Films, tatsächlich inklusive des Erzählsstils. Sicherlich hätte der Film an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Logik und Tiefgang vertragen. Aber who cares? Ich hatte Spaß ohne Ende. Suicide Squad ist die lebhafte Einführung neuer Comicantihelden auf der großen Leinwand und ich hoffe Warner und DC geben nicht auf und bleiben diesem Stil treu. Das könnte in Zukunft passen, wenn man an den richtigen Schrauben dreht. Suicide Squad ist nicht so gut wie Deadpool, kann sich aber mit einem Civil War definitiv messen. Nicht großartig, aber aus meiner Sicht weit davon entfernt seinen miserablen Kritiken gerecht zu werden. Also Leute, schaut euch den Film, und bildet euch eine eigene Meinung.

OT: Suicide Squad VÖ: 2016 Laufzeit: 130 Minuten FSK: 16 R: David Ayer D: Will Smith Margot Robbie Joel Kinnaman Viola Davis, Jared Leto, Cara Delevingne
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Christian

Bildquelle: Warner Bros., DC,

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