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The Driver (1978)



Walter Hills 1978er The Driver war nicht nur Inspiration für Nicolas Winding Refns Namensvetter Drive. Aber an diesem Beispiel kann man gut erkennen, dass Walter Hills nicht unbedingt perfekter, aber wegweisender Film bis heute Pate steht als Musterexemplar für Spannung, Style und Verfolgungsjagden. Und in der Tat sieht sich The Driver auch heute noch so gut an wie es damals gewesen sein muss. Ein Neo-Noir-Thriller am Puls der Zeit.

Der Driver hat seine Obsession im Fahren von Fluchtwagen gefunden. Er ist vermutlich der Beste in seinem Metier und wurde auf Grund seines außergewöhnlichen Talents noch nie von den Cops gefasst. Doch nach einer weiteren grade so geglückten Verfolgungsjagd im nächtlichen Los Angeles nimmt ein Ermittler der Polizei gezielt die Fährte des Drivers auf um ihn hinter Gittern zu bringen. In der Tat ist die Story von Walter Hills Thriller sehr minimalistisch, aber genau das macht sie so spannend. Es gibt nur drei wirklich wichtige Figuren und einen stringenten Plot, der gezielt auf sein in seiner Konsequenz unerwartetes Finale zuläuft. Walter Hill, bekannt als Regisseur von Red Heat, 48 Hours und The Warriors, ist hier einer der ersten prägnanten Style Over Substance Filme des modernen Kinos gelungen.


Und ja in der Tat erinnert die famose Eingangssequenz sehr an Refns Drive. Der Däne hat sich definitiv von diesem Einstieg, aber vor allem in der Figur des namenlosen Drivers für seinen Film mit Ryan Gosling inspirieren lassen. Aber das war es dann auch schon mit den Vergleichspunkten, denn The Driver lässt uns einen ganz eigenen Charme spühren. Spannung und Action stehen hier im Vordergrund. Insbesondere die Fahrsequenzen sind cineastisch hervorragend. Allerdings muss man auch dazu erwähnen, dass eine Autoverfolgungsjagd, die eigentlich nur auf zwei verschiedene Arten enden kann, heutzutage kaum noch jemanden fesseln dürfte. Aber wenn, dann wären es jene stets realistischen aus Walter Hills Streifen. Hill schafft es trotz mittelmäßiger Dialoge und wenig detailierter Charaktere einen durchgängigen Spannungsbogen aufzuheizen, der besonders während der nächtlichen Ausflüge des Drivers perfekt zur Geltung kommt. Kamera, Farbstimmung und Musik ergeben ein konsequentes und sehenswertes Konstrukt.


Ryan O’Neal (Love Story, Barry Lyndon) funktioniert als Driver tatsächlich nicht annähernd so gut wie später Ryan Gosling. So mag die Figur des Drivers dem Chefermittler, gespielt von Bruce Dern (Django Unchained, Nebraska), immer eine Nasenlänge voraus sein, doch schauspielerisch liegt der immer noch höchstaktive Dern ganz klar vorn. Dern und die bezaubernde Französin Isabelle Adjani (Possession, La Reine Margot) sind die eigentlichen Stars des Films. Mit ihrer faszinierenden Ausstrahlung entpuppt sich Adjani als wahre Szenencatcherin. The Driver ist schon irgendwie ein kleiner Blender. Den Mangel an Story und gut geschriebenen Charakteren kaschiert der Film manipulativ durch enorme Spannung und einen grandiosen, audiovisuellen Ausdruck. Doch auch heute wird stets klar, warum The Driver einen derartigen Kultstatus inne hat und auch immer noch zahlreiche junge Regisseure inspiriert. In der Summe klassisches, stilsicheres 70s Kino. Muss man nicht mögen, aber sollte man auf Grund seiner so ziemlichen Einzigartigkeit gesehen haben.

OT: The Driver VÖ: 1978 Laufzeit: 91 Minuten FSK: 18 R: Walter Hill D: Ryan O'Neal, Bruce Dern, Isabelle Adjani, Ronee Blakley
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Christian

Bildquelle: Studio Canal

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