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Don't Breathe (2016)



Nach dem uns der aus Uruguay stammende Regisseur Fede Alvarez bereits mit seiner Neuauflage von Evil Dead mit absoluter Begeisterung zurückließ, kommt nun sein langerwarteter, zweiter großer Film ins Kino. Alvarez schafft es dabei, mit dem vom legendären Sam Raimi produzierten Film Don't Breathe, allen Erwartungen gerecht zu werden. Nicht nur auf Grund des schwachen Aufkommens an Genrehighlights in diesem Jahr stellt Don't Breathe eine mehr als willkommende Achterbahnfahrt in die Abgründe menschlichen Schaffens dar.

Don't Breathe stellt drei junge Leute in den Mittelpunkt, die im sozialen Brennpunkt Detroits leben. Wer hier lebt hat es schwer seine Träume zu verwirklichen. Doch Rocky, Alex und Money wollen sich ihrem scheinbar aussichtslosen Schicksal nicht ergeben und sparen mit Einbrüchen Geld zusammen um es einmal im sonnigen Kalifornien besser zu haben. Ein letzter großer Coup muss her. In einem nahezu menschenleeren Straßenzug wohnt ein blinder Kriegsveteran mit angeblichen 300.000 Dollar im Safe. Ein scheinbar einfacher Deal. Doch, dass diese Nacht die letzte im Leben der drei Freunde werden könnte, damit haben sie nicht gerechnet.


Fede Alvarez Film ist ein kurzer Ausflug in die Hölle. Dass der blinde Mann kein harmloses Opfer darstellen wird, konnte man bereits in den Trailern sehen. Aber was sich dann wirklich im Haus des Kriegsveteranen abspielt ist der pure Terror. Das Drehbuch spielt dabei geschickt mit den klassischen Rollen von Gut und Böse und erwischt uns dabei nicht nur einmal wie sich unsere Sympathien während der Spielzeit des Films verschieben. Schon der White-Trash-Background der Figuren zeichnet jene. So reichen schon die wenigen Minuten Einführung um die Handlungen der Protagonisten für uns plausibel zu machen. Generell offenbart Don't Breathe bis auf wenige Momente ein erschreckend realistisches Szenario. Die Inszenierung des Film ist dabei sehr hochwertig. Fede Alvarez versteht sein Handwerk definitiv. Allein wie es der Film schafft ein ganz normales Haus so vielschichtig, riesig und verwinkelt ausssehen zu lassen ist überragend. Die Kamera ist dabei immer auf Höhe des Geschehens und fängt einige richtig schicke Shots ein. Grade bei einem Horrorfilm der es auf die Sinne anlegt ist die Technik wichtig. Don't Breathe gelingt dabei sowohl das Spiel mit der Lichtstimmung, als auch mit dem Sounddesign. Die Geräuschkulisse ist stark und vor allem der Score erreicht zwischenzeitlich altes Carpenter-Niveau.


Eine große Stärke des Films, ist der kleine, aber mehr als gelungene Cast. Die großartige Jane Levy, die bei vielen Filmstudios scheinbar immer noch unter Radar läuft, spielt sich hier erneut nach Evil Dead um Kopf und Kragen. Wenigstens Regisseur Alvarez scheint das enorme Talent seiner Muse zu kennen. Levy und ihre Figur der Rocky funktionieren dabei sowohl auf emotionaler Ebene, als auch in der Actionkomponente. Die Katz- und Mausjagd durch das Anwesen des blinden Veterans meistert die Schauspielerin gekonnt. Ihre beiden männlichen Co-Darsteller sind etwas oberflächlicher geschrieben, aber dennoch nicht lieblos auf's Papier gebracht. Doch das Highlight des Films ist definitiv Avatar-Schurke Stephen Lang, der völlig frei von einer Maskerade unglaublich angsteinflößend ist. Ich glaube keinem im Kino ist nicht die Luft weggeblieben in den Momenten absoluter Stille, in denen sich Lang durch seine Dunkelheit tastet und sich herausstellt, dass er besser mit seinem Handicap zurechtkommt als unsere drei Protagonisten ahnen. Und das ist längst nicht alles...


Ohne groß zu spoilern, der recht kurze Horrorthriller driftet zwischenzeitlich in etwas andere Gefilde ab und könnte zarte Gemüter ziemlich anekeln. Diese Szenen ergeben im Kontext aber durchaus Sinn. Don't Breathe hat durchaus seine Gewaltspitzen, legt den Fokus aber dennoch deutlich auf Spannung und Atmosphäre. Die simple Ausgangssituation spielt Alvarez Film dabei perfekt in die Karten. Dass sich der Regisseur bei seiner Arbeit durchaus von anderen Genreperlen inspirieren ließ, lässt sich nicht geheim halten, ist aber genauso wenig ein Problem. Besonders der Vergleich zu Wait Until Dark mit Audrey Hepburn dürfte einigen in den Sinn kommen. Aber der Film ist ja nun auch schon viele Jahrzehnte alt und steckt genretechnisch ganz andere Claims ab. Don't Breath ist letztlich ein extrem spannender, grimmiger und vor allem atmosphärisch bärenstarker Horrorthriller, der am Ende beweist, dass in diesem Jahr der Horrorfilm (Lights Out, The Neon Demon, The Conjuring 2) den Sommer dominiert und nicht die teilweise erschreckend schwachen Blockbuster. Fede Alvarez zeigt, dass er keine Eintagsfliege ist und wir wohl noch viel von ihm in Zukunft erwarten können.

OT: Don't Breathe VÖ: 2016 Laufzeit: 88 Minuten FSK: 16 R: Fede Alvarez D: Dylan Minnette, Jane Levy, Daniel Zovatto, Sergej Onopko, Stephen Lang
Trailerlink

Christian

Bildquelle: Sony Pictures, Blumhouse

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